Warum ein schlechtes Date besser ist als ein gutes.

Niemand will ein schlechtes Date haben. Man wünscht sich, dass alles harmonisch läuft, dass man einen total interessanten Menschen kennenlernt, mit dem man im besten Fall nicht nur einen Abend verbringt, sondern den Rest seines Lebens. Am Anfang schleicht man ein wenig umeinander herum, versucht mehr über den anderen zu erfahren und trifft sich noch einmal, um zu sehen, ob auch die zweite Begegnung so gut verläuft wie die erste. Falls ja, dann kommt man sich langsam näher und näher, es gibt noch mehr Verabredungen und irgendwie baut sich dann langsam so etwas wie eine Beziehung auf. Und während dieser ganzen Zeit wird eine Art Spiel gespielt. Bloß nicht preisgeben, was man selber denkt, hofft und erwartet. Den anderen aus der Reserve locken, bevor man sich selbst öffnet. Ein Schritt nach vorn, ein Schritt zurück. Ich kann wirklich nicht gut damit umgehen. Unklare Situationen machen mich irre, ich muss wissen, wo ich stehe, wo der andere steht und wie es weitergeht. Am besten folgt man einer Art Fahrplan. Und zwar nicht dem einer Bimmelbahn, die drei Stunden braucht, um von einem Ort zum anderen zu kommen, sondern dem eines Regionalexpress, der nicht an jeder Milchkanne Halt macht.

Bei einem schlechten Date muss ich mir keine Gedanken machen um alles, was danach kommt. Ich kann es abhaken, vielleicht sogar darüber lachen. In mir regen sich keine Selbstzweifel, das ganze Kopfkarussel fängt nicht an, sich zu drehen. Es hat halt einfach nicht gepasst, passiert, kein Problem.

Bei einem guten Date stellen sich mir tausend Fragen, auf die ich keine Antwort erhalte und von denen ich selbst genervt bin. Ich will mich gar nicht damit beschäftigen, ob nur ich das Treffen als gut empfand. Ich will nicht darüber nachdenken müssen, ob ich „ausreiche“ und interessant genug bin. Ich will nicht auf Nachrichten warten. Unklare Aussagen, Interpretationen von Textnachrichten, das ständige Überlegen, wie offen man sein darf und immer darauf bedacht sein, den anderen nicht zu verschrecken… Das ist ungeheuer anstrengend.

Ja sicher, ich muss nicht so denken. Aber ich bin ehrlich: Das ist harte Arbeit. Seit Jahren versuche ich, mein Selbstwertgefühl zu stärken, denn ich denke, das ist die Wurzel meiner Probleme. Doch wer das schon einmal versucht hat, der weiß, dass es nicht ganz so einfach ist. Es gibt Hochs und Tiefs und man muss sich jeden Tag sagen, dass es okay ist, so zu sein, wie man ist. Es sei denn, man wäre Massenmörder Ralf. Nicht gut. Nicht okay. Aber so zu sein wie ich: Vermutlich okay. Ich bin mir oft nicht so sicher. Es wäre toll, wenn ich es einfach abstellen könnte, meinen eigenen Wert an der Reaktion anderer zu messen. Das funktioniert nur nicht so leicht, also arbeite ich eben täglich daran. Jeder Mensch braucht ein Hobby!

Man könnte also sagen, schlechte Dates sind für mich leichter zu verarbeiten, weil ich mir im Nachgang keine Gedanken machen muss und das einfach schneller abhaken kann. Emotionen spielen dabei eine untergeordnete Rolle. Ich kann einfach wieder zum Alltag übergehen. Bei den guten (die wirklich weitaus seltener sind und darum auch sehr ungewohntes Terrain für mich – viel ungewohnter, als man glauben könnte) stürze ich mich wie ein Klippenspringer in die Tiefe, lande in Stromschnellen und versuche darin zu überleben, bis das Wasser wieder ruhiger wird. In dieser Phase befinde ich mich übrigens gerade. Die ersten Tage nach einem Treffen sind oft die härtesten, aber ich denke, ich halte mich bisher einigermaßen tapfer und kann jetzt dazu übergehen, mich etwas zu entspannen.

Wie gesagt: Jeder Mensch braucht ein Hobby.

 

 

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2 Gedanken zu „Warum ein schlechtes Date besser ist als ein gutes.

  1. Aber es kommen doch nicht nach jedem Date Selbstzweifel… Manchmal weiß man einfach, dass es gut war und die Euphorie und die Glücksgefühle strömen nur so in den Körper, man freut sich auf das nächste Mal, wenn nicht sogar auf die nächste Nachricht.
    Nach einem schlechten Date ist alles vorbei. Die Gedanken, die Gefühle und der Kerl. Klar dann ist man offen für was neues, aber wer lernt schon im Wochentakt jemand neues kennen?

    • Das Problem ist bei mir leider etwas komplexer als „Das Date war gut, ich bin voller Endorphine und das kann ich jetzt erstmal genießen.“, da ich eben diese schlimmen Selbstzweifel habe. Ich wünschte, ich könnte das einfach abstellen. Und ja, das bedeutet für mich wirklich, dass nach jedem Date Selbstzweifel kommen. Die Euphorie hält vielleicht eine Stunde an, aber die Unsicherheit, in der ich dann stecke und die dafür sorgt, dass ich alles innerlich zerpflücke, ist dann bereits wieder zurück. Ich finde es ja selbst albern und ich versuche daran zu arbeiten, doch alles, was mit unklaren Situationen zu tun hat, macht mich halt leicht wahnsinnig.

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