doing live

Was wolltest du sein als du jung warst? Was wolltest du einmal werden, wie dich verändern? Welche Zukunft schwebte dir vor? Gab es Träume, die du hattest und die du unbedingt verwirklichen wolltest? Wo wolltest du leben, mit welchen Menschen dich umgeben? Warst du Realist? Ein Träumer? Hattest du Ängste, begründet oder irrational? Wer warst du und wer bist du heute?

Ich glaube, viele Menschen stellen sich diese Fragen im Laufe ihres Lebens immer mal wieder. Auf jeden Fall weiß ich, dass ich mich immer wieder mit ihnen beschäftige. Mal mehr, mal weniger. Und Antworten zu finden fällt mir nicht immer leicht. Manche gefallen mir auch nicht. Das halte ich allerdings für ziemlich normal, denn das Leben passiert einfach und selbst wenn wir uns einen Plan für unsere Zeit hier auf Erden zurechtlegen: Wir haben nicht über alles die Kontrolle. Vieles können wir nicht beeinflussen und planen und daher laufen wir letztendlich oft doch in eine andere Richtung als wir ursprünglich wollten.

Ich war eigentlich nie der Typ, der sich großartig mit der Planung seines Lebens beschäftigt hat. Als ich meinen Schulabschluss machte, hatte ich noch keine Ahnung, was ich mit mir anfangen sollte. Der Gedanke, mich mit 17 Jahren für einen Beruf entscheiden zu müssen, den ich bis zur Rente ausüben sollte, war mir unerträglich, und es gab so vieles, was mich interessiert hätte. Ebenso vieles aber auch, das ich nie machen wollte. Zum Beispiel Bürokauffrau. Das war so der Standard. Alle gingen ins Büro und mir war das viel zu öde. Ich wollte kreativ sein oder zumindest mit Menschen arbeiten. Bloß nicht den ganzen Tag in einem Kabuff vor dem PC hocken! Letztendlich bin ich aber genau in diesem Berufsfeld gelandet. Und obwohl ich von Zeit zu Zeit ernsthaft mit dieser Tatsache hadere, ist es für mich trotzdem irgendwie okay, dass es so gekommen ist. Ist das Resignation? Kann sein, dass die ein Stück weit damit zu tun hat. Doch ich vermute, irgendwann holt einen einfach die Realität ein. Ich habe eine sehr liebe Freundin, die einer der kreativsten Köpfe ist, die ich kenne. Sie hat zwei Ausbildungen gemacht, beide auf die ein oder andere Weise gestalterisch. Und ist sie damit glücklich? Nein. Also spielt es vermutlich keine so große Rolle, welchen Beruf ich letztendlich ergriffen habe, so lange ich mein Glück aus anderen Sachen ziehe.

Mein Bruder hat geheiratet, da war ich 25, er zwei Jahre jünger. Damals war ich mir vollkommen klar darüber, dass ich nicht heiraten und auch keine Kinder haben wollte. Ich weiß noch, dass mein Opa mich an diesem Tag fragte, wann ich denn vor den Altar treten würde. Es gab zu der Zeit noch nicht mal einen Mann in meinem Leben! Also antwortete ich, dass ich das nicht geplant habe. Seine Reaktion werde ich nie vergessen. Der genaue Wortlaut? „Du bist ja auch schon 25. Da nimmt dich eh keiner mehr.“ Achtung, Faustschlag im Tiefflug! BÄM! Damals tat mir das sehr weh und ich habe mich gefragt, ob er vielleicht recht hat? Immerhin habe ich mich mit Beziehungen immer schwer getan und konnte nur sehr schlecht Kompromisse eingehen. Das ging noch lange Jahre so und ich dachte, so würde es halt bleiben. Bis ich meinen Freund traf. Einen Menschen, dem wie mir viel an seiner Freiheit gelegen ist, der auch gerne Zeit für sich hat, meine Hobbies akzeptiert und im Lauf der Zeit auch gelernt hat, mit meiner peinlichen Seite etwas besser klar zu kommen. Er stänkert nicht mehr gegen meine Weihnachtsmütze an den Feiertagen! Und aus einigen Monaten wurden schließlich Jahre. Vier inzwischen. Ich schließe Kompromisse, ich bin glücklich, ich möchte mit diesem Mann eine Familie gründen und wenn er mich fragen würde (was er niemals tun wird), würde ich ihn auch heiraten. Ja, Opa, man hat mich doch noch genommen. Ich habe nur länger gebraucht als andere, um den Richtigen zu finden.

Meine Passion ist das Schreiben. War es immer schon. So lange ich denken kann. Mit sechzehn habe ich einen ziemlich dämlichen Roman getippt. Am PC meines Bruders, der ziemlich genervt war, weil ich ständig in seinem Zimmer vor seinem Computer saß. Das Werk ist bei irgendeinem Umzug verloren gegangen und existiert nur noch in meinen Erinnerungen, aber immerhin hatte es gut 250 Seiten Umfang. Da ist schon einiges an Arbeit hinein geflossen. In meinem Kopf gab es damals diese leise Stimme, die mir zuflüsterte, dass ich mich als Autorin versuchen sollte. Sie ist auch heute noch da, nur überhöre ich sie meistens. Der Wunsch existiert ebenfalls, allerdings nagen die Selbstzweifel an mir. Und das seit über 20 Jahren. Immer die gleiche Leier: Sind meine Ideen gut genug? Habe ich überhaupt Talent? Wäre ich dazu bereit, mich der Kritik anderer Menschen zu stellen? Ihre Ablehnung zu erfahren, zu verarbeiten und eventuell daran zu wachsen? Mache ich mich lächerlich? Ich will ganz ehrlich sein: Es ist mies, so über sich selbst zu denken. Und es ist beinahe noch mieser zu wissen, dass man früher noch deprimierendere Gedanken hatte und sich regelmäßig selbst fertig gemacht hat, damit man den anderen damit zuvor kommt. Das lässt sich nicht so leicht abschalten. Es dauert lange, bis man umdenken kann. Inzwischen schaue ich etwas traurig auf die Jahre zurück, die ich mit Grübeln und Angst und Nichtstun vergeudet habe. Ich habe für mich beschlossen, dass ich dem Traum, einen Roman zu schreiben und ihn in einer Buchhandlung im Regal stehen zu sehen, nicht abschwören werde. Ich habe seltsame Wege eingeschlagen in meinem Leben, doch dieser Wunsch ist immer geblieben. Vielleicht hat das einen Grund. Wer weiß?

Es ist schon komisch, auf mein bisheriges Leben zurück zu blicken und zu merken, dass ich einmal ganz andere Vorstellungen davon hatte, wie es verlaufen würde. Ich halte fest: Ich wollte einen kreativen Beruf ergreifen. Jetzt bin ich Schreibtischtäter und zur Zeit auch noch arbeitslos. Die 3 Ks (Kind, Köter, Kombi) – Ehe und Familie generell – waren für mich immer ein Schreckgebilde. Heute möchte ich ein Kind und würde meinen Freund auch gern heiraten. Mit 16 wollte ich dringend Schriftstellerin werden. Zwanzig Jahre später möchte ich das immer noch, nur bin ich gelähmt von meiner Unsicherheit. Mein Lebensmittelpunkt sollte immer Norddeutschland bleiben. Ich schwor mir, niemals wieder südlich meines persönlichen Weißwurst-Äquators (Hannover) zu leben. Heute wohne ich in Solingen und suche Arbeit in Köln und Düsseldorf. Dazu kommen noch etliche Vorsätze, die ich immer mal wieder habe. „Ich werde nie wieder zulassen, dass die Wohnung unordentlich wird!“ – „Ich werde bis Ende des Jahres 10 kg abnehmen!“ – „Ich pflanze Blumen auf dem Balkon und die werden nicht vor ihrer Zeit verwelken!“ – „Ich fange pünktlich und stressfrei mit meinen Kostümen an!“ … Ihr dürft raten, wie viele davon ich umgesetzt habe. Haha!

Aber das alles ist okay. Wie schon zu Anfang erwähnt: Ich hatte nie einen wirklichen Plan für mein Leben. Vorstellungen und Erwartungen, ja. Und ich glaube, ich habe sicherlich auch die ein oder andere gute Gelegenheit verstreichen lassen, wenn es um Beruf oder um Privates ging. Doch all das ist eigentlich recht belanglos. Es hat mich an diesen Ort geführt, zu den Personen, die jetzt um mich herum sind. Und auch wenn nicht alles perfekt ist, so ist es dennoch gut. Denn ich bin glücklich und zufrieden und so gesund, dass mir nicht innerhalb der nächsten Wochen ein Arm oder ein Bein abfaulen wird. So läuft das Leben. Man kann aus fast allem etwas Gutes ziehen. Ich versuche das jeden Tag. Und so werde ich auch weitermachen.

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Der größte Feind des Cosplayers

Ich schaue wirklich nicht viel fern. Und wenn, dann meist Reportagen oder Dokumentationen auf Sendern, bei denen sich die meisten Leute fragen, ob sie die eigentlich empfangen können. Das heisst, ich bekomme vieles von dem, was im deutschen TV so über die Bildschirme flimmert, gar nicht mit. Und erst recht nicht, wenn es sich um Beiträge über Cosplayer handelt. Wobei… Das ist auch nicht ganz richtig. Seit ich für die Deutsche Cosplaymeisterschaft im Bereich Presse arbeite, muss ich mich allein wegen der Anfragen, die mich dort von vielen Journalisten erreichen, mit dem Thema auseinander setzen.

Wegen meiner Beteiligung an der DCM habe ich auch lange darüber nachgedacht, ob ich diesen Artikel wirklich schreiben soll. Immerhin wirft meine Meinung ja auch ein Licht auf den Wettbewerb. Ich war nicht sicher, ob ich meine persönlichen Ansichten nicht lieber für mich behalten sollte, um nicht zu implizieren, die DCM-Leitung würde gesammelt so denken wie ich. Doch letztendlich möchte ich mir wegen nichts und niemandem einen Kopf darum machen müssen, was ich äußern kann und was nicht.

Wer sich jetzt fragt, worauf meine Überschrift zu diesem Eintrag eigentlich abzielt: Dazu komme ich nun. Es geht – wie bereits eingangs angedeutet – um die Medien. Und um Cosplayer. Und um Cosplayer in den Medien. Ich habe hier einige Beobachtungen machen können, die ich gerne mit euch teilen würde. Ich bin gespannt, wie andere darüber denken. Vor allem die Jüngeren unter uns. Ich gehöre einer Altersgruppe an, die in unserer Szene schon fast belächelt werden könnte, wenn es nicht doch so viele von uns gäbe. Oder vielleicht gelten wir auch als diejenigen, die genug Lebenserfahrung haben und dennoch verrückt genug sind, Szene-Events zu organisieren. Wer weiß das schon?

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Mit meinen mehr als drei Jahrzehnten an Leben betrachte ich die Reaktionen der Cosplayer auf ihre eigene Medienpräsenz und staune. Ich staune über eine (Jugend-)Kultur, die es anscheinend als normal betrachtet, fremde Menschen im Internet anonym zu beschimpfen, zu beleidigen und anzuprangern. Ich staune über eine Szene, die von sich selbst behauptet, tolerant und aufgeschlossen zu sein und die im Grunde doch lieber allein für sich sein will, um den Status des „Besonderen“ nicht zu verlieren. Ich staune über Leute, die ein Hobby betreiben, das auf Visualität ausgelegt ist und sich gleichzeitig beschweren, dass die Medien auf sie aufmerksam werden. Ich staune über Vorurteile in den eigenen Reihen, über Hass und die Fähigkeit, Dinge für sich einzufordern, von denen man nicht bereit ist, sie anderen ebenfalls zuzugestehen. Und vor allem staune ich über den Mangel an Objektivität, was das eigene Verhalten angeht.

An dieser Stelle meiner Wall of Text werden sicherlich die ersten Hutschnuren hoch gehen. Aber ich bitte darum, einen Moment ruhig zu bleiben. Es ist nicht meine Absicht, einfach mit Anschuldigungen um mich zu werfen. Und ich möchte sicherlich auch niemandem im Besonderen auf den Schlips treten. Ich rede hier von denen, die auffallen. Zumindest mir. Ich weiß, dass nicht jeder so ist. Viele bemühen sich, freundlich und umgänglich zu bleiben und sich nicht von der negativen Welle mitziehen zu lassen, die immer mal wieder durch die Massen geht. Das finde ich wundervoll. Doch leider neigt der Mensch dazu, die schlechten Dinge im Gedächtnis zu behalten. Was der Grund dafür ist, dass von Szene-fernen Leuten immer wieder betont wird, wie kindisch, schlecht erzogen, laut, unfreundlich und egoistisch wir Cosplayer wären. Es ist nicht das Gros, das sich so verhält, doch diejenigen, die es tun, bleiben im Gedächtnis haften. Dagegen können selbst wir, die wir in der Szene aktiv sind, uns nicht wehren. Immerhin verhält es sich – um den Bogen zum eigentlichen Thema zu schlagen – mit den Medien nicht anders. Würde man 100 Cosplayer zu Berichten über das geliebte Hobby fragen, so würden die meisten sicherlich mit Geschichten von RTL und Pro7 antworten. Geschichten über TV-Beiträge, in denen Cosplayern übel mitgespielt wurde, indem man sie vorgeführt hat. Es gab unterschwellige bis offene Unterstellungen Richtung Realitätsverlust, Perversion und Dummheit. Alles schon gehabt. Also gerade in Bezug auf Privatsender ist mit der Szene nicht gerade gut Kirschen essen. Und wie viele der 100 Cosplayer würden wohl sofort mit einem positiven Bericht auftrumpfen? Ich wette, es wäre die überwältigende Minderheit. Ob es daran liegt, dass es in ihren Augen keine guten Berichte gibt oder ob sie sich wirklich nicht erinnern… Ich möchte darüber an dieser Stelle nicht urteilen, da ich keine wissenschaftliche Erhebung geführt habe. Ich arbeite hier mit Mutmaßungen.

Ich möchte gern zwei Aspekte hervorheben, die mir sehr wichtig sind. Und übrigens auch der Grund für diesen Eintrag.

1. Recherchieren die Produktionsfirmen nicht gut genug oder ist ihnen eine korrekte Darstellung der Szene egal?
2.Wieso werden Cosplayer vorgeführt und was tun die Cosplayer selbst dafür oder dagegen?

Die Beantwortung der ersten Frage basiert auf der Annahme, dass ein „08/15-Bericht“ über Cosplay erstellt werden soll. Kein reisserischer Kracher über „Manga-Morde“ oder ähnliches.

Nehmen wir mal den fiktiven Journalisten Jochen Sauerbier. Herr Sauerbier möchte einen Bericht über Cosplay für eine überregionale Zeitung schreiben. Er denkt sich also: „Cosplay, das ist nicht jedem bekannt und ich kann bestimmt was aus dem Thema raus holen!“ Also sucht er sich Interviewpartner und stellt schnell fest, dass das Thema ziemlich komplex ist. Außerdem gibt es da Namen aus Japan, die so kompliziert sind, dass er sich die unmöglich alle richtig merken kann! Und wieso gibt es in diesen Animes so furchtbar viele Charaktere? Einige davon sind auch noch unter Pseudonymen unterwegs oder verwandeln sich und heissen dann ganz anders und sehen mehr oder weniger anders aus. Und was ist überhaupt der Unterschied zwischen Anime und Manga? Warum haben die Cosplayer unter sich so eine andere Sprache? All das verwirrt Herrn Sauerbier und so fügt er einfach nach bestem Wissen und Gewissen alles zusammen, was er erfahren hat. Von seiner Redaktion hat er eine halbe Seite Platz zur Verfügung gestellt bekommen. Seine Geschichte bräuchte aber eher eine Seite und so muss er alles, was zu viel Platz frisst, streichen. Dem Rotstift fallen auch einige Erklärungen zum Opfer, was natürlich für das Verständnis nicht so toll ist, aber die Grundgeschichte bleibt erhalten. Für Herrn Sauerbier ist der Artikel zufrieden stellend. Für die durchschnittlichen Leser der Zeitung ebenfalls, denn die denken gar nicht großartig darüber nach, ob da vielleicht noch mehr hinter steckt, sondern nehmen die Informationen eben einfach auf. Nur die, die sich mit Cosplay auskennen, schütteln den Kopf, denn wie kann man bloß nicht erklären, dass man die Kostüme nicht für den Alltagsgebrauch anfertigt, sondern beinahe ausschließlich für Treffen!? Das denken doch jetzt bestimmt alle! Und warum schreibt man nicht dazu, dass die Sachen alle in 500 Stunden liebevoller Klöppelarbeit selbst hergestellt wurden? Da hat man doch extra drauf hingewiesen! Nun heisst es bestimmt, man kauft das einfach so. Und warum wird nicht erklärt, dass der Charakter, den man darstellt, den Kampf gegen Vergewaltiger und Mörder aufgenommen hat, weil ein tragisches Schicksal und eine entscheidende Veränderung seiner Persönlichkeit dahinter stehen? Es steht nur „Der muskelbepackte Rächer XXX“ unter dem Bild!

Das sind jetzt mal ganz banale Beispiele, aber so in etwa sieht es tatsächlich aus. Was für den Journalisten die Arbeit ist, in die er sich oft nicht mehr vertiefen kann oder will als es ihm in seiner Arbeitszeit möglich ist, ist für den Leser einfach ein Bericht über eine freakige Randgruppe und für den Cosplayer ein Affrond, weil ihm wichtige Sachen zu kurz kommen oder falsch wiedergegeben wurden. Es gibt immer mehrere Blickwinkel und ich denke, in den wenigsten Fällen meint der Journalist es böse und will den Leuten, über die er berichtet, so richtig eins reinwürgen. Denn mal ehrlich: Die meisten Vertreter der Medien merken im persönlichen Gespräch mit uns, dass wir auch nur ganz normale Menschen sind, mit denen man in 95% der Fälle vernünftig reden kann. Und sind wir denn anders? Wenn wir einen Artikel lesen, in dem es um eine Szene geht, mit der wir uns nicht auskennen, forschen wir da großartig nach, ob das alles so stimmt, was dort geschrieben steht? Hinterfragen wir jeden Satz? Fordern wir die Menschen zum Gespräch auf? Oder nehmen wir einfach hin, was wir erfahren haben, und denken: „Freaks.“ Hand aufs Herz!

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Womit ich einen etwas holprigen Übergang zum zweiten – und meiner Meinung nach schwierigeren – Aspekt des Themas schaffen möchte.

Ja, Cosplayer sind Freaks. Das ist nicht negativ gemeint, ein Freak ist nach der heutigen Deutung ja eigentlich nichts anderes als ein „Verrückter“ oder „Begeisterter“, der z. B. sein Hobby liebt und darin aufgeht. Und ich habe die Erfahrung gemacht, dass die Reaktionen der Umwelt auf dieses Hobby unheimlich positiv sind, wenn man ganz normal daher kommt und zu dem steht, was man tut. Warum? Weil man Sicherheit ausstrahlt. Und wer sicher wirkt, der bietet nur wenig Angriffsfläche. Ich muss mich nicht rechtfertigen, weil ich Cosplayer bin. Ich mache das nun seit 14 Jahren und kein einziges Mal hatte ich das Gefühl, ich wäre bekloppt oder unnormal. Anders herum habe ich mich aber auch nicht so gegeben, als hätte ich ein Rad ab. Ja, ich laufe verkleidet durch die Gegend. Ich habe Spaß daran. Doch mit dem Anlegen eines Kostüms verliere ich nicht meine Manieren, meine Selbstherrschung und den Respekt vor anderen Menschen. Ich bin immer noch ich. Ich sehe nur etwas anders aus.

Und das, was ich nun anreisse, ist das wirkliche Problem unserer Szene. Die meisten von uns sind wie ich. Und ein kleiner Prozentsatz benimmt sich wie die Axt im Walde. Ich habe es weiter oben schon einmal erwähnt und ich sage es gerne noch einmal: Einige von uns benehmen sich in der Öffentlichkeit so schlecht, dass wir als Gemeinschaft bereits einen zweifelhaften Ruf genießen. Und die diesen Ruf nähren, sind wir selbst. Nämlich diejenigen, die in Parks rücksichtslos durch Beete trampeln, die Absperrungen missachten, die ihren fiktiven Charakter gegenüber Unbeteiligten ausspielen um zu provozieren, die in Hotels Ruhestörung begehen, weil sie die ganze Nacht hindurch an der Nähmaschine sitzen, die Waschräume in einem unglaublichen Chaos hinterlassen, weil sie dort Perücken schneiden oder Haare färben… Es könnte noch so vieles aufgezählt werden. All dies trägt dazu bei, das Bild einer respektlosen Szene zu formen.

Und was ist mit den Medien? Wie präsentieren wir uns dort? Bei all den verzerrten Berichten und Halbwahrheiten, die bereits durch Zeitungen und das Fernsehen gingen, wäre es eigentlich wichtig, die Szene als das zu präsentieren, was sie hauptsächlich ist: Eine Gemeinschaft von kreativen Menschen, die Spaß an Dingen hat, die das Leben bunter machen. Die meisten derjenigen, die dies könnten, weigern sich allerdings inzwischen, mit den Medien zusammen zu arbeiten. Stattdessen sind es oft Menschen mit wenig Erfahrung im Umgang mit der Presse, die sich vor die Kamera wagen. Eben jene, die auffallen wollen – was per se ja nicht schlecht ist. Allerdings wirkt es eben befremdlich, wenn man sich im Fernsehen nicht wie ein intelligenter Mensch verhält, sondern vielleicht nur fauchend in die Kamera starrt, wie ein Kätzchen nach dem Moderator pfotelt oder gar auf keine Frage reagiert, weil der Charakter, den man gerade darstellt, unter einer Kommunikationsstörung leidet. Das mag alles in dem Moment ganz witzig sein, aber es sind diese Dinge, an denen sich nachher aufgehängt wird. Und es sind diese Dinge, die vermieden werden müssten. Wenn ich so eine Außenwirkung abgebe, kann ich nicht erwarten, dass Leute, die gerade vielleicht zum ersten Mal von Cosplay hören, ehrliches Interesse und Anerkennung für mich entwickeln. Ich kann nicht erwarten, dass ich mich wie der letzte Vollhorst benehme und dafür noch Applaus ernte.

Man muss sich bewusst darüber sein, was man in Gegenwart der Medien tut und man muss vor allem auch darüber nachdenken, wie es aufgenommen werden kann. Unser Hobby wirkt auf den ersten Blick nun einmal seltsam und die Faszination und die Leidenschaft, mit der wir es betreiben, wird eben nicht durch Grimassen und Verrenkungen vor einer Kamera dargestellt werden. Gibt es irgendjemanden, der die Betrunkenen an Karneval oder bei einem Fußballspiel besonders interessant und normal im Kopf findet, wenn er selbst nüchtern und unbeteiligt ist? Ich kenne niemanden.

Spielt euren Charakter, lebt ihn aus, habt Spaß! Aber achtet darauf, dass ihr eure Umwelt nicht respektlos behandelt und seid euch immer bewusst, dass es Grenzen gibt.

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Wir können die Schuld für Berichte, die uns in ein schlechtes Licht rücken, also weiter auf die Medien schieben oder wir können anfangen, unser Handeln zu überdenken. Denn wenn wir uns nicht benehmen als wären wir nicht ganz von dieser Welt, dann wird es den Medien auch schwerer fallen, uns entsprechend darzustellen. Ganz verhindern wird man das niemals können. Aber über das, was in die Hose geht, kann man auch einfach mal lachen. Ich habe das Gefühl, unsere Szene kann keinen Fehler verzeihen und besitzt nur wenig Selbstironie. Es wäre schön, wenn ich mich da irren würde.

Wer also ist der größere Feind des Cosplayers? Die Medien, die aufgreifen, was man ihnen hin wirft, oder der Cosplayer selbst, der die Außenwirkung nicht genügend überdenkt? Ich habe meine Meinung dazu und es würde mich interessieren, wie andere darüber denken.

Verstörende Fundstücke im Internet

Jetzt geht’s endlich im neuen Jahr hier weiter. Ich hoffe, ihr seid alle gut rein gerutscht? Bei uns war Halligalli und volles Haus – sehr lustig, aber auch sehr anstrengend. Ich bin halt einfach so eine dieser Gastgeberinnen, die immer alles perfekt haben will. Und die es dann auch nicht gut verknusen kann, wenn eben nicht alles stimmt. Eigentlich passt das auch gar nicht zu mir, denn ich bin schließlich von Haus aus eher chaotisch und unorganisiert. Ich hab schon mal drüber nachgedacht, ob das was mit dem (noch immer in Ansätzen vorhandenen) Denken „Ich werde nur gemocht, wenn ich was leiste!“ zu tun hat. Vermutlich. Na, jedenfalls war es ganz toll und inzwischen habe ich mich auch wieder erholt und die Wohnung auf Vordermann gebracht.

Mein Silvesterlack. :D

Mein Silvesterlack. 😀

Jetzt aber zum eigentlichen Inhalt dieses Beitrags. Gestern Nacht surfte ich aufgrund akuter Schlaflosigkeit im Internet herum und kam durch irgendeinen Blogeintrag auf eine Seite, um die ich sonst einen großen Bogen mache: 4chan. Wer nicht weiß, um was es sich dabei handelt, dem sei kurz ein Zitat aus dem entsprechenden Wikipedia-Artikel um die Ohren geworfen.

4chan ist eine englischsprachige Website, auf der Bilder veröffentlicht und diskutiert werden, ein sogenanntes Imageboard. Die Seite ist dem japanischen Vorbild 2channel nachempfunden und ist eine der meistbesuchten Seiten des Internets überhaupt. Sie machte durch provokative Netzaktionen auf sich aufmerksam und gilt als Wiege der „Anonymous“-Bewegung. Popularität erfährt 4chan vor allem als steter Quell neuer Web-Phänomene in Text, Bild und Audio.

Ich persönlich kann an 4chan nichts Unterhaltsames finden und stoße auch immer wieder auf übelste Beleidigungen und Hetze vor allem im Bereich Cosplay. Überflüssig zu sagen, dass ich das ziemlich ekelhaft finde, oder? Daher auch der Bogen, den ich um dieses Board mache. Für mich kann der gar nicht groß genug sein. Leider habe ich beim Anklicken des Links in besagtem Blog nicht genau hingeschaut und schwupps steckte ich im request-Bereich der Seite. Dummerweise machte ich den Fehler, nicht sofort wieder weg zu klicken. Und so durfte ich zweifelhafte Bekanntschaft mit den Dingen machen, die in diesem Unterboard nachgefragt werden.

Keine Ahnung, wer sich da alterstechnisch so rumtreibt, aber es werden massenhaft – und wenn ich das sage, dann meine ich das auch so! – Gesuche aufgegeben, die Bildmanipulationen zum Inhalt haben. Und zwar der allerfeinsten Sorte. (Ich möchte hier keine direkten Links oder Screenshots angeben, daher übersetze ich einfach mal frei aus dem Englischen.)

  • [Foto einer jungen Frau, schätzungsweise 20 Jahre, definitiv eine Privataufnahme.] Kann jemand eine Röntgenaufnahme hieraus machen? (Anm.: Gemeint ist das Entfernen der Kleidung und das entsprechende Hinzufügen eines nackten Körpers.) Gern auch Bearbeitungen mit Sperma im Gesicht und auf den Brüsten.
  • [Foto einer jungen Frau, etwa 18 Jahre, wieder eine Privataufnahme.] Ich träume seit Jahren von ihr. Bitte macht sie nackt!
  • [Passbild eines Mädchens, evtl. noch nicht volljährig.] Kann bitte jemand Sperma auf ihr Gesicht machen? Wenn es geht auch noch einen Penis dazu?
  • [Ein Selfie von zwei sehr jungen Mädchen.] Könnt ihr beide nackt machen? Und Sperma auf ihre Gesichter?

Ich könnte noch ewig so weitermachen. In dieser Rubrik werden so irre viele Verstöße gegen die Persönlichkeitsrechte begangen, dass mir schlecht wird. Irgendwer nimmt ein Foto von dir und postet es da und es werden Dinge damit getrieben, die echt widerlich sind. Ich weiß ja nicht, wie das in Amerika gehandhabt wird (wo das Board wohl gehostet wird), aber das kann doch nicht legal sein? Noch dazu vergisst das Internet einfach nie und diese Bilder werden sicherlich irgendwo und irgendwann wieder auftauchen. Einige Leute könnten dadurch echte Probleme kriegen. Und vielleicht sind sogar ein paar dieser Anfragen mit dem Hintergrund gestellt worden, die Person auf den Fotos zu diskreditieren.

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Was geht in den Köpfen der Leute vor, die so etwas ins Rollen bringen? Klar, jeder phantasiert mal, ist auch in Ordnung. Wenn ich mir vorstellen will, ich hätte was mit meinem Nachbarn (Gott bewahre!), dann kann ich das in meinem Kopf ausleben. Prima Sache. Aber ich mache doch kein Foto von dem, stelle das ins Internet und hoffe, dass jemand ihm einen riesigen Schwengel dran editiert. Ist das Kopfkino der Menschen bereits so eingeschränkt? Gibt es nicht genug Pornos im Internet, an die man sehr leicht dran kommt? Dann soll man sich da bedienen, aber doch nicht Privatpersonen einfach so ins Netz stellen und alles mit deren Fotos anstellen, was man will! Ekelhaft.