Die Jagd

Ich glaube, das interessanteste am ganzen Dating-Geschiss ist die Jagd nach dem Gegenüber. Das langsame Anschleichen, die leisen Andeutungen eines Angriffs, das Beobachten und Beurteilen der Opferreaktion und dann letztendlich der Angriff und der Todesbiss. All das trägt in sich einen solchen Nervenkitzel, dass es schwer ist, nicht immer und immer danach zu suchen.

Aber ehrlich gesagt: Ich bin es leid. Ich will kein Jäger sein und auch keine Beute. Ich will mich im Moment nicht darum scheren müssen, wer einen eventuell aus welchen Gründen toll finden könnte oder aus welchen nicht. Das ist mir zu anstrengend, zu verkorkst und auch zu unehrlich. Wenn ich eines in den letzten anderthalb Jahren gelernt habe, dann dass ich fürs Bett gut genug bin, für alles andere aber nicht in Frage komme. Dafür bin ich mir zu schade. Ich möchte keine Notlösung sein und auch nicht die immer verfügbare Frau ohne Ansprüche.

Vor ein paar Tagen wurde ich gefragt, was ich mir denn wünschen würde. Die Antwort ist sehr simpel: Ich möchte jemandem wichtig sein. Jemandem, der mir auch wichtig ist. Ob dabei eine Beziehung bis ans Ende des Lebens entsteht oder nicht, das ist mir jetzt gerade piepegal. Woher soll ich wissen, was morgen oder nächste Woche sein wird? Es geht mir nicht darum, jemanden an mich fesseln zu wollen. Ich möchte nicht an einen Mann gekettet sein, der mich meiner Freiheit beraubt. Aber – und das ist wichtig – dabei rede ich von meiner geistigen Freiheit, nicht von einem Freifahrtschein zum Rumvögeln. Da mache ich nicht mit. Ich will nicht die eine aus zwanzig sein, die man nur anruft, wenn man es gerade mal wieder nötig hat. Ich will die Eine sein.

Da ich das nicht bekommen kann, ziehe ich mich aus der Jagd zurück. Aus diesem Spiel, das bis aufs Blut geht. Meine letzte Begegnung mit einem flirtwilligen Mann hat mich aller Lust auf dieses Hin und Her beraubt. Ich bin nicht wütend deswegen. Nicht mal enttäuscht. Ich fühle diesbezüglich gar nichts. Man sagte mir, ich solle doch froh sein, dass man mich sexy findet. Das müsse meinem Selbstbewusstsein gut tun. Vielleicht ist das schwer zu verstehen, aber eigentlich macht es genau das Gegenteil mit mir. Auf lange Sicht. Im ersten Moment fühlt man sich natürlich geschmeichelt, aber wenn die Richtung klar wird und man es wieder nur bis ins Schlafzimmer schafft, dann fällt das Ego in sich zusammen. Weil man merkt, dass man nur benutzt wird. Das Innere, das eigene Wesen… Das zählt nicht. Und das ist es doch eigentlich, wofür wir geliebt werden wollen.

Wenn mich also niemand um meinetwillen lieben kann oder will, dann muss ich das selber tun. Dafür muss ich allein sein mit mir. Ich will allein sein mit mir. Kein Geifern, kein Lauern, keine Jagd. Stattdessen Fellpflege und Winterschlaf. Darauf freue ich mich.

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