crappy Halloween

Heute explodieren meine Facebook-Chronik und meine Twitter-Timeline förmlich vor lauter auf Halloween bezogenen Posts. Irgendwie scheint jeder etwas Besonderes zu machen. Ich sehe Fotos von gruseligen Kostümen, aufwendig gestalteten Halloween-Buffets, ausgefallenen Dekorationen für die abendliche Party und Aufnahmen von Kollektionen der schlimmsten Horrorschocker, vor denen sich später in der Dunkelheit gefürchtet werden soll. Sehr beliebt sind auch Kürbisse mit den verschiedensten Schnitzereien. Teilweise echte Kunstwerke.

Während sich die Leute freuen und vorbereiten und Spaß haben, kann ich mich immer noch nicht mit Halloween anfreunden. Ich frage mich, ob es daran liegt, dass ich nicht damit aufgewachsen bin und mich nur schwer auf etwas Neues einlassen kann? Oder nervt mich die fortschreitende Amerikanisierung? Bin ich aber auch vielleicht einfach nur der größte Schisser vor dem Herrn? Vermutlich ist es von allem etwas.

Halloween gibt mir einfach gar nichts. Ich liebe es, mich zu verkleiden, ja, aber nur zu meinen eigenen Bedingungen. Vampire, Zombies, Werwölfe… Ich kann mich nicht dafür erwärmen. Fantasievolle und schauderhafte Snacks zu Halloween? Ich tue mich wirklich schwer damit, etwas in meinen Mund zu stecken, das wie ein abgerissener Finger oder ein Augapfel aussieht. Selbst wenn ich weiß, dass es eigentlich nur Würstchen oder Eier sind. Und Horrorfilme? Ich fürchte mich ja bereits vor meinen eigenen Gedanken und kann nicht ohne Licht einschlafen, wenn mir jemand tagsüber eine einigermaßen gruselige Geschichte erzählt hat oder ich mir wieder mal einbilde, jemand würde mich durchs Fenster beobachten.

Ich verbringe den heutigen Abend also allein zuhause, spiele vielleicht ein oder zwei Videospiele, esse mein Gemüse und freue mich, dass das Unheimlichste, was ich heute sehen muss, mein Gesicht im Spiegel ist. Reicht mir vollkommen.

Allen anderen wünsche ich viel Spaß beim Halloween feiern!

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Es lebe die Aufklärung!

Es ist Samstag und es regnet in Strömen. Langsam hält der Herbst Einzug im Bergischen Land und ich freue mich darüber. Auch wenn ich heute einkaufen gehen muss. Nur ein paar Kleinigkeiten, doch dafür den Berg hinunter und das im Regen. Schön! Und das ist nicht ironisch gemeint. Etwas anstrengend ist dabei der Kontakt mit Menschen. Am Wochenende rede ich so gut wie gar nicht und bin auch nicht darauf eingestellt, mich in einem sozialen Umfeld zu bewegen. Aber was soll‘s, einkaufen ist okay, da sagt man nur „Hallo“, „Bitte“, „Danke“ und „Tschüss“. Ich gehe also los, verzichte sogar auf Musik in den Ohren, weil das Geräusch des Regens auf meinem Schirm und in der Umgebung einfach zu schön klingt.

Im Supermarkt husche ich schnell durch die Gänge. Brot, Käse, Brokkoli und Kosmetiktücher, mehr brauche ich nicht. Also ab zur Kasse. Vor mir legen eine Frau und ihre Tochter, die vielleicht 5 Jahre alt ist, ihre Waren auf das Band. Das Mädchen singt sehr laut und sehr schief vor sich hin. Ich bin schon kurz davor, die Augen zu verdrehen, da sagt ihre Mutter: „Ich komme gleich wieder.“ Sie lässt ihr Kind mit den Einkäufen zurück und hechtet in den nächsten Gang. Ich schaue das Mädchen an, sie schaut zurück und seufzt: „Na, das war ja ganz toll von ihr.“

In diesem Moment erinnere ich mich daran, wie schrecklich ich es als Kind fand, wenn meine Mutter noch schnell etwas holen wollte und ich allein mit den noch unbezahlten Sachen zurück blieb. Ich hatte immer Angst, dass mich die Kassiererin oder die Leute in der Schlange beschimpfen würden, wenn sie nicht rechtzeitig zurück käme, bevor wir an der Reihe wären. Ich hatte ja kein Geld und wie sollte ich das alles bezahlen? Ich überlege, ob das Mädchen sich wohl genau so fühlt und entgegne: „Sie kommt bestimmt zurück, bevor du dran bist. Du wirst das nicht allein bezahlen müssen.“ Mit großen Augen erwidert sie: „Ich habe ja auch gar kein Geld hier. Nur zuhause.“ Jetzt finde ich sie doch wirklich niedlich. Sie turnt am Kassenband herum und hält Ausschau nach ihrer Mutter. „Und nach Hause kann ich jetzt nicht. Ich kann ja gar nicht Auto fahren.“ Ich muss ein wenig lachen. „Du kannst ja auch zu Fuß gehen.“ Sie ist entsetzt. „Aber es regnet doch!“

In diesem Augenblick kommt ihre Mutter zurück. Das Mädchen strahlt und dreht sich zu ihr um. „Mama, ich habe mich getraut, mit der Frau zu sprechen!“ Ein Blick der Mutter, die taxiert mich möglichst unauffällig. „Das ist super, mein Schatz.“ Ein Kuss auf das Haupt ihrer Tochter, woraufhin die Kleine meint: „Und sie ist total nett und hat gar nichts Böses gesagt.“ Während ich noch denke, wie süß das ist, geht die Mutter in die Hocke und nimmt das Mädchen bei der Hand. „Du kannst mit Fremden sprechen, aber egal, wie nett sie sind, du gehst niemals mit ihnen mit, ja? Nie, nie, niemals. Auch wenn sie dir tolle Spielzeuge oder Süßigkeiten anbieten. Das machst du nicht. Versprochen?“ Ihr Kind verspricht es ihr.

Ich bin etwas irritiert. Habe ich jetzt tatsächlich dieses Aufklärungsgespräch ausgelöst? Wirke ich wie jemand, der sich ein Kind unter den Arm klemmt und damit verschwindet? Oder war die Gelegenheit gerade günstig, es dem Nachwuchs mal zu sagen? Ich versuche, Augenkontakt mit der Mutter aufzubauen, aber sie ignoriert mich. Das Mädchen hingegen starrt mich an und scheint sich nicht sicher zu sein, was sie nun von mir denken soll. Ich lächle ihr zu. „Deine Mutter hat recht, weißt du?“ Die beiden packen zusammen und verlassen den Laden.

Auf dem Weg nach Hause bin ich etwas nachdenklich. Auch mir hat man als Kind diese Ansprache gehalten. Ich weiß das, auch wenn ich mich nicht bildhaft daran erinnern kann. Aber gab es dafür einen Auslöser? Eine bestimmte Situation? Und ist man heutzutage überempfindlicher und ängstlicher in Bezug auf seine Kinder? Ich kann das nicht beurteilen, ich bin keine Mutter und werde es in diesem Leben wohl auch nicht mehr. Aber interessant ist diese Frage dennoch, spiegelt sie doch die Entwicklung unserer Gesellschaft wider.