Gruß aus der Vergangenheit

Am Wochenende hatte ich Besuch von meiner Freundin Anna. Wir haben darüber geredet, dass mir die Aufgabe des Hobbies Cosplay etwas zu schaffen macht, denn plötzlich ist da ein Loch, das ich nicht gefüllt bekomme. Auch wenn ich seit Jahren nicht mehr wirklich was Großes oder Gutes produziert habe, hatte ich immer noch das Gefühl, es könnte sich ja mal wieder in die Richtung entwickeln. Tat es nicht. Also habe ich den Schritt gewagt und inzwischen alle Cosplays (bis auf zwei, von denen ich mich nicht trennen mag) weggeworfen. Als nächstes ist der Utensilienschrank dran, in dem mein ganzer Näh- und Bastelkram schlummert. Wie auch immer, jedenfalls habe ich Anna erzählt, dass ich mich fühle als hätte ich gar kein Hobby mehr und dass mich das etwas ziellos zurücklässt. Als wäre plötzlich keine Aufgabe mehr da. Und im Laufe dieses Gesprächs kamen wir darauf, dass ich mich doch wieder dem Schreiben widmen könnte. Das ist ja durch Cosplay komplett nach hinten weggefallen, denn zwei so zeitaufwendige Sachen gehen einfach nicht zusammen. Ich fing natürlich wieder sofort an mit meiner Litanei. „Mimimi, ich bin zu schlecht. Mimimi, ich habe keine guten Ideen. Mimimi, ich werde nie so gut sein wie XYZ.“ Und Annas Antwort war: „Fang doch einfach mal wieder an.“ Darüber habe ich mir gestern den ganzen Tag Gedanken gemacht und mir ging auf, dass sie vollkommen recht hat. Wenn ich nicht anfange, wird sich auch nichts ändern. Also habe ich heute – weil ich frei habe – meine alten Kladden rausgeholt, in denen ich Ideen und Charakterentwürfe aufgeschrieben hatte, und alles mal komplett in mein Schreibprogramm sortiert. Außerdem hatte ich noch einige Dateien auf dem PC, in denen ich Szenenentwürfe gespeichert habe. Auch die habe ich durchgestöbert und dabei etwas gefunden, was mich sehr lachen ließ.

Im August 2013 habe ich auf diesem Blog einen Eintrag über meine damalige Arbeitsstelle geschrieben. Der war sehr ernst und man konnte meinen Frust deutlich herauslesen. Aber anscheinend gab es eine erste Version dieses Textes und ich frage mich heute, warum ich die nicht veröffentlicht habe. Im Nachhinein finde ich sie viel besser und vor allem lustiger! Wen es interessiert, der kann sich gern zunächst „Verflixt und zugewuffelt“ durchlesen und das dann mit dem folgenden Schreiberguss vergleichen.

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Stefanie – Die Geschichte einer zerrissenen Frau

Wow. So sollte ich einen Roman nennen. Am besten so was im Rosamunde Pilcher-Stil. Mit unglücklichem Liebespaar an windumtosten Klippen. Der Sturm zerrt an ihrem Kleid, während der Liebhaber sie mit seinen tiefblauen Augen taxiert. Sie wollen zueinander, aber sie können nicht, denn ihre Hand ist Graf Reginald von Schlunzhausen versprochen, der seine jagderprobten Yorkshire-Terrier auf den blauäugigen Mann loslassen wird. Vielleicht verliert er dadurch nicht nur seine Ehre, sondern auch seine Hosenbeine! Und ohne ordentliche Hose holt er sich auf den Klippen ja den Tod!

Aber nein, es geht nicht um einen Roman. Mal abgesehen davon, dass ich so einen Schund gar nicht schreiben wollen würde. Es geht so ganz grob gesagt um die letzte Woche meines Lebens und um die Dinge, die mir (mal wieder) klar geworden sind, und mit denen ich jetzt in den Ring gestiegen bin. Wir hauen uns gegenseitig ganz schön auf die Nase, ich und meine Probleme/Sorgen/Komplexe/Schweinehunde/etc. Ich habe noch keine Ahnung, wer da als Sieger hervorgehen wird, aber ich hoffe natürlich, dass ich es sein werde. An meiner Seite der gesunde Menschenverstand, der sich während des Kampfes auch gerne mal verpisst, aber letztendlich immer wieder zurückkommt. Der Gute.

Was passiert ist. Letzte Woche Montag habe ich meinen neuen Job angetreten. Sachbearbeiterin im Bereich Logistik. So weit ganz okay. Dass ich direkt am ersten Tag geheult habe, weil der Chef mich angemault hat, warum ich denn nicht wisse, welche Kunden in seinem Ablagesystem wo liegen, war natürlich erstmal unschön. Als Resultat daraus traue ich mich jetzt nicht mehr wirklich in sein Büro, wenn er zugegen ist. Und ich muss öfter mal da rein, denn da das Ablagesystem der Firma von Anno 19hundertscheißdiewandan ist, verteilt man fröhlich haufenweise Zettel in den Büros. Ich blicke da nicht wirklich durch und das macht mir ziemlich zu schaffen. Welche Zettel trage ich denn am besten wohin? Und wenn ich sie getragen habe, was mache ich dann damit? Ich glaube, das letzte Mal habe ich ein solches Ablagesystem in meiner Ausbildung gesehen. Da das schon ein paar Jährchen her ist, kann ich mich natürlich auch nicht mehr wirklich dran erinnern. Aber ich gebe mein Bestes! Sehr nervig ist natürlich die tägliche Fahrtzeit von 3,5 Stunden. Und an so Tagen wie den letzten beiden kotzt mich das sogar richtig an. Ja mei, dann steht man halt rum und wartet auf seine Anschlüsse. Ist schon okay. Aber wenn man dann im Büro auch nur rumsitzt, weil einfach nichts zu tun ist, wird es kritisch. Mich macht so was nämlich aggressiv. Wenn ich schon so einen Aufwand auf mich nehme, dann will ich das nicht völlig umsonst machen. Denn ich empfinde es als Verschwendung meiner Zeit, wenn ich 12 Stunden am Tag nichts anderes mache als durch die Gegend zu fahren und dumm aus der Wäsche zu gucken. Ja klar, ich werde dafür bezahlt. Aber fühlt es sich gut an? Nein.

Ich will ja nicht nur jammern, es ist durchaus auch ganz schön, sein eigenes Büro zu haben. So ganz für sich allein. Hatte ich ja bisher noch nie und das ist schon ein Privileg. Etwas einsam zwar manchmal, weil man nicht mal eben ein bisschen quatschen kann. Aber dafür geht einem auch niemand auf die Nerven. Ohnehin ist die Firma so klein, dass man auch nicht so viele Möglichkeiten hat, einem homo nervus über den Weg zu laufen. In der Verwaltung sind wir gerade mal zu viert. Wenn allerdings einer dabei ist, kann man ihm kaum aus dem Weg gehen.

Jedenfalls bin ich derzeit nicht ganz im Einklang mit mir selbst, was meine berufliche Situation angeht. Natürlich, ich verdiene Geld. Nicht gerade viel, aber immerhin. Und wirklich stressig ist der Job auch nicht. Dennoch gibt es bereits jetzt die Tage, an denen ich das Internet nach anderen Stellen durchforste. Und gleichzeitig fühle ich mich schlecht, weil ich nun mal mit dieser Stelle eine Verantwortung übernommen habe. Wenn mir also nun alles erklärt und auf mich ausgerichtet wird und ich verdrücke mich einfach, lasse ich Menschen hängen, die sich auf mich verlassen. Und nicht nur das. Ich flüchte auch vor einer Situation, die mir unangenehm ist und mir nicht vollkommen behagt. Und habe ich nicht jahrelang gelernt, dass ich ausgerechnet das nicht tun darf? Während ich heute Morgen neben Hintern kratzen und in der Nase bohren damit beschäftigt war, gedanklich schon alles hinzuschmeißen und mir was anderes zu suchen, bin ich nun schon wieder versöhnt mit der ganzen Sache und will weitermachen.

Na? Macht der Titel dieses Eintrags jetzt Sinn? Ich muss ganz ehrlich sagen, dass mir Denis im Moment ziemlich leid tut, weil er sich den ganzen Dreck jeden Tag anhören muss. Ich kann mich nicht entscheiden und finde für mich keine befriedigende Lösung, darum muss er das Auf und Ab meiner Laune ertragen. Vermutlich stürzt er sich demnächst voller Elan vom Balkon.

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Podcast-Projekt: „Taschenuschis“

So, ihr Hübschis. Heute mal Werbung in eigener Sache. Klingt vielleicht etwas selbstverliebt, soll es aber gar nicht. Das ist wieder so ein Ding aus der Kategorie „Ich möchte gesehen werden.“ und bedeutet: Da läuft ein neues Projekt und ich möchte es mal zum Zeigen rumreichen.

Die Mel und ich haben uns tatsächlich getraut und einen Podcast gestartet. Ja, echt jetzt. Ich muss immer noch ein bißchen drüber lachen. Gerade ich, die ihre Stimme früher so sehr gehasst hat, redet jetzt jede Woche über irgendwelchen Kram frei ins Internet hinein. Hätte ich vor ein paar Jahren auch nicht für möglich gehalten.

Wir nennen uns DIE TASCHENUSCHIS (<<<< klick mich) und bisher haben wir sage und schreibe viereinhalb Folgen veröffentlicht. Die halbe Folge ist eigentlich die erste und nicht nur inhaltlich etwas fragwürdig, sondern auch technisch eher unterste Schublade. Aber wir hatten Spaß und versuchen jetzt, uns etwas zu verbessern.

Unter dem Link findet ihr die Kanäle, über die wir derzeit veröffentlichen. Wir versuchen einen wöchentlichen Rhythmus einzuhalten und bleiben dabei natürlich voll unprofessionell. Ist ja klar.

Wenn ihr also gerne Podcasts hört und einen etwas dreckigen bis mitunter infantilen Humor mögt, dann würde ich mich freuen, wenn ihr zu unseren Hörern stoßt. (Ja, wir haben tatsächlich welche!) Wenn nicht, dann geht raus in die Sonne oder an den Baggersee oder pult euch an den Füßen. Was immer euch Spaß macht. Genießt das Leben!

Männer, die auf Straßen rotzen.

Es passiert mir eigentlich täglich: Ich gehe arglos meines Weges, schaue mal nach links und mal nach rechts, denke über dies und das nach und blicke versonnen auf den Rücken meines Vordermannes. Vor mir geht ein Kerl, der von hinten völlig normal aussieht. Was in diesem Fall bedeutet: Adrett gekleidet, gewaschen, nicht besoffen rumschwankend. Eben ein durchschnittlicher Mann. Während ich also fröhlich durch die Weltgeschichte laufe, passiert es plötzlich. Der Mann vor mir hebt einen Finger an sein Nasenloch und bläst einen fetten Klumpen Rotz auf die Straße. Also, auf den Fußweg. Dahin, wo ich soeben meinen Fuß setzen wollte.

Iiiiiiiiiih!

In mir zieht sich alles zusammen. Ist ja widerlich! Aber gut, vielleicht ist der einfach nur fies erkältet und hat gerade kein Taschentuch dabei. Ich setze also meinen Weg fort und versuche, nicht mehr all zu viel an das Bild zu denken, dass sich mir eben bot. Ein paar hundert Meter weiter kommt mir ein anderer Kerl entgegen. Jung, sportlich, hippe Straßenkleidung. Als er beinahe auf meiner Höhe ist, zieht er unter größter Anstrengung und sehr lautstark etwas aus den tiefsten Tiefen seines Halses nach oben: Rotz! Und schon spuckt er mir den auch genau vor die Füße.

Baaaaaah!!!

Mir wird jetzt wirklich langsam übel, es kann doch nicht sein, dass hier jeder seine Körperflüssigkeiten auf der Straße verteilen muss! Es ist nicht mehr weit bis zu meinem Ziel und ich halte nun den Blick gesenkt. Mir ist nämlich etwas aufgefallen. Überall auf dem Fußweg sind Rotzflecken verteilt. Man muss schon beinahe hüpfen, um nicht hinein zu treten.

Wäääääh!!

Warum machen Leute so etwas? Vor allem die Männer? Ich glaube, ich habe bisher nur einmal eine Frau beziehungsweise ein Mädchen gesehen, das auf die Straße gespuckt hat. Sonst waren das wirklich nur Typen und ich überlege, ob es einen tieferen Sinn dahinter gibt. Ist das Revierverhalten? Muss irgendwas markiert werden und ich verstehe das nur nicht? Sind das alles Hardcorekiffer, die Unmengen an Speichel produzieren? Oder gibt es so einen geheimen Kodex unter Männern, der besagt, dass man als Kerl nun mal rumzurotzen hat? Was auch immer es ist, es ist einfach nur widerlich. Wenn ich einen Mann, der eigentlich attraktiv ist und nett erscheint, dabei beobachte, wie er seinen Speichel auf die Straße flaggt, finde ich ihn auch sofort hässlich. Das ist doch auch kein Benehmen. Und überall diese widerlichen Pfützchen… Da mache ich mir keine Sorgen mehr um Hundescheiße auf dem Fußweg, sondern um Rotzklumpen unter meinem Schuh.

Kann ja sein, dass ich einfach zu empfindlich bin. Aber gibt es wirklich jemanden da draußen, den das überhaupt nicht stört? Oder der das normal findet? Kann man mir das zumindest mal erklären? Ich möchte die Welt um mich herum ja wirklich gerne verstehen, es fällt mir bei diesem Thema nur verdammt schwer. Wenn es nach mir ginge: Männer, lasst das Rotzen sein!

Nehmen Sie einfach ab.

Wenn man mich anschaut, dann sieht man es ziemlich deutlich: Ich bin zu dick. Das finde ich jetzt nicht besonders prickelnd und an manchen Tagen hadere ich wirklich sehr damit, aber es ist eben so. Von Zeit zu Zeit würde ich mir mein Fett gern mit einer Kettensäge entfernen. Wrumm, wrumm! Und abschneiden! Shaping mittels Kettensägen-Diät. Ein Knaller. Wenn es doch nur funktionieren würde…

Als Teenager war ich wirklich schlank, auch wenn ich mich nicht so gesehen habe. Aber Teenager halt, die finden sich ja immer zu dick, zu hässlich, zu dumm und was weiß ich nicht alles. Als ich dann gerade anfing, mich in meiner Haut wohler zu fühlen, musste ich Medikamente nehmen, dann startete das Frustfressen und ich ging immer weiter auf. Wie der berühmt-berüchtigte Hefekuchen. Heute nenne ich mich Blob. Und ich glaube, mein Hintern entwickelt ein eigenes Gravitationsfeld. Auch wenn ich bereits wieder 10 kg weniger auf die Waage bringe als noch vor zwei Jahren.

Mal abgesehen davon, dass mich das auf der ästhetischen Ebene stört, komme ich so langsam in ein Alter, in dem sich erhöhtes Gewicht auch gesundheitlich bemerkbar macht. Mit disziplinierter Gewichtsabnahme könnte ich meine Zipperlein sicher deutlich mindern oder sogar ganz loswerden. Aber Disziplin, was ist das? Ich bin einfach so unheimlich faul, nicht nur in puncto Bewegung, sondern auch was das Kochen angeht oder überhaupt das Essen. Ich mag mir darüber keine Gedanken machen. Ich beschäftige mich nicht gern mit Essen, mit Kochen oder mit dem Einkauf von Lebensmitteln. Das ist ein notwendiges Übel, aber nichts, was mir Spaß macht oder mich auf irgendeiner Meta-Ebene befriedigt. Ich weiß, dass das schlecht ist. Ich weiß, dass ich mich besser um mich kümmern müsste, wenn ich noch ein paar glückliche Jahre auf dieser Erde verleben möchte. Aber es ist verdammt schwer.

Gestern unterhielt ich mich mit einer ebenfalls molligen Freundin darüber, dass sie mal zum Arzt gehen müsse, sie aber auch genau wisse, dass der eh nur sagt, sie solle halt abnehmen. Und das ist so eine Aussage, die leider wahr ist und die mich total wütend macht. Ich habe das Gefühl, dass man als dicker Mensch besonders von Ärzten oft nicht für voll genommen wird. Die Beschwerden werden meist direkt auf das Gewicht geschoben, oft wird man noch nicht mal richtig untersucht. Ich will gar nicht abstreiten, dass es natürlich gesünder wäre, abzunehmen und seinen Körper damit zu entlasten. Und natürlich sind viele Krankheiten dem Übergewicht zuzuschreiben. Aber einfach pauschal zu sagen „Nehmen Sie einfach ab und dann geht es Ihnen besser.“ ist einfach total dämlich. Weil es unwahr ist. Wenn ich mit starken Kopfschmerzen zum Arzt komme, weil mir eine Dachpfanne auf den Kopf gefallen ist, hat das nichts mit meinem Gewicht zu tun. Wenn ich total verrotzt und mit hohem Fieber vor dem Doktor sitze, hat das nichts mit meinem Gewicht zu tun. In solchen Fällen bekomme ich meine Diagnose, ich bekomme Medikamente, mir wird geholfen. Aber sobald eher unspezifische Sachen im Spiel sind wie Schmerzen, welche die Bewegung einschränken, oder Probleme beim Atmen, Herzrasen oder auch Stimmungsschwankungen, wird sofort die Dicken-Keule rausgeholt. Muss das sein? Was ist denn, wenn eine chronische Erkrankung vorliegt oder vielleicht ein akutes Problem, das behandelt werden muss? Ohne genaue Diagnose weggeschickt zu werden mit so einem blöden Spruch, das finde ich fahrlässig.

Sicher ist mir klar, dass nicht alle Ärzte so sind. Aber ich musste das selber so oft erleben und dabei bin ich „nur“ dick und bewege mich nicht in einem sehr extremen Bereich der Adipositas. Ich will wirklich nicht wissen, wie es anderen damit geht, die noch mehr Kilos drauf haben als ich. Mein Bandscheibenvorfall wurde etwa ein Jahr lang nicht erkannt und nicht behandelt, weil sich niemand bemüßigt gefühlt hat, mal eine vernünftige Untersuchung zu machen. Es hieß immer nur: „Sie sind halt dick, da bekommt man eben Rückenschmerzen.“ Als ich dann schließlich doch ins MRT durfte, sagte meine Orthopädin: „Oh ja… Die Verletzung ist nicht neu, die ist da schon eine ganze Weile.“ Ach was?? Bei meiner ehemaligen Hausärztin habe ich drei Jahre lang drum gebeten, eine Untersuchung meiner Schilddrüse machen zu lassen, weil ich das Gefühl hatte, etwas stimmt nicht. Ihr Kommentar unter anderem: „Sie können Ihre Gewichtszunahme nicht auf die Schilddrüse schieben, daran sind Sie schon selbst schuld.“ Herzlichen Dank für diese qualifizierte Aussage. Da wäre ich allein gar nicht drauf gekommen. Dass meine neue Hausärztin dann allerdings einen einwandfreien Fall von Hashimoto bei mir diagnostizierte, ist bestimmt nur ein dummer Zufall.

Wie gesagt ist das Gewicht sicher mit Schuld an vielen Erkrankungen. Aber ehrlich, es hilft einfach gar nicht, die Dicken von vornherein als „selbst schuld“ abzustempeln und sie nicht ernst zu nehmen. Das ist für uns total entwürdigend und spricht auch nicht gerade für die Professionalität vieler Ärzte. Ich glaube, wenn ich so einen Spruch noch einmal in meinem Leben hören muss, werde ich einfach mal unverschämt dem Menschen gegenüber, der mir so was ins Gesicht sagt. Mal sehen, wie gut dem das dann gefällt.

 

Nicht jede Krankheit kann man sehen.

Ich habe wirklich lange überlegt, ob ich in diesem Blog, der ja kreuz und quer durch meine Gedanken und Interessen geht, ein für mich sehr wichtiges und immer präsentes Thema zur Sprache bringen soll oder nicht: psychische Krankheiten. Generell bin ich sehr an Psychologie und menschlichem Verhalten interessiert. Daher würde es sich anbieten, auch mal darüber zu schreiben. Doch da es eben auch so ist, dass ich selbst betroffen war – oder es immer noch bin, aber inzwischen eher latent -, berührt mich dieses Thema auf einer so tiefen Ebene, dass ich es nicht einfach sachlich mit ein oder zwei Sätzen abtun kann.

Obwohl ich in der letzten Zeit wenig Muße zum Schreiben habe, lese ich doch immer noch fleißig in meiner Blogroll. Ich verfolge die unterschiedlichsten Themen und es stecken sehr verschiedene Menschen dahinter, doch mir ist aufgefallen, dass sich über kurz oder lang viele mit psychischen Erkrankungen auseinander setzen oder das Thema zumindest anreißen. Wieso das so ist? Ich kann es mir nur so erklären, dass einerseits die Sensibilität dafür steigt, andererseits aber auch der Druck in der Gesellschaft und sich darum viele Menschen irgendwann persönlich mit der Problematik konfrontiert sehen. Gesteigerte Erwartungshaltung, Versagensangst, Erfolgsdruck und auch die neuen Medien belasten den menschlichen Geist oft über die Maßen und sind sicher ein großer Faktor für die zunehmenden psychischen Probleme in unserem Land. Es ist beängstigend, wie uns inzwischen schon von Kindesbeinen an eingetrichtert wird, dass wir funktionieren und etwas leisten müssen, dass unser Selbstwertgefühl an unser Aussehen und unsere Finanzen geknüpft ist und wir am besten auch mit 55 Jahren noch genau so aussehen und so aktiv sind wie mit 20. Wir sind eine Nation von Nummern, von austauschbaren Arbeitern, die denen, die durch ihren Erfolg aus der Masse heraus stechen, vollkommen egal geworden sind. Wir entfremden uns, wir leben einsam zwischen unseren Nachbarn, Menschlichkeit rückt immer mehr in den Hintergrund und wir haben keine Zeit mehr, den Kopf auszuschalten und los zu lassen.

Ist es also ein Wunder, dass wir irgendwann unter dem Trommelfeuer unserer Umwelt zusammenbrechen?

Schleichend aber stetig hat sich die Depression zu einer Volkskrankheit entwickelt. Auch wenn viele lieber den Begriff „Burn-out“ benutzen, weil der positiv besetzt ist und impliziert, dass man einfach so viel geackert hat, dass jetzt mal Schluss ist: Eine Depression bleibt eine Depression. Egal, wie man sie bezeichnet. Und sie kann unterschiedlichste Auslöser haben. Weithin scheint sich der Irrglaube zu halten, dass eine Depression bedeutet „einen an der Klatsche zu haben“, „nicht mehr ganz dicht zu sein“ oder – ganz simpel gesagt – eben einfach verrückt zu sein. Dass es aber eben um Überlastung geht, um Traumata oder auch um eine Stoffwechselstörung, die gewisse chemische Prozesse im Gehirn verändert oder stört, ist vielen Nicht-Betroffenen nicht klar. Oder sie wollen es gar nicht wissen. Sich mit dieser Thematik zu beschäftigen bedeutet nämlich oft, sich aus seiner sicheren Umwelt hinaus zu wagen und die Welt anders zu begreifen. Mit anderen Augen zu sehen. Und dabei kann man mitunter auch Dinge entdecken, die einem nicht gefallen.

Ich gehe mit dem, was mir passiert ist und wie ich die letzten Jahre erlebt habe, sehr offen um. Wozu soll ich ein Geheimnis daraus machen? Alle Höhen und Tiefen, die ich erfahren habe, haben mich zu dem Menschen gemacht, der ich jetzt bin. Sie haben mich an den Ort gebracht, an dem ich nun mein Leben führe. Und sie haben einen großen Anteil an meiner jetzigen Sicht auf die Welt und die Menschen. Und weil das so ist und ich denke, dass es anderen Menschen vielleicht auch Mut machen oder ihre Fragen beantworten kann, möchte ich in Zukunft auch darüber reden. Ich denke, wir brauchen mehr Menschen, die einfach mal reden.

Bitte helft mir, meine Familie wiederzufinden-Please help me find my family again! هل تستطيع ان تساعدني بان اجد عائلتي

Nicht nur Menschen flüchten vor dem IS, sondern auch ihre Tiere, die sie manchmal mit sich nehmen. „Dias“ ist auf der Flucht verloren gegangen, als ihre Familie mit dem Schlauchboot auf der Insel Lesbos ankam. Glücklicherweise wurde sie gefunden un d es kümmern sich liebe Menschen um sie, aber es wäre wundervoll, wenn sie ihre Familie wiederfinden könnte, die sie so sehr geliebt hat, dass sie nicht allein in ihrer Heimat zurückgelassen wurde.

 

Quelle: Bitte helft mir, meine Familie wiederzufinden-Please help me find my family again! هل تستطيع ان تساعدني بان اجد عائلتي

Ein wenig Respekt, bitte!

Ich sitze im Büro und bereite mich auf den Arbeitstag vor. Anmeldeliste öffnen, Emails abrufen, Anrufbeantworter abhören, Kaffee bereit stellen. Es ist 9 Uhr, der Unterricht beginnt. Wobei das für einige Schüler eine relative Zeitangabe zu sein scheint. Klar, die meisten sind pünktlich da, aber jeden Tag kommt ein gutes Dutzend zu spät. Wir reden nicht über 10 Minuten, weil die Bahn Verspätung hatte oder man einer alten Dame über die Straße helfen musste. Nein. Wir reden von ein oder zwei Stunden. Manchmal kommt der letzte auch erst 45 Minuten vor Unterrichtsende. Oder gar nicht. Bei manchen Schülern wundert man sich, wieso sie den Kurs überhaupt gebucht und bezahlt haben, wenn man sie innerhalb von zwei Monaten weniger als zehn Mal im Klassenraum begrüßen kann. Aber gut. Die Schule ist privat, die Leute kommen freiwillig hierher und es liegt in ihrer eigenen Verantwortung, wie viel sie lernen. Dass man bei mangelndem Engagement aber auch ganz fix durch die Prüfung fallen kann und die Not dann groß ist, weil ein Studienplatz oder eine Hospitation an der Prüfungsnote hängen, steht dabei auf einem anderen Blatt. Wie bei Kindern, die keine Lust auf Schule haben, redet man sich auch bei uns oft völlig umsonst den Mund fusselig. „Du musst pünktlich sein.“ „Du musst deine Hausaufgaben machen.“„Sei im Unterricht aufmerksam.“ Das alles bringt meist rein gar nichts.

Meine Uhr zeigt 9 Uhr 10. Eine unserer Lehrerinnen betritt mein Büro und sieht mich halb lachend, halb weinend an. „Bei mir ist noch kein einziger Schüler aufgetaucht. Was mache ich denn jetzt?“ Tja, was macht man denn da? Wir diskutieren die Optionen: Nase bohrend vier Stunden allein im Unterrichtsraum hocken. Beim Erscheinen eines Schülers den Herrgott preisend auf die Knie fallen. Mit verschränkten Armen und eisigem Blick intensiv die Tür anstarren und den ersten Schüler, der den Raum betritt, sofort anfahren, wo er gewesen ist. Einen Überraschungstest mit denen schreiben, die doch noch auftauchen. In diesem Moment kommen die ersten drei Leute an. Die Bahn war zu spät. Okay, dann geht es eben jetzt los.

Da die Sommerhitze auch vor der Schule nicht Halt macht, haben wir überall die Türen offen stehen. Von meinem Schreibtisch aus kann ich in eine der Klassen sehen. Ich höre die Lehrerin eine Aufgabe erklären. Währenddessen starrt der Schüler auf sein Handy. Ungeniert. Völlig selbstverständlich. Interessiert beobachte ich ihn. Augenscheinlich schreibt er mit jemandem. Ab und zu grinst er, dann fliegen seine Finger über das Smartphone. Die Lehrerin redet immer noch. Er hört ihr überhaupt nicht zu. Ich kümmere mich wieder um meine Arbeit, beantworte Emails und überarbeite Anmeldedaten. Dann wieder ein schneller Blick zu meinem Freund, dem Smartphone-Junkie: Er tippt immer noch. Und er ist bei weitem nicht der einzige, der so ein Verhalten im Unterricht zeigt. Manchmal, wenn ich durch die Gänge laufe und einen Blick in die Schulungsräume werfe, sehe ich in einer Gruppe von zehn Schülern mindestens die Hälfte über ihr Smartphone gebeugt dasitzen. Um sich herum haben sie alles ausgeblendet, vorne steht die Lehrkraft und bekommt natürlich mit, was in ihrem Unterricht geschieht. Wenn es unerträglich wird, weist sie darauf hin, dass die Handys nerven und man doch bitte aufmerksam sein soll. Die Antwort darauf ist meist ein breites Grinsen. Die Handys bleiben in der Hand.

Täglich treffe ich Schüler auf dem Flur, die gerade keine Pause haben, aber mit dem Handy am Ohr durch die Schule laufen. Oder irgendwo auf der Treppe sitzen und skypen oder per Whatsapp chatten. Es lässt sich kaum noch zählen, wie oft einfach aufgestanden und aus dem Unterricht gegangen wird, um irgendetwas anderes zu machen.

Ich frage mich, ob so ein Verhalten gar nicht mehr als Respektlosigkeit erkannt wird. Für mich ist es das: Respektlos hoch zehn! Wenn ich daran zurückdenke, wie viel Angst ich in der Schule hatte, zu spät zu kommen, verkrampfen sich immer noch meine Eingeweide. Niemals würde ich bei Weiterbildungen oder Seminaren auf mein Handy starren. Das gehört sich einfach nicht. Wenn sich vor mir jemand zum Kasper macht, sich Mühe gibt, mir Wissen zu vermitteln, dann habe ich das zu würdigen. Wie verletzend das teilweise für die Lehrer ist, wie dumm und hilflos sie sich vor erwachsenen Menschen vorkommen, die ihnen keinerlei Aufmerksamkeit schenken in einem Unterricht, für den sie auch noch selber bezahlen und der für ihr weiteres Leben ausschlaggebend sein kann. Natürlich geht es in der Erwachsenenbildung oft lockerer zu als während der normalen Schullaufbahn. Doch das heißt nicht, dass man all seine Manieren über Bord werfen und sich benehmen darf wie ein Spätpubertierender. Wir haben Schüler, die sind tatsächlich erst 16 oder 17 und haben wesentlich bessere Umgangsformen als ihre älteren Mitschüler.

Ich wünschte, ich hätte die Macht, diesem Verhalten Einhalt zu gebieten. Egal, ob bei uns oder in anderen Instituten. Denn ich wette, wir sind nicht die einzigen, die darunter leiden.