Krankheit

Eine Wohnung aufzuräumen, zum Beispiel nach einer langen Krankheit, kann immens befreiend wirken. Man kann einfach den ganzen Dreck nehmen und ihn beseitigen, einfach entsorgen, als wäre alles, was sich in der Zeit des Totalausfalls angesammelt hat, eine Ansammlung von bitteren Erinnerungen. Ab in die Tonne damit. Mit dem benutzten Geschirr, das man einfach auf dem Couchtisch gestapelt hat, weil man zu schwach war, es in die Geschirrspülmaschine zu räumen. Mit den vollgerotzten Taschentüchern, die sich neben Sofa und Bett zu kleinen Haufen aufgetürmt haben. Mit all den Kleidungsstücken, die achtlos zu Boden geworfen wurden, weil man wegen eines plötzlichen Fieberschubs fast zu verbrennen drohte. Aufräumen, abwaschen, saugen, putzen, damit alles wieder ordentlich und gemütlich wirkt.

Ich habe heute damit angefangen. Drei Tage lang lag ich komplett flach und konnte kaum etwas anderes tun als schlafen. Jetzt ist das Fieber beinahe vergangen und ich kann nicht mehr ausschließlich herumliegen. Also beginne ich mit dem, was meine Wohnung wieder in einen ansehnlichen Zustand versetzen wird.

Und dabei fällt mir auf, dass ich allzu gern übersehe, wie unfertig alles immer noch ist. Dass immer noch Kartons herumstehen, in denen so viel aus meinem alten Leben verpackt liegt. Dass ich mich immer noch nicht dazu durchringen konnte, diese Dinge in die Hand zu nehmen und irgendwo zu verstauen. Ich verweigere mich der Auseinandersetzung mit diesem Thema, ich schleiche drum herum und kneife die Augen halb zu, damit ich mein Umfeld nicht sehe. Dabei spüre ich alles jeden Tag wie eine Last auf meinem Rücken, die mich nach unten drückt. Immer wieder nehme ich mir vor, mich mal drum zu kümmern. Jetzt aber. Jetzt aber wirklich! Und immer wieder verlässt mich die Kraft.

Vielleicht wache ich irgendwann auf und fühle mich wie nach einer langen Krankheit. Vielleicht will ich dann alles ordnen und kann mit den Gefühlen klar kommen, die das in mir auslöst. Und vielleicht verschwindet dann auch dieses beständige Gefühl von Einsamkeit und Versagen und völliger Überforderung. Ich glaub jetzt mal einfach dran.

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Pseiko-Görl

Meine Güte, wie lange bin ich nun um diesen Blogeintrag herumgeschlichen. Zwei Wochen? Ja, kommt ganz gut hin. Ich wollte so viel erzählen: von meinem Umzug, von der Arbeit, von lustigen Dingen und traurigen… Aber egal, worüber ich schrieb, letztendlich landete ich immer wieder bei meinem aktuellen Gemütszustand. Und eigentlich wollte ich darüber nichts schreiben. Also speicherte ich den Entwurf für später ab. Für später, wenn ich wieder Worte für die Dinge finden würde, über die es wert ist, zu berichten.

Dummerweise ändert sich nichts an der Situation und an meinem Gedanken, was zur Folge hat, dass das „leichte“ Schreiben mir gerade sehr schwer fällt. Also habe ich beschlossen, mein Gehirn zu entmüllen und doch ein paar Worte darüber zu verlieren, wie es mir so geht. Klar, ich darf das. Das hier ist mein Blog. Aber neulich habe ich versprochen, dass ich nicht jammern werde. Und vielleicht breche ich dieses Versprechen jetzt.

Ich sitze in meiner neuen Wohnung und langsam, ganz langsam wird es wirklich wohnlich hier. Der Umzug selbst war total chaotisch. Das hatte ich schon im Vorfeld befürchtet, weil ich dieses Mal einfach null in der Lage war, mich richtig darauf einzulassen. Gedanklich habe ich mich nicht fokussieren können. Dass es letztendlich doch gut gelaufen ist, habe ich den vielen Helfern zu verdanken, die an diesem Tag zwischen Solingen und Wuppertal gependelt sind, um meine Sachen in die neue Wohnung zu schaffen. Und natürlich meinem Vater, der drei Tage lang renoviert hat und auch eine Woche nach dem Stichtag noch mal zu mir gekommen ist, um mir bei Kram zu helfen. Außerdem hat mein Exfreund kräftig mit angepackt, was er wirklich nicht hätte tun müssen.

Die erste Nacht allein in Wuppertal war ziemlich furchtbar. Man sagt ja, dass die Gefühle, die man in der ersten Nacht hat, einen in der neuen Bleibe begleiten werden. Und außerdem soll der erste Traum wahr werden. Aha…? Na, dann verzichte ich aber gerne darauf, denn angenehm ist anders. Ich war wirklich angespannt und bin immer wieder mit Herzrasen aufgewacht. Die Kater waren auch sehr unruhig, vor allem die Geräusche der Gastherme haben sie immer wieder aufgeschreckt. Am ersten Tag hat Snorre mir etwas Sorgen gemacht, weil er sich immer nur versteckt hat und nichts fressen wollte. Das hat sich aber bereits gegen Abend wieder gelegt, so dass ich auch etwas ruhiger wurde. In den ersten paar Tagen hatte ich beinahe täglich Besuch von einer ganz lieben Freundin aus Solingen, die mir beim Aufbauen der Möbel geholfen hat. Wir haben uns angestellt wie die letzten Idioten, aber pssst!

Nun steht alles, das ganze Zeug ist bis auf ein paar Kistchen ausgepackt und es fehlt im Grunde nur noch der letzte Schliff. (Und etwas mehr Ordnung wäre schön.) Es fällt mir unheimlich schwer, mich zu etwas aufzuraffen und weiterzumachen. Darum stagniert die ganze Sache hier gerade etwas. Am liebsten würde ich den ganzen Tag auf dem Sofa oder im Bett liegen, mir die Decke über den Kopf ziehen und an gar nichts denken. Damit ich nicht vollkommen lethargisch werde, zwinge ich mich dazu, jeden Tag ein klein wenig in der Wohnung zu arbeiten. Aber es ist schwierig.

Bereits in den letzten Monaten hatte ich schon vermehrt mit Anflügen von Depressionen und Ängsten zu tun. Überrascht hat mich das nicht, denn Rückfälle kommen ja gerade in Stresssituationen häufig vor. Klar, niemand will das und niemand braucht das, doch es war auszuhalten. Die meiste Zeit über war ich abgelenkt und vor allem war ich nicht allein. Sicher ist es besonders seit der Trennung nicht immer angenehm gewesen, zuhause mit dem Ex-Partner zu hocken, doch anscheinend hat mir das mehr Sicherheit gegeben als ich dachte. Nun ist da keine Sicherheit mehr, kein Anker und keine Sicherheitszone. Ich bin auf mich allein gestellt und habe außerdem noch die Verantwortung für zwei Lebewesen. Die ganze Zeit denke mir: „Du darfst nicht versagen.“ – „Du kannst es dir nicht erlauben, schwach zu sein.“ – „Du musst jetzt alles allein schaffen.“ Damit setze ich mich selbst wahnsinnig unter Druck. Und was passiert, wenn ich unter Druck stehe? Genau, ich werde zum hypochondrischen, überempfindlichen, in alles etwas negatives hineininterpretierendes Pseiko Görl! Und da es ja nicht ausreicht, das in Bezug auf mich selbst auszuleben und mit Panikattacken beim Zugfahren (Da sind sie wieder, hurra!) oder Kreislaufproblemen und Herzrasen mitten in der Nacht zu reagieren, entwickle ich gerade eine ausgeprägte Paranoia bezüglich des Gesundheitszustandes meiner Kater. Das geht so weit, dass ich letzte Woche mit Snorre beim Tierarzt war, um ihn durchchecken zu lassen. Klar, lieber einmal zu viel als zu wenig. Aber immer öfter drängt sich mir gerade der Gedanke auf, ob ich überhaupt in der Lage bin, für die beiden zu sorgen. Und was mache ich, wenn diese Gedanken kommen? Genau, rumheulen. Und Panik schieben.

Im Grunde sind das auch derzeit meine neuen Hobbies. Rumheulen und Panik schieben. Und Medikamente gegen das Rumheulen und die Panik nehmen. Im Moment habe ich das Gefühl, das wird jetzt für immer so weitergehen. Ich fühle mich ein paar Jahre zurück versetzt. In die Zeit, in der mich einfach alles überfordert hat und in der mein gestresstes Ich sich einfach gewünscht hat, eine Auszeit von dieser Welt nehmen zu können. Aber genau wie damals funktioniert das leider nicht und ich muss einfach weitermachen. Für was, weiß ich eigentlich nicht. Aber irgendwas wird schon kommen. Irgendwann.

Tja. Schöne Scheiße, würde ich sagen. Ein besserer Schlusssatz fällt mir leider nicht ein.

Mein neues Reich (vorher)

So, nun wird es ernst. Gestern hatte ich ein zauberhaftes Date zum Valentinstag – mit meiner Vermieterin. Wir haben die Wohnungsübergabe gemacht und nun besitze ich nicht nur die Schlüssel zur Wohnung, nein, ich habe auch einen ganzen Batzen Aufgaben, die erledigt werden müssen, bevor ich in anderthalb Wochen einziehen kann. Und weil ich es einfach liebe, Vorher-Nachher-Fotos von Dingen zu machen, muss das nun auch für meine neue Bleibe sein. Fangen wir an:

Zunächst wäre da der Flur. Hier vom Schlafzimmer aus geknipst. Rechts geht es zum Wohnzimmer, links zur Küche und hinten links vor der Eingangstür ist das Bad. Der Boden ist gefliest und eigentlich wollte ich einen Teil des Flures rosa streichen, tendiere gerade aber zu einer anderen Farbe, weil der Boden halt eher terrakottafarben ist und das beisst sich ja schon ziemlich. Einfach weiß lassen ist aber auch blöd, weil nämlich weiße Möbel auf den Flur kommen und das sieht dann ja eher geschossen aus. Ich muss da noch mal in mich gehen.

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Als nächstes zeige ich euch das Bad. Es ist nicht so riesig, aber ich liebe die Badewanne und das riesige Fenster! Ein Traum! Ich schiebe in Gedanken bereits das Katzenklo durch die Gegend. Kann sein, dass das große gar nicht rein passt und das kleine ins Bad muss, dafür das große dann ins Wohnzimmer.

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Und hier haben wir die Küche. Eine Einbauküche ist schon vorhanden, komplett mit Geschirrspüler. Den Kühlschrank sowie Tisch und Stühle konnte ich von der Vormieterin übernehmen. Ein echtes Schnäppchen! Ich würde in die Ecke hinter dem Tisch gern eine Art Geschirrvitrine stellen. Bisher habe ich noch nichts gefunden, was mich überzeugt hat, aber jetzt habe ich die genauen Maße und weiß, was in die Ecke passt. Daher werde ich mich noch mal umschauen.

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Es folgt das Schlafzimmer. Die Tapete finde ich an sich super schön, nur passt sie leider überhaupt nicht zu meinen Möbeln und dem Bild, das ich aus unserem jetzigen Schlafzimmer mitnehmen werde. Also muss sie weichen. Die Wand möchte ich dennoch gern farbig haben. Ein helles Braun vielleicht? Ich muss dringend zum Baumarkt.

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Für mich das Herzstück jeder Wohnung: Das Wohnzimmer. Irgendwie ist das der Raum, der für mich am gemütlichsten und am schönsten werden muss. Andere haben das bei Küche oder Schlafzimmer, ich eben beim Wohnzimmer. Wie man sieht, sind die Wände noch in einem … äh… dunkelgelb-piss-orange (?) gestrichen. Das muss ich ändern. Der Raum soll weiß werden und die Wand, an welcher mein Fernseher stehen wird, soll in rosa erstrahlen. Jaja, ich und rosa. Da klappen sich gerade bei einigen Leuten die Fußnägel hoch. Vor das Fenster möchte ich den Kratzbaum der Katzis haben, damit sie rausschauen können. Wenn da schon so viel Grün ist, sollen sie auf jeden Fall was davon haben.

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Und zuletzt der Balkon. Der ist wirklich der Wahnsinn. So riesig! Meine Vormieter haben das Katzennetz dran gelassen, das war so abgesprochen und ich bin super glücklich darüber. Jetzt können die beiden Dicken auch raus, wenn ich nicht so genau hin schaue. Es ist nicht hundert pro dicht, aber es reicht. Mal sehen, wie sie die Autobahn finden, die ein paar Meter weiter verläuft. Nicht, dass sie nachher streiken und gar nicht auf den Balkon wollen, weil es ihnen zu laut ist.

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So. Das ist der aktuelle Stand. Mal sehen, wie es dann nach dem Umzug aussieht. Sobald alles drin ist und ich zufrieden bin, werde ich das Endergebnis hier zeigen. Ich bin ein wenig aufgeregt und nervös, ob alles klappt. Aber wird schon. Auch Umzug Nummer 12 wird am Schluss nicht so wild sein.

Die Küche ist da!

Endlich! Wir haben eine funktionierende Küche!

Ich war schon ziemlich resigniert, aber letzte Woche kam die Rettung in Form von Fabian und Tobi, die eine tolle massive Eichenholzplatte mitbrachten. Voller Tatendrang stürzten sie sich auf das Holz, sägten und bohrten, schliffen und schwitzten. Irgendwann kam auch Denis dazu, der noch gearbeitet hatte und dann direkt daheim weiter helfen konnte. Ich kann gar nicht fassen, wie viel Holzstaub in unserer Küche rumflog.

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Nachdem die Platte angebracht und Herd und Spüle eingepasst waren, fehlten nur noch ein paar Kleinigkeiten: Klemmen für die Spüle und ein Abflussrohr für die Spülmaschine. Aber der Rest ging und so gab es erstmal eine fette Pizza! Nach Wochen mit Brot und Brot und… Brot war das ein echtes Festmahl. Und dann auch noch aus dem eigenen Backofen. Nom nom nom! Am nächsten Tag habe ich dann angefangen, alles einzuräumen und dabei festgestellt, dass wir ein bißchen zu wenig Stauraum haben. Mir fehlt Platz für Vorräte und so Bedarfskram wie Backpapier oder Gefrierbeutel. Und so haben wir beschlossen, dass in das „Loch“, in das eigentlich die Dunstabzugshaube kommen sollte, noch ein Schrank eingebaut werden wird. Denis hasst ja Regale und mag in der Küche (oder sonstwo…) keins haben, daher diese Lösung. So lange ich genug Platz für den Küchenkram habe, soll mir das Recht sein.

Und so sieht sie nun (fast) fertig aus!

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Haben auch schon fleißig gekocht. Und ich liebe den Geschirrspüler! Nie wieder ohne!

Und da in Solingen ja auch ab und zu mal was passiert, hatten wir vorgestern einen Übernachtungsgast. Wir waren bei Denis‘ Eltern zum Essen und als wir gerade gehen wollten, fällt uns aus dem Elsternest im Baum sechs Meter über uns eine junge Elster vor die Füße. Patsch! Genau auf den Steinboden! Ich hab mich so furchtbar erschrocken und die Katze war sofort zur Stelle. Der arme Vogel war völlig durch den Wind, torkelte und kroch unter einen Busch. Die Katze natürlich immer drum herum, wie blöd am Maunzen. Wir haben den Vogel dann aufgelesen und zur Vorsicht in einen Pappkarton gesetzt. Der Kleine ließ sich widerstandslos anfassen und war ganz apathisch. Ich habe bei der Tierrettung angerufen, wo man mir sagte, die nächste Vogelstation wäre in Düsseldorf. Also auch dort angerufen und die Dame am Telefon teilte mir mit, dass Elstern fast niemand haben will und sie natürlich auch nicht. Ganz großes Kino. Als nächstes der Versuch bei der Feuerwehr telefonisch Hilfe zu erfragen. Dort hob niemand ab. Na gut, ich kann ja kein Lebewesen einfach seinem Schicksal überlassen. So kam die kleine Elster mit zu uns nach Hause, wo ich ihr zunächst etwas Wasser einflößte, das sie auch brav getrunken hat. Aber wirklich fit war sie nicht, saß nur aufgeplustert im Karton, atmete schwer und kniff die Augen zusammen. Ich habe mich tapfer durch einige Foren gelesen, die sich mit Wildvögeln beschäftigen und siehe da: Symptome einer Gehirnerschütterung. Das kann auch für Vögel böse ausgehen. Die Elster schien übrigens bereits ein Ästling zu sein. Das sind Jungvögel, die noch nicht fliegen können, aber bereits das Nest verlassen und am Boden von den Eltern weiter gefüttert werden. Von daher war schon mal klar, dass der Kleine keine Intensivpflege mehr benötigte. Ich wollte ihn die Nacht über zur Beobachtung behalten und falls sich sein Zustand verschlimmern würde, am nächsten Morgen mit ihm zum Tierarzt. Getrunken hat er noch ein paar Mal, allerdings war Blut in seinem Kot und ich machte mir wirklich Sorgen, dass er vielleicht innere Verletzungen haben könnte. Das ist er übrigens, unser kleiner Patient:

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Ich konnte nur sehr schlecht schlafen. Bis drei Uhr nachts habe ich Vogelforen nach hilfreichen Tipps durchwühlt. Am nächsten Morgen bin ich mit Denis zusammen um 6:30 Uhr aufgestanden, denn hätte der Kleine Hunger gehabt, müsste er früh gefüttert werden. Wir hatten leider nur etwas Katzenfutter, aber nun ja… Überlebt hat er die Nacht, was schon mal gut war. Außerdem hat er die Augen wieder weit geöffnet und war auch etwas munterer. Ebenfalls kein Blut mehr im Kot, hurra! Futter wollte er allerdings nicht annehmen, dafür hat er wieder ein wenig getrunken. Als ich das Fenster geöffnet habe und er das Vogelzwitschern von draußen gehört hat, wurde er noch etwas lebhafter, also habe ich beschlossen, ihn zu seinen Eltern zurück zu bringen. Sah mir ganz gut aus vom Gesamtzustand. Und Vogeleltern geben ihren Nachwuchs erst nach 24 Stunden auf, so dass es kein Problem sein würde, den Ästling wieder auszusetzen. Auf dem Weg zum Garten von Denis‘ Eltern raschelte er bereits im Karton herum. Sehr gut. Nicht so gut: Die Katze saß vor der Haustür und interessierte sich sehr für mich und meinen Karton. Letztendlich war Denis‘ Oma meinte Rettung, die Lou nach drinnen verfrachtet hat, so dass ich die Elster aussetzen konnte. Ich habe sie wieder in den Busch gesetzt, unter dem ich sie am Abend zuvor heraus geholt habe. Die Katze wurde für den Vormittag ins Haus gesperrt, damit sie nicht sofort auf den Vogel geht. Nach einiger Zeit bereits fing die kleine Elster an, nach ihren Eltern zu rufen. Diese haben auch reagiert und kamen schäkernd angeflogen. Ein bißchen mulmig war mir trotzdem, als ich mich auf den Weg nach Hause machte.

Inzwischen ist wohl auch ein weiterer Ästling zu unserem Findelkind gestoßen. Die beiden sitzen in Nachbars Garten und die Eltern kümmern sich. Bin echt froh, dass das so gut ausgegangen ist. Hoffentlich kommen sie gut durch und fallen nicht noch einer Katze oder sonst etwas zum Opfer.

Das Kreuz mit der Küche

Manchmal fühle ich mich verarscht. Uns fehlte ja seit Einzug noch die Arbeitsplatte der Küche und wir konnten daher bis auf den Kühlschrank nichts nutzen.

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Bestellt war das gute Stück bei Obi und die wollten uns anrufen, wenn geliefert wird. Aber nichts geschah. Letzten Samstag sind wir mal hin und was war? Die Platte war bereits lange da, allerdings nicht im Markt eingelagert, weil kein Platz da war. Darum hat man auch nicht angerufen. Wochenlang. Ich wäre der Tussi hinter dem Tresen fast an den Hals gesprungen! Kundenservice nenne ich das nicht.

Heute aber konnte die Platte abgeholt werden. Denis hat den Sprinter seiner Firma geliehen und sein Kollege hat ihm geholfen, das Ding hierher zu schaffen. Wir haben es irgendwie geschafft, die Platte über den Balkon in die Wohnung zu hieven. Bei der Hitze eine Qual! Fabian hat den Zuschnitt gemacht und die Platte angepasst.

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Ging alles ganz gut und recht fix und die Hoffnung war groß. Bis…

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An der Säge hatte sich eine unbemerkte Macke befunden. Und die hat rund um die Ausschnitte tiefe Kratzer in die Platte eingegraben. Mehr als ärgerlich, denn damit ist die Platte ruiniert. Und ich habe immer noch keine Küche. So hätte es aussehen können:

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Die Platte ist also nicht mehr zu gebrauchen, aber Fabian sorgt für Ersatz. Wenn alles gut geht, bekommen wir bis Mitte/Ende nächster Woche eine massive Platte aus geräuchertem Eichenholz. Ich hoffe es. So langsam kann ich den halben Kram da wirklich nicht mehr ertragen.

Bis einer heult.

Seit einer Woche wohne ich nun in Solingen und heute habe ich endlich mal äußerlich und innerlich die Ruhe, etwas zum Umzug zu schreiben.

Am Samstag war ich schon um kurz nach sechs wach und habe Hand an die letzten Dinge gelegt. Die Küche war noch ziemlich unverräumt, im Bad standen Sachen herum, es musste geputzt werden… Mein Vater kam so um acht Uhr und dann ging’s auch sofort los. Kartons schleppen, Möbel schleppen, noch mehr Kartons und Möbel schleppen. Ich konnte leider so gar nicht mit anfassen, weshalb ich mich etwas blöd gefühlt habe. Aber ich hatte meinen Rücken in den Tagen zuvor schon so belastet, dass ich mich nur noch unter Schmerzen bewegen konnte. Und so bin ich ständig von A nach B gesprungen, habe Befehle erteilt (hö hö hö) und irgendwie wohl halbwegs mitgeholfen. Eine riesige Hilfe waren Marcel, der am Freitag in aller Frühe den Sperrmüll zusammen mit Denis weggebracht hat, und Patty, Vanessa und Andrea, die den Samstag über wie die Blöden geackert haben, um die Wohnung schnell zu räumen. Dabei ging es unter anderem einigen Spinnen an den Kragen. Hier sieht man ganz wunderbar, wie Andrea den Schuh schwingt, um ein achtbeiniges Ungeheuer zu erlegen, und wie Vanessa die Heldin und den „Schuh der glorreichen Errettung“ preist.

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Eigentlich waren wir wirklich schnell durch mit allem. Ich war positiv überrascht! Der Teppich musste noch herausgerissen werden und zum Vorschein kamen wirklich wunderschöne Dielen. Hätte ich den Teppich doch bereits bei meinem Einzug entsorgt und die Dielen noch schön abgeschliffen… Aber damals musste ja alles so schnell gehen und ich habe nicht darüber nachgedacht. Nun gut, jetzt hat vermutlich die Nachmieterin etwas davon. Falls sie die Arbeit investieren will. Sie hatte mich nämlich am Tag nach dem Umzug angerufen und gefragt, wie das mit den Dielen sei. Ob sie die so nutzen könne oder ob man da noch was machen müsse? Nun ja. Das ist nicht meine Sache, da soll sie sich mal schön mit der Verwaltung rumärgern. Nachdem sie mich mit dem Kühlschrank so grandios hat hängen lassen, werde ich sicher nicht irgendwas für sie veranlassen. Pöh! Wie dem auch sei. Mein Vater hat sich mit der weißen Farbe auf meine Wände gestürzt und alles überstrichen, während Andrea und Vanessa meine Küche ausgeräumt und geputzt und Patty und Denis Sachen geschleppt und abmontiert haben. Obwohl wir am Vortag einen ganzen Transporter voll Sperrmüll zusammen bekommen haben, ist am Samstag zusätzlich noch ein kompletter Anhänger mit Sachen befüllt worden, die weg konnten. Das haben Papschi und Patty übernommen. Das Geschirr, das ich weg getan habe, hat sogar (wie am Vortag auch der Couchtisch und der Esstisch) noch bei Stilbruch einen Abnehmer gefunden. Ich bin ja immer froh, wenn nicht einfach alles so weg kommt, sondern noch genutzt werden kann. Nachdem wir so weit fertig waren mit der Wohnung, sah sie irgendwie viel schöner aus als bei meinem Einzug.

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Okay, ja, das Bad ist immer noch klein und blöd, aber ich muss zugeben, dass bei der Wohnungsübergabe am Nachmittag schon ordentlich Wehmut bei mir aufkam. Immerhin habe ich sechs Jahre dieser Wohnung gelebt. Die hat einiges mitgemacht und auch miterlebt. Aber wie immer liegen die Erinnerungen ja nicht in den materiellen Sachen um uns herum, sondern in unseren Herzen. Und nachdem ich mich von meinen drei Liebsten verabschiedet hatte (Ich habe ganz heldenhaft nicht geweint! Ich war tapfer!), haben mein Vater und ich die Tür hinter uns zugezogen und sind losgefahren nach Solingen. Denis hatte sich schon ein paar Stunden früher mit allen Möbeln und Kartons auf den Weg gemacht. Wir sind also sehr entspannt unterwegs gewesen, haben am Pastorensee noch etwas gegessen und waren gegen 22 Uhr in Solingen. Und – hurra! – alles war schon nach oben transportiert und teilweise aufgebaut worden, so dass der Abend für uns ganz ruhig ausklingen konnte.

Sonntag lagen die Nerven bei mir schon etwas blank, denn nach einem Frühstück mit Denis‘ Eltern und meinem Vater ging es daran, noch mehr Möbel aufzubauen und alles wieder auszupacken. Da unsere Küche noch nicht einsatzbereit war (und es auch immer noch nicht ist, der fehlenden Arbeitsplatte sei Dank), konnte hier überhaupt nichts eingeräumt werden. Dann gab es noch einen Disput über meine zwei Sonnenlampen, die ich gern wieder aufgehängt haben wollte. Denis war von der Idee nicht besonders angetan und letztendlich ging die eine auch noch kaputt und bei der anderen hat mein Vater die Sonnenstrahlen weggelassen, so dass nun gar keine hängt. Ja, ich war schon etwas zickig. Überhaupt fühlte ich mich plötzlich ziemlich gestresst und von allem überfordert. (Die Stimmung hat so ziemlich die ganze Woche angehalten, aber jetzt scheint es gerade wieder bergauf zu gehen.) Gegen Nachmittag ist mein Vater dann wieder Richtung Bremen entschwunden und auch Denis‘ Eltern sind nach Hause gegangen. Wir waren so kaputt, dass wir eigentlich nur noch völlig k. o. und benebelt den Abend auf dem Sofa verbracht haben.

Montag Morgen folgte mein erster Solo-Trip durch Solingen. Ich musste mich ummelden und zum Arbeitsamt und da ich mich ja so hervorragend auskenne (nicht), war ich ziemlich nervös. Hat aber alles ganz gut geklappt und ich habe sogar ein Begrüßungsgeschenk der Stadt erhalten: ein Zöppken. Yay.

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Jetzt kann ich in Zukunft standesgemäß Gemüse schnippeln. Wenn denn unsere Küche mal steht. Ich kann euch sagen, hier sieht es noch ziemlich wild aus. Das wird sich zwar nach und nach ändern, aber gerade das mit der Küche wurmt mich ziemlich. Ich werde weiter berichten, wie es so voran geht. 🙂

Wir sind jetzt schon fix und fertig

Alter Verwalter. Heute ist unser letzter Abend in Hamburg und irgendwie habe ich immer noch nicht das Gefühl, dass das alles wirklich passiert. Gestern Abend bin ich zwar weinend eingeschlafen und nachts mit Panikattacken aufgewacht, aber dennoch ist es für mich noch nicht greifbar, dass ich ab morgen Abend in Solingen leben werde. Und an den Abschied morgen will ich auch noch nicht denken!

Zumindest ist (fast) alles so weit fertig, dass es einfach nur in den Transporter geladen werden muss. Den Rest der Küche müssen wir heute Abend noch ausräumen, aber sonst ist alles gut. Ich konnte mich allerdings nicht daran halten, nicht schwer zu heben und nicht gebückt zu arbeiten. Alleine hätte Denis das nie geschafft. Die Quittung habe ich nun: So schlimme Rückenschmerzen wie lange nicht mehr. Kann kaum noch gehen und mich auch nicht gut bücken. Aber gut, es ließ sich nicht vermeiden.

Mal sehen, wie der Umzug morgen läuft und wie es unseren Helfern geht. Gerade schlagen die Krankheiten wieder wild um sich.

Hier mal ein paar Bilder vom aktuellen Stand:

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