Über Nacht kam der Schnee

Gestern hatte ich es bereits gelesen: Unwetterwarnung für das Bergische Land. Unwetterwarnung zu dieser Jahreszeit? Was sollte denn kommen? Mit Schnee hatte ich schon lange nicht mehr gerechnet, da es viel zu warm war in den letzten Tagen. Doch tatsächlich: Es wurde Schneefall angekündigt. Ab 6:00 Uhr Samstagmorgen. Ich muss gestehen, ich habe nicht wirklich daran geglaubt. Die Wettervorhersage erzählt viel wenn der Tag lang ist und davon trifft das wenigste ein. Doch als ich heute Morgen die Augen aufschlug:

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Was, was, WAS? Schnee!! Ich hatte schlagartig gute Laune. Vielleicht können das viele nicht verstehen, aber ich bin absolut verrückt nach Schnee. Mal abgesehen davon, dass ich Kälte sowieso viel besser ertragen kann als Wärme, liebe ich einfach die Welt unter Schnee. Ist euch das schon einmal aufgefallen? Alle Geräusche sind gedämpft und irgendwie wirkt alles wie eingekuschelt und trotz der Kälte… warm. Vielleicht weil der Schnee eine große weiße Decke ist, die die ganze Welt sanft zudeckt. Und wer wird nicht gern zugedeckt?

Meine Kater waren etwas verwirrt von den weißen Flocken die draußen auf die Erde fielen. Ich weiß nicht, ob sie im letzten Jahr bereits Schnee gesehen haben, denn da waren sie ja noch nicht bei uns. Snorre bezog sofort Position auf der Fensterbank. Und Tabby wusste gar nicht so wirklich, wo er hin sollte zum Gucken. Bevor die beiden also von mir gefüttert wurden, liess ich sie kurz auf den Balkon. Tabby hatte natürlich wieder Angst, während Snorre sofort nach draussen stürmte.

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Schnee empfinde ich als eine Art Luxus. Naja, als gebürtiges Nordlicht hatte ich bis vor einiger Zeit nicht so viel davon. Klar im Norden fällt auch Schnee, aber normalerweise nicht soviel wie hier und er liegt dann auch nicht so lange. Als ich 2013 hierher zog , freute ich mich schon auf weiße Wintermonate. Im letzten Jahr war mir das natürlich nicht vergönnt. Umso toller finde ich jetzt, dass man innerhalb weniger Stunden so eine hohe Schneedecke gezaubert bekommt. Es hat mir sogar Spaß gemacht, vorhin das Auto frei zu schaufeln, um einkaufen fahren zu können. Bekloppt? Vielleicht. Ich renne auf jeden Fall mit einem breiten Grinsen durch die Gegend.

Einziger Wermutstropfen: Der Wetterumschwung kam so schnell, dass ich bereits den ganzen Tag unter Kopfschmerzen leide. Aber die werden auch wieder verschwinden. Davon lasse ich mir die gute Laune nicht verderben. Außerdem wärmt mich mein Kater an, ich könnte es also kaum besser haben.

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Es gibt doch noch Weihnachtswunder!

Unseres haben wir gestern erlebt. Snorre ist ja im Moment krank bzw. hat wieder eine offene Wunde am Kopf, die nicht abheilen will. Daher sind wir nun über Weihnachten doch zuhause geblieben. Und er hasst es ja bekanntlich, wenn man ihn irgendwie verarzten will. Gestern aber… Halleluja!

Ich habe dazu einen Beitrag in meinem Katertheater-Blog geschrieben, zu lesen hier.

In diesem Sinne:

Hohoho! Und fröhliche Weihnachten!

Alt, aber passend! :D

Alt, aber passend! 😀

 

… and that’s who I am.

Gestern hat die Mel einen Post erstellt, in dem sie das Projekt „… and that’s who I am“ von tmblr aufgegriffen hat. Im Grunde geht es darum zu zeigen, wer man ist und was man mag – oder eben auch nicht. Ich finde das ganz spannend, denn obwohl ich die Mel zum Beispiel schon viele Jahre kenne, habe ich durch ihren Post auch wieder einiges über sie erfahren, was ich noch nicht wusste. Da sie explizit um Nachahmung gebeten hat, bin ich mal so frei. Zwar halte ich mich für einen recht uninteressanten Menschen und denke, man kann in mir wie in einem offenen Buch lesen, aber vielleicht ist ja doch die ein oder andere Information dabei, die neu und/oder interessant ist.


 

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Ich bin ja bekennender Doku-Junkie und dabei liebe ich diejenigen, die mit historischen Ereignissen zu tun haben, am meisten. In meiner Schulzeit fand ich den Geschichtsunterricht eher trocken und langweilig – gute Noten hatte ich aber trotzdem. Ich würde furchtbar gern mal mit auf eine Ausgrabung und selber ein bißchen buddeln!

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Aber so was von! Ich benehme mich öfter mal „nicht meinem Alter entsprechend“ und denke mir auch gar nichts dabei. Außerdem mag ich niedliche Sachen, Kitsch und Mädchenkram. Besonders meinem Freund ist das manchmal peinlich, aber das stört mich nicht.

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Ich brauche nur etwas zu sehen, was mich inspiriert, und schon geht mein Kopfkarussell los. Ich habe oft Dialoge im Kopf oder Handlungsbögen und es ist wirklich ein Wunder, dass ich es schaffe, mit meinem Denken noch so gut im Hier und Jetzt zu bleiben.

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Ich konnte mal recht gut singen und hab’s auch vor Publikum getan. Aber dann habe ich dieses Hobby sehr vernachlässigt und heute reicht es gerade mal noch für ein bißchen Gejaule unter der Dusche oder eine Session wenn ich allein zuhause bin.

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Ich hasse es, zu versagen. In meinen Augen tue ich das sehr oft und ich weiß, dass das ein Problem ist. Mir ist es unglaublich wichtig, von anderen Menschen nicht als „Fehlschlag“ oder „Enttäuschung“ angesehen zu werden. Darum versuche ich bei vielen Dingen überdurchschnittlich gut zu sein. Wirklich anstrengend. Und ich weiß nicht mal, ob es was bringt.

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Es gab da eine Phase in meiner Schulzeit, an die ich nicht gern denke. Es war das schlimmste Jahr, das ich als Teenager durchmachen musste und ich habe mich oft davor gedrückt, in die Schule zu gehen. Aus dieser Zeit habe ich meine extreme Vorsicht Teenagern gegenüber mitgenommen. Ich bin heute anders als damals, aber allein das Auftreten vieler Teenager verunsichert mich immer noch.

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Meine absoluten Lieblingstiere. Ich bewundere sie und ihren eigenen Kopf. Die Katzen, die ich im Laufe der Jahre besessen habe, haben mir vieles beigebracht und mir nicht nur Zuneigung gegeben, wenn ich sie brauchte, sondern mir auch Freiraum gelassen. Wie heisst es so schön? „Ein Leben ohne Katzen ist möglich, aber sinnlos.“

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Ganz, ganz schlimm! Früher hatte ich die Übelkeit nur beim Autofahren und wenn ich hinten saß. Heute aber kommt das auch schon auf dem Beifahrersitz vor, einmal ist mir deswegen sogar schon mein kompletter Kreislauf weggeklappt. Mir wird schlecht in Autos, Bussen, manchmal auch Zügen (wenn ich rückwärts fahren muss), in Karussells… Und es reicht auch mitunter schon, im TV einen Bericht über Achterbahnen zu sein. Bumms – Übelkeit!

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Ich halte mich für einen der langweiligsten Menschen der Welt und habe immer Angst, dass meine Gesellschaft total öde ist.

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Ja, alles unrealistisch und schmalzig, aber trotzdem schön! Ich würde so eine typische Disney-Romanze in der Realität ziemlich dämlich finden, doch die Träumerin in mir findet Schnulz und Kitsch toll!

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Man stelle sich vor, ich versuche meine Wohnung aufzuräumen. Ich mache dies und das, krame hier und dort. Plötzlich ein Zettelchen, das mir entgegen fällt. Erstmal lesen. Oh, das hatte ich ganz vergessen! Und was ist das für ein Buch? Da muss ich nun noch mal zwei Seiten quer lesen. Schalalala~ Drei Stunden später. Wo ist die Zeit hin? Ich wollte doch Ordnung schaffen!

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Ich bin kein „draußen“-Typ. Mir reichen meine Couch, meine Katzen, ein paar Decken und Kissen, was zu lesen, das Internet und vielleicht noch ein paar Videospiele, um mich tage- oder wochenlang glücklich zu machen. Ich steh halt nicht auf Party und viele Menschen. Und großartig spazieren gehen muss ich auch nicht so oft haben.

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Eines der wenigen Talente, die ich besitze: Schreiben. Ich mache das seit so vielen Jahren. Als ich meine Geschichten noch gar nicht aufschreiben konnte, da habe ich sie meinem Bruder immer erzählt. Wir lagen zusammen auf dem Fußboden in meinem Kinderzimmer, malten Bilder in unseren Malbüchern aus und ich habe mir zu jedem Bild eine Geschichte ausgedacht, die ich sofort erzählt habe.

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Ich bin schon so oft gefragt worden, ob es mir gut geht oder ob man einen Arzt rufen soll, dass ich es gar nicht mehr zählen kann. Nicht von Freunden. Von Fremden. Weil ich blass bin. Ist ja ganz lieb, aber ich wurde irgendwann unsicher. Wie krank sehe ich aus, um Himmels Willen?

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Das waren sehr lange und sehr harte Jahre. Ich mache daraus kein Geheimnis, auch nicht aus der Angststörung, die sich später entwickelte. Es geht mir jetzt gut und ich bin froh darüber. Ich wünsche jedem, der unter dieser Krankheit leidet, die Kraft für den Kampf um sich selbst.

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Es gibt Bücher, die sind einfach so gut und so fantastisch, dass sie dich förmlich verschlucken. Die Geschichte greift nach dir, du atmest sie ein und sie windet sich durch deinen Verstand und dein Herz und du gehst völlig in ihr auf. Das sind Bücher, die dich süchtig machen. Bücher, die in dir den Wunsch nach mehr auslösen.

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Eine lange Reise und der Weg ist echt nicht ohne. Aber es lohnt sich. Jedes Mal, wenn ich in den Spiegel sehe und die Frau darin nicht hasse, habe ich das Gefühl, viel erreicht zu haben.

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Ja, ernsthaft. Ich weiß, dass es auf dem „klassischen Weg“ beinahe unmöglich ist, weil so viele Schreiberlinge so viel besser sind als ich. Aber genau diesen Weg will ich versuchen, denn ich möchte nicht einfach übers Self Publishing etwas raushauen und mich dann Autor nennen. Für wen das okay ist: bitte. Für mich reicht das nicht. So viel zu den hohen Erwartungen an mich selbst. Ich will nicht (nur) mich überzeugen, sondern auch andere.

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Diese Welt ist voller Wunder und Schönheit. Oft habe ich den Eindruck, die Menschen sehen gar nicht mehr richtig hin. Ich wünsche mir, dass ich immer sehen kann, was wundervoll ist.


Das war jetzt ein sehr langer Eintrag, ich hoffe, es sind noch alle wach? Wer Lust hat, der kann das gern nachahmen. Ich würde mich freuen, die Beiträge dann auch lesen zu dürfen. Verlinkt mir doch einfach euren Artikel, falls ihr auch einen schreibt. 🙂

Advent, Advent, mein Geduldsfaden brennt.

Habe ich schon mal erwähnt, dass ich die Vorweihnachtszeit sehr mag? Kerzenlicht, geschmückte Fenster, Temperaturstürze und die Hoffnung auf weiße Weihnacht versüßen mir jeden Dezember. Obwohl mein Freund nicht drauf steht, darf ich ohne viel Gemecker ein wenig Weihnachtsdeko in der Wohnung verteilen. Und ich mache mir gern Gedanken darum, wem ich was schenken kann. Außerdem kann ich endlich meine Schals und Mützen hervor holen, mich in meinen geliebten roten Mantel einkuscheln und durch die Straßen ziehen, ohne Gedanken wie „Gehst du noch oder schwabbelst du schon?“ haben zu müssen. Hach!

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Leider, leider ist die Vorweihnachtszeit irgendwann vorbei. Und dann steht es vor der Tür: Das Fest der Feste! Und eigentlich ist das ja schon falsch, denn das höchste Fest der Christen ist immerhin Ostern. Geht aber gegenüber Weihnachten ziemlich unter und die meisten kennen da vermutlich die Prioritäten auch nicht. Wie auch immer. Was für mich an Weihnachten auf jeden Fall immer sehr hoch liegt, ist mein Stresspegel.

Ich bin ein Scheidungskind, was bedeutet, dass ich seit meinem 10. oder 11. Lebensjahr an Weihnachten ständig durch die Gegend gondle. Denn immerhin ist es das Fest der Liebe, da muss man bei denen sein, die man liebt: Seiner Familie. Auch wenn man die vielleicht gar nicht so lieb hat. Egal! Denn immerhin sind die Feiertage die perfekte Gelegenheit, sich im Glanz des Weihnachtsbaums zu sonnen, ein bombastisches Menü zu zaubern und zur lieben Verwandtschaft ganz besonders nett zu sein. Ich habe dabei noch Glück: Zwar war ich nie so der Familienmensch und werde das vielleicht auch nie werden, aber immerhin sind meine engeren Verwandten alle in Ordnung. Wenn ich da die Schauergeschichten mancher Freunde höre, rollen sich mir die Zehennägel hoch.

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Ich düste also bereits als Kind durch Norddeutschland, um an den Feiertagen jeden Verwandtschaftszweig abzudecken. Das war auch gar nicht so schwierig. Heilig Abend verbrachten mein Bruder und ich bei meiner Mutter und den 1. oder 2. Weihnachtsfeiertag bei meinem Vater bzw. mit meinem Vater zusammen bei meinen Großeltern – zusammen mit Tanten, Onkeln und meiner Cousine. Verwandtschaft mütterlicherseits gab es nicht, so war das recht entspannt.

Das änderte sich, als meine Mutter wieder heiratete und wir in die Eifel zogen. Von da an war die Sache schon ein wenig komplizierter, denn es gab folgende Möglichkeiten: A) Heilig Abend bei meiner Mutter und meinem Stiefvater, am 1. Weihnachtsfeiertag mit dem Zug Richtung Bremen düsen und den Rest der Feiertage inklusive Silvester bei meinem Vater und der restlichen Verwandtschaft verbringen. B) Bereits zu Beginn der Weihnachtsferien nach Norddeutschland aufbrechen und die Ferien ausschließlich bei meinem Vater und den Verwandten verbringen. Oder C) über die Ferien in der Eifel bei meiner Mutter bleiben. Da mein Vater nur in den Ferien Gelegenheit hatte, uns zu sehen, lief es meist auf Option B hinaus. Das war okay, aber natürlich traurig, weil ich auch gern Zeit mit meiner Mutter verbringen wollte.

Nach der Ausbildung zog es mich wieder gen Norden. Nun konnte ich zwar meinen Vater jederzeit sehen, aber meine Mutter nicht. Doch natürlich hatte ich auch keine Ferien mehr und musste auch um die Feiertage herum mal arbeiten. Die Besuche pendelten sich also im Wechsel ein – ein Jahr Weihnachten bei meinem Vater, ein Jahr bei meiner Mutter. Das ging einige Jahre ganz gut und die Familie kam mit dieser Regelung klar. Bis ich meinen Freund kennen lernte und alles völlig chaotisch wurde.

Nun hatten mein Freund und ich an Weihnachten bereits drei Familienzweige abzudecken! Gott sei Dank entstammt er einer glücklichen Ehe und es treffen sich alle so weit es geht bereits an Heilig Abend. Allerdings war damit bereits ein Tag verplant und zwar der für mich schönste und wichtigste an den Feiertagen. Da mein Vater immer noch nahe Bremen wohnte und meine Mutter in der Eifel, musste wieder die „Tauschregel“ greifen. Blöd dabei: Mein Bruder war inzwischen nach Nürnberg gezogen und hatte nun seinerseits die gleichen Probleme wie ich, so dass wir uns nun so gut wie gar nicht mehr sehen konnten. (Das hat sich bis heute auch leider nicht geändert.) Die Hoffnung auf ein wenig Entspannung in dieser Angelegenheit zerschlug sich, als wir bekannt gaben, von Hamburg nach Solingen zu ziehen, meine Mutter mir aber quasi zeitgleich eröffnete, dass sie und mein Stiefvater aus der Eifel an die dänische Grenze umsiedeln würden. AAAAARGH!!!

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Und so sieht es nun in diesem Jahr aus: Meine Mutter hatte uns bereits Anfang 2014 gefragt, ob wir Weihnachten komplett bei ihr verbringen würden. Ich hatte mich tierisch gefreut, denn bei meiner Mutter erlebe ich immer die entspanntesten Weihnachten überhaupt! Die Familie meines Freundes war traurig darüber, meinem Vater wollten wir wenigstens auf der Hin- und Rückfahrt eine Stippvisite abstatten. Alles war geplant, ich freute mich sehr und dann… wurde unser Kater krank. Okay, er kann nichts dafür und ich bin auch nicht böse, aber bitte, wie soll man bei so was noch ruhig bleiben? Jetzt mussten wir kurzfristig alles umwerfen und sind nun doch an den Feiertagen hier bzw. bei Denis‘ Familie, aber für mich ist das wieder emotionaler Stress pur.

Was ist das nur mit Weihnachten und diesen ganzen Besuchen? Inzwischen stehe ich bereits auf dem Standpunkt, dass es schöner ist, sich während des Jahres einfach mal aus Lust und Laune zu besuchen. Einfach, weil man es möchte. Man ist auch viel ruhiger, weil man keine drei Tage auf der Autobahn verbringen muss, um ja alle Besuche auf die Reihe zu kriegen und bloß niemanden auszulassen! Aber tut man diese Ansicht kund, dann kommt – egal, von welchen Beteiligten – sofort der Spruch: „Prima, dann könnt ihr ja Weihnachten immer bei uns verbringen.“

Ich sehe ein Bild vor meinem inneren Auge. Es ist eine Blumenwiese, über die Hummeln und Schmetterlinge fliegen. Blauer Himmel spannt sich über grünes Gras. Es ist friedlich. Mitten auf der Wiese – stehe ich. Ich lächle, doch meine Augen haben einen leicht irren Ausdruck angenommen. Aus meinem rechten Ohr hängt eine Lunte. Sie brennt zischend. Gleich wird das Feuer mein Ohr erreichen. Schon ist es so weit. Das Zischen verklingt. Hinter mir am blauen Himmel erscheint eine Leuchtschrift. Hurra, Weihnachten ist da! In diesem Moment explodiert mein Kopf.

Hier wird genagelt!

Höhöhö! Wen habe ich durch diese Überschrift mit falschen Assoziationen geködert? Es geht nicht um Sauereien, ihr Ferkel! Heute möchte ich ein bißchen über ein Hobby von mir schreiben: Das Nageldesign. Also, im Grunde ist es nur „Ich male mir gern die Fingernägel bunt an!“ und ich bin sehr weit abseits von den wirklich guten Leuten auf diesem Gebiet. Aber darum geht es mir auch gar nicht. Es ist einfach ein weiteres kreatives Hobby, das mir Freude bereitet und bei dem ich mit Farben matschen kann, ohne zeichnerisches Talent besitzen zu müssen.

Angefangen habe ich damit vor ein paar Jahren. Eigentlich wollte ich nur mal versuchen, French Nails ohne Gelauflage selbst hinzubekommen. Dann entdeckte ich einige Farben, die mir gut gefielen. Und noch ein paar mehr. Und… nun ja, inzwischen habe ich an die 200 Lacke im Regal. Im Laufe der Zeit habe ich entdeckt, dass einige meiner Freundinnen dieses Hobby mit mir teilen. Anfang des Jahres eröffneten einige von uns den Blog Get Lacky und begannen über unsere Leidenschaft für Lacke zu schreiben. Inzwischen führt Mel den Blog allein weiter, da wir anderen zeitlich anders eingebunden und/oder thementechnisch auf anderen Gebieten stärker sind. (Letzteres ist bei mir der Fall.)

Aufgegeben habe ich das Lackieren aber nicht. Auf meinem instagram-Account poste ich immer wieder meine aktuellen Pinseleien. Es wäre mir allerdings zu langweilig, immer nur Bilder meiner Nägel zu zeigen, daher mische ich das mit allem, was mir sonst so vor die Linse kommt. Damit schlage ich dann auch die Brücke zur Fotografie, die ich ja ebenfalls sehr liebe. Und die auch ein Hobby ist, das ich nicht exzessiv betreibe und bei dem ich absolut mittelmäßig bin, aber dennoch glücklich mit der schnöden Knipserei auf Amateurlevel.

Das mit den Nägeln hätte ich mir eine Zeitlang auch beruflich vorstellen können. Eigentlich könnte ich das immer noch, wenn ich mich halt richtig rein hängen würde und das nötige Kleingeld hätte. (Die Ausbildung ist einfach schweineteuer!) Allerdings ist das kein Lebenstraum, den ich mir unbedingt erfüllen muss. Da sitze ich lieber an einem anderen Projekt.

Meine Lacke erweisen mir übrigens auch beim Cosplay große Dienste! Für mein letztes Kostüm musste ich Steine aus Gießharz für mich und eine Freundin fertigen. Dank meiner Lacksammlung hatte ich die perfekten Farben da, um die Steine entsprechend zu bemalen und sie in einem wunderschönen Rot und Blau schimmern zu lassen! Sogar einen Holo-Effekt konnte ich zaubern. Einfach genial!

Wenn mir jetzt noch jemand erzählen will, dass dieses Hobby nicht auch vielseitig sein kann und nicht nur was für Tussis, dann weiß ich auch nicht… 🙂

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Warum ich mir keine Nachrichten ansehe.

In den letzten Nächten schlafe ich nicht gut. Ich liege wach, ich wälze mich hin und her, ich denke nach. Das empfinde ich als sehr anstrengend, aber ich versuche die Zeit für ein wenig Bildung zu nutzen. Da ich nämlich ein großer Fan von Dokumentationen bin und bei uns zuhause ZDFinfo der bevorzugte Sender ist, läuft der dann halt die halbe Nacht durch. Was ich nicht schon alles über den 2. Weltkrieg, Archäologie, das Weltall und historische Persönlichkeiten gelernt habe…

Jedenfalls war es neulich Nacht mal wieder so weit. Ich saß auf dem Sofa und zog mir neben einem Liter Eistee auch den ein oder anderen interessanten Bericht rein. Nebenbei wurden die Kater beschmust. Und dann kam sie: Die Sendung des Grauens. Nein, kein Horrorfilm. Sondern die Nachrichten. Ich hasse sie. Leid und Tod und Grauen überall auf der Welt. Das ist nichts Neues. Schon früher habe ich mir das nicht gerne angetan, aber man wollte ja wissen, was so los ist und ob man demnächst doch mal einen Schutzbunker aufsuchen sollte, wenn die große Bombe auf uns fällt.

Die Abscheu kam mit den privaten Sendern. Wenn man sich einmal auf RTL2 und Konsorten angeschaut hat, was da als „Nachrichten“ verkauft wird, fasst man sich wohl unwillkürlich an den Kopf. „Liebe Zuschauer, heute hat in Neustadt an der Weinstraße der 15jährige Timmy das pinke iPhone seiner Schwester Nathalie aus dem Fenster der elterlichen Wohnung geworfen. Nachbar Hubert W. hat alles mit angesehen. > Jo, des war schrecklisch, sach isch Ihnen. Schrecklisch! Die Nathalie, die hat da obbe rumgeschrien und da sah isch nur des Händi falle und wie des aufgeschlage is… A ganz a fieses Geräusch. Schrecklisch! Des arme Mädel. < Timmy bekam für sein Vergehen vier Wochen Hausarrest von seinen Eltern aufgebrummt, wollte sich bisher aber nicht zu den Vorwürfen äußern.“ Das sind echte Neuigkeiten! Spannende Vorfälle die keinen interessieren.

Ja, gut. Das ist etwas überspitzt dargestellt. Aber wirklich nur etwas. Doch diese und andere Knaller-Themen waren der Grund, aus dem ich um die Nachrichten der privaten Sender immer einen Bogen gemacht habe.

Zurück zu ZDFinfo. Ich saß also auf dem Sofa und dachte mir: „Ah, Nachrichten! Kannst ja auch mal wieder schauen.“ Und während ich das tat, begann es mir mies zu gehen. So richtig mies. Irgendwie wurde mir die Ekelhaftigkeit der Welt in diesen Minuten so richtig bewusst. Ich saß zuhause und mein größtes Problem war es, nicht schlafen zu können. Anderswo bomben sich Terrormilizen durch die Gegend, töten Unschuldige und sorgen dafür, dass die wenigen übrig gebliebenen Mitglieder einer Familie im Winter in dünnen Zelten irgendwo in der Pampa um ihr Überleben kämpfen müssen – ohne sauberes Wasser und ohne genug zu essen. In der nächsten Sekunde ging es um die Exportraten Deutschlands und das Geld, das wir damit machen können – oder auch nicht. Während ich noch einen Knoten im Magen hatte aufgrund des Leids, mit dem ich gerade konfrontiert wurde, ging es also wieder ums Geld. Und in mir stieg ein ungutes Gefühl auf. Ich bin arbeitslos, hab kaum Kohle und einen an der Waffel, aber mir geht es immer noch tausend Mal besser als Millionen anderer Menschen. Gerade hatte ich mich wieder etwas beruhigt, der nächste Beitrag. Oh, verdammt. Kriegsopfer im Nahen Osten. Mein Leben ist ein Luxus und ich würde so gern helfen, aber ich habe nichts und ich bin ein verwöhntes Gör aus einer Industrienation, das sich selbst am nächsten ist. Noch während mir übel wurde, flötete die Nachrichtensprecherin etwas von Championsleague und den Spielergebnissen. Ist das denn wirklich wichtig? Was ist mit den Kriegsopfern? Wieso reden wir denn jetzt über Fußball? Ist das nicht furchtbar dekadent? Ist es das, worum sich unser größtes Interesse dreht?

Zack. Umgeschaltet. Nun war es wirklich vorbei mit der Nachtruhe. Besorgnis, schlechtes Gewissen, eine Spur Ekel und jede Menge Wut über die Ungerechtigkeit in der Welt kämpften in mir um die Oberhand. Ich muss dazu sagen, dass ich wirklich nicht gut darin bin, mich von Dingen, die mich emotional berühren, zu distanzieren. Oft sagt man mir, dass ich doch am besten einen sozialen Beruf hätte ergreifen sollen, weil ich so empathisch bin und hilfsbereit. Aber das wäre für mich in vielerlei Hinsicht fatal. Mich berührt alles. Persönlich. Ich kann mich nicht abschotten, immer noch nicht, obwohl es im Gegensatz zu früher schon viel besser geworden ist. Das ist okay, wenn es Menschen betrifft, die ich liebe. Völlig in Ordnung. Aber es wird zur Belastung, wenn es um Fremde geht. Um den Alltag. Ich kann und möchte nicht die Last der Welt tragen.

Außerdem möchte ich mich nicht die ganze Zeit dafür schämen, wie und wo ich lebe. Ja, ich weiß, es liegt an mir, wie ich damit umgehe. Was ich aus meiner privilegierten Situation heraus tue. Und bestimmt schaue ich nicht nur zu. Ich bin Mitglied bei Unicef, ich engagiere mich für Tier- und Umweltschutz und ich versuche im Rahmen meiner Möglichkeiten Gutes zu tun. Das wird die Welt nicht retten. Und manchmal frage ich mich, ob es nicht besser wäre, wenn es keine Rettung gäbe. Ich schaue mich um und sehe so viel Schlimmes. Doch im nächsten Moment geschieht etwas Wunderbares und ich erinnere mich wieder daran, dass die schönen Dinge oft in den kleinen Momenten und Gesten liegen. Und dass es wert ist, dafür Hoffnung zu bewahren und auf die Zukunft zu bauen.

Also verzichte ich in Zukunft einfach weiter auf die Nachrichten. Das klingt jetzt vielleicht egoistisch, aber mein Seelenheil bedeutet mir dann doch zu viel, als dass ich mich selbst immer wieder mit diesem Horror kasteien muss. Ich will nicht hinter einer rosaroten Brille leben, das tue ich auch ganz sicher nicht. Nur sind meine Zäune und Mauern einfach nicht stabil genug, um die unliebsamen Gäste aus meinem Kopf und meinem Herzen fern zu halten.

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Gespräche mit Fremden

Ich werde recht oft von Fremden angesprochen. Anscheinend mache ich den Eindruck, dass man mir prima das Ohr abkauen kann. Einerseits finde ich das lästig, aber andererseits auch ganz interessant, da es teilweise sehr spannend sein kann, etwas über eine fremde Person zu erfahren. Vor ein paar Wochen stand ich an der Kasse beim Tierhändler meines Vertrauens, als mich der Kunde hinter mir darauf ansprach, was für ein Futter ich meinen Plüschpopos denn kaufen würde. Das gipfelte in einer 15-minütigen Unterhaltung über Katzen, Wohnsituationen und die Welt im Allgemeinen. Wenn ich mit dem Bus fahre, teilen sich mir oft ältere Leute mit, die mir von ihrem Leben erzählen. Ob im Wartezimmer beim Arzt, an der Theke beim Bäcker oder auch an der Ampel: Die Menschen sprechen mich an.

Mit den meisten Fremden, die kurz meinen Lebensweg kreuzen, möchte ich nichts weiter zu tun haben. Ich möchte keine Freundschaft aufbauen, keine Telefonnummern tauschen, keine WG gründen. Ein paar nette Worte wechseln, vielleicht sogar tiefgründigere Gedanken – das ist vollkommen und absolut das, was ich will. Denn wenn ich ehrlich bin, fühle ich mich dadurch bedeutender. Die meiste Zeit über rennen wir schließlich alle recht unsichtbar durchs Leben. Es sei denn, wir sind aus irgendeinem Grund berühmt und können nicht mal mehr allein aufs Klo gehen, um uns in Ruhe ein Snickers aus dem Rücken zu drücken. Wenn mich andere Menschen bemerken, mir ein wenig ihrer Zeit schenken und ich nach einem kurzen Gespräch das Gefühl habe, einen winzigen Blick in ein anderes Leben geworfen zu haben, dann freut mich das. Auch wenn es mitunter irritierend sein kann – je nachdem, was für ein Exemplar des homo sapiens da vor einem steht.

Die besten Geschichten schreibt aber das Leben, so sagt man. Und wie kann ich von diesen Geschichten erfahren, wenn ich den Menschen, denen sie geschehen, nicht zuhöre?

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