Ich hab die Haare schön.

Es gibt diese Momente im Leben, in denen man sich fragt: „Wieso habe ich das nicht schon früher gemacht?“ So ein Erlebnis hatte ich vor etwa vier Wochen kurz nach meinem letzten Frisörbesuch. Ich kam aus dem Salon und fühlte mich wie ein anderer Mensch. Ein sehr auffälliger Mensch, aber auch positiv verändert. Um diesen Moment überhaupt erleben zu können, habe ich lange überlegt, gehadert und mit mir selbst gerungen. Ich habe mich beeinflussen lassen und meine Selbstzweifel geschürt, es aber letztendlich doch durchgezogen. Und ich bin so glücklich. Also, was habe ich getan?

Ich habe mir die Haare rosa färben lassen.

Das war schon seit Jahren ein Traum von mir und immer dachte ich: „Nein, das kannst du nicht machen, auf der Arbeit gibt das riesige Probleme. Du bist auch schon viel zu alt dafür, das sieht doch eher danach aus, als würdest du auf Krampf jung bleiben wollen. Und was machst du, wenn es blöd aussieht? Alle werden dich anstarren, oh mein Gott!“ Aber dennoch wollte mich der Gedanke nie ganz verlassen. Ende letzten Jahres kam ich schließlich an einen Punkt, an dem ich mir dachte: „Pfeif drauf, wenn du es nicht irgendwann mal machst, dann ist es vielleicht wirklich zu spät!“ Damals war ich noch mit meinem Ex-Freund zusammen, der überhaupt nicht begeistert war von der Idee. Ich fragte ihn, ob er sich schämen würde, wenn ich meinen Plan in die Tat umsetze und leider bejahte er dies. Wir kamen schließlich auf einen Kompromiss: Sollte ich es schaffen, 10 Kilo abzunehmen, wäre er damit einverstanden, dass sich mein Kopf rosa verfärbt. Vermutlich dachte er, dass ich es eh nie schaffen würde, aber ich war fest davon überzeugt. Nun, die Dinge entwickelten sich im Januar dieses Jahres komplett anders, er trennte sich von mir und ich war am Boden zerstört. Aber man soll ja auch in dunklen Zeiten die positiven Dinge im Leben sehen. Also beschloss ich, mich ein wenig mehr um mich selbst zu kümmern und mir etwas Gutes zu tun. Zum Glück habe ich zwei ganz wundervolle Chefinnen, für die das Thema gar kein Problem war und die mir ausdrücklich erlaubten, mich dieser doch ziemlich rigorosen Typveränderung zu unterziehen. Immerhin arbeite ich mit einem internationalen Publikum zusammen, da sollte man das doch vorher abklären.

Mein gewohntes Ich vor der Verwandlung.

Zwei Monate lang durchforstete ich das Internet nach Berichten übers Haare färben. Nicht, dass ich in dieser Hinsicht vollkommen unbeleckt gewesen wäre, aber es ist halt noch mal etwas anderes, sein Haar einfach mit einer Farbe zuzukleistern oder es komplett zu bleichen und dann eine schreiend bunte Farbe hinein zu geben. Ich wollte nicht, dass mir bei der Aktion büschelweise Haare flöten gehen und ich wollte auch kein totes Stroh auf dem Kopf haben.

Im März fand ich dann über den Blog „Shias Welt“ zum Salon „j.7 Hairstyling“ in Düsseldorf und wurde dort vorstellig. Krystin, die dort arbeitet und ein Profi für ausgefallene Farben ist, beriet mich schon einmal im Vorfeld über das, was vermutlich machbar wäre und wir vereinbarten einen Termin für den Samstag vor Ostern. Ich war irre aufgeregt! Obwohl sie mir sagte, dass wir uns vermutlich über erdbeerblond an meine Wunschfarbe herantasten müssten, war ich erstmal nur froh, dass sie mich auf meinem Weg begleiten wollte und mir nicht gleich das Blaue vom Himmel herunter versprach. Ich hatte sofort den Eindruck, dass sie das bestmögliche Ergebnis erzielen wollte, ohne meine Haarpracht zu vernichten.

Am Tag des Termins war ich wirklich sehr nervös. Während der ersten Stunde im Salon, während der meine Haare gewaschen und schon einmal mit einem Peeling sanft entfärbt wurden, war mir zeitweise so schlecht, dass ich dachte, ich kippe vom Stuhl. Zum Glück legte sich das bald, was auch an der wirklich netten Atmosphäre und der super Betreuung von Krystin und Kevin lag. Fünfeinhalb Stunden lang wurde gebleicht, gewaschen, gefärbt, gepflegt, geschnitten und geföhnt. Wir waren noch nicht einmal ganz mit dem Bleichen durch, da eröffnete mir Krystin, dass wir bereits ordentlich mit Farbe arbeiten könnten, da meine Haare alles sehr gut annähmen. Oh, diese Freude!

Lustiger Aluhut.

Mit Verhüterli.

Typ „Pissoir auf der Hamburger Reeperbahn“.

Das Färben beginnt.

Noch etwas zu hell…

… also fix noch mal nachdunkeln.

 

Am Ende sah ich dann komplett anders aus als erwartet, aber das Ergebnis gefiel mir unglaublich gut und ich war extrem glücklich.

Seit diesem Tag färbe ich etwa jede Woche meine Haare nach, denn bunt wäscht sich unheimlich schnell heraus. Ist aber eher lustig als nervig, denn so habe ich tatsächlich beinahe jeden Tag eine andere Haarfarbe. Und etwas, das ich gar nicht erwartet habe, ist eingetreten: Ich fühle mich sehr viel mehr wie ich selbst. Eigentlich dachte ich, dass ich mit den Blicken der anderen Menschen zu kämpfen haben würde, doch ich fühle mich eher selbstbewusster und wohler in meiner Haut als zuvor. Jahrelang habe ich immer gedacht, die graue Maus würde am besten zu mir passen. Bloß nicht auffallen. Lag ich da falsch? Ich bekomme nun unheimlich viele Komplimente und ich kann mich sogar ehrlich darüber freuen. Zum ersten Mal in meinem Leben habe ich nicht das Gefühl, dass mich jeder anlügt, wenn er mir sagt, dass ich gut aussehe. Weil ich mich selbst auch so fühle. Klar, nicht an jedem Tag. Das wäre vermutlich auch zu viel verlangt. Aber es geht mir blendend mit meinem neuen Aussehen und das strahle ich anscheinend auch aus. So kann es gern weitergehen!

happy me

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6 Gedanken zu “Ich hab die Haare schön.

    • Oben drauf sind sind sie gefärbt, da ist die Grundfarbe lila und die hält auch ganz gut. Rosa oder Pink sind leider nicht dauerhaft färbbar, weil so wenige Pigmente drin sind. Daher ist es Grunde eine Tönung.

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