Connichi 2018: Zum letzten Mal.

Es ist traurig, aber wahr. An diesem Wochenende ist (nicht nur für mich) eine Ära zuende gegangen. Die Connichi war in den 17 Jahren ihres Bestehens immer meine liebste Convention und ich werde es sehr vermissen, daran teilzunehmen. Aber aus diversen Gründen, die ich später noch anreissen werde, ist das für mich in Zukunft keine Option mehr. Das hinter mir liegende Wochenende war durchzogen von Spaß, Stress, neuen Eindrücken und Erfahrungen und ich habe on top noch einige neue Bekanntschaften machen dürfen, was für mich auf Conventions bereits recht selten geworden ist. Und bis zum Sonntagabend war es im Grunde auch der perfekte Abschluss – doch dazu später ein wenig mehr.

Seit Jahren sind meine Freunde bereits als Helfer auf der Connichi unterwegs und dieses Jahr hatte ich mich im Vorfeld auch verpflichten lassen. Bisher hatte ich nie mit dem Gedanken gespielt, aber als der Aufruf kam, dass noch tatkräftige Hilfe gebraucht wird, dachte ich daran, dass ich alternativ einfach den ganzen Tag allein rumsitzen würde. Und das wäre ja auch irgendwie blöd gewesen. Also habe ich mich für das Matsuri beworben: das japanische Fest, das im Innenhof stattfand. Eingeteilt wurde ich zusammen mit meiner Freundin für die Fotoecken und das fand ich schon ziemlich episch, denn erstens bin ich mit den Projektleitern befreundet und zweitens interessiere ich mich für Cosplay und Fotografie. Also der perfekte Platz für mich!

Am Donnerstagabend ging’s los und ich war mal wieder voll im Stressmodus, weil ich erst sehr spät zu packen begonnen habe. Ich hasse das einfach. Packen ist eines der schlimmsten Dinge am Wegfahren und so schiebe ich das einfach immer bis zur letzten Sekunde vor mir her. Die Fahrt verlief zum Glück recht ereignislos. In Kassel angekommen gab es ein kleines Treffen mit einigen unserer Gruppe und ein bißchen Smalltalk bis in die Nacht.

Freitagvormittag begaben wir uns in den Innenhof, wuselten schon mal in den Fotoecken herum und erstellten einen Schichtplan für das Wochenende, damit auch jeder die Programmpunkte sehen konnte, die für ihn wichtig waren. Zum Glück wuchs unser Team während des Vormittags noch auf 8 Leute an, sonst wäre es etwas schwierig geworden, da eine gute Abdeckung hinzubekommen. Leider mussten wir aber auch Bekanntschaft mit einem Herrn machen, der partout nicht verstehen wollte, dass unser Team voll war und dass er nicht als Fotograf in den Fotoecken arbeiten konnte. Mal abgesehen davon, dass dieser Mensch hochgradig unsympathisch und unverschämt war und sofort an allem etwas auszusetzen hatte, was in unserem Bereich aufgebaut worden war, hat er den Projektleitern bei diversen Diskussionen auch noch dreist ins Gesicht gelogen. Das zog sich über mehrere Stunden und endete schließlich damit, dass er als Helfer ausgeschlossen wurde. So etwas habe ich noch nicht erlebt und war deswegen nicht nur aufgebracht, sondern auch regelrecht entsetzt. Aber die Menschen im Helferzimmer mussten sich ja noch andere Geschichten anhören. Wie zum Beispiel die des Kerls, der seine Helfersachen abholen wollte und gesagt bekam, er solle sich bitte in seinem Bereich melden. Die Antwort darauf war (Kein Scheiß!): „Nee, das ist mir jetzt schon zu stressig. Hier, nehmt das Ticket zurück, ich steige als Helfer aus.“ Was zum…? Was denken die Menschen eigentlich, wofür so ein Helfer da ist? Zum Däumchen drehen? Nun ja…

Wir verbrachten den Tag jedenfalls gut gelaunt in unserem Bereich und ich war auch gar nicht so sozial inkompetent wie sonst! Ich war vorrangig bei den traditionell japanisch eingerichteten Bereichen zugange und habe dort Leute zu Fotos ermuntert, zwischendrin etwas aufgeräumt, die Einhaltung der Nutzungszeiträume überwacht und so weiter. Die Besucher waren wirklich nett und nur vereinzelt seltsam. Abends konnte ich mir das Konzert von Benyamin Nuss anschauen und das war wirklich richtig schön und hat den Abend noch gut abgerundet.

Am Samstag startete der Tag leider sehr früh, denn wir hatten eine kleine Cosplaygruppe geplant und mussten uns dementsprechend vor unserer Schicht noch schminken und anziehen. Dabei hatte ich noch Glück, denn ich musste nicht sofort um neun Uhr an den Stand, sondern konnte vorher noch mit Kira, dem Hund einer der Organisatorinnen, spazieren gehen. Da ich ja ein absoluter Tiernarr bin, war das für mich ein totales Highlight. Dass mich auf dem Weg noch eine ältere Dame ansprach, ob ich auch zu der „Mango-Party“ gehen würde, war einfach noch zusätzlich lustig. Meine Schicht in der Fotoecke war relativ entspannt, auch wenn echt viel los war. Samstag ist ja immer der Tag mit den meisten Besuchern und die Cosplayer tragen die fettesten Kostüme, die sie finden können. Das stellte unsere Einrichtung teilweise wirklich auf die Probe. Meterlange Schwänze und ausladende Rüstungen vertragen sich einfach nicht so gut mit Papierschirmen und empfindlichen Trennwänden. Ging aber zum Glück alles gut.

Am Nachmittag hatten wir Pause und waren zum Köttbullaressen im Helferzimmer verabredet. Aber welch Drama! Es gab keine Köttbullar mehr! Dabei hatten wir uns schon stundenlang darauf gefreut. Zum Glück erhörte man unser Flehen und die kleinen Fleischbällchen wurden noch einmal zubereitet. Also auch noch wirklich lecker gegessen. Sehr gut für die Stimmung! Blöderweise erwischte mich nach dem Essen ein ziemlich fieser Kopfschmerz. Ich habe zwar sofort eine Tablette eingeworfen, war aber dennoch für gut eine Stunde außer Gefecht gesetzt und konnte meine nächste Schicht erst verspätet antreten. Das war mir echt unangenehm, aber kannste nix machen. Abends waren wir noch im Eckstein und haben zu Abend gegessen. Das ist so eine Art Tradition geworden und immer sehr lustig. Blöd war nur, dass die Stadtverwaltung von Kassel sich dachte: „Oh, an diesem Wochenende ist die Connichi? Na, dann lassen wir auch mal das Quartierfest stattfinden und alle Bahnen ausfallen, die zur Stadthalle fahren, hahahahaha! Ein großer Spaß!“ Wir hatten Glück, dass wir mit dem Auto zurück fahren konnten. Übrigens die lustigste Autofahrt seit vielen Jahren. Ich werde bei Hooked on a Feeling von heute an nur noch daran denken. Später waren wir noch im FSK 18-Synchroworkshop und es war so unglaublich lustig. Ich wollte ja schon seit Jahren mal da hin und mir anhören, wie Hentais völlig schwachsinnig und ohne Skript vertont werden. Hat sich auf jeden Fall gelohnt. Schade, dass ich nicht schon früher mal dazu gekommen bin.

Sonntag brach der Tag für mich wieder mit einer Hunderunde und Standdienst an. War ziemlich entspannt und auf dem Hundeweg hatte ich auch nette Gesellschaft. Dann die Überraschung: Ich habe jemanden getroffen, den ich wirklich seit 10 Jahren nicht mehr gesehen habe, und ich habe mich so unglaublich darüber gefreut. Dass ich ihn überhaupt erkannt habe, hat mich etwas gewundert. Anschließend haben wir mit ein paar Leuten den WCS-Vorentscheid geschaut und mit dem Gewinnerteam bin ich 100% einverstanden. Sehr verdient gewonnen. Ich hoffe, sie rocken nächstes Jahr Japan. Der Rest des Tages plätscherte so vor sich hin. Die Besucherströme wurden weniger, ich konnte mir sogar noch ein Crêpe genehmigen (Leider war Banane mit drauf, iiiiiih!) und letztendlich ging es an den Abbau.

Und hier kommen wir zu dem Teil, der ein wenig Drama beinhaltet und außerdem eine kleine Ausführung darüber, warum ich diese Veranstaltung in Zukunft nicht mehr besuchen werde.

Wer es noch nicht mitbekommen hat: Beinahe die komplette Orga der Connichi hat sich aus der Veranstaltung zurückgezogen bzw. tut es jetzt nach dem Ende der Convention. Als die Nachricht vom Ausstieg der Orgas öffentlich wurde, ging natürlich ein riesiger Aufschrei durch die Szene, weil man Angst hatte, dass die Con nicht weitergeführt wird. Aber natürlich haben sich Leute gefunden, die sich mit der Fortführung beschäftigen. Dass nicht jedem gefällt, wer demnächst die Verantwortung zu tragen hat, ist klar. Wie überall gibt es Kleinkriege und Antipathien und am besten hält man sich da raus, so lange und so gut es möglich ist. Da aber auch ich mich von gewissen Vorbehalten nicht freisprechen kann, war ich schon im Vorfeld der Veranstaltung unschlüssig, ob die Connichi für mich weiterhin eine Convention sein kann, auf die ich gerne gehe und die ich genießen kann.

Nach dem letzten Abend stand für mich fest: Nein, das kann sie nicht.

Für mich kann es einfach nicht angehen, dass Leute in einem Organisationsteam, die für die Führung von so vielen Menschen zuständig sind, mit eben diesen nicht kommunizieren und sich dadurch Situationen ergeben, die Intrigen nicht unähnlich sind. Und dass es dann, wenn die Katastrophe losbricht, auch völlig egal ist, ob da gerade jemand mit einem Nervenzusammenbruch sitzt oder ob sich jemand anderes die Augen ausheult, weil Entscheidungen mit Vitamin B und ohne Klärung mit eigentlich noch Verantwortlichen getroffen wurden. Ein völlig gefühlloses Rumtrampeln auf alten Weggefährten. Das ist nicht fair und so behandelt man einfach niemanden. Und da ich kein Team unterstützen möchte, das sich anderen gegenüber so verhält, werde ich auch die Connichi nicht mehr unterstützen. Für mich sind wichtige Bestandteile dieser Veranstaltung am letzten Abend eines großartigen Wochenendes gestorben. Miteinander, Respekt, ein nettes Zusammentreffen von Fans für Fans organisiert: Das ist die Connichi nicht mehr für mich. Nicht so. Nicht unter einer Leitung, die diese Werte nicht auch lebt.

Nach 17 Jahren verabschiede ich mich also. Es waren tolle Zeiten und ich werde mich immer gern an sie erinnern. Danke an alle Menschen, die das alles möglich gemacht haben, die mich begleitet haben auf diesem Weg und an jeden einzelnen Besucher, der diese Veranstaltung so großartig gemacht hat. (Außer an die Blumenbeettrampler und Müllverteiler. Euch danke ich nicht.)

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Die Jagd

Ich glaube, das interessanteste am ganzen Dating-Geschiss ist die Jagd nach dem Gegenüber. Das langsame Anschleichen, die leisen Andeutungen eines Angriffs, das Beobachten und Beurteilen der Opferreaktion und dann letztendlich der Angriff und der Todesbiss. All das trägt in sich einen solchen Nervenkitzel, dass es schwer ist, nicht immer und immer danach zu suchen.

Aber ehrlich gesagt: Ich bin es leid. Ich will kein Jäger sein und auch keine Beute. Ich will mich im Moment nicht darum scheren müssen, wer einen eventuell aus welchen Gründen toll finden könnte oder aus welchen nicht. Das ist mir zu anstrengend, zu verkorkst und auch zu unehrlich. Wenn ich eines in den letzten anderthalb Jahren gelernt habe, dann dass ich fürs Bett gut genug bin, für alles andere aber nicht in Frage komme. Dafür bin ich mir zu schade. Ich möchte keine Notlösung sein und auch nicht die immer verfügbare Frau ohne Ansprüche.

Vor ein paar Tagen wurde ich gefragt, was ich mir denn wünschen würde. Die Antwort ist sehr simpel: Ich möchte jemandem wichtig sein. Jemandem, der mir auch wichtig ist. Ob dabei eine Beziehung bis ans Ende des Lebens entsteht oder nicht, das ist mir jetzt gerade piepegal. Woher soll ich wissen, was morgen oder nächste Woche sein wird? Es geht mir nicht darum, jemanden an mich fesseln zu wollen. Ich möchte nicht an einen Mann gekettet sein, der mich meiner Freiheit beraubt. Aber – und das ist wichtig – dabei rede ich von meiner geistigen Freiheit, nicht von einem Freifahrtschein zum Rumvögeln. Da mache ich nicht mit. Ich will nicht die eine aus zwanzig sein, die man nur anruft, wenn man es gerade mal wieder nötig hat. Ich will die Eine sein.

Da ich das nicht bekommen kann, ziehe ich mich aus der Jagd zurück. Aus diesem Spiel, das bis aufs Blut geht. Meine letzte Begegnung mit einem flirtwilligen Mann hat mich aller Lust auf dieses Hin und Her beraubt. Ich bin nicht wütend deswegen. Nicht mal enttäuscht. Ich fühle diesbezüglich gar nichts. Man sagte mir, ich solle doch froh sein, dass man mich sexy findet. Das müsse meinem Selbstbewusstsein gut tun. Vielleicht ist das schwer zu verstehen, aber eigentlich macht es genau das Gegenteil mit mir. Auf lange Sicht. Im ersten Moment fühlt man sich natürlich geschmeichelt, aber wenn die Richtung klar wird und man es wieder nur bis ins Schlafzimmer schafft, dann fällt das Ego in sich zusammen. Weil man merkt, dass man nur benutzt wird. Das Innere, das eigene Wesen… Das zählt nicht. Und das ist es doch eigentlich, wofür wir geliebt werden wollen.

Wenn mich also niemand um meinetwillen lieben kann oder will, dann muss ich das selber tun. Dafür muss ich allein sein mit mir. Ich will allein sein mit mir. Kein Geifern, kein Lauern, keine Jagd. Stattdessen Fellpflege und Winterschlaf. Darauf freue ich mich.