Eine Perle aus vergangenen Zeiten.

Ich habe gestern beim Stöbern in alten Texten und Nachrichten diese Perle von einem Blogeintrag gefunden, den ich vor sechs Jahren verfasst habe. Das Erlebnis hatte ich schon komplett verdrängt und musste beim Lesen nun sehr lachen. Ich hoffe, euch amüsiert es auch. Viel Spaß.

Dezember 2010:

Wieso gerate ich eigentlich immer an Typen, die irgendwie… nicht ganz normal sind? Also entweder bin ich nicht ganz knusper und erwarte von anderen zu viel (oder das Falsche) oder – wovon ich im Moment ganz stark ausgehe – ich bin von Idioten umgeben! Ich meine… Ja, ich habe meine Probleme, was Beziehungen angeht. Ich bin auch nicht wirklich leicht zu nehmen mit meinen ganzen Macken und Ängsten. Aber das sind wenigstens Dinge, über die ich mir bewusst bin und an denen ich arbeite. Um mich herum tauchen aber immer wieder Gestalten auf, die einfach so bizarr sind, dass sie nicht mal mit viel gutem Willen in mein Leben passen könnten. Ich habe schon öfters über seltsame und lustige Bekanntschaften geschrieben. Und jedes Mal wieder macht es mir Spaß, die Welt an dem teilhaben zu lassen, was mich auf die Palme oder zum Lachen bringt. Heute ist es wieder so weit. Lehnen Sie sich zurück, meine Damen und Herren, und genießen Sie die Geschichte des Mannes, der den schwäbischen Frauen schöne Rosetten andichtet…

In einem meiner letzten Blogeinträge schrieb ich von einem jungen Mann, der mich auf dem Heimweg an der Bushaltestelle angegraben hatte. Und ich berichtete auch, dass ich ihm in einem Anfall geistiger Umnachtung meine Handynummer gegeben habe. Zum damaligen Zeitpunkt wusste ich nicht so genau, warum. Jetzt ist es mir klar geworden: Zu meiner Belustigung! Am gleichen Abend dieser doch fast banal anmutenden Begegnung erhielt ich noch einige sms von besagtem Herrn. Die waren so weit ganz nett und sehr unverfänglich. Was wohl auch erklärt, warum ich seine Freundschaftsanfrage auf facebook angenommen habe. Wie war das? Offen sein für Neues! Der erste Chat zwischen uns war ganz locker. Wir plauschten über dies und das und er fragte mich, ob wir uns mal treffen wollten. Bevor ich eine Antwort geben konnte, ergänzte er seine Frage durch folgenden Satz: „Am besten morgen am 1. Advent. Das ist ein toller Tag, kann man sich als Jahrestag gut merken.“
DING DING DING!!!
Ich bin spontan lachend über meiner Tastatur zusammengebrochen. Wie bitte? Ich hatte mich gerade mal drei Minuten mit dem unterhalten und dann so was! Hatte er bis dato weder Plus- noch Minuspunkte auf meinem gedanklichen Konto, lag er zumindest im Soll plötzlich ganz weit vorn. Mir war sofort klar, dass es sich wieder mal um so ein Jüngelchen handelt, das gerade keine Frau am Start hat und dringend Abhilfe schaffen muss. Egal, wie! Aber ich war neugierig und wollte wissen, was für Schoten dem noch einfallen würden. Also habe ich ihm nur ganz sachlich gesagt, dass ich am Wochenende keine Zeit habe und erst recht nicht am 1. Advent. Was sogar stimmte. Dennoch konnte ich mir die Frage nicht verkneifen, ob er ein zu großes Ego hätte? Seine Antwort kam prompt und… nun ja, sie überraschte mich nicht. „Joa, schon ein ziemlich großes. Aber ich weiß genau, dass wir zusammenpassen. Freue mich schon drauf, mit dir zu küssen und zu kuscheln.“ Äh… hä??? Na gut. Unter Tränen (Ich war wirklich sehr erheitert!) schrieb ich ihm, dass ich das recht anmaßend fände und auch leicht irritierend, da wir uns ja gar nicht kennen. Sein Kommentar: „Ich weiß genau, dass ich dich brauchen werde. Wir werden wunderbar zusammenpassen.“ Ich teilte ihm mit, dass ich ohnehin gute 5 Jahre älter wäre als er, ob ihn das überhaupt nicht interessieren würde? (Ja, ich mag jüngere Männer eh lieber, aber mal ehrlich, dass muss DER doch nicht wissen!) „Oh, ich hätte dich auf 27 geschätzt! Aber ist doch gut, wenn du in deinem Alter noch so vital und fit bist.“ Bitte??? Vital und fit? IN MEINEM ALTER??? „Wenn du älter bist, dann ist das doch auch gut, dann weißt du wenigstens, was du willst. Und was du an einem Mann wie mir hast.“ Ja, einen Verrückten! Danke, aber nein danke! Diese Unterhaltung endete auch recht abrupt, da ich – ganz zufällig – einkaufen gehen musste.

Ein paar Tage später traf er mich wieder online an und irgendwie kamen wir auf das Thema „Fotografie“ zu sprechen. Nach etwas Hin und Her über Spiegelreflexkameras („Ich kauf mir auch bald eine, die darf ruhig 1.000 Euro kosten!“ – „Du musst keinen Tausender ausgeben für eine gute Kamera. Und bei den Bildern kommt es eh mehr auf Objektive, Technik und ein gutes Auge an.“ – „Je teurer die Kamera, desto besser die Bilder.“ … is klar…) wollte er wissen, ob ich auch Videos aufnehmen würde. Ja sicher, als meine Videokamera es noch tat und ich noch nicht so viel fotografiert habe, schon. Warum? „Ach, ich hab da mal dran überlegt, bin ja auch oft unterwegs in Deutschland. Das letzte Mal in der Nähe von Stuttgart. Die Leute da sind echt nett.“ – „Ich habe die Erfahrung gemacht, dass ich die meisten Menschen südlich meines persönlichen Weißwurstäquators nicht leiden kann. Die meisten sind heimtückisch oder Arschlöcher.“ – „Die Frauen bei Stuttgart haben schöne Arschlöcher!“ Tolle Info. Vielen Dank dafür. „Filmst oder fotografierst du dich denn auch selbst beim Sex?“
BWAAAAHAHAHAHAHAHAHAAAAA!!!
Innerhalb von Sekunden litt ich unter Atemnot und Sehbehinderung. Ich musste so schlimm lachen, dass mir sofort die Tränen kamen. War ja kaum zu fassen, was dieser Kerl da von sich gab! Glaubte der ernsthaft, er könne damit auch nur einen Blumentopf gewinnen? Den haue ich ihm höchstens um die Ohren, mehr nicht! „Nein…“ Mehr konnte ich gar nicht schreiben, weil ich so von Lachkrämpfen geschüttelt wurde. „Das ist doch gar nichts Schlimmes und total modern!“ Modern also, aha? Also ist das quasi, als wenn ich mir neue Schuhe kaufen gehe? Neuer Partner = neue Mode? Also, ich bin durchaus aufgeschlossen für die Vorlieben anderer und jeder kann tun und lassen, was er will. Mache ich ja auch. Aber für mich gehört ein gewisses Vertrauen dazu, über intime Details zu sprechen. Und jemand Wildfremdes, der meine Grenzen da überschreitet, wird von mir nur die kalte Schulter gezeigt bekommen. „Ich war noch nie ein Mensch, der mit der Mode gegangen ist.“ – „Aber du bist doch jetzt auch in einem Alter, in dem du deine Sexualpartner nicht mehr an einer Hand abzählen kannst!“ Was auch immer das damit zu tun haben mag… Ich kann es. „Doch. Ich springe nicht mit jedem x-beliebigen Typen ins Bett.“ – „Typisch Frau.“ – „Tu nicht so scheinheilig. Ihr Männer dürft alles vögeln, was euch über den Weg läuft, aber sobald eine Frau das tut, ist sie doch eh eine Schlampe und ihr wollt nur über sie drüber rutschen, mehr nicht.“ Mich macht so ein großkotziges Gehabe wirklich wütend! „Aber wenn du alles fotografisch festhältst, dann kannst du dich auch später noch dran erfreuen, wenn du alt bist. Und du kannst protokollieren, mit wem du so alles geschlafen hast.“ …
Das verschlug jetzt selbst mir die Sprache. Ist er wirklich von dem Unsinn überzeugt, den er da schreibt? Ich kann es kaum glauben! Aber eigentlich auch egal, ob ich es glauben kann oder nicht. Ich weiss zumindest, dass ich mich mit so einem Menschen weder treffen noch näher befassen will. Das ist mir alles zu oberflächlich und zu tumb. Diese Leute, die glauben, sie sind die Erfüllung eines jeden feuchten Traums, gehen mir genau so auf den Senkel wie diejenigen, die alles und jeden sexualisieren müssen. Ich sehe das als einen gewissen intellektuellen Anspruch, den ich an meine Mitmenschen stelle. Nicht alles und jedes gehört nur auf Sex reduziert und ich möchte bitte auch nicht, dass man mich nur danach beurteilt, was ich im Schlafzimmer treibe oder wie schnell ich generell flachzulegen bin. Das ist unterste Schublade und benötigt gerade mal die Hirnaktivität einer Amöbe.
Ich hatte also schon beschlossen, ihn bei der nächsten dusseligen Aussage aus meiner Freundesliste und aus meinem Handyspeicher zu verbannen. Es dauerte auch nicht lange, bis sich die Gelegenheit ergab. Denn heute war es so weit! Ich surfte gelangweilt auf Facebook herum und wurde auch prompt angeschrieben. Ob ich denn nicht Lust hätte, am Samstagabend etwas mit ihm zu unternehmen? Ha! Da kommt doch bestimmt wieder was! „Was denn?“ – „Mitternachtssauna von 22 bis 24 Uhr.“ Der glaubt jetzt nicht ernsthaft, dass ich mit ihm zusammen in die Sauna gehe? „Nee.“ – „Wieso nicht? Das ist entspannend und tut gut!“ – „Ich weiss, aber ich mach so was nur mit Leuten, die ich gut kenne. Ich zieh mich nicht vor jedem aus.“ – „Typisch.“ Typisch??? Was ist denn da jetzt bitte typisch? Nur weil ich ihm nicht beim nächsten Treffen meine nackten Hupen unter die Stielaugen halten will? Soll er doch in Susis Showbar gehen, nur muss er dort für nackte Haut blechen. Vermutlich dachte er sich das auch. „Na komm, das wird bestimmt toll.“ Zeit für klare Verhältnisse! „Ehrlich gesagt glaube ich nicht, dass wir auf einer Wellenlänge liegen.“ – „Aber du weißt es nicht.“ Tolle Feststellung. Ach, er schreibt noch was? „Du weißt überhaupt nur sehr wenig.“ Hui, da ist jemand aber angezickt. Ist das große Ego doch nicht so groß? Glaubt er jetzt, mich damit treffen zu können? „Damit kann ich leben.“ – „Mach doch.“ – „Mach ich auch.“ Willkommen im Kindergarten! „Dann lösche ich dich halt wieder von meiner Bekanntenliste.“ Das ging ja einfacher als gedacht! Super! Ich hab ihm noch einen Smiley hingeklatscht, ich war ja nicht sauer oder so, einfach nur genervt und halt nicht im Geringsten interessiert. Und was kam von ihm? „Komm mal klar. Tzzz….“
LÖSCHEN!
Ich soll klar kommen? Jepp, ist schon recht. Ich mag nicht besonders aufregend sein und mein Leben ist auch nicht so spannend wie das der Menschen in den Vorabendserien. Aber das muss auch alles gar nicht sein. Es ist okay so wie ich bin und wenn das jemand nicht akzeptieren kann und dann auch noch so dümmlich reagiert.

Advertisements