Ich möchte eine Sachertorte sein.

Nach jeder gescheiterten Beziehung kommt irgendwann der Moment, in dem einem klar wird, dass man so langsam wieder bereit für etwas Neues wäre. Oder sich dem Gedanken daran zumindest nicht mehr komplett verschließt. Nachdem ich im vergangenen Jahr wirklich überhaupt keine Lust darauf hatte, wieder jemanden in mein Leben zu lassen und extrem viel mit mir selbst zu tun hatte, fällt mir nun seit einigen Wochen auf, dass ich nicht mehr abgeneigt wäre.  Es ist niemand in Sicht, der wirklich als Partner in Frage käme, aber man beginnt sich schon ein wenig umzuschauen. Wobei das mit dem Umschauen vielleicht etwas zu hoch gegriffen ist, da zwischen Arbeit und Wohnzimmer nicht ganz so viel Zeit und Raum ist, um jemanden kennen zu lernen.

Ich habe schon immer ein paar Probleme damit gehabt, mich aktiv ins soziale Leben zu stürzen. Vor allem, wenn dieses aus Party machen, alleine in Bars gehen, sich in einem Verein oder einem wie auch immer gearteten Kurs anmelden besteht. Auch wenn mir viele Menschen, die mich eher oberflächlich kennen, eine offene und gesellige Art attestieren: So einfach ist es nicht. Ja, ich bin offen und ich habe auch kein Problem damit, von mir selbst zu erzählen. Eigentlich mache ich das sogar sehr gern. Vielleicht etwas zu gern. Aber von mir aus auf fremde Menschen zugehen oder allein zu einer Gruppe dazustoßen ist für mich so unfassbar schwierig, dass ich darauf oft mit Angst reagiere. Auf der Arbeit, wo ich den ganzen Tag mit Menschen arbeiten muss, ist das für mich kein Problem, denn ich kenne meine Rolle, mir sind meine Aufgaben klar und ich bewege mich auf sicherem Terrain. Diese Sicherheit habe ich im Privatleben allerdings nicht. Und mit diesen Voraussetzungen fällt es mir unheimlich schwer, neuen Menschen zu begegnen.

In Anbetracht dieser Tatsache sinniere ich darüber, wie wahrscheinlich es wohl sein mag, einem interessanten Mann auf dem Heimweg von der Arbeit zu begegnen. Im Zug, mit Kopfhörern im Ohr und lauter Musik, um den Stress des Tages abklingen zu lassen. Oder im Supermarkt an der Käsetheke, wo ich mich selten entscheiden kann, welchen Camembert ich gerne ausprobieren möchte. Oder vielleicht online in einem Dungeon bei Final Fantasy XIV, während mich der finale Boss gerade so dermaßen vermöbelt, dass ich kaum schnell genug in die Tasten hauen kann, um meine Cooldowns zu zünden. Statistisch gesehen findet man eine neue Liebe am ehesten in seinem Freundes- und Bekanntenkreis oder auf der Arbeit. Ersteres halte ich für ziemlich unwahrscheinlich, weil der nicht nur recht überschaubar ist, sondern auch überproportional viele verheiratete Paare beinhaltet. Sprich: So ziemlich alle außer mir. Und die Arbeit fällt ja wohl auch flach, denn erstens fängt man mit Kunden nichts an und zweitens ist der Altersdurchschnitt bei uns ja doch recht niedrig.

Und was habe ich überhaupt für Ansprüche? Naja, sie sind ein wenig seltsam, würde ich sagen. Passt ganz gut, da auch ich nicht so ganz normal bin. Doch wer möchte sich das antun? Und zu allem Überfluss kommt noch die Unsicherheit wegen meines Äußeren dazu. Kann man mich überhaupt attraktiv finden, wenn ich es nicht mal tue? Das ist schon ein entscheidender Punkt, auch wenn man mir das regelmäßig ausreden will. Auf jeden Fall ist mir eines klar: Ich möchte nicht mehr das Gefühl haben, für irgendwen ein aufgewärmtes Brötchen vom Vortag zu sein, das ganz okay schmeckt und das man isst, weil es halt noch da war. Ich möchte eine Sachertorte sein. Oder wahlweise eine andere Köstlichkeit, die man mit Genuss isst und auf die man sich schon lange freut.

Wovor ich wirklich Angst habe, ist das Aussenden von verzweifelten Signalen. Jeder von uns kennt doch diese Menschen, die so verzweifelt suchen und sich so arg an jede neue Möglichkeit klammern, dass sie schon abstoßend wirken. Ich persönlich hasse das und ich möchte mich nicht in diese Richtung entwickeln. Hoffentlich teilt man es mir mit, sollte es wirklich dazu kommen. Ich bitte darum. Ernsthaft.

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The Biggest Loser

Heute geht es wieder los. Die Show der Schwergewichte, „The Biggest Loser“, startet auf Sat1. Dicke Menschen kämpfen darum, möglichst viele Pfunde zu verlieren und im Idealfall am Ende auch noch Geld mit nach Hause zu nehmen. Ich weiß bis heute noch nicht so genau, was ich von dieser Sendung halten soll. Einerseits finde ich es super, dass Menschen dadurch den Antrieb finden, etwas an sich und ihrem Leben zu ändern, ihren Schweinehund zu überwinden und einfach mal durchzustarten. Andererseits finde ich es teilweise viel zu krass, was dort von den Leuten gefordert wird und denke, dass einige Sachen auch nichts mit gesundem Abnehmen und mit Körperbewusstsein zu tun haben. Dennoch… Die Erfolge lassen sich sehen, die Kandidaten gehen durch die Hölle, aber es lohnt sich.

Ich frage mich allerdings, ob sich Gewicht und Lebensführung im Alltag wirklich so halten lassen wie im Camp. Da ich die Sendung generell nicht wirklich verfolge, sondern nur ab und zu mal beim Zappen drauf stoße, fehlen mir vermutlich wichtige Informationen, ob und wie das im Ablauf gehandhabt wird. Doch wenn ich im Camp den ganzen Tag Sport mache, mich verausgabe ohne Ende und nach einer Woche irgendwie 8 oder 10 Kilo abgenommen habe, dann ist ja eigentlich klar, dass sich das in meinem normalen Leben nicht umsetzen lässt. Und wie viele Teilnehmer fallen zuhause wieder in alte Verhaltensweisen zurück?

Allerdings muss ich zugeben, dass ich den Gedanken dieses radikalen Abnehmprogramms recht verlockend finde. Vermutlich kann man das nur verstehen, wenn man selber viel zu viel Gewicht auf den Rippen hat und sich damit die meiste Zeit einfach widerlich und abstoßend findet. Der Gedanke, das innerhalb weniger Wochen ändern zu können, ist einfach herrlich. Wie das Versprechen eines besseren Lebens. Dass man für dieses Leben selbst verantwortlich ist und dass man ja auch alleine den eigenen Schweinehund überwinden könnte, blendet man da gern aus. Warum man es allein nicht so gut auf die Reihe bekommt als wenn jemand die ganze Zeit hinter einem steht und Dampf macht? Meine Antwort lautet: Weil Alleinsein mich zum Essen bringt. Einsamkeit, Frust, Stress, Langeweile… Das alles sind so Auslöser bei mir. Die negativen Gefühle stopfe ich einfach mit Essen zu und dann geht’s mir besser. Ungefähr 30 Sekunden lang.

Von daher ist bei mir sicherlich auch ein wenig Neid dabei, wenn ich andere dabei beobachte, wie sie es schaffen, auf Kurs zu kommen und sich zumindest mit ihrem Körper wieder wohl zu fühlen. Ich wünsche den Teilnehmern dieser Staffel viel Erfolg. Sie haben jede Menge Hilfe, um es zu schaffen. Nutzt eure Chance.

Unglückstag

Ich bin an einem Mittwoch, den 13., geboren worden. An einem Freitag, den 13., habe ich meine einzige gute Note in einer Französischarbeit geschrieben. Generell halte ich dieses Datum, natürlich insbesondere in Verbindung mit Freitagen, nicht für ein Zeichen des Unheils. Der Aberglaube, der damit in Verbindung steht (die Furcht vor der Zahl 13 als „Dutzend des Teufels“ und der Deutung des Freitags als generellem Unglückstag), erschließt sich mir nicht. Es gibt ja sogar Menschen, die an Paraskavedekatriaphobie leiden, einer Phobie vor Freitag, dem 13. Rational erklärbar ist das nicht, aber wer unter Angststörungen leidet, der kennt das Problem mit der Ratio ja bereits.

Gestern war Mittwoch. Ebenfalls der 13. Und alles lief ein wenig schief. Das Schlimmste passierte direkt morgens auf dem Weg zur Bahn. Es war glatt in Wuppertal, zumindest bei mir am Berg, und überall lag noch Schnee. Sehr schön eigentlich, aber blöd in der Dunkelheit und vor allem dann, wenn man es eilig hat. Ich wollte jemandem ausweichen, der mir entgegen kam, trat falsch auf und rutschte ab. Ich bin schon ewig nicht mehr hingefallen, vor allem nicht auf der Straße. Und ja, ich habe sehr laut und sehr unflätig geflucht. Mein linkes Knie tat höllisch weh und ich war auch auf die linke Hüfte gefallen. Egal, weiter gelaufen Richtung Zug und an der Haltestelle die Schäden in Augenschein genommen. Zum Glück war die Hose noch heil und nicht dreckig. Aber die Haut an meinem Knie war abgeschürft und es blutete. Als ich dann mein Smartphone zückte, um mich bei meinen Mädels auszuheulen, der Schock! Das komplette Display war zersplittert. Lange Risse von oben nach unten und im unteren Drittel des Bildschirms gab es kaum noch eine Stelle, die nicht von Haarrissen durchzogen war. Ich dachte, mich tritt ein Pferd. Das Handy besitze ich seit einem Monat. Und schon zerstört. Das ist mir noch nie passiert, weshalb ich nicht mal eine Versicherung abgeschlossen hatte. In den Jahren zuvor hatte ich das immer, aber nun einfach nicht, weil es mir so unnötig erschien. Aber wer kann denn auch ahnen, dass ich morgens mit meinem dicken Hintern auf die linke Jackentasche falle, in der ich das Handy spazieren trage? Ich augenscheinlich nicht. Verdammt. Die Panzerfolie war größtenteils unbeschädigt, ist ja auch ein totaler Witz. Warum haue ich die auf so ein teures Gerät drauf, wenn sie eh nichts bringt?

Ich war aber völlig verwundert von mir selbst. Früher wäre ich ausgeflippt und hätte mit meinem Schicksal gehadert. Gestern habe ich nur gedacht: „Na toll. Kann ich ja gerade gar nicht brauchen.“ Ist vielleicht auch die gesündere Einstellung. Im Laufe des Tages habe ich dann nach einem Reparaturdienst gesucht, der mir nur das Displayglas austauscht und nicht auch noch den Touchscreen. Der funktioniert immerhin super. Wird aber anscheinend kaum noch getrennt gemacht. Vor allem nicht beim iPhone 7. Der Apple Service macht das für 181,- EUR. Haha. Ich knapse immer noch an den Arztrechnungen der letzten Monate rum, wie soll ich mir das denn noch leisten? Letztendlich habe ich einen Service in Bremen gefunden, der nur das Glas tauscht und dafür 100 EUR nimmt. Also habe ich in den sauren Apfel gebissen und mein Handy heute eingeschickt. Man fühlt sich ja schon ein wenig eingeschränkt, wenn man einfach gar nicht mehr mobil erreichbar ist. Theoretisch müsste ich mein Handy am Samstag wiederbekommen. Theoretisch. Ich verlasse mich mal nicht darauf.

Aber es ging noch lustig weiter gestern. Was der Grund dafür war, dass ich irgendwann darüber nachdachte, ob es vielleicht doch ein Unglückstag sein könnte.

Unsere Schule wird im Moment renoviert. Meinen Schlüssel für den Eingang habe ich den Handwerkern geben müssen, woran ich aber Dienstagabend nicht mehr gedacht habe. Am Mittwoch habe ich generell Frühdienst und muss die Schule aufschließen. Ohne Schlüssel nur leicht unmöglich. Ich hatte nicht daran gedacht, mir den Schlüssel meiner Kollegin zu leihen, die sonst morgens vor mir da ist. Wir hatten also abends ausgemacht, dass sie mir den Schlüssel in Erkrath, wo sie wohnt, am Bahnhof quasi in den Zug wirft. Guter Plan, doch leider herrschte so viel Verkehrsaufkommen, dass sie mir nur noch vom Parkplatz aus zuwinken konnte als der Zug schon wieder los fuhr. Ich musste also meine Chefin anrufen, damit sie zur Schule kommt und uns die Tür aufschließt.

Am Vormittag sollte die neue Küche geliefert werden. Endlich! Blöd nur, dass genau in dem Moment, in dem die Möbel nach oben gebracht werden sollten, der Fahrstuhl den Geist aufgab. Noch blöder, dass wir im fünften Stock sitzen. Also mussten die armen Jungs sämtliche Sachen nach oben schleppen und waren natürlich fix und fertig. Der Aufbau war auch ziemlich laut, denn ich sitze nun am Empfang im Flur, wo es hallt, und so eine Metallsäge macht wirklich kein angenehmes Geräusch.

Im übrigen fiel in drei Unterrichtsräumen das Licht aus. Völlig ohne ersichtlichen Grund. Die Lehrer und Studenten mussten Unterricht im Dunkeln halten. Nicht gerade die optimalste Situation. Und wenn der zwanzigste Teilnehmer vorbei kommt, um einem zu sagen, dass das Licht im Unterrichtsraum nicht funktioniert, wird man schon langsam etwas sarkastisch. Auf den Elektriker mussten wir dann auch nur drei Stunden warten. Ich bin mir nicht sicher, ob der noch gemütlich gefrühstückt hat.

Als ich gegen Abend dachte, jetzt wäre es überstanden, wurden im Stockwerk unter uns die letzten Reste der bereits am Dienstag abgerissenen Wände herunter geholt. In einer unvorstellbaren Lautstärke.

Ich war wirklich froh als ich abends zuhause war. Das war definitiv nicht mein Tag. Ob es nun am Datum lag oder nicht… Eigentlich ist mir das ziemlich egal, aber es war schon auffällig. Vielleicht ist am Aberglauben doch etwas dran?

 

Männer, die auf Straßen rotzen.

Es passiert mir eigentlich täglich: Ich gehe arglos meines Weges, schaue mal nach links und mal nach rechts, denke über dies und das nach und blicke versonnen auf den Rücken meines Vordermannes. Vor mir geht ein Kerl, der von hinten völlig normal aussieht. Was in diesem Fall bedeutet: Adrett gekleidet, gewaschen, nicht besoffen rumschwankend. Eben ein durchschnittlicher Mann. Während ich also fröhlich durch die Weltgeschichte laufe, passiert es plötzlich. Der Mann vor mir hebt einen Finger an sein Nasenloch und bläst einen fetten Klumpen Rotz auf die Straße. Also, auf den Fußweg. Dahin, wo ich soeben meinen Fuß setzen wollte.

Iiiiiiiiiih!

In mir zieht sich alles zusammen. Ist ja widerlich! Aber gut, vielleicht ist der einfach nur fies erkältet und hat gerade kein Taschentuch dabei. Ich setze also meinen Weg fort und versuche, nicht mehr all zu viel an das Bild zu denken, dass sich mir eben bot. Ein paar hundert Meter weiter kommt mir ein anderer Kerl entgegen. Jung, sportlich, hippe Straßenkleidung. Als er beinahe auf meiner Höhe ist, zieht er unter größter Anstrengung und sehr lautstark etwas aus den tiefsten Tiefen seines Halses nach oben: Rotz! Und schon spuckt er mir den auch genau vor die Füße.

Baaaaaah!!!

Mir wird jetzt wirklich langsam übel, es kann doch nicht sein, dass hier jeder seine Körperflüssigkeiten auf der Straße verteilen muss! Es ist nicht mehr weit bis zu meinem Ziel und ich halte nun den Blick gesenkt. Mir ist nämlich etwas aufgefallen. Überall auf dem Fußweg sind Rotzflecken verteilt. Man muss schon beinahe hüpfen, um nicht hinein zu treten.

Wäääääh!!

Warum machen Leute so etwas? Vor allem die Männer? Ich glaube, ich habe bisher nur einmal eine Frau beziehungsweise ein Mädchen gesehen, das auf die Straße gespuckt hat. Sonst waren das wirklich nur Typen und ich überlege, ob es einen tieferen Sinn dahinter gibt. Ist das Revierverhalten? Muss irgendwas markiert werden und ich verstehe das nur nicht? Sind das alles Hardcorekiffer, die Unmengen an Speichel produzieren? Oder gibt es so einen geheimen Kodex unter Männern, der besagt, dass man als Kerl nun mal rumzurotzen hat? Was auch immer es ist, es ist einfach nur widerlich. Wenn ich einen Mann, der eigentlich attraktiv ist und nett erscheint, dabei beobachte, wie er seinen Speichel auf die Straße flaggt, finde ich ihn auch sofort hässlich. Das ist doch auch kein Benehmen. Und überall diese widerlichen Pfützchen… Da mache ich mir keine Sorgen mehr um Hundescheiße auf dem Fußweg, sondern um Rotzklumpen unter meinem Schuh.

Kann ja sein, dass ich einfach zu empfindlich bin. Aber gibt es wirklich jemanden da draußen, den das überhaupt nicht stört? Oder der das normal findet? Kann man mir das zumindest mal erklären? Ich möchte die Welt um mich herum ja wirklich gerne verstehen, es fällt mir bei diesem Thema nur verdammt schwer. Wenn es nach mir ginge: Männer, lasst das Rotzen sein!

[Kinozeit] Thor: Ragnarök

Normalerweise schreibe ich nicht über Filme. Ich bin kein Filmfan und die meisten Streifen schaue ich nur nebenbei zuhause, während ich eigentlich etwas anderes mache wie nähen oder aufräumen. Dennoch gehe ich ganz gern ins Kino und ab und an überkommt mich das Verlangen, mich bezüglich des einen oder anderen Films mitzuteilen. Daher erst einmal ein fetter SPOILERALARM! Wer den neuesten Thor noch nicht gesehen hat, der sollte an dieser Stelle aufhören zu lesen.


Und an alle, die jetzt noch dabei sind: Seid ihr auch so hin- und hergerissen, was Thor: Ragnarök angeht? Ich grüble schon den ganzen Tag darüber nach, wie ich eigentlich zu diesem Werk stehe. Und ich kann mich nicht entscheiden. Also, negativ zumindest nicht, es war gute und solide Unterhaltung. Mehr erwarte ich eigentlich auch nicht. Naja, bis auf die obligatorische Aufnahme von Chris Hemsworths nacktem Oberkörper. Da wurde ich auf keinen Fall enttäuscht. (Ja, ich stehe unheimlich auf ihn. So ein schöner, kluger und humorvoller Mann… Hach!) Leider hat die Charakterentwicklung mir aber einige Fragezeichen ins Gesicht gezaubert und auch die Handlung hatte sehr offensichtliche Schwachpunkte.

Kurz zum Inhalt, damit wir alle auf dem gleichen Stand sind: Thor und Loki erfahren, dass sie eine ältere Schwester haben. Hela, die Göttin des Todes, ist Odins Erstgeborene und natürlich erzählt er das seinen Sprösslingen erst auf dem Sterbebett, damit er sich keinen unangenehmen Fragen stellen muss. Cleverer alter Mann. Und so erscheint Hela auch direkt nach Odins Ableben auf der Bildfläche und verlangt, dass ihre Brüder sich ihr unterwerfen. Tun sie natürlich nicht und so gibt es mal wieder ordentlich was auf die Mütze. Hela sorgt dafür, dass ihre Geschwister auf so einer Art „Allwelt-Müllkippe“ landen und macht sich selbst auf nach Asgard, um den Thron zu besteigen. Inmitten des Mülls wird Thor von einer betrunkenen Ex-Walküre gefangen genommen und als Gladiator an den Grandmaster verkauft, der im 80er Jahre-Stil über den Müll und seine Bewohner herrscht. Loki ist auch schon da und hat sich das Vertrauen des Grandmasters erschlichen. Weshalb Thor nun auch in der Arena gegen den Champion kämpfen muss, während Loki vom Zuschauerrang aus zusieht. Der Champion entpuppt sich als Hulk und ja, es gibt wieder heftig aufs Maul. Am Ende steht es unentschieden und Thor erwacht in einem Quartier zusammen mit seinem grünen Kumpel. Er versucht ihn davon zu überzeugen, dass sie fliehen müssen und nach viel Hin und Her gelingt das auch mit Hilfe der Ex-Walküre. Loki schließt sich einem Trupp revoltierender Gladiatoren an. Das große Wiedersehen findet in Asgard statt, wo Heimdall versucht, die geflohenen Asen zu retten, Hela von allen Seiten auf die Rübe bekommt und Loki den Transporter der Gladiatoren dazu nutzen will, das Volk zu evakuieren. Am Ende wird Surtur wieder erweckt, um Asgard und Hela zu zerstören, Thor hat ein Auge weniger, aber dafür einen Thron und die Asen sitzen im Raumschiff auf dem Weg zur Erde.

In der Geschichte steckt viel Raum für Charakterentwicklung und es werden jede Menge Handlungsstränge angeschnitten, die auch auf Geschehnisse in der Vergangenheit hinweisen. Allerdings wird hier komplett anders damit umgegangen als zuvor. Vermutlich ist mir der Bruch zum vorigen Teil Thor: The Dark World so stark aufgefallen, weil wir uns beide Filme in einem Double Feature angeschaut haben. Während in den beiden ersten Teilen zwar Wert auf Humor gelegt wurde, die Geschichte grundsätzlich aber recht ernst vorangetrieben wurde, wurde beim neuen Teil anscheinend ausschließlich nach dem Motto „Je lustiger, desto besser!“ gearbeitet. Zwar liebe ich den Humor der Marvel-Filme und mag auch gute Komödien, aber hier wurde meiner Meinung nach gewaltig übertrieben. Klar, ich weiß nicht, ob die Comics vielleicht eher Klamauk sind, denn die Vorlagen habe ich nie gelesen. Kann also gut sein, dass ich mich in die Nesseln setze, wenn ich sage: Thor ist keine Sitcom. Doch genau so habe ich mich an manchen Stellen gefühlt. Als würde ich eine Sitcom schauen. Oder eine Satire auf das Genre. Ich hätte nicht mal ein Problem mit dem massiv eingesetzten Humor gehabt, wenn nicht die Protagonisten wie Thor und Loki dadurch so massiv verändert worden wären. Während Loki wenigstens noch größtenteils sarkastisch bleibt, ist Thor nun eher ein Lausbub, der nichts und niemanden mehr ernst nimmt. Totale Zerrüttung mit dem Bruder? Versklavung als Gladiator? Flucht aus der Sklaverei? Alles total lustig! Und auch so manch eingebrachte Nebenfigur wirkt eher wie eine zwanghaft in den Film geschriebene Gag-Kanone. Dr. Strange etwa. Was sollte diese Szene? Oder eher: Was sollte dieser Szenenaufbau? Auch der zu diesem Charakter gehörende Film fehlt mir noch, doch irgendwie beschleicht mich das Gefühl, dass der Doc anders dargestellt wird als in seinem eigenen Film. Hm.

Abgesehen von den zahlreichen Klamauk-Momenten gab es meiner Ansicht nach aber auch ein kleines Problem mit der Handlung. Oder eher mit der Reaktion der Charaktere auf die Handlung. Da erfahren die beiden Söhne des mächtigen Odin, dass dieser ihnen nie von ihrer Schwester erzählt hat und außerdem, dass die gute Frau ein wenig machtgierig und blutrünstig zu sein scheint. Okay, Info erstmal so angenommen. Daddy kann man auch nicht mehr viel zu der Sache fragen, da er eine Minute später nach Walhalla entschwebt. Später im Film gibt es dann eine Szene, in der Hela den halben Thronsaal Asgards in Schutt und Asche legt und vor allem die Wandgemälde an der Decke zerstört. Unter den idyllisch anmutenden Szenen kommen weitere Abbildungen zum Vorschein, die Odin und Hela dabei zeigen, wie sie gemeinsam die Welten erobern und unterjochen. Thor bekommt dies später ebenfalls zu sehen, allerdings hat er dafür kaum mehr als ein müdes Schulterzucken übrig. Diese ganze Geschichte rund um Odin und seine Vergangenheit, um seinen Wandel und sein augenscheinliches Bemühen, das Geschehene zu vertuschen, wird mehr als einmal angeschnitten, aber nicht ein einziges Mal wird etwas hinterfragt, niemand zweifelt die Identität des großen Odin geschweige denn seine eigene, die untrennbar damit verbunden ist, an. Vielmehr entsteht der Eindruck, dass es einfach jedem außer Hela völlig egal ist. Könnte man hierbei an Lügen glauben und denken, dass sie versucht, den Vater in Misskredit zu bringen, wäre es noch nachvollziehbar. Doch es gibt ja Beweise, hinter all dem steht keine Lüge. Und in Anbetracht dessen fällt es mir so schwer, diese offensichtliche Gleichgültigkeit der Protagonisten zu verstehen.

Dennoch… Ich mag Filme über Superhelden und besonders die Marvel-Filme haben es mir angetan. Thor: Ragnarök ist für mich kein herausragendes Meisterwerk, aber es handelt sich um solide Unterhaltung, die Spaß macht. Ich habe es nicht bereut, dafür bis 3:30 Uhr im Kino gesessen zu haben, auch wenn mir der Hintern bereits nach dem ersten Film gewaltig weh tat.

crappy Halloween

Heute explodieren meine Facebook-Chronik und meine Twitter-Timeline förmlich vor lauter auf Halloween bezogenen Posts. Irgendwie scheint jeder etwas Besonderes zu machen. Ich sehe Fotos von gruseligen Kostümen, aufwendig gestalteten Halloween-Buffets, ausgefallenen Dekorationen für die abendliche Party und Aufnahmen von Kollektionen der schlimmsten Horrorschocker, vor denen sich später in der Dunkelheit gefürchtet werden soll. Sehr beliebt sind auch Kürbisse mit den verschiedensten Schnitzereien. Teilweise echte Kunstwerke.

Während sich die Leute freuen und vorbereiten und Spaß haben, kann ich mich immer noch nicht mit Halloween anfreunden. Ich frage mich, ob es daran liegt, dass ich nicht damit aufgewachsen bin und mich nur schwer auf etwas Neues einlassen kann? Oder nervt mich die fortschreitende Amerikanisierung? Bin ich aber auch vielleicht einfach nur der größte Schisser vor dem Herrn? Vermutlich ist es von allem etwas.

Halloween gibt mir einfach gar nichts. Ich liebe es, mich zu verkleiden, ja, aber nur zu meinen eigenen Bedingungen. Vampire, Zombies, Werwölfe… Ich kann mich nicht dafür erwärmen. Fantasievolle und schauderhafte Snacks zu Halloween? Ich tue mich wirklich schwer damit, etwas in meinen Mund zu stecken, das wie ein abgerissener Finger oder ein Augapfel aussieht. Selbst wenn ich weiß, dass es eigentlich nur Würstchen oder Eier sind. Und Horrorfilme? Ich fürchte mich ja bereits vor meinen eigenen Gedanken und kann nicht ohne Licht einschlafen, wenn mir jemand tagsüber eine einigermaßen gruselige Geschichte erzählt hat oder ich mir wieder mal einbilde, jemand würde mich durchs Fenster beobachten.

Ich verbringe den heutigen Abend also allein zuhause, spiele vielleicht ein oder zwei Videospiele, esse mein Gemüse und freue mich, dass das Unheimlichste, was ich heute sehen muss, mein Gesicht im Spiegel ist. Reicht mir vollkommen.

Allen anderen wünsche ich viel Spaß beim Halloween feiern!

Es lebe die Aufklärung!

Es ist Samstag und es regnet in Strömen. Langsam hält der Herbst Einzug im Bergischen Land und ich freue mich darüber. Auch wenn ich heute einkaufen gehen muss. Nur ein paar Kleinigkeiten, doch dafür den Berg hinunter und das im Regen. Schön! Und das ist nicht ironisch gemeint. Etwas anstrengend ist dabei der Kontakt mit Menschen. Am Wochenende rede ich so gut wie gar nicht und bin auch nicht darauf eingestellt, mich in einem sozialen Umfeld zu bewegen. Aber was soll‘s, einkaufen ist okay, da sagt man nur „Hallo“, „Bitte“, „Danke“ und „Tschüss“. Ich gehe also los, verzichte sogar auf Musik in den Ohren, weil das Geräusch des Regens auf meinem Schirm und in der Umgebung einfach zu schön klingt.

Im Supermarkt husche ich schnell durch die Gänge. Brot, Käse, Brokkoli und Kosmetiktücher, mehr brauche ich nicht. Also ab zur Kasse. Vor mir legen eine Frau und ihre Tochter, die vielleicht 5 Jahre alt ist, ihre Waren auf das Band. Das Mädchen singt sehr laut und sehr schief vor sich hin. Ich bin schon kurz davor, die Augen zu verdrehen, da sagt ihre Mutter: „Ich komme gleich wieder.“ Sie lässt ihr Kind mit den Einkäufen zurück und hechtet in den nächsten Gang. Ich schaue das Mädchen an, sie schaut zurück und seufzt: „Na, das war ja ganz toll von ihr.“

In diesem Moment erinnere ich mich daran, wie schrecklich ich es als Kind fand, wenn meine Mutter noch schnell etwas holen wollte und ich allein mit den noch unbezahlten Sachen zurück blieb. Ich hatte immer Angst, dass mich die Kassiererin oder die Leute in der Schlange beschimpfen würden, wenn sie nicht rechtzeitig zurück käme, bevor wir an der Reihe wären. Ich hatte ja kein Geld und wie sollte ich das alles bezahlen? Ich überlege, ob das Mädchen sich wohl genau so fühlt und entgegne: „Sie kommt bestimmt zurück, bevor du dran bist. Du wirst das nicht allein bezahlen müssen.“ Mit großen Augen erwidert sie: „Ich habe ja auch gar kein Geld hier. Nur zuhause.“ Jetzt finde ich sie doch wirklich niedlich. Sie turnt am Kassenband herum und hält Ausschau nach ihrer Mutter. „Und nach Hause kann ich jetzt nicht. Ich kann ja gar nicht Auto fahren.“ Ich muss ein wenig lachen. „Du kannst ja auch zu Fuß gehen.“ Sie ist entsetzt. „Aber es regnet doch!“

In diesem Augenblick kommt ihre Mutter zurück. Das Mädchen strahlt und dreht sich zu ihr um. „Mama, ich habe mich getraut, mit der Frau zu sprechen!“ Ein Blick der Mutter, die taxiert mich möglichst unauffällig. „Das ist super, mein Schatz.“ Ein Kuss auf das Haupt ihrer Tochter, woraufhin die Kleine meint: „Und sie ist total nett und hat gar nichts Böses gesagt.“ Während ich noch denke, wie süß das ist, geht die Mutter in die Hocke und nimmt das Mädchen bei der Hand. „Du kannst mit Fremden sprechen, aber egal, wie nett sie sind, du gehst niemals mit ihnen mit, ja? Nie, nie, niemals. Auch wenn sie dir tolle Spielzeuge oder Süßigkeiten anbieten. Das machst du nicht. Versprochen?“ Ihr Kind verspricht es ihr.

Ich bin etwas irritiert. Habe ich jetzt tatsächlich dieses Aufklärungsgespräch ausgelöst? Wirke ich wie jemand, der sich ein Kind unter den Arm klemmt und damit verschwindet? Oder war die Gelegenheit gerade günstig, es dem Nachwuchs mal zu sagen? Ich versuche, Augenkontakt mit der Mutter aufzubauen, aber sie ignoriert mich. Das Mädchen hingegen starrt mich an und scheint sich nicht sicher zu sein, was sie nun von mir denken soll. Ich lächle ihr zu. „Deine Mutter hat recht, weißt du?“ Die beiden packen zusammen und verlassen den Laden.

Auf dem Weg nach Hause bin ich etwas nachdenklich. Auch mir hat man als Kind diese Ansprache gehalten. Ich weiß das, auch wenn ich mich nicht bildhaft daran erinnern kann. Aber gab es dafür einen Auslöser? Eine bestimmte Situation? Und ist man heutzutage überempfindlicher und ängstlicher in Bezug auf seine Kinder? Ich kann das nicht beurteilen, ich bin keine Mutter und werde es in diesem Leben wohl auch nicht mehr. Aber interessant ist diese Frage dennoch, spiegelt sie doch die Entwicklung unserer Gesellschaft wider.