Mitteilungszweifel

Es ist ein wenig lächerlich, dass ich mich davor scheue, meinem Blog neue Einträge hinzuzufügen. Ich habe in den letzten Wochen oft angefangen zu schreiben und dann wieder aufgehört, die Worte als Entwurf gespeichert und das Ganze schließlich nicht mehr angerührt. Warum? Weil es mir im Moment nicht gut geht und ich in solchen Situationen immer an das denken muss, was mir vor Jahren einmal dazu gesagt wurde. „Du jammerst nur rum, deine Beiträge sind immer negativ. Das nervt.“ Damals hatte ich mir vorgenommen, mehr darauf zu achten, vorwiegend positive und lustige Dinge zu schreiben. Auf Twitter habe ich mir einen extra Account angelegt für alles, worüber ich mich gerade aufrege oder was irgendwie negativ im persönlichen Kontext ist. Das Konto ist auch geschützt und ich kontrolliere ziemlich genau, wer darauf zugreifen darf. Ich möchte meine Umwelt nicht mit unnötigem Mist belasten, doch ab und zu möchte ich mich einfach auch mal auskotzen können. Ohne dass mir das vorgehalten wird.

Aber hier, wo ich ausführlicher schreibe – auch wenn es mein Bereich ist, in dem ich bestimme und den jeder sofort wieder verlassen kann, wenn er möchte – hier befallen mich oft Zweifel, ob ich sagen darf, was mir auf der Seele brennt. Ob ich zeigen kann, wie es mir geht. Und das dass eigentlich purer Blödsinn ist und wieder nur meinem Wunsch nach Annahme entspricht und der Angst vor Ablehnung, ist mir vollkommen klar. Aber ich möchte einfach nicht hören, dass ich anderen auf den Geist gehe und dass sie es leid sind, meinen ganzen Müll abzubekommen. Und noch mehr als das möchte ich es nicht nur nicht hören, sondern ich will mich auch nicht so verhalten. Ich möchte nicht diejenige sein, mit der man sich nicht mehr unterhalten will, weil ja doch immer nur das gleiche Blabla dabei rum kommt. Ich möchte nicht diejenige sein, mit der sich niemand mehr treffen möchte, selbst wenn ich im Moment nicht weiß, ob ich Gesellschaft überhaupt aushalte.

Es geht um Akzeptanz. Selbstakzeptanz und Fremdakzeptanz und immer noch ist mir das fremde Akzeptieren, das der anderen, so viel wichtiger als das eigene. Als wäre ich nicht wertvoll genug, als würde es sich nicht lohnen, den Kopf hoch zu halten und zu sagen: „So bin ich, so geht es mir, leb damit.“

Was mache ich jetzt mit dem verworrenen Gedankenknoten in meinem Kopf? Gehe ich der Situation aus dem Weg, indem ich die Beiträge geschützt hochlade, so dass niemand sie lesen und sich belästigt fühlen muss? Das bewahrt auch wieder ein Bild von mir, das ich im Grunde gar nicht mehr malen möchte. Oder behalte ich das Geschriebene als Entwurf, veröffentliche es überhaupt nicht und kaue für mich allein darauf herum? Tippe ich mir einfach gar nichts von der Seele und warte auf bessere Zeiten, um wieder etwas belangloser und heiterer schreiben zu können?

Mir juckt es in den Fingern, nach Meinungen zu fragen. Aber im Grunde möchte ich auch gar keine hören, weil das meine Sache ist und mein Kampf und letztendlich möchte ich ja nicht mehr abhängig sein von den Äußerungen anderer.

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