Dem Fußboden so nah!

Der junge Radiologie-Assistent sieht mich interessiert an und beugt sich vertraulich vor. „Haben Sie ein Problem mit Nadeln?“ Nein, habe ich nicht. Ich bin Cosplayerin, ich nähe und daher sind mir Nadeln vertraut. Auch das Stechen damit. Ich ramme mir die spitzen Dinger ständig irgendwo hinein. Auch beim Blutabnehmen: Kein Ding. Ich darf nicht hinschauen, weil ich es eklig finde, Blut aus mir heraus sickern zu sehen. Aber würde ich das als Problem bezeichnen? Nein. Als schüttle ich den Kopf und lächle selbstbewusst. „Nein, die machen mir keine Angst.“ Er nickt kurz und packt routiniert ein Spritzbesteck aus. „Gut, dann legen wir den Zugang schon vorher.“

Seit gut einer Stunde bin ich in den Räumlichkeiten der örtlichen Nuklearmedizin, habe diverse Formulare ausgefüllt und mit meinem Freund, der mich netterweise begleitet, Small Talk im Wartezimmer betrieben. Es soll ein Schädel-MRT bei mir durchgeführt werden. Nicht mein erstes, aber sicher keine Routine für mich. Die Gedanken an die enge Röhre habe ich bisher recht erfolgreich verdrängt. Mehr Angst macht mir das Spritzen des Kontrastmittels.

Ich bin kein Freund von Medikamenten. Klar, ich muss regelmäßig welche nehmen und das mache ich auch brav, weil ich weiß, dass ich sie brauche. Wenn man mir jedoch etwas Neues andrehen will, macht mich das immer nervös. Früher war es ganz schlimm. Da fing ich an zu weinen, sobald ich auch nur eine Tablette nehmen sollte. Die Angst vor den Nebenwirkungen ließ mein Gehirn auf Standby gehen und ich empfand nur noch Panik. Inzwischen hat sich das sehr gebessert, doch ein gewisses Unbehagen ist geblieben.

Mein Gegenüber ist sehr nett, unterhält sich angeregt mit mir und klebt währenddessen die Braunüle in meiner Armbeuge fest. Es ist seltsam. Ich habe keine Schmerzen, aber ich spüre die Nadel. Sie wackelt in meiner Vene hin und her. Und wie groß ist das Ding eigentlich? Ich könnte schwören, gleich schiebt sich etwas neben meinem Ellenbogen aus meinem Arm heraus. Mh. Nun wird mir doch ein wenig komisch. Die Nadel wackelt weiter. Mein Magen zieht sich zusammen und mir wird schlecht.

„Sie können jetzt schon mal in die Kabine gehen.“ Der Assistent sieht mich erwartungsvoll an. Ich starre zurück. In meinem Bauch steigt gerade eine Party, zu der ich sicherlich kein Einverständnis gegeben habe. „Ich glaube“, bringe ich mühsam hervor, „ich vertrage das doch nicht.“ Mein Blick irrt in dem kleinen Zimmer umher. Gibt es hier eigentlich keine Liege, verdammt? Wieso sitze ich auf so einem blöden Stuhl? Ich kann mich kaum noch aufrecht halten, die Übelkeit verstärkt sich und in meinen Ohren dröhnt das Blut. „Soll ich Ihnen etwas zu trinken bringen?“ Er ist die Ruhe selbst. Bewundernswert, denn ich bin das nun nicht mehr. Insgeheim denke ich, dass er nicht lange quatschen, sondern irgendwas tun soll! „Kann ich mich vielleicht hinlegen?“

Etwas scheint in meinem Gesicht zu passieren, denn plötzlich reißt der Kerl die Tür auf und ruft nach einer Liege. Von irgendwo kommt noch ein Mann gelaufen. Ich registriere, dass er ein blaues Shirt trägt. Er sagt mir, ich solle noch nicht aufstehen. Ist der verrückt? Ich muss aufstehen, denn ich sehe im Flur die Liege, die gerade gebracht wurde, und das ist mein Ziel. Da will ich hin. Jetzt! Vier Arme ziehen mich nach oben. Auf jeder Seite zwei. Laufe ich noch selber? Ich fühle nichts mehr und das Dröhnen in meinen Ohren ist einer dumpfen Stille gewichen. Ich bin in Watte gepackt. Seltsam schwerelos in meinem kraftlosen Körper. Abgeschottet von allem, was um mich herum geschieht. Meine Beine geben nach. „Verdammt“, denke ich noch, „jetzt stehe ich vor dieser blöden Liege und ende trotzdem auf dem Fußboden!“ Doch die Arme halten mich fest und das nächste, was ich mitbekomme, ist ein Gesicht über mir. „Geht es Ihnen gut?“

Ich liege. Endlich. Unter meine Füße werden zwei Kissen geschoben. Ich kann die Beine kaum heben, weil sie sich anfühlen wie zwei abgehangene Schinken und nicht wie meine Gliedmaßen. Von rechts beugt sich ein Arzt über mich. „Haben Sie das öfter?“ Er wirkt arrogant und gehetzt und ich finde ihn sofort unsympathisch. „Heute noch nicht“, nuschle ich trotzig. Blöder Kerl. Er kneift die Augen zusammen. „Sie sind ganz schön blass. Und sie schwitzen sehr stark.“ Spricht’s und verschwindet. Tja, dann mal danke für die tolle Info. Hilft mir ungemein weiter. Meine Liege wird in eine Ecke des MRT-Schaltraums geschoben. Keine 30 Sekunden später steht mein Freund vor mir. „Was machst du denn für Sachen?“ Wie lieb, man hat ihn zu mir rein geholt! Ich fühle mich gleich etwas besser und entspanne mich, während wir über belangloses Zeug reden.

Nach vielleicht zwanzig Minuten geht es mir wieder gut. Ich kann aufstehen und komme sofort an die Reihe. Das Team ist sehr bemüht, mir die Angst zu nehmen, doch nervös bin ich jetzt gar nicht mehr. Kann es denn noch schlimmer werden? An eine Panikattacke in der Röhre glaube ich nicht. Mein Kopf wird fixiert, man drückt mir einen Notfallknopf in die Hand und ich schließe die Augen. Der Scan dauert lange, doch ich lenke mich ab, indem ich aus den irrsinnigen lauten Geräuschen um mich herum eine Melodie zu formen versuche. Die Augen lasse ich die ganze Zeit über geschlossen. Man muss sich ja nicht unnötig triggern, wenn man unter Platzangst leidet.

Am Ende ist alles gut: In meinem Kopf sieht alles gut aus, in meiner Armbeuge scheint kein Bluterguss zu entstehen und das Team wünscht mir grinsend ein schönes Wochenende. Und erst beim Verlassen des Gebäudes fällt mir auf, dass ich gerade eines meiner persönlichen Horrorszenarien durchlebt habe und es gar nicht mal so schlimm war.

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Messecountdown: Meine ganz persönliche Interpretation der Cosplay-Convention

Wirklich schön, auch von einem Aussteller einmal zu hören, dass Cosplayer nicht per se unwillkommen sind.

Wunderwaldverlag

Ich war ein bisschen traurig, als letztes Jahr zum ersten Mal eigens eine Halle für die Cosplayer eingerichtet wurde. Die bunten Gestalten waren der fette Farbtupfer im Büchereinerlei. Auch die Mangahalle war noch nicht so gut besucht, aber das kann ja noch werden. Ich hoffe trotzdem, dass „Mangalogen“ und „Kostümologen“ hin und wieder den Weg zu uns „Seriösen“ finden.
Moment, sagt jetzt bestimmt jemand, hattest du nicht vor ein paar Tagen geschrieben, dass euer Dreigestirn in allen Farben des Regenbogens auflaufen wird? Ja, habe ich. Und wir kommen nicht nur deshalb in Bunt, um verrwirrtaktisch diverse Branchenklischees auszuhebeln, sondern weil – meine Familie dankt es mir paradoxerweise – ich gerne nähe.
Und damit wären wir bei einem Punkt, der in Sachen Cometogether aus mir nicht bekannten Gründen am wenigsten berücksichtigt wird. Weder Selfpublisher noch (Klein-)Verleger bedenken, dass sich ein Produkt am leichtesten verkauft, wenn man ihm ein Image verpasst…

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Ich mag nicht jeden Menschen. Das ist okay.

„Es tut mir leid, ich werde mit ihr einfach nicht warm. Sie hat mir nichts getan, nein, aber sympathisch finde ich sie trotzdem nicht.“ Die Reaktion meines Freundes auf diesen Satz war fast so etwas wie Bestürzung. Ich konnte Unverständnis in seinem Blick entdecken und ein stummes „Stell dich nicht so an.“ Das hat mich nicht geärgert, denn immerhin handelt es sich bei besagter Person um eine langjährige Freundin meines Goldjungen. Und irgendwie möchte man ja immer, dass der Partner die eigenen Freunde mag.

Die allgemeine Wunschvorstellung in Beziehungen ist, dass alle gut miteinander auskommen. Die Realität sieht aber eben anders aus. Für mich ist das auch gar nicht schlimm, denn immerhin liebt man den Menschen, mit dem man zusammen ist. Die Freunde sind Beiwerk, das man gratis dazu bekommt. Aber sie haben per se nicht viel mit dem Kern der Beziehung zu tun. Sie sind das gewachsene Umfeld des Partners. Nicht das eigene.

In meinem Fall sieht das etwa so aus: Mein Freund und ich haben auf den ersten Blick nicht viel gemeinsam. Er steht auf Black Metal, hat einen sehr schwarzen und teilweise auch recht flachen Humor (Sorry, Schatz! ;D), redet nicht gern über Gefühle, ist sportlich und am liebsten immer auf Achse. Ich bin ein Nerd, mag Anime und Cosplay, interessiere mich für Psychologie, bin ziemlich sensibel und ein wahrer Couch Potato. Irgendwie haben wir aber dennoch zusammengefunden und ja, es gibt durchaus Dinge, die wir zusammen machen und bei denen sich unsere Interessen überlagern. Ansonsten wären wir nicht seit vier Jahren ein Paar. Aber ebenso wie er sich nicht vorstellen kann, jemals mit mir auf eine Convention zu gehen oder sich weigert, auch nur einen Anime mit mir zu schauen (Neulich saß er in sein Handy vertieft auf der Couch, während einer lief, das war schon ein kleines Wunder!), könnte ich mich nicht überwinden, ihn auf ein Metal Konzert zu begleiten oder mit ihm klettern oder Mountain biken zu gehen. Und Achtung, das klingt jetzt fieser als es gemeint ist: Dafür sind seine Freunde da.

Wir suchen uns die Menschen aus, die zu uns passen. Sie teilen ähnliche Interessen, begleiten uns auf Konzerte, ins Kino, vielleicht auch in den Urlaub. Wir können mit ihnen über das reden, was uns bewegt, weil wir ähnlich ticken. Unsere Freunde müssen nicht einer Meinung mit uns sein. Sie müssen nicht alles toll finden, was wir sagen oder tun. Aber generell schwimmen sie mit uns auf einer Welle und in die gleiche Richtung. Und das muss nicht die gleiche Welle sein, auf der wir mit unserem Partner surfen. (Würde auch irgendwann echt eng werden.)

„Warum magst du sie denn nicht? Ist doch super nett!“ Das mag sein. Aber es betrifft die Maßstäbe eines anderen Menschen, nicht meine. Und ich kann es mir leisten, mich mit den Menschen zu umgeben, mit denen ich mich umgeben will. Ich muss mir niemanden antun, der eigentlich nicht an meine Seite gehört. Das ist nicht arrogant gemeint, wirklich nicht. Ich lerne gern neue Menschen kennen, aber ich habe irgendwann festgestellt, dass ich es nicht mehr haben muss, mich für andere Leute zu verrenken. Dafür bin ich mir zu schade. Ich muss nicht jeden Menschen toll finden, ebenso wie man mich nicht toll finden muss.

Die meisten Leute aus dem Bekanntenkreis meines Freundes mag ich. Einige sogar sehr gern. Ich verbringe gern Zeit mit ihnen. Andere sind halt nicht so mein Fall. Ich behandle sie trotzdem höflich und mit Respekt. Auch die ganz oben genannte Person, mit der ich nicht wirklich gut kann. Wie sie das? Keine Ahnung, doch ich habe schon das Gefühl, dass das bei uns auf Gegenseitigkeit beruht. Ob ich das ihr gegenüber thematisiere? Nein. Wozu? Die Zeit, die ich mit ihr verbringe, ist keine verschwendete Lebenszeit. Es sind immer genug andere Leute da, mit denen ich sehr gut kann. Also sehe ich da kein Problem. Und sicher wird das mein Freund auch irgendwann verstehen.

Helau und Alaaf – bitte nicht für mich.

Es ist wieder so weit: Die Narren ziehen durch die Lande und lassen keinen Stein auf dem anderen. Für viele der Anlass zu wildesten Parties, für mich eher ein Grund, die Tür besonders gründlich zu schließen und erst nach Arsch-am-Mittwoch Aschermittwoch wieder auf die Straße zu gehen. Ja, ich gestehe: Karneval ist für mich ein Graus. Das war schon immer so und das wird vermutlich auch so bleiben.

„Aber du bist doch Cosplayer, du verkleidest dich ständig! Wieso findest du so was denn plötzlich doof, wenn es nichts mit deinem Fandom zu tun hat?“

Das muss ich mir tatsächlich sehr oft anhören. Die meisten Menschen in meinem Umfeld, die mit meinem Hobby nichts anfangen können, sehen überhaupt keinen Unterschied zwischen Cosplay und Karneval. Immerhin laufen verkleidete Menschen auf der Straße herum, also können die beiden Sachen so grundverschieden nicht sein. Doch, das sind sie. Kaum ein Cosplayer findet es toll, wenn man ihn in einen Topf mit den Karnevalisten wirft, und anders herum ist es genau so. Wieso? Nun ja, während die Jecken sich ihre Kostüme meist aus einem breiten Angebot an Massenware kaufen, stellt der Großteil der Cosplayer seine Sachen selber her. Gehen die Narren zum Feiern beinahe überall auf die Straße und lassen die Sau raus, sind Cosplayer eher unter sich und auf Conventions unterwegs, nehmen an Wettbewerben teil oder veranstalten Fotoshootings. Hat sich die gesamte Kölnarena bereits unter die Tische gesoffen, ist der Cosplayer in der Regel komplett nüchtern und hat auch kein gesteigertes Bedürfnis nach Alkohol auf seinen Veranstaltungen. Ist Karneval, Fasching oder Fastnacht allgemein (und sogar kulturell) anerkannt, so werden Cosplayer immer als Freaks, Perverse oder Infantile angesehen. Wenn das nicht schon gravierende Unterschiede sind, dann weiß ich auch nicht.

Generell habe ich nichts gegen Karneval. Als gebürtige Bremerin habe ich damit halt einfach nie was am Hut gehabt. Bei uns gibt es das nicht – oder kaum. (In den letzten Jahren hat sich im Norden wohl Ganderkesee als geheime Hochburg der Narren etabliert, so weit ich weiß.) Ich habe den Geist des Karneval also nicht als Baby mit der Muttermilch aufgesogen, habe als Kind keine großartigen Faschingsparties gefeiert (Auch wenn die immer mal wieder im Kindergarten oder in der Grundschule aufkamen. Es gibt Beweisbilder!) und als Jugendliche nach meinem Umzug in die Eifel konnte ich mich auch dort nicht mit den Kappensitzungen und Umzügen anfreunden. Letzteres sicher auch, weil es in der Schule eine Pflichtveranstaltung war und ich es einfach nur grauenvoll fand, zu etwas gezwungen zu werden, mit dem ich nichts anfangen konnte. Die Erinnerungen daran sind nicht gerade schön, weil ich mich total unwohl und fehl am Platz fühlte. Bis heute hält sich diese Einstellung und wenn mich Freunde fragen, ob ich nicht mit ihnen feiern möchte – eventuell sogar in Köln -, lehne ich das ab.

Nein, ich bin kein „Hater“ und kein „Troll“ und ich verurteile niemanden, der die fünfte Jahreszeit begeistert feiert. Manche Kostüme finde ich sogar wirklich hübsch und kreativ und ich mag die Funkenmariechen in ihren Uniformen. Was ich nur eben nicht mag, ist die dunkle Seite des Karnevals. Ich muss mich nicht in der Menge begrapschen oder von Besoffkis küssen lassen. Überhaupt widert mich der übertriebene Genuss von Alkohol ziemlich an. Karneval ist anscheinend nur noch ein reines Besäufnis, ein Vorwand zum Totalabschuss. Da ich selbst so gut wie keinen Alkohol trinke und schon nach zwei Ouzo angetüddelt bin, ekelt und verängstigt mich jedes Massenbesäufnis. Ich kann die Menschen nicht mehr einschätzen und das ist mir unheimlich. Abgesehen davon ist alles um einen herum irgendwann nur noch purer Gestank. Und dann fallen mir die Männer auf, die beim Gardetanz in der ersten Reihe sitzen, den Blick starr auf die Höschen der Mädels gerichtet. So was löst bei mir Abscheu aus. Nein. Nein, das ist wirklich nichts für mich.

Also, Verkleiden wird sicher immer etwas für mich sein. Daran habe ich Spaß. In Kombination mit Hemmungslosigkeit, Lärm, Geilheit und jeder Menge Alkohol wird das aber nie mein Ding sein. Daher verbringe ich die tollen Tage ganz in Ruhe zuhause und vielleicht nähe ich sogar an dem einen oder anderen Kostüm weiter.

 

Sport ist Mord

Ich bin ein Sportmuffel. Einer der ganz schlimmen, für die es schon körperliche Ertüchtigung ist, wenn sie sich auf dem Sofa von einer Seite auf die andere wälzen müssen. Während sich schwitzende Jogger schnaufend und japsend an ihrem Runner’s High erfreuen, lege ich gern die Füße hoch. Derweil Bodybuilder ihre Muskeln mästen und keuchend Kilos stemmen, gönne ich mir gern ein Nickerchen. Nur selten ereilt mich der Tatendrang und noch seltener gebe ich ihm mit sportlicher Betätigung nach. Nein, lieber nutze ich den Elan dann zum Aufräumen oder Putzen.

Überhaupt bin ich beim Thema Sportarten sehr wählerisch. Es gibt nicht vieles, das mich interessiert. Und noch weniger, das ich selbst ausführen würde. Rhythmische Sportgymnastik und Eiskunstlaufen finde ich toll. Musik, eine schöne Choreografie und so viel Anmut… Natürlich nichts für Quallen wie mich. Gibt es vom Horrorfilm „Der Blob“ einen zweiten Teil? Falls nicht, so könnte man mich einfach beim Versuch des grazilen Hopsens filmen und das Werk „Der Blob II – Speck in der Sporthalle“ nennen. Schwimmen finde ich auch noch ganz nett, darin bin ich sogar gut. Einziges Manko: Im Badeanzug vor anderen Leuten rumrennen. Nicht so mein Ding. Reiten? Zu teuer und vor allem blöd mit meinem Heuschnupfen und eine Qual für das arme Pferd, das mich abbekäme. Vor Jahren war ich in einer Tanzgruppe, das hat viel Spaß gemacht, aber als Leiterin war ich arg gestresst und sportlich war das auch nicht so unbedingt.

Man merkt schon, es ist nicht so leicht mit mir. Ich bin einfach lieber geistig aktiv als körperlich. Dabei kann ich es wirklich brauchen! Mal abgesehen von meinem Übergewicht, das ich reduzieren sollte so lange es noch einigermaßen geht, müsste ich wegen eines Bandscheibenvorfalls eigentlich dringend Rücken- und Bauchmuskulatur aufbauen. Wenn man dafür nur nicht so viel tun müsste…

Aber die Hoffnung stirbt immer zuletzt! Und manchmal geschehen noch Zeichen und Wunder. In meinem Fall: Ich habe mich letzte Woche im Fitnessstudio angemeldet. Das war kein guter Vorsatz zum Jahreswechsel, auch wenn es vom Timing her passen würde. Nein. Kurz vor Silvester hatte ich immer öfter den Drang, einfach mal raus zu gehen und mich zu bewegen. Ich war richtig unruhig und konnte meinen Hintern gar nicht mehr so faul in der passgenauen Kuhle des Sofas parken wie sonst. Das war schon seltsam und irritierend. Ich dachte, dieses Gefühl würde abflauen. Aber nein, es blieb. Und so entstand der Gedanke, mich doch mal wieder in einem Studio blicken zu lassen, um unter fachkundiger Anleitung ein wenig für meinen Körper zu tun. Mein Freund war ziemlich begeistert von dieser Idee und bot direkt an, mir das zu bezahlen, da ich es mir wegen meiner Arbeitslosigkeit gerade nicht leisten kann. Und dass eine Freundin von mir ins gleiche Studio geht und mich somit motiviert, ist natürlich sehr praktisch.

Zu Anfang war ich sehr skeptisch. Fitnesstempel sind nicht gerade meine Wohlfühl-Umgebung. Über die Jahre war ich schon in einigen angemeldet – in Bremen und in Hamburg. Und überall das gleiche: Junge Mädels mit knackiger Figur, die sich fürs Training aufdonnern und sich ihren Ego-Boost beim Lästern über diejenigen abholen, die Bewegung sichtlich nötiger haben als sie selbst. Oder selbstverliebte Muskelmänner, die mit lautem Stöhnen und lustigen Posen so viele Gewichte stemmen wie gerade noch geht. Das war einfach nicht meins. Ich kam mir immer vor wie ein gestrandeter Wal, der von allen begafft wird. Und die Betreuung war oft auch eher… spärlich. Mein jetziges Studio hat mich zum Glück davon überzeugt, dass es auch anders geht. Sehr nette Trainer, eine lockere Atmosphäre und Kunden, die wirklich wegen des Trainings kommen.

Und ja, ich bin fleißig. Klar, es bewegt sich noch nicht irre viel, aber ich bin noch immer motiviert. Auch wenn mir nach den Übungen manchmal Muskeln weh tun, von denen ich gar nicht wusste, dass ich sie habe. Und auch wenn mein Puls auf dem Fahrrad bei 170 liegt und ich denke, ich kratze gleich ab oder falle ohnmächtig zu Boden. Vielleicht wird das noch besser. Aufgeben mag ich nicht. Kann sein, dass die Chance besteht, den Landwal noch mal ins Wasser zu schieben. 🙂