Jahreswechsel-TV

Zu jeder Jahreszeit gibt es ganz bestimmte Werbekampagnen im Fernsehen, die auf saisonale Zielgruppen gemünzt sind. Im Frühjahr läuft verstärkt Werbung für Heuschnupfenpräparate, im Sommer für Sonnencreme und Mückenspray, im Herbst knöpft man sich die Erkältungsopfer vor und schleudert ihnen aus der Glotze Vorschläge für Medikamente um die Ohren. Ihr wisst, wie es läuft. Eigentlich bin ich nicht so der Fernsehgucker und wenn doch, dann läuft irgendwelcher Kram nebenbei (wenn ich aufräume etwa) oder ich bin auf Netflix unterwegs. Im Winter ändert sich das aber für einige Wochen. Nämlich genau für die Zeit um Weihnachten und um Silvester herum. Ich habe keine Ahnung, warum genau das so ist. Die kitschigen Filme und die Serien mit Weihnachts- oder Silvesterfolgen könnte ich mir auch auf Netflix anschauen. Aber nein, ich tue mir das Fernsehprogramm an. Und ich weiß nicht, ob es nur mir so geht, aber im Grunde und vollkommen nüchtern betrachtet ist der Fernseher über die Weihnachtstage und den Jahreswechsel eines der nervigsten Dinge im Alltag.

Das Schlimmste ist für mich wirklich die Werbung. Oh mein Gott, diese Werbung! Selbst wenn man keine Ahnung hätte, wann Weihnachten stattfindet, könnte man es an der Werbung erkennen. Drei bis vier Wochen vor dem Fest schaffen es beinahe ausschließlich Parfum, Schmuck und Schokolade während der Werbepause auf den Bildschirm. Ich kann kaum beschreiben, wie sehr mir das auf den Keks geht. Als würde sich die ganze Welt plötzlich nur noch darum drehen, möglichst viel zu konsumieren, vor allem Geschenke, denn ohne Geschenke geht ja gar nichts, weil Weihnachten schließlich nur für die Geschenke erfunden wurde, oder nicht? Kurz vor Heilig Abend überbieten sich dann die verschiedenen Lebensmittelketten mit super Angebotspreisen und tollen festlichen Aktionen und es beschleicht einen langsam das Gefühl, es wäre nicht okay, über Weihnachten weniger zu essen als eine 40köpfige Großfamilie in Russland. Selbst wenn man alleine ist. Egal! Vollstopfen lautet die Devise!

Ist Weihnachten vorbei, geht es weiter mit den obligatorischen Silvesterwerbespots. Böller, Knaller und Raketen zum Vorzugspreis. Und natürlich Alkohol. Wenn das neue Jahr doch so toll werden soll, warum ist dann jeder scharf darauf, es komplett besoffen und vernebelt zu beginnen? Vermutlich, damit man die Werbung der ersten zwei Januarwochen nicht mitbekommt. Denn da geht es vorrangig ums Abnehmen. Fitnessstudios, Schlankheitskuren, Diätgurus und sonstiges aus der Richtung tummeln sich auf den TV-Bildschirmen der Nation und bieten ihre Wundermittel, -heilung, -waffen an.

Erst Mitte Januar wird der ganze Zirkus etwas weniger und man kann mal wieder gedanklich zur Ruhe kommen, ohne ständig mit der Nase auf alles gestoßen zu werden, was mit Neujahrsvorsätzen zusammenhängt. Zum Glück befinde ich mich zu diesem Zeitpunkt dann bereits wieder im Netflix- oder Dokumentationsland. Keine Werbung, keine nervigen Konsumanweisung, keine Nackenschmerzen vom ewigen Kopfschütteln. Und die Hoffnung bleibt, nächstes Jahr nicht wieder in meine Jahreswechsel-Fernsehgewohnheiten zu verfallen.

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