total gelähmt

Ich bin paralysiert. Die Welt ist eingefroren, aber mir ist heiß und ich spüre, dass nicht mehr Hirn sondern Watte meinen Kopf ausfüllt. Jegliches Denken fällt schwer, jeder Handgriff ist eine Überwindung. Ich wünsche mir, dass es aufhört, dass ich mich nicht mehr so fühlen muss, doch dafür müsste ich vorankommen, müsste ich diese ganze Arbeit schaffen und ich weiß nicht einmal mehr, wo ich anfangen soll. Alles ist wichtig, alles muss gemacht werden. Am besten gestern. Natürlich.

Auf meinem Schreibtisch türmt sich die Arbeit. Nicht nur im Büro, da ohnehin. Schon seit Monaten. Nein, jetzt habe ich mir alles, was ich von zuhause aus machen kann, mitgenommen und versuche, hier das Chaos zu beseitigen. So weit es geht. Ich mache das einfach, ich entscheide das eigenmächtig. Eine andere Wahl habe ich kaum. Außer vielleicht die, mit einem Nervenzusammenbruch auf der Arbeit zu sitzen. Dann wäre ich völlig außer Gefecht gesetzt.

Seltsam eigentlich, dass Körper und Geist bei mir so dicht machen, wenn ich überfordert bin. Statt mit viel Kraft und Elan an die Sache zu gehen, sitze ich weinend und verzweifelt über den Papieren, über den E-Mails und bin beinahe handlungsunfähig. Und weil das so ist, entwickelt sich auch noch ein schlechtes Gewissen. Ich leiste nicht genug. Ich schaffe mein Pensum nicht. Niemand kann sich auf mich verlassen. Bla bla in meinem Hirn.

Ich bin gut in meinem Job. Ich liebe ihn. Aber es ist einfach zu viel. Schon vor Monaten habe ich mich gefragt, wie lange ich das noch aushalten und wie viel ich noch geben kann. Inzwischen laufe ich auf Reserve. Noch eineinhalb Wochen bis zum Urlaub. Ich schaffe das schon irgendwie bis dahin. Aber dann muss ich meine großartige Kollegin allein lassen. Und vielleicht wird es zu viel und dann läuft sie auf dem Zahnfleisch. Wir alle haben schließlich noch ein Leben neben der Arbeit. Und sie mehr als ich, mit Familie und allem.

Egal. Erstmal durchatmen. Und dann weitermachen.

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Frauen, die Tanks spielen.

Ich liebe zocken. Videospiele, Computerspiele, Handyspiele… Mir völlig egal. Wenn das Spiel gut ist, bin ich dabei. Einige Menschen schauen mich deshalb schon mal schief an, aber was soll’s, ist eben mein Hobby. Es halten sich ja anscheinend immer noch die alten Vorurteile, Gamer seien unsozial, dreckig, fett (Okay, hahaha.) und faul. Ach, dumm und gewaltbereit, das habe ich noch vergessen. Ja, ich fasse kaum, wie gewaltbereit ich bin. Rette auf dem Balkon Marienkäfer und Bienen vor den Attacken meiner Kater, kann keine Mücken erschlagen und weigere mich auch standhaft, Probleme mit Gewalt zu lösen. Aber Amoklauf und so. Machen ja alle, die am Computer spielen. Wissen wir.

/ironieaus

Am liebsten mag ich Rollenspiele.

Hintergrundinformation für Unbeleckte: Rollenspiele sind Spiele, in denen man mit seinem Hauptcharakter die Prinzessin aus den Fängen des Drachen rettet. Quasi. Meist sind sie in fantastischen Welten angesiedelt, man steuert einen Charakter, der eine Heldengruppe um sich schart und sich aufmacht, die Welt vom Bösen zu befreien. Hinter all dem steckt eine oft komplizierte Geschichte, die sich durch die recht ansehnliche Spieldauer von vielen, vielen Stunden zieht. (Zwischen 20 und 50 Stunden ist eher die Norm als die Ausnahme.)

Meine Favoriten sind die japanischen Rollenspiele. Ich liebe einfach diesen speziellen Stil und das Charakterdesign. Die bekanntesten Reihen sind wohl „Final Fantasy“ und „Tales of…“, das gerade in den letzten Jahren hierzulande extrem beliebt wurde.

Square Enix, die Macher von „Final Fantasy“ haben bereits mit dem elften Teil erstmals ein MMORPG der Reihe herausgebracht. Das lief wohl nicht ganz so mies, denn Teil vierzehn wurde wieder als MMORPG aufgezogen.

Mehr Hintergrundinformationen: MMORPG ist eine Abkürzung für massively multiplayer online role-playing game. Also im Grunde ein Spiel, in dem jede Menge Leute online miteinander agieren können. Es gibt in der Regel eine Hintergrundgeschichte, Charaktere, die vom Computer gesteuert werden und viele Helden, die sich gemeinsam durch Monster schnetzeln.

„Final Fantasy XIV“ ist in Eorzea angesiedelt, einem ziemlich gebeutelten Kontinent, der am Rande eines Krieges steht. Mal wieder. Beim letzten Mal wurden ganze Landstriche teilweise so sehr verwüstet, dass kaum noch Leben möglich war. Damit das nicht wieder passiert, kommt der Charakter des Spielers zum Zug. Man beginnt ganz klein mit Botenaufträgen und findet sich dann später Auge in Auge mit den größten Bedrohungen des Reiches wieder. Ziemlich steile Karriere. Wenn man auf so was steht.

Angefangen habe ich das Spiel zusammen mit zwei Freundinnen und natürlich haben wir uns Gedanken darüber gemacht, wer welche Rolle einnehmen soll. Man kann zwischen verschiedenen Rassen und Klassen wählen, so dass man nachher entweder als Heiler die Gruppe am Leben hält, als Tank vorn am Gegner steht und den Schaden einsteckt oder als Schadensausteiler den Feinden ordentlich auf die Mütze gibt. Da wir es recht ausgewogen haben wollten und keiner so richtig willig war, sich auf die Omme hauen zu lassen, bin ich Tank geworden. Bis heute ist das meine Hauptklasse und ich lasse mich regelmäßig zusammenschlagen.

Macht mir das Spaß? Ja! Ich bin zwar immer ein wenig unsicher, wenn ich mit einer fremden Gruppe gehe oder wenn ich die Mechanik der Kämpfe nicht kenne, aber dennoch liebe ich das Tanken. Nur eines liebe ich nicht. So gar nicht.

Immer noch scheint der Tank eine typische Klasse für Männer zu sein. Selbst die meisten weiblichen Charaktere im Spiel, die ein Schild in der Hand halten, werden von Männern gespielt. Und das schlägt sich oft im Umgangston nieder. Meist wird man von den Mitspielern in kurzen, sehr bestimmten Worten dazu aufgefordert, Dinge an seiner Art zu spielen zu ändern. Okay, ich muss differenzieren. In den Zeiten, als ich noch „World of Warcraft“ spielte, habe ich auch zeitweise einen Tank gespielt. Und in verschiedenen Kämpfen bin ich so fies angegangen worden, dass ich manchmal kurz vorm Heulen war. Das Niveau dabei war unterste Schublade. Noch nie habe ich eine so unfreundliche und miese Community erlebt wie damals bei WoW. Unter anderem war das ein Grund, aus dem ich aufgehört habe. Es wurde einfach immer schlimmer. Bei FFXIV jetzt ist dieses Problem nicht mehr so groß. Die meisten Leute sind super nett und hilfsbereit, sobald man klar macht, dass man nicht ganz so sicher ist. Das hat mir von Anfang an sehr gut gefallen. Allerdings merkt man schon, dass sich die Leute anders verhalten, sobald sie feststellen, dass ihr Tank kein Mann ist, sondern eine Frau.

Ich bin sicherlich nicht die beste Spielerin, die rumläuft. Ich mache das zum Spaß, derzeit bin ich etwa zwei Mal pro Woche online. Wenn ich Lust habe, auch öfter. Aber in dieser Zeit will ich Dinge tun, die mir gefallen, und mich nicht für Erfolge abhetzen, die ich eh nicht brauche. Allerdings bin ich auch nicht so schlecht, dass ich alle zwei Meter tot umfalle. Aber jedes Mal, wenn jemand mitbekommt, dass ich weiblich bin, geht es los: Gute Tipps und Ratschläge, lieber langsam machen, bloß nicht zu viele Gegner auf einmal angreifen… Warum? Machen mich meine Brüste inkompetent? Ist die Voraussetzung für den richtigen Gebrauch meines Schildes ein ausreichender Testosteronspiegel? Nach jedem erfolgreich umgeprügelten Boss kommt dann ein: „Gut gemacht!“ Ähm… Ja? Danke? Sagt ihr das auch zu euren männlichen Kollegen?

Am Anfang fand ich es noch witzig, wenn mir das passiert ist. Ich dachte: „Ach, wie nett!“ Aber inzwischen nervt es mich. Immer öfter frage ich mich, wieso man so behandelt wird. Oder ist da was dran, dass Frauen nicht so gut spielen? Oder verhätschelt werden müssen im Spiel? Zum Thema „gut spielen“ könnte man ja mal meine Freundin Mel fragen, die hat bisher noch jeden Mann an die Wand gezockt. Ich bin immer heimlich ganz stolz auf sie.

Ich möchte nicht so weit gehen, von Sexismus zu sprechen. Aber dass von mir als Frau nicht genau so viel erwartet wird wie als Mann… Das finde ich schon unfair. Woran liegt das? Ist es das Gesellschaftsbild? Ist bei vielen Jungs und Männern noch nicht angekommen, dass immer mehr Frauen auch zocken?

Hey, Jungs! Bitte macht euch mal klar, dass wir Mädels es genau so drauf haben wie ihr. Oder eben nicht. Wie ihr auch. Das Geschlecht ist nicht dafür verantwortlich, wie gut wir in etwas sind. Unsere Einstellung und unser Talent sind es. Also in Zukunft mal ein bißchen drauf achten, wie ihr mit euren weiblichen Mitspielern umgeht. Ja? Das wäre super!

Mehr „ich“ für alle?

Ich habe es schon einige Male erwähnt: Mein Inneres und mein Äußeres passen nicht wirklich zusammen. So fühlt es sich seit Jahren, seit Ewigkeiten an. Ich konnte mir nie so richtig erklären, woran das liegt, denn ich fand, ich sei schon sehr mutig und viel selbstbewusster geworden. Im Gegensatz zu früher stimmt das auch, allerdings merke ich, dass es nicht reicht.

Selbstliebe ist ein Thema, das ich gerne ausklammere, weil… Na, sagen wir mal, es ist oft nicht so weit her mit der Liebe. Und mit der Selbstliebe fällt dann auch meist die Selbstverwirklichung unter den Tisch. Ich höre mich ständig Sachen sagen wie: „Ich kann das nicht anziehen, ich bin zu dick dafür.“ – „Lippenstift? Finde ich super, aber ich bin zu hässlich dafür.“ – „Ein Bauer wie ich kann keinen Schmuck tragen.“ – „Wir können nicht in Laden xyz gehen, da passe ich nicht rein, Leute wie ich gehören da nicht hin.“ Immer wieder fällt mir auf, wie schwachsinnig und destruktiv diese Gedanken und Äußerungen sind. Aber ich komme viel zu selten gegen sie an. Ich hadere damit, dass ich nach gesellschaftlichen Standards eigentlich schon zu alt bin für alles, was ich mag. Ich wirke vielleicht infantil und fürchte mich davor, dass andere mich so sehen. Auch wenn ich weiß, dass ich es eben nicht bin und es mir egal sein sollte, was andere denken.

Ist doch auch wirklich dämlich. Ich mag es, wenn kurvige Frauen zu sich stehen, wenn sie sich schön anziehen und selbstbewusst durchs Leben gehen. Kurvig ist sogar meine bevorzugte Körperform. Aber mich selbst so zu sehen fällt mir schwer. Für mich bin ich einfach ein Blob und habe nicht das Recht, etwas aus mir zu machen. Hä? Warum darf ich nicht sein, was ich sein will? Warum darf ich nicht das aus mir machen, was ich mag? Wieso achte ich mehr auf meine Makel als auf das, was es Tolles an mir gibt?

In meinem Leben hatte ich bereits einige Phasen, in denen ich mich schlecht und hässlich und abstoßend fühlte. Gerade bin ich (Wer hätt’s gedacht?) wieder in einer gefangen, doch dieses Mal würde ich gern gestärkt und mit mehr Selbstliebe daraus hervorgehen. Ich möchte lernen, mich um mich zu kümmern. Nicht nur innerlich, was ich im Augenblick auch wirklich versuche, sondern auch äußerlich. Ich kann doch nicht jeden Tag aus dem Haus gehen und denken, dass es schon in Ordnung ist, so wie ich zu sein, denn es muss ja einen Gegenpol zu all den tollen Menschen auf der Welt geben. Damit ziehe ich nicht nur mich runter, sondern auch mein Umfeld.

Außerdem habe ich viel zu lange Rücksicht genommen. Lange Haare, die auf keinen Fall geschnitten werden sollten. Kleidung danach ausgesucht, ob der Partner sie gut findet. Unauffällig und angepasst sein, damit man nicht ausgelacht werden kann. Wie viel man sich selbst damit versagt. Wie sehr man sich selbst zu verleugnen beginnt. Ehrlich gesagt habe ich keine Lust mehr darauf.

Vor einigen Monaten sagte mir eine Kollegin, mein Foto auf der Homepage unserer Schule würde mir und meinem Wesen absolut nicht entsprechen. Eine andere Kollegin gestand mir vorletzte Woche, dass sie von mir dachte, ich wäre extrem pünktlich, gut organisiert und ginge nicht gern mit anderen Menschen weg. Solche Aussagen lassen mich nachdenken. Und sie zeigen mir, dass ich wirklich nicht ausstrahle, wer und was ich wirklich bin.

Ich weiß nicht, ob ich mich alles, was ich ändern und ausprobieren möchte, wirklich traue. Ich weiß nicht, ob ich alles umsetzen werde. Aber ich möchte es schon ganz gern probieren. Wenn nicht jetzt, wann dann? Das Leben wartet doch auf niemanden und wie ich gerade merke, schlägt es ab und zu eine ganz neue Richtung ein und ist vor allem immer wieder unvorhersehbar. Kann sein, dass ich morgen von einem Lkw erfasst werde. Und dann habe ich einfach sehr viele Chancen verpasst, ich zu sein. Wäre doch schade drum.

Pseiko-Görl

Meine Güte, wie lange bin ich nun um diesen Blogeintrag herumgeschlichen. Zwei Wochen? Ja, kommt ganz gut hin. Ich wollte so viel erzählen: von meinem Umzug, von der Arbeit, von lustigen Dingen und traurigen… Aber egal, worüber ich schrieb, letztendlich landete ich immer wieder bei meinem aktuellen Gemütszustand. Und eigentlich wollte ich darüber nichts schreiben. Also speicherte ich den Entwurf für später ab. Für später, wenn ich wieder Worte für die Dinge finden würde, über die es wert ist, zu berichten.

Dummerweise ändert sich nichts an der Situation und an meinem Gedanken, was zur Folge hat, dass das „leichte“ Schreiben mir gerade sehr schwer fällt. Also habe ich beschlossen, mein Gehirn zu entmüllen und doch ein paar Worte darüber zu verlieren, wie es mir so geht. Klar, ich darf das. Das hier ist mein Blog. Aber neulich habe ich versprochen, dass ich nicht jammern werde. Und vielleicht breche ich dieses Versprechen jetzt.

Ich sitze in meiner neuen Wohnung und langsam, ganz langsam wird es wirklich wohnlich hier. Der Umzug selbst war total chaotisch. Das hatte ich schon im Vorfeld befürchtet, weil ich dieses Mal einfach null in der Lage war, mich richtig darauf einzulassen. Gedanklich habe ich mich nicht fokussieren können. Dass es letztendlich doch gut gelaufen ist, habe ich den vielen Helfern zu verdanken, die an diesem Tag zwischen Solingen und Wuppertal gependelt sind, um meine Sachen in die neue Wohnung zu schaffen. Und natürlich meinem Vater, der drei Tage lang renoviert hat und auch eine Woche nach dem Stichtag noch mal zu mir gekommen ist, um mir bei Kram zu helfen. Außerdem hat mein Exfreund kräftig mit angepackt, was er wirklich nicht hätte tun müssen.

Die erste Nacht allein in Wuppertal war ziemlich furchtbar. Man sagt ja, dass die Gefühle, die man in der ersten Nacht hat, einen in der neuen Bleibe begleiten werden. Und außerdem soll der erste Traum wahr werden. Aha…? Na, dann verzichte ich aber gerne darauf, denn angenehm ist anders. Ich war wirklich angespannt und bin immer wieder mit Herzrasen aufgewacht. Die Kater waren auch sehr unruhig, vor allem die Geräusche der Gastherme haben sie immer wieder aufgeschreckt. Am ersten Tag hat Snorre mir etwas Sorgen gemacht, weil er sich immer nur versteckt hat und nichts fressen wollte. Das hat sich aber bereits gegen Abend wieder gelegt, so dass ich auch etwas ruhiger wurde. In den ersten paar Tagen hatte ich beinahe täglich Besuch von einer ganz lieben Freundin aus Solingen, die mir beim Aufbauen der Möbel geholfen hat. Wir haben uns angestellt wie die letzten Idioten, aber pssst!

Nun steht alles, das ganze Zeug ist bis auf ein paar Kistchen ausgepackt und es fehlt im Grunde nur noch der letzte Schliff. (Und etwas mehr Ordnung wäre schön.) Es fällt mir unheimlich schwer, mich zu etwas aufzuraffen und weiterzumachen. Darum stagniert die ganze Sache hier gerade etwas. Am liebsten würde ich den ganzen Tag auf dem Sofa oder im Bett liegen, mir die Decke über den Kopf ziehen und an gar nichts denken. Damit ich nicht vollkommen lethargisch werde, zwinge ich mich dazu, jeden Tag ein klein wenig in der Wohnung zu arbeiten. Aber es ist schwierig.

Bereits in den letzten Monaten hatte ich schon vermehrt mit Anflügen von Depressionen und Ängsten zu tun. Überrascht hat mich das nicht, denn Rückfälle kommen ja gerade in Stresssituationen häufig vor. Klar, niemand will das und niemand braucht das, doch es war auszuhalten. Die meiste Zeit über war ich abgelenkt und vor allem war ich nicht allein. Sicher ist es besonders seit der Trennung nicht immer angenehm gewesen, zuhause mit dem Ex-Partner zu hocken, doch anscheinend hat mir das mehr Sicherheit gegeben als ich dachte. Nun ist da keine Sicherheit mehr, kein Anker und keine Sicherheitszone. Ich bin auf mich allein gestellt und habe außerdem noch die Verantwortung für zwei Lebewesen. Die ganze Zeit denke mir: „Du darfst nicht versagen.“ – „Du kannst es dir nicht erlauben, schwach zu sein.“ – „Du musst jetzt alles allein schaffen.“ Damit setze ich mich selbst wahnsinnig unter Druck. Und was passiert, wenn ich unter Druck stehe? Genau, ich werde zum hypochondrischen, überempfindlichen, in alles etwas negatives hineininterpretierendes Pseiko Görl! Und da es ja nicht ausreicht, das in Bezug auf mich selbst auszuleben und mit Panikattacken beim Zugfahren (Da sind sie wieder, hurra!) oder Kreislaufproblemen und Herzrasen mitten in der Nacht zu reagieren, entwickle ich gerade eine ausgeprägte Paranoia bezüglich des Gesundheitszustandes meiner Kater. Das geht so weit, dass ich letzte Woche mit Snorre beim Tierarzt war, um ihn durchchecken zu lassen. Klar, lieber einmal zu viel als zu wenig. Aber immer öfter drängt sich mir gerade der Gedanke auf, ob ich überhaupt in der Lage bin, für die beiden zu sorgen. Und was mache ich, wenn diese Gedanken kommen? Genau, rumheulen. Und Panik schieben.

Im Grunde sind das auch derzeit meine neuen Hobbies. Rumheulen und Panik schieben. Und Medikamente gegen das Rumheulen und die Panik nehmen. Im Moment habe ich das Gefühl, das wird jetzt für immer so weitergehen. Ich fühle mich ein paar Jahre zurück versetzt. In die Zeit, in der mich einfach alles überfordert hat und in der mein gestresstes Ich sich einfach gewünscht hat, eine Auszeit von dieser Welt nehmen zu können. Aber genau wie damals funktioniert das leider nicht und ich muss einfach weitermachen. Für was, weiß ich eigentlich nicht. Aber irgendwas wird schon kommen. Irgendwann.

Tja. Schöne Scheiße, würde ich sagen. Ein besserer Schlusssatz fällt mir leider nicht ein.

Mein neues Reich (vorher)

So, nun wird es ernst. Gestern hatte ich ein zauberhaftes Date zum Valentinstag – mit meiner Vermieterin. Wir haben die Wohnungsübergabe gemacht und nun besitze ich nicht nur die Schlüssel zur Wohnung, nein, ich habe auch einen ganzen Batzen Aufgaben, die erledigt werden müssen, bevor ich in anderthalb Wochen einziehen kann. Und weil ich es einfach liebe, Vorher-Nachher-Fotos von Dingen zu machen, muss das nun auch für meine neue Bleibe sein. Fangen wir an:

Zunächst wäre da der Flur. Hier vom Schlafzimmer aus geknipst. Rechts geht es zum Wohnzimmer, links zur Küche und hinten links vor der Eingangstür ist das Bad. Der Boden ist gefliest und eigentlich wollte ich einen Teil des Flures rosa streichen, tendiere gerade aber zu einer anderen Farbe, weil der Boden halt eher terrakottafarben ist und das beisst sich ja schon ziemlich. Einfach weiß lassen ist aber auch blöd, weil nämlich weiße Möbel auf den Flur kommen und das sieht dann ja eher geschossen aus. Ich muss da noch mal in mich gehen.

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Als nächstes zeige ich euch das Bad. Es ist nicht so riesig, aber ich liebe die Badewanne und das riesige Fenster! Ein Traum! Ich schiebe in Gedanken bereits das Katzenklo durch die Gegend. Kann sein, dass das große gar nicht rein passt und das kleine ins Bad muss, dafür das große dann ins Wohnzimmer.

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Und hier haben wir die Küche. Eine Einbauküche ist schon vorhanden, komplett mit Geschirrspüler. Den Kühlschrank sowie Tisch und Stühle konnte ich von der Vormieterin übernehmen. Ein echtes Schnäppchen! Ich würde in die Ecke hinter dem Tisch gern eine Art Geschirrvitrine stellen. Bisher habe ich noch nichts gefunden, was mich überzeugt hat, aber jetzt habe ich die genauen Maße und weiß, was in die Ecke passt. Daher werde ich mich noch mal umschauen.

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Es folgt das Schlafzimmer. Die Tapete finde ich an sich super schön, nur passt sie leider überhaupt nicht zu meinen Möbeln und dem Bild, das ich aus unserem jetzigen Schlafzimmer mitnehmen werde. Also muss sie weichen. Die Wand möchte ich dennoch gern farbig haben. Ein helles Braun vielleicht? Ich muss dringend zum Baumarkt.

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Für mich das Herzstück jeder Wohnung: Das Wohnzimmer. Irgendwie ist das der Raum, der für mich am gemütlichsten und am schönsten werden muss. Andere haben das bei Küche oder Schlafzimmer, ich eben beim Wohnzimmer. Wie man sieht, sind die Wände noch in einem … äh… dunkelgelb-piss-orange (?) gestrichen. Das muss ich ändern. Der Raum soll weiß werden und die Wand, an welcher mein Fernseher stehen wird, soll in rosa erstrahlen. Jaja, ich und rosa. Da klappen sich gerade bei einigen Leuten die Fußnägel hoch. Vor das Fenster möchte ich den Kratzbaum der Katzis haben, damit sie rausschauen können. Wenn da schon so viel Grün ist, sollen sie auf jeden Fall was davon haben.

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Und zuletzt der Balkon. Der ist wirklich der Wahnsinn. So riesig! Meine Vormieter haben das Katzennetz dran gelassen, das war so abgesprochen und ich bin super glücklich darüber. Jetzt können die beiden Dicken auch raus, wenn ich nicht so genau hin schaue. Es ist nicht hundert pro dicht, aber es reicht. Mal sehen, wie sie die Autobahn finden, die ein paar Meter weiter verläuft. Nicht, dass sie nachher streiken und gar nicht auf den Balkon wollen, weil es ihnen zu laut ist.

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So. Das ist der aktuelle Stand. Mal sehen, wie es dann nach dem Umzug aussieht. Sobald alles drin ist und ich zufrieden bin, werde ich das Endergebnis hier zeigen. Ich bin ein wenig aufgeregt und nervös, ob alles klappt. Aber wird schon. Auch Umzug Nummer 12 wird am Schluss nicht so wild sein.

Einmal im Leben

Sie sind groß in Mode, diese Bucket Lists. Dinge, die man einmal im Leben tun möchte und die man sich aufschreibt, um sie nicht zu vergessen und eines Tages dann diese Liste abzuarbeiten. Oder um möglichst viel drauf zu schreiben, was exotisch ist, und sich dann ein Ei drauf zu pellen, mit was für ausgefallenen Sachen man prahlen kann. Im Grunde ist es völlig egal, aus welchem Geund man so eine Liste anlegt und pflegt. Jeder hat seine Wünsche, Träume und Hoffnungen und warum sollte man sie sich nicht erfüllen wollen?

Ich persönlich führe keine solche Liste. Die wäre bei mir einfach überflüssig. Das meiste, was in meinem Leben passiert, ist nämlich absolut ungeplant. Ich habe keine Ahnung, was in zwei oder drei Jahren bei mir anstehen soll, ich habe keine Karriereambitionen und überhaupt finde ich es viel schöner, gar nicht so genau zu wissen, was mich erwartet. Ist auch nicht so viel Druck. Ich muss, ich muss, ich MUSS! Nein, ich muss nicht. Ich kann, wenn ich möchte. 

Dennoch gibt es bei mir natürlich auch Dinge, die ich zum ersten und vielleicht zum einzigen Mal im Leben tue. Heute gab es wieder so einen Moment, in dem ich mir dachte: „Das hast du noch nie zuvor getan.“ Denn heute habe ich jemandem zum ersten Mal gesagt, dass ich mich wegen ihm schlecht fühle, mich ausgenutzt fühle, Angst vor ihm habe und deswegen keinen Kontakt mehr will. Das war nicht schön, aber notwendig. 

Nun sitzt mir zwar die Angst im Nacken, später auf der Straße zusammengeschlagen zu werden, allerdings glaube ich, die rührt eher daher, dass ich es hasse, Menschen zu enttäuschen. Oder wenn man mich nicht mag. Für mich ein Horror. Und sollte doch noch ein Baseballschläger den Weg in mein Gesicht finden, so weiß ich wenigstens Namen und Anschrift des Hauptverdächtigen.

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Das Organ, das bei mir am meisten zu tun hat, ist das Gehirn. Vermutlich ist das bei jedem Menschen so, keine Ahnung, ich bin kein Biologe. Ich merke, wie die Schaltzentrale in meinem Schädel pulsiert und Gedanken spinnt, sie ausspuckt und wieder ansaugt. Ich fühle die Spannung in meinen Nervenbahnen und das Zittern der Membrane. Nicht körperlich, natürlich, aber auf eine verquere Art und Weise ist da dennoch dieses Gefühl. Wie kann ich das beschreiben? Ja, ganz selten geht es auch mir so, dass die Worte fehlen.

Mein Hirn pumpt also täglich zwischen meinen Ohren herum und lässt die Synapsen glühen. Eigentlich nichts Ungewöhnliches. Allerdings stellt mich das im Moment vor ein echtes Problem: Ich knalle durch.

Dadurch, dass mein Leben sich buchstäblich von einer Minute auf die andere komplett geändert hat, bin ich nun dauerhaft damit beschäftigt, Pläne zu schmieden, Lösungen zu suchen, zu rechnen und zu organisieren. Gleichzeitig versuche ich auf der Arbeit wie gewohnt zu funktionieren. Das funktioniert tagsüber auch ganz gut. Aber sobald ich abends zuhause bin, sehe ich die ganzen Scherben um mich herum und durch meinen Kopf spuken tausend Gedanken, die sich ineinander verknoten und zu einem riesigen Stück – entschuldigung – Scheisse werden. Was habe ich getan, dass es so weit kommen konnte? Oder was habe ich nicht getan? Ist das alles meine Schuld? Habe ich das verdient? Und wie wird es jetzt weitergehen?

Natürlich wird es weitergehen. Das tut es immer. Und ich kümmere mich darum, dass es das tut. Es ist nur so verdammt schwer. Die Albträume jede Nacht, die Sorge um die Zukunft, die endlose To-Do-Liste, die ich habe, und auch die Scham und das Gefühl, komplett versagt zu haben, setzen mir wirklich zu. Und mein Gehirn läuft und läuft und heizt sich auf und generiert tausend Szenarien, die ich alle bis ins kleinste Detail zerdenken muss.

Es macht mich total irre. Eigentlich bin ich ein Mensch, der gut alleine leben kann. Aber nach sechs Jahren Partnerschaft und fünf Jahren des Zusammenlebens habe ich nun unglaubliche Angst davor, wieder allein dazustehen. Neulich habe ich zu meinen Kolleginnen gesagt, dass ich mich davor fürchte, zu sterben und irgendwann nach einer Woche halb vergammelt und stinkend in meiner Wohnung gefunden zu werden. Angefressen von den Katern, die sonst verhungert wären! Man lacht drüber, aber tatsächlich meine ich das ernst. Ich sage es ja: Ich knalle durch.

Immerhin kann ich mich nun wieder um etwas kümmern, mit dem ich mich gut auskenne: Angstzustände und Panikattacken. Das lenkt ja ziemlich gut von allem anderen ab. Zum Beispiel von dem Film, den man mit der liebsten H. im Kino schauen möchte und bei dem man dann den Saal zwischendrin verlassen muss, weil man vor lauter Panik schon beinahe ohnmächtig im Sitz hängt. Eine tolle Erfahrung und für jeden zu empfehlen, der schon immer mal auf andere Gedanken kommen wollte. Tod und Verderben ist da genau das richtige.

Nicht.

Nun ja, was auch immer mein Hirn mir noch antun wird in nächster Zeit, ich werde einfach weitermachen. Es bleibt mir auch nichts anderes übrig. Und eins verspreche ich: Das hier bleibt einer von ganz wenigen Jammer-Blogeinträgen. Ich muss es nur einmal loswerden, dann ist gut. Und ich will mich ja nicht selber runterziehen. Wäre schön blöd.