aufgewühlt

Gestern in Wuppertal, essen gehen mit Freund und Freundin und zwei Bekannten der Freundin, die ich noch nicht kannte. Trotz latenter Kopfschmerzen bin ich entspannt. Im Restaurant ist die Musik zu laut, ist es viel zu voll, aber kein Problem. Ich will einen Abend mit netten Menschen genießen und was macht da schon Helene Fischer, die aus den Boxen „Atemlos“ in die Lokalität grölt.
Wir sind etwas zu früh da, setzen uns an den Tisch, warten auf die Bekannten der Freundin und als sie dann kommen, die schlimmste Begrüßung seit langem, weil es unerwartet in mir explodiert. 

„Die beiden kennen T. auch! Wisst ihr, das ist die Steffi aus Hamburg, um die es damals mit T. und P. ging.“

Ein Atemzug. Vielleicht nur ein halber. Und in dieser Zeit, die es dauert, Luft in meine Lungen zu pumpen, werden Erinnerungen geweckt und Gefühle kommen an die Oberfläche. Gefühle, die ich schon längst hinter mir gelassen glaubte. Da ist keine Liebe mehr, keine Sehnsucht, kein Bedauern wie noch vor Jahren. Nicht einmal Hass, den ich so lange Zeit empfunden habe. Aber die Erinnerung an den Schmerz erreicht mein Herz und ich bin mir fast sicher, dass es kurz aus dem Takt gerät. Dass die Ungeheuerlichkeit, die Herzlosigkeit, die Kälte und Gleichgültigkeit von damals mich immer noch so aus dem Gleichgewicht bringen, war mir nicht bewusst. Habe ich es verdrängt? Ist es immer noch nicht abgeschlossen für mich? 

Ich sitze da und sehe diese mir fremden Menschen an und denke: „Sie wissen Dinge über mich und meine Vergangenheit und sie kennen die andere Seite und jetzt vergleichen sie mich.“ Ich kann förmlich spüren, wie sie sich an die Einzelheiten zu erinnern versuchen. Wie sie mich mit einem neuen Blick mustern. Darin liegt eine Bewertung. Und ich bin nicht bereit, an diesem Abend bewertet zu werden. Ich möchte nicht so schnell in eine Schublade gesteckt werden. Doch ich fürchte, es ist schon passiert. 

Ich lache die Situation weg. Ich versuche, locker zu wirken. Das alles berührt mich gar nicht mehr. Kann doch jedem mal passieren, ist überhaupt kein Drama. War das nicht alles sogar ziemlich lustig?

Nein, war es nicht. Denn es hat schon seinen Grund, warum ich nachts um drei Uhr einen Blogeintrag schreibe statt zu schlafen. Und es hat seinen Grund, warum ich immer noch wissen möchte, ob ich die einzige bin, die an damals denkt, weil ich mir wünsche, dass ihrer beider Gewissen sich irgendwann wenigstens ein bisschen geregt hat. 

Advertisements