Gelesen: „Liebe geht durch alle Zeiten“ von Kerstin Gier

Bereits vor einiger Zeit bin ich durch verschiedene Einträge in Blogs und auf Twitter auf die „Liebe geht durch alle Zeiten“-Trilogie von Kerstin Gier aufmerksam geworden. Restlos alle Aussagen dazu waren positiv und so wanderte das erste Buch – „Rubinrot“ – auf meinen Wunschzettel. Ich habe ein wenig mit mir gehadert, ob ich es kaufen soll, da es sich um Jugendliteratur handelt. Ich lese die zwar sehr gern, aber so viele gute Autoren es in diesem Bereich gibt, so viele entsetzliche gibt es auch, die mit schlechtem Schreibstil, hanebüchener Story und Protagonisten aufwarten, denen man als Leser kaum zutraut, zwischen Links und Rechts zu unterscheiden. Zu meinem Geburtstag schenkte mir eine Freundin dann den ersten Band. Während einer längeren Zugfahrt nahm ich diesen als Lektüre mit… und war sofort begeistert.

Die deutsche Ausgabe der Trilogie ist optisch sehr schön aufgemacht! Während es den ersten Band bereits als Taschenbuch gibt, sind die anderen beiden bisher allerdings nur als Hardcover zu erwerben.

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Die Handlung dreht sich um die 16-jährige Gwendolyn, die im London der Gegenwart in einer Familie aufwächst, in deren weiblicher Erblinie ein Zeitreise-Gen weitergegeben wird. Konkret bemerkbar macht sich dieses Gen ab dem 16. Geburtstag, denn ab diesem Zeitpunkt beginnt die Trägerin durch die Zeit zu springen. Da Gwens Cousine Charlotte an einem vorherbestimmten Datum geboren wurde, soll sie das Gen in sich haben, was sich allerdings als Irrtum herausstellt. Stattdessen ist es Gwen, die plötzlich unkontrolliert durch die Epochen zu reisen beginnt. Innerhalb ihrer Familie sorgt das nicht gerade für Begeisterung und auch die Wächter – eine Geheimgesellschaft, die den Reisenden verpflichtet ist – sind nicht sehr angetan von dieser Entwicklung. Außerdem gibt es da noch Gideon, den Genträger aus der männlichen Linie, jede Menge Mysterien und Rätsel und ein paar Mörder, die es auf Gwendolyn und Gideon abgesehen haben.

Mehr möchte ich über die Geschichte gar nicht verraten, denn es macht unglaublich Spaß, sich das alles selbst zu erlesen. Kerstin Gier legt von Anfang an ein gutes Tempo vor, das den Leser aber nicht überfordert. Die Charaktere sind durchweg liebevoll gestaltet und mit ihren eigenen Marotten und Macken ausgestattet. Gwen erzählt die Geschichte selbst, was sehr herrlich ist, da ihre Gedanken manchmal zum Schreien komisch sind. Zwar fügt sie sich recht schnell in ihr Schicksal, findet sich aber mit den Dingen nicht einfach ab und versucht mit der ihr eigenen Unwissenheit und Neugier herauszufinden, was eigentlich hinter dem ganzen Getue der Wächter steckt.

Natürlich merkt man vom Standpunkt einer 35-jährigen Leserin sehr schnell, dass das Buch im Grunde für Jugendliche konzipiert wurde. Es gibt Verhaltensweisen bei Gwendolyn & Co., bei denen man einfach nur den Kopf schüttelt. [SPOILER] Ihre Liebe zu Gideon kommt für mich zum Beispiel ziemlich unerwartet und ist nicht ganz nachvollziehbar. Sicher, er sieht gut aus, aber er behandelt sie wie ein dummes Mädchen und manchmal sogar nicht besser als den Dreck unter seinem Fingernagel. Wieso sie ihm deshalb so total verfällt, bleibt mir ein Rätsel. Und auch nachdem er ihr das Herz (mehr als einmal) bricht, ist er immer noch der tollste und großartigste Kerl unter der Sonne. Allgemein wird die Liebesgeschichte teils so voller Pathos beschrieben, dass der Schmalz schon aus den Seiten fließen müsste. Und selbst Teenager wissen sicher schon, dass sich kein Kerl in Gideons Alter (das nie genannt wird, aber so um die 20 liegen dürfte) so romantisch, hingebungsvoll und perfekt benehmen würde. [SPOILER ENDE]

Dennoch macht die Lektüre einfach Spaß. Die Handlung fesselt, hält einige überraschende und nicht so überraschende Wendungen parat und funktioniert vor allem auch durch den Humor, der bei aller Dramatik nie zu kurz kommt. Vor allem auch die Nebenfiguren sind so gut ausgearbeitet, dass sie nicht im Schatten der Protagonisten verblassen. Ich habe die drei Bücher in wenigen Tagen durchgelesen, da ich einfach nicht aufhören konnte. Mein Freund war schon leicht genervt, aber er hat mir selber Teil 2 und 3 besorgt. Wenn das nichts ist…!?

Ich kann „Rubinrot“, „Saphirblau“ und „Smaragdgrün“ jedem wärmstens empfehlen, der an Urban Fantasy interessiert ist, gute Jugendliteratur schätzt und Lust auf eine spannende Zeitreise hat.

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