Blizzard, das ist leider nicht geil.

Und da ist es: Das neue Addon für den bereits seit 10 Jahren bestehenden MMORPG-Giganten „World of Warcraft“. Mit „Warlords of Draenor“ sollte alles besser, größer, hübscher und überhaupt geiler werden!

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Nachdem ich im letzten Jahr eine Pause mit WoW eingelegt hatte und beinahe 12 Monate gar nicht mehr gespielt habe, wollte ich das neue Addon aber unbedingt haben. Zum einen, weil ich einfach neugierig war, was Blizzard sich nach (dem eher unsäglichen) „Mists of Pandaria“ hat einfallen lassen, zum anderen, weil ich ein großer Fan der Draenei bin und sich die Geschichte um Draenor und den Krieg zwischen den Draenei und den Orcs dreht. Aber natürlich ist nicht alles Gold, was glänzt, und in den letzten Jahren hat sich eine Spielepolitik eingebürgert, die eigentlich kaum noch vertretbar ist, und jetzt auch endgültig Blizzard erreicht hat.

Aber von vorn.

Bereits zur Einführung des Addons gab es massive Probleme. Und mit massiv meine ich: Das Addon war teilweise unspielbar. Schon bei den vorigen Addons gab es immer mal wieder Schwierigkeiten mit der Serverauslastung. Es waren einfach nicht genug Kapazitäten vorhanden, um den Spielern einen reibungslosen Ablauf zu bieten. Die Folgen waren Verbindungsabbrüche, teils nicht funktionierende Quests und Zonen, die zeitweise kaum zu betreten waren. Das war bereits ärgerlich, aber kann ja mal passieren. Mit „Warlords of Draenor“ wurde diese Problematik aber nun auf die Spitze getrieben. Niemand weiß so genau, was sich Blizzard gedacht hat (oder ob da überhaupt gedacht wurde) als sie das Addon live schalteten. Eine der wichtigsten Neuerungen ist die Garnison, die man als Stützpunkt auf Draenor errichten muss. Über die Garnison laufen sowohl alle für die Story relevanten Questreihen als auch Features wie Handwerksbetriebe zum Leveln der Berufe. Außerdem gibt es die Möglichkeit, Anhänger auf Missionen zu schicken und dadurch spezielle Items, Gold oder Erfahrungspunkte zu gewinnen. Man ist also auf eine funktionierende Garnison angewiesen. Irgendwie nur dumm, dass in den ersten Tagen kaum ein Spieler in der Lage war, seine Garnison auch wirklich problemfrei zu betreten. Entweder man kam erst gar nicht rein („Instanz nicht gefunden“) oder man stand tatsächlich drin und weit und breit war kein NPC zu sehen, mit dem man agieren konnte. Der Grund dafür waren die überlasteten Server. Die Garnison ist ein instanziertes Gebiet und jeder Spieler, der nach Draenor geht, muss sie bauen. Wenn ich also ein Addon herausbringe und die Vorverkaufszahlen kenne, dann noch abschätze, wie viele Spiele wohl abseits vom Vorverkauf noch über die Theke gehen und nicht dafür sorge, dass all diese Menschen möglichst problemfrei spielen können, dann habe ich doch irgendwas falsch gemacht, oder?

Wie schon erwähnt: Das kann mal passieren. Aber beim inzwischen 5. Addon sollte man doch bereits etwas schlauer sein.

Die Garnison war aber nur eine Sache. Da gab es ja noch das Problem, dass die Realmserver überlastet waren, weil sich so viele Spieler eingeloggt haben. Die Folge: Verbindungsabbrüche und PotenzLatenzprobleme. Und als ob das nicht bereits nervig genug gewesen wäre: Auch die Instanzserver spielten nicht mehr mit. Weder in der neuen, noch in der alten Welt. Haustierkämpfe auf Draenor? Unmöglich. „Die Kampfarena konnte nicht erstellt werden.“ Viele Quests waren so verbuggt, dass sie kaum durchzuführen waren. Der Unmut der Spieler wuchs und wuchs. Und Blizzard? Die beschränkten die Zugänge zu den Realmservern und saßen die Sache aus. Nicht zum ersten Mal. Bei „Diablo 3“ gab es ganz ähnlich geartete Probleme und anscheinend ist man nicht gewillt, seinen Kunden (denn nichts anderes sind die Spieler schließlich) größtmögliche Qualität für ihr Geld zu bieten. Angesichts sinkender Spielerzahlen und einem gewaltigen Shitstorm bei jeder Aktion dieser Art sollte man sich vielleicht doch anders verhalten.

Als Reaktion auf massenweise Beschwerden in den WoW-Foren und bei der Verbraucherzentrale kamen natürlich Kommentare von offizieller Seite. Die lauteten in etwa: „Wir haben Probleme. Bitte folgt uns auf Twitter.“ Wirkliche Infos wurden aber auch dort nicht weitergegeben. Als sich die Lage auf den Servern dann einigermaßen normalisierte, wurde von Blizzard ein Serverneustart durchgeführt, der die Probleme beheben sollte. Nun, behoben hat er sie nicht, aber diejenigen, die sich bereits verbessert hatten, wieder verschlimmert. Wer sich in der Garnison ausgeloggt hatte, war nun nicht mehr in der Lage, sich wieder einzuloggen. Kam man doch ins Spiel, war die Garnison in vielen Fällen wieder nicht betretbar.

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Ein ewiges Hin und Her. Ich bewundere die Leute, die bei so was ruhig bleiben können. Mir fällt das schwer. Und dabei bin ich schon wesentlich ausgeglichener als zum Beispiel mein Freund, der hier regelmäßig geschimpft hat wie ein Rohrspatz. Ihn können auch die 5 Tage kostenlose Spielzeit, die Blizzard als Entschädigung hat springen lassen, nicht milde stimmen. Was aber auch daran liegt, dass so Dinge wie die Berufe etwa total vermurkst wurden und die Herstellung von qualitativ hochwertigen Items nicht nur langwierig ist, sondern inzwischen auch einem Glücksspiel gleicht. Aber das ist ein anderes Thema…

Ich erwarte eigentlich, dass ich für Geld, das ich bezahle, eine angemessene Leistung erhalte. Nicht nur bei (Online-)Spielen, sondern generell in der Wirtschaft. Wenn ich mir ein Buch kaufe, dann möchte ich es ja auch sofort lesen können und nicht erst eine Woche lang rumeiern, damit man mir falsch gedruckte Seiten, die kaum lesbar sind, ersetzt. Ich finde nicht, dass das zu viel erwartet ist, auch wenn es einige Leute gibt, die sich mit so Sprüchen wie „Etwas Käse zum Whine?“ oder „Maul! Gewöhn dich dran!“ drüber lustig machen, wenn man unzufrieden ist. Doch als Verbraucher habe ich ein Recht auf einwandfreie Ware. Ich gehe einen Kaufvertrag ein, erfülle meinen Part mit der Zahlung und erwarte, dass der Handelspartner seinen Part auch erfüllt. Bei 40 Euro für das Addon (entsprechend mehr für die Collector’s Edition) und rund 13 Euro Nutzungsgebühr pro Monat kann man da schon ein paar Ansprüche stellen, finde ich. Und vom Kaufvertrag zurücktreten ist inzwischen auch nicht mehr möglich, denn durch das Angebot von Spielen über Downloads mit entsprechenden Codes ist ein Umtausch nicht mehr drin. Da bleibt dann nur noch der Ärger über das Geld, das man zum Fenster raus geworfen hat.

Mein Fazit: So schön das Addon vom Inhalt her auch ist – von der technischen Seite und vom Support bin ich stark enttäuscht. Ich habe nicht den Eindruck, dass hier der Spieler als Kunde und als Teil der Welt noch wichtig ist, sondern dass am Ende wieder nur das Geld zählt, das der Esel „World of Warcraft“ scheißt. Eine Entwicklung, die ich überall sehr traurig finde, denn Kundenbindung ist das auf keinen Fall. Das Aussitzen von Problemen ist keine Lösung, auf die man stolz sein kann oder für die man etwas getan hat. Es wird vermutlich noch lange genug Spieler geben, die sich in den Welten Azeroth und Draenor tummeln. Ob es letztendlich genug sein werden, um weiterhin so viel Geld in die Kasse von Blizzard zu spülen, wird man sehen. Und wie lange ich dabei bleiben werde, wenn ich den Hauptinhalt von „Warlords of Draenor“ durch habe – wer weiß.

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3 Gedanken zu „Blizzard, das ist leider nicht geil.

  1. Ich verstehe deinen Unmut durchaus. Wir haben ja auch schon darüber geredet und ich denke da ähnlich. Es gibt da leider nur gleich mehrere Probleme. Blizzard scheisst drauf, weil die meisten Leute trotzdem bleiben werden. Wer bereits solange bei WoW dabei ist wird auch noch die nächsten Addons mit diesen Problemen mitmachen. Du schreibst ja selbst das es bisher fast immer problematisch war bei den vorherigen Addons, hast ja aber trotzdem dieses wieder gekauft. 😦 Selbst wenn User abwandern ist das egal, weil WoW immer noch mehr Spieler hat als die nächsten 3 erfolgreichen MMO´s zusammen. Da ist es Blizzard regelrecht wurscht ob sich 1000 Leute verabschieden.
    Generell sehe ich es aber genauso. Ich finde es eine Frechheit. Mit den 5 freien Spieltagen hätte man mich nur noch wütender gemacht. Denn was interessieren mich die freien Spieltage? Ich will das Ding spielen und nicht freie Spieltage haben. Dadurch das die Leute immer wieder geil sind auf die Addons merkst du einfach das sich nichts änder wird. Leider.

    • Ja klar, den Schuh kann ich mir selber anziehen, das weiß ich auch. Wäre ich nicht so scharf auf die Draenei, wäre ich bei dem Addon wohl auch kaum dabei gewesen. ^^ Wie gesagt: Der Inhalt ist toll, mir gefällt die neue Welt unheimlich gut und eine Sachen haben sie echt verbessert. Der Umgang nervt mich halt ziemlich und auch das Prinzip der drei Affen. Geht halt einfach nicht.

      • Man muss halt auch einfach sagen das WoW unheimlich gut ist. DIe Schwierigkeiten mit jedem Addon und generell dem Spielinhalt sind ja durchaus unterschiedliche Dinge. 🙂

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