Katzenjammer – Eine Abhandlung

Ja, Dosenöffner zu sein ist nicht immer einfach. Im letzten halben Jahr habe ich das mehr als einmal festgestellt. Dabei haben wir eigentlich wirklich Prachtexemplare von Katzen. Sie sind zutraulich (auch zu Fremden), recht pflegeleicht, haben bisher so gut wie nichts gravierendes zerstört, pinkeln uns nicht in die Schuhe, kauen nicht an Kabeln und haben auch noch keine Petition beim Tierschutz eingereicht wenn wir sie tagsüber allein lassen müssen. Natürlich haben auch die beiden ihre Macken. Ich meine: Es sind Katzen! Sie unterwerfen sich den Menschen nicht und haben ihren eigenen Kopf. Genau das gefällt mir so an diesen Tieren. Und es ist schon irgendwie wunderschön wenn man seine Fellnasen aufwachsen sieht und langsam mitbekommt, wie sich ihr Charakter ausprägt. Als sie noch ganz klein waren, konnte man sie weder vom Verhalten noch von der Fellzeichnung (es sei denn, sie saßen einem frontal gegenüber) gut auseinanderhalten. Bei der Fellzeichnung hat sich das nicht geändert, aber ich muss jetzt eigentlich nur noch schauen wie jemand sitzt oder sich bewegt und ich weiß sofort, wer von beiden es ist.

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Beim Stromern durch die Wohnung zum Beispiel bewegt sich Tabby sehr selbstsicher. Gehört ja alles ihm. Snorre ist wesentlich zurückhaltender und vorsichtiger. Nicht ängstlich, aber es könnte hinter der nächsten Ecke ja etwas Böses lauern. Nur wenn es darum geht, in unser Schlafzimmer zu kommen, ist Snorre der penetrantere. Allgemein geht Tabby aber auf alles los und Snorre schaut sich die Sache erst mal an, bevor er irgendwie reagiert. Ziemlich lustig ist allerdings, dass Snorre vor so Sachen wie dem Fön oder der elektrischen Zahnbürste sehr viel weniger Angst hat als Tabby. Der haut nämlich sofort ab.

Sehr interessant ist auch das morgendliche Füttern. Denis verlässt vor mir das Haus. Kein Problem, denn die beiden sind es ja auch gewohnt, dass sie ihr Futter eher von mir bekommen. Aber da die aaaaarmen Katzis über Nacht ja halb verhungert sind, müssen sie mich quasi morgens überfallen. Und das geht so: Ich rolle mich völlig verschlafen aus dem Bett und schleiche zur Schlafzimmertür. Dort lauern sie schon mit der Nase in der Türritze und bereit zum Angriff. Sobald ich die Klinke herunter drücke, schießt die erste Katze – Snorre – vor, drückt die Tür auf und springt voller Elan aufs Bett. Katze Nummer zwei folgt auf dem Fuße und verschwindet unterm Bett. Und dann darf ich das Zimmer auch nicht verlassen, bevor nicht mindestens 5 Minuten ausgiebig gekuschelt wurde. Ansonsten wird nämlich miaut. Ausdauernd. Sehr ausdauernd. Gehe ich dann Richtung Küche, rennen die beiden schon mal vor. Sie könnten ja was verpassen. Tabby reibt seinen Kopf ununterbrochen an meinen nackten Zehen, was zur Folge hat, dass ich keinen Schritt tun kann, ohne ihn fast zu zertreten. Und ausschließlich morgens wenn es Futter gibt, ist Tabbys Schwanz das beste Spielzeug, das Snorre sich vorstellen kann. Blöd nur, dass der halt zwischen meinen Beinen zugange ist und der Schwanz folglich auch immer an meinen Waden entlang streift. Wo die ausgefahrenen Krallen der roten Gefahr dann landen, kann man sich sicherlich vorstellen. Ich sag es mal so: Ich trage zum Glück morgens meist lange Jogginghosen.

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Manchmal frag ich mich auch, woher sie ihre verrückten Ideen nehmen. Neulich kam ich nach Hause und dachte: „Wieso liegt da einer meiner Schuhe vor der Badezimmertür?“ Beim Hochheben habe ich den Grund erfahren. Einer der beiden hatte wohl spontan Durchfall und es nicht mehr bis zum Katzenklo geschafft. Auf dem Laminat kann man sein Geschäft aber ja nicht verbuddeln. Also muss eine andere Lösung her. Mal fix den Ballerina von Frauchen aus dem Schuhregal geklaubt und – zum Glück mit der Sohle nach unten – auf die Bescherung gestellt. Tadaaaaaa! Problem gelöst.

Aber natürlich ist nicht alles eitel Sonnenschein. Die Nachbarn beschweren sich über Katzengetrampel, weshalb wir jetzt Teppiche in die Wohnung gelegt haben. Snorre ist ziemlich mäkelig beim Futter und mag alle drei Tage was anderes nicht. Und wir sind etwa alle zwei Wochen beim Tierarzt, weil Snorre eine (Haut)krankheit hat, die bis jetzt noch nicht identifiziert werden konnte. Aktuelle Tests laufen, mal sehen wie’s da weitergeht. Im Moment ist sein Gesicht heil und ich hoffe, das ist auch auf Dauer so haltbar.

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Hach, ich kann mir kein Leben mehr ohne die beiden vorstellen. Auch wenn sie mich manchmal nerven und sich stundenlang durch die Wohnung jagen und prügeln oder auf meiner Tastatur rumspringen, während ich an meinen DCM-Sachen arbeite. Sie machen mich einfach unheimlich glücklich und ich hoffe, dass ich ihnen ein Leben ermögliche, das nicht so übel ist.

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