Pendlers Albtraum oder: Bahnstrecke of DOOM!

Ich bin kein großer Fan von Zügen, S-Bahnen oder ähnlichen Gefährten. Jahrelang litt ich unter einer Phobie vor dem Bahn fahren und es gab Zeiten, in denen konnte ich partout nicht in einen Zug steigen. Egal, was ich versucht habe, es endete damit, dass ich heulend auf dem Bahnsteig stand oder mich wie in einer schlechten Filmszene von meiner Freundin auf einem verregneten Parkplatz trösten lassen musste. Der Grund dafür war meine Agoraphobie, die mich auf sicherem Weg in eine Panikattacke stürzte, sobald ich keine Fluchtmöglichkeit aus einem Raum oder einer Situation sah. Und aus einem fahrenden Zug kann man schlecht entkommen, nicht wahr?Einige Jahre und viele Konfrontationstherapien später kann ich nun wieder in den von mir verhassten Bahnen Platz nehmen. Nicht jedes Mal habe ich ein gutes Gefühl dabei, doch die Panik ist verschwunden und ich bin mehr als dankbar dafür. Doch vom entspannten Bahn fahren bin ich immer noch meilenweit entfernt. Und das hat einen Grund, der nichts mit meiner Psyche zu tun hat.Seit Anfang März bin ich ein klassischer Pendler. Also so, wie man sich den immer vorstellt. In einer Stadt rein in den Zug, in der anderen Stadt raus aus dem Zug. Da ich am Rand des Bergischen Lands lebe und Düsseldorf recht nah ist, brauche ich morgens ca. 45 Minuten zur Arbeit. Dabei nutze ich einen Bus und zwei Bahnen. Den Bus bis zum Bahnhof Solingen-Mitte und von dort den Abellio nach Solingen-Ohligs, wo ich schließlich in die S-Bahn nach Düsseldorf einsteige. So weit, so gut. Die Anschlusszeiten sind in Ordnung. In Düsseldorf selbst habe ich noch ein Zeitfenster von etwa 25 Minuten, bevor meine offizielle Arbeitszeit anfängt. Ich versuche allerdings immer 15 Minuten eher da zu sein, da besonders morgens der Andrang im Sekretariat groß ist.

Das Problem an der Sache: Die Bahnverbindungen der Strecken Wuppertal – Solingen und Solingen – Düsseldorf scheinen verflucht zu sein. Ständig sind Züge zu spät oder defekt oder sie kommen erst gar nicht. Im Schnitt jeden zweiten Tag. Da kann ich auch so früh losfahren wie ich möchte: Keine Chance. In der zweiten Märzwoche gab es einen Oberleitungsschaden in Düsseldorf. Irgendein Hirni ist über die Gleise gelaufen, ein Zugführer musste die Notbremsung einleiten und dabei hat es die Oberleitung zerrissen. Resultat: Vier Stunden Totalausfall auf allen Strecken. Ich habe etwa drei Stunden gebraucht, um nach Hause zu kommen. Natürlich waren die U-Bahn und der Bus völlig überfüllt und die Verbindungen per App herauszufinden war so gut wie unmöglich. Mir hat wirklich nur der Zufall geholfen. Es folgten diverse morgendliche Verspätungen aus Richtung Wuppertal, die alle mit den obligatorischen „Verzögerungen im Betriebsablauf“ begründet wurden. Was soll das eigentlich sein? Ich meine, was genau? Denn das kann von „Entschuldigung, da stand eine Kuh auf den Gleisen.“ über „Der Zug wollte nicht anspringen.“ bis „Der Zugführer musste noch mal ordentlich kacken gehen.“ wirklich alles sein. Neulich war es wieder so schlimm, dass die Leute bei Einfahrt des Zuges etwa 30 Minuten nach fahrplanmäßiger Ankunft am Bahnhof Mitte zu applaudieren begannen. Mitte März ist eine Bahn hinter Solingen-Ohligs liegen geblieben, weshalb die Strecke für eine gute Stunde gesperrt wurde. Und letzte Woche ist am Montag Morgen eine S-Bahn wegen technischem Defekt ausgefallen, blockierte die Gleise und legte daher den gesamten Berufsverkehr auf den Schienen lahm. Erst nach ewigem Hin und Her wurden einige Bahnen über Wuppertal umgeleitet. Am Tag danach herrschte Sturm in unserer Region, weshalb bereits morgens der Bahnverkehr ausfiel. Und nur, weil ich es früh genug durch meinen Freund erfahren habe, konnte ich mich noch von meinem Schwiegervater in spe nach Düsseldorf mitnehmen lassen.

Es ist ein Krampf. Sobald ich morgens aufstehe, habe ich schon wieder Angst vor Verspätungen und Ausfällen. Seien wir ehrlich: Es macht keinen guten Eindruck, ständig zu spät zur Arbeit zu kommen. Auch wenn es sich meist nur um 10 Minuten handelt. Meine Chefinnen sind da recht verständnisvoll, aber das macht die Sache nicht besser. Ich muss einfach zuverlässig sein und mit der Deutschen Bahn sowie Abellio habe ich keine guten Partner dafür an meiner Seite.

Advertisements