Achterbahntage

Ich weiß nicht, ob es daran liegt, dass sich in meinem Inneren so viel Müll angesammelt hat oder dass ich unter der Last meiner Umgebung zu ersticken drohe, aber mein Gefühlsleben befindet sich auf einer rasanten Fahrt durch die höchste und längste Achterbahn der Welt. Es ist noch gar nicht lange her, dass ich von der Startrampe geschossen wurde – aus der Bequemlichkeit der neutralen Existenz hinauf in eine schwindelerregende Höhe, in der die Angst zuhause ist. Die versuche ich generell zu ignorieren oder weg zu atmen, beides funktioniert je nach Situation eher semi-gut. So lange mein Wagen recht erdnah unterwegs war und sich nur ab und zu mal in eine Kurve gelegt hat, ging es mir auch gar nicht mal so übel. Doch was war das bitte in den letzten Tagen?

Achtung, Triggerwarnung!

Am Montag vor zwei Wochen merkte ich, dass der Druck auf meinen Brustkorb größer wurde. Es presste mich gegen die Rückenlehne meines Bürostuhls. Achtung, der Wagen nimmt Fahrt auf! Ganz gemächlich zuckelte mein Inneres die Rampe zur Abfahrt hinauf. Was langsam begann, steigerte sich in puncto Geschwindigkeit und auch Schieflage. Bald war ich kaum noch in der Lage, klar zu denken vor lauter Anspannung. Ich habe doch Höhenangst, verdammte Hacke! Wieso lässt man mich in so eine Höllenbahn einsteigen? Der Puls raste, ich versuchte mich zu entspannen, dem Unvermeidlichen irgendwie zu entkommen. Aber keine Chance. Ein kurzer Ruck, ein letztes Mal nach unten sehen und schon stürzte sich mein klappriger kleiner Waggon nach unten. Und ich mit ihm. Während mein Inneres außer sich war und wild nach seiner Mami schrie, saß mein Äußeres auf dem Boden hinter ihrem Schreibtisch, umringt von ein paar Arbeitskollegen, und konnte nicht aufhören zu weinen. Die Panikattacke war so heftig, dass ich gar nicht mehr einordnen konnte, ob es wirklich Panik war oder ob ich nun doch sterben müsse.

Eigentlich habe ich das inzwischen gelernt. Ich muss nicht jedes Mal ausflippen, wenn die Todesangst angekrochen kommt. Meist lässt ein kleiner Teil von mir zu, dass ich meinen Zustand zu differenzieren vermag. Mir ist klar, dass es mir gerade so richtig schlecht geht und dass mein Umfeld das weder verstehen noch nachvollziehen kann. Aber ich weiß, dass ich natürlich nicht daran sterben werde, auch wenn sich in dem Moment alles danach anfühlt. Was es so richtig schlimm macht, sind eben meine Gedanken, die sich immer und immer wieder im Kreis drehen und sich mit lustigen „Was wäre, wenn…“-Spielchen die Zeit vertreiben.

An besagtem Montag hat mich die Angst drei Stunden lang im Griff gehabt. Nicht die ganze Zeit über wirklich akut, aber doch so sehr, dass meine Chefin sich ein Herz gefasst und mich nach Hause gefahren hat. In dem Zustand hätte ich niemals in einen Zug steigen können. Das war einer der Momente, in denen ich froh war, inzwischen so offen mit meiner Krankheit umgehen zu können, dass eigentlich jeder Mensch um mich herum weiß, was da von Zeit zu Zeit mit mir los ist und wie eingeschränkt ich dann oft nur reagieren kann.

Eigentlich wollte ich mir am folgenden Tag eine Auszeit nehmen, da ich immer noch extrem angespannt war. Allerdings hat sich meine Kollegin krank gemeldet und so bin ich dann doch zur Arbeit gehechtet und habe mich in den Stress gestürzt. Und Stress war es wirklich. Daher hatte ich mich richtig auf die letzte Woche gefreut, in der die Schule geschlossen blieb. Mein Stapel mit Altlasten sollte es mir danken. Ich wollte so vieles erledigen und auch Sachen fertig machen, die ich danach an andere hätte abgeben können. Hätte… Denn leider kam es nicht so weit. Ich war so beschäftigt mit aktuellen Dingen, Prüfungs- und Kursvorbereitungen, Beantworten von E-Mails und vielem, was einfach „nebenher“ lief, dass ich gar nicht mehr wusste, wo mir der Kopf steht. Und ich musste feststellen, dass meine Achterbahnfahrt noch lange nicht vorbei war. Die Woche über raste ich mit Höchstgeschwindigkeit durch das Tal nach dem Sturz, nahm dabei noch einige Überstunden mit und am Freitag schließlich folgte der nächste Ruck nach unten.

Generell gruselt es mich immer etwas, ganz allein auf der Arbeit zu sein. In den Räumen, die sonst mit Leben gefüllt sind, herrscht Stille. Das ist ungewohnt und nicht schön. Ebenfalls unschön war der riesige Papierstapel auf meinem Tisch. Ich wusste, ich würde das nicht alles innerhalb meiner Arbeitszeit erledigen können. Aber es musste gemacht werden. Keine Chance, denn die Deadline war tatsächlich Freitag. Gegen elf Uhr wurde es dann aber wieder lustig. Der Waggon, der mit meinem Seelenleben über die Bahn ratterte, neigte sich wieder nach unten. Sofort hatte ich das Gefühl, keine Luft mehr zu bekommen. Mein Herz raste, meine Hände und Arme wurden eiskalt und ich konnte mich nicht mehr konzentrieren. Im Hausflur fuhr der Fahrstuhl auf und ab und auf und ab. Jedes Mal hatte ich Angst, dass nun Kunden zu mir kommen würden, dass ich eine Beratung machen müsste, zu der ich absolut nicht imstande war. In zwei Klassenräumen saßen noch Interessenten mit Einstufungstests. Meine Eingeweide begannen, eine spontane Party zu feiern. Mir war schlecht und ich hätte mich am liebsten hingelegt. Zum Glück war eine meiner besten Freundinnen in dem Augenblick für mich da, hat mich angerufen und mich dadurch abgelenkt bis ich mich wieder einigermaßen beruhigt hatte. Nur leider fehlten mir durch dieses Theater zwei Stunden und der Druck kam wie eine Welle über mich. Immer und immer wieder. Diese Achterbahn hat die längste Abfahrt weltweit. Ich bin mir sicher.

Gegen vier Uhr am Nachmittag hatte ich schließlich alles erledigt, was ich vor Ort erledigen musste. Also habe ich den Rest eingepackt und mit nach Hause genommen. Nach der Heimfahrt, die mir extrem lang vorkam und auf der ich Blut und Wasser geschwitzt habe, bin ich noch schnell einkaufen gegangen und dann war es schon Zeit für die Nachtschicht. Fertig war ich schließlich gegen 23 Uhr. Zehn Minuten später lag ich bereits im Tiefschlaf.

Ehrlich gesagt bin ich ziemlich genervt. Ich mag keine Achterbahnen. Ich leide unter extremer Reisekrankheit und Höhenangst. Das ist nicht meine Welt. Also warum ist mein Inneres der Meinung, es müsse mich unbedingt auf diese „tolle Tour“ schicken? Wer mich kennt, der wird jetzt schreien, dass mir mein Körper etwas sagen will. Ja, danke, das weiß ich auch. Ich muss kürzer treten. Doch ich sehe im Moment nicht, wie das funktionieren soll. Zumindest nicht in den nächsten zwei oder drei oder vier Wochen. Doch allein beim Gedanken an den Montag zieht es in mir wieder nach oben. Ich verkrampfe mich und ich denke, ich weiß, was kommen wird. Och nee, bitte nicht schon wieder. Gebt mir wenigstens einen Gurt zum Anschnallen. Und eine Kotztüte. Falls das nicht zu viel verlangt ist.

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Zwei Welten.

Ich liebe meinen Job. Das habe ich sicherlich schon mal erwähnt. Auch wenn er oft stressig ist, man ständig von Menschen umgeben ist und es dabei einfach völlig egal ist, ob es einem gerade gut geht oder nicht, ob man schlechte Laune hat oder todtraurig ist… Man muss lächeln und das Gefühl vermitteln, am richtigen Ort angekommen zu sein. Das ist mitunter nicht ganz einfach, aber die meiste Zeit über gibt es kein Problem. Denn auch wenn ich morgens mal wirklich genervt bin von der Aussicht auf einen langen Arbeitstag und mich die Menschen im Zug und vor allem am Düsseldorfer Hauptbahnhof bereits übelst nerven: Sobald ich in der Schule angekommen bin, die Kollegen und die Schüler sehe, die ersten Scherze austausche oder umarmt werde, geht es mir besser. Ich habe so ein unglaubliches Glück, in meinem Job aufzugehen und eine Art Familie in meinen Kollegen gefunden zu haben. Ich weiß nicht, bei wem ich mich dafür bedanken müsste, aber ich würde es gern mal tun.

Da ich mich privat ja ziemlich schwer damit tue, neue Menschen kennenzulernen, ist es für mich eine tägliche Herausforderung, mit Menschen aller Couleur zusammenzukommen und mit ihnen zu interagieren. Man könnte es als eine immerwährende Expositionsübung betrachten, die ich da durchlaufe. Aber das ist gut, das brauche ich. Ich darf mich nicht verstecken, darf nicht beginnen, mich vor anderen zu fürchten. Täglicher Kontakt mit Menschen ist anstrengend, aber auch so bereichernd und schön, dass ich darüber oft vergesse, wie unsicher ich anderen gegenüber sein kann.

Doch von Zeit zu Zeit erinnere ich mich.

Grundsätzlich komme ich eigentlich mit all unseren Schülern aus. Mit dem ein oder anderen besser, mit anderen habe ich kaum Kontakt, doch in den drei Jahren meiner Tätigkeit gab es nur eine Handvoll Leute, die ich direkt an die Wand hätte klatschen mögen. Die ignoriere ich dann so weit es geht. Manchmal treffe ich aber auch Leute, von denen ich mich sehr angezogen fühle. Es geht mir gut in ihrer Gegenwart, ich mag ihren Witz und Charme, ihre Art zu reden oder zu denken. Und ich wünsche mir dann, sie würden mich bemerken und vielleicht Zeit mit mir verbringen wollen, doch wir sprechen immer nur kurz in den Pausen oder nach dem Ende eines Kurses und dann verschwinden sie wieder. Bis zum nächsten Tag.

Ich bin mir durchaus im Klaren darüber, dass dieses Geständnis ziemlich erbärmlich klingt. So als wäre ich ein kleiner Welpe, der um Aufmerksamkeit ringt. Ja, verdammt, ich gebe es zu: Ich winsle innerlich auch mal vor mich hin und will einfach nur geliebt werden und dazu gehören. Das ist nicht besonders professionell, klar, aber so bin ich nun mal. Nach außen sieht man mir das wohl nicht an, zumindest nicht wenn ich den Aussagen derer glauben kann, die mich täglich erleben. Und das beruhigt mich etwas, denn wie peinlich ist es bitte, die um Zuneigung bettelnde Frau am Empfang zu sein? Ich würde mal sagen: Trolololol!!!11elf!!!

Aber es versetzt mir jedes Mal einen Stich, wenn ich gerne fragen würde, ob man Lust hätte, gemeinsam etwas zu unternehmen, es aber dann doch nicht tue, weil es nicht angemessen ist. Und weil ich weiß, dass ich in einer anderen Welt lebe als die, die ich so bewundere. Die Klassen sind eingeschworene Gemeinschaften, dort entstehen Freundschaften, ich bin aber nur die Frau hinter dem Tresen, die ein paar aufmunternde Worte parat hat oder die Hilfe im Dschungel der Bürokratie anbietet. Und immerhin habe ich ja auch schon gelernt, dass ein Interesse nicht meiner Person gilt, sondern nur dem, was ich bieten kann. Diejenigen, die Kontakt wollten, erhofften sich davon meist nur Vorteile oder haben mich immer um Gefallen gebeten. Hatten sie, was sie wollten, ist der Kontakt schnell beendet gewesen. Ich gebe mir dafür die Schuld. Ich hätte es besser wissen müssen. Aber man lernt schließlich sein ganzes Leben lang dazu.

Wir leben in verschiedenen Welten. Auf der anderen Seite des Tresens befindet sich ein Kosmos, in den ich nicht eindringen kann.

Es ist ein bißchen traurig, dass ich einen Beruf habe, in dem ich Unmengen von überaus interessanten Menschen kennenlerne, aber dennoch die meiste Zeit in meinem Leben allein verbringe. Ironie des Schicksals. Ich darf einfach nicht so viel darüber nachdenken.

Auf ein Jahr ohne Kartoffeln!

Wie immer gegen Jahresende/Jahresbeginn denke ich darüber nach, was ich in meinem Leben verändern möchte. Ich finde Vorsätze an sich blöd, also stecke ich mir da eigentlich kein Ziel und sage: „Ja, das musst du jetzt so machen, weil das neue Jahr vor der Tür steht!“ Das ist ein ganz seltsames Phänomen bei mir. Sobald ich den Druck fühle, etwas machen zu müssen, empfinde ich die Sache als unangenehm oder das angestrebte Verhalten verkehrt sich ins Gegenteil. Bestes Beispiel ist mein ständiger Kampf gegen die Kilos. Natürlich ist mir stets und immer bewusst, dass ich abnehmen muss. Und ich will es auch. Wenn ich mich damit nicht stresse, läuft es wie von allein. Es dauert zwar länger als bei einer rigorosen Diät, aber die Pfunde purzeln. Und ich halte das Gewicht über längere Zeit. Sobald ich aber wirklich aktiv ans Abnehmen gehe (wie zum Beispiel in den letzten Wochen mit der täglichen Dokumentation meines Gewichts und einer Art Abnehmchallenge zwischen meiner Bekannten und mir), nehme ich unaufhörlich zu. Ähnlich beim Kalorienzählen. Wenn ich mich bewusst damit beschäftige, nehme ich zu. So läuft das auch mit Sport, mit Kontaktpflege, mit dem Haushalt und, und, und… Es scheint so, als wäre ich einfach nicht in der Lage, mir konkrete Ziele zu setzen und diese dann auch konsequent zu erreichen. Das könnte ich nun zu tiefenpsychologisch zu analysieren versuchen, aber es ist mir einfach zu blöd.

Also, Vorsätze sind nichts für mich. Aber Listen. Und Selbstreflektion. Eine Kollegin von mir führt seit Jahren ein Bullet Journal. Wem das nichts sagt, der kann es sich wie eine Mischung aus Kalender, Notiz- und Tagebuch vorstellen. Im Grunde geht es um bessere Planung und um die Sammlung all seiner Notizen, Termine und Verabredungen an einem zentralen Ort. Noch dazu gestaltet man sein Bullet Journal in der Regel auch selbst, denn so kann man das Design an seine eigenen Bedürfnisse anpassen. Es ist auch kein starres System, das man nicht verändern könnte, und bietet viel Raum für Kreativität. Wer neugierig geworden ist, der kann sich bei punktkariert über Bullet Journals und ihre Verwendung sowie Gestaltung informieren.

Nun, ich habe mir zum neuen Jahr ein BuJo angelegt. Meine Motivation dahinter ist weniger eine ausgefeilte Planung meines Alltags, sondern eher die Selbstbeobachtung. Wie oft nehme ich mir Zeit für mich? Wie viel arbeite ich wirklich? Wann mache ich überhaupt mal Sport? Wie lange schlafe ich und wie gesund esse ich? Ich hoffe, dass es mir hilft zu überlegen, in welche Richtung ich mich eigentlich bewegen möchte. Was hat mir im letzten Jahr gut getan hat und was nicht? Und womit fühle ich mich wohl?

Das eigentlich Ziel dahinter ist aber folgendes: Ich möchte mich besser um mich kümmern. Das ist in den letzten Monaten viel zu kurz gekommen. Nach einem Hoch im April und Mai bin ich ziemlich tief gefallen. Das ist okay, ich tauche langsam wieder auf und schwimme mich frei von negativen Gedanken und Gefühlen. Aber ich fühle mich sozialtechnisch immer noch wie eine Kartoffel und die meiste Zeit über mag ich mich nicht leiden. Wenn ich also doch so etwas wie einen Vorsatz für das neue Jahr formulieren sollte, dann wäre es dieser: Ich will keine Kartoffel mehr sein!

Unglückstag

Ich bin an einem Mittwoch, den 13., geboren worden. An einem Freitag, den 13., habe ich meine einzige gute Note in einer Französischarbeit geschrieben. Generell halte ich dieses Datum, natürlich insbesondere in Verbindung mit Freitagen, nicht für ein Zeichen des Unheils. Der Aberglaube, der damit in Verbindung steht (die Furcht vor der Zahl 13 als „Dutzend des Teufels“ und der Deutung des Freitags als generellem Unglückstag), erschließt sich mir nicht. Es gibt ja sogar Menschen, die an Paraskavedekatriaphobie leiden, einer Phobie vor Freitag, dem 13. Rational erklärbar ist das nicht, aber wer unter Angststörungen leidet, der kennt das Problem mit der Ratio ja bereits.

Gestern war Mittwoch. Ebenfalls der 13. Und alles lief ein wenig schief. Das Schlimmste passierte direkt morgens auf dem Weg zur Bahn. Es war glatt in Wuppertal, zumindest bei mir am Berg, und überall lag noch Schnee. Sehr schön eigentlich, aber blöd in der Dunkelheit und vor allem dann, wenn man es eilig hat. Ich wollte jemandem ausweichen, der mir entgegen kam, trat falsch auf und rutschte ab. Ich bin schon ewig nicht mehr hingefallen, vor allem nicht auf der Straße. Und ja, ich habe sehr laut und sehr unflätig geflucht. Mein linkes Knie tat höllisch weh und ich war auch auf die linke Hüfte gefallen. Egal, weiter gelaufen Richtung Zug und an der Haltestelle die Schäden in Augenschein genommen. Zum Glück war die Hose noch heil und nicht dreckig. Aber die Haut an meinem Knie war abgeschürft und es blutete. Als ich dann mein Smartphone zückte, um mich bei meinen Mädels auszuheulen, der Schock! Das komplette Display war zersplittert. Lange Risse von oben nach unten und im unteren Drittel des Bildschirms gab es kaum noch eine Stelle, die nicht von Haarrissen durchzogen war. Ich dachte, mich tritt ein Pferd. Das Handy besitze ich seit einem Monat. Und schon zerstört. Das ist mir noch nie passiert, weshalb ich nicht mal eine Versicherung abgeschlossen hatte. In den Jahren zuvor hatte ich das immer, aber nun einfach nicht, weil es mir so unnötig erschien. Aber wer kann denn auch ahnen, dass ich morgens mit meinem dicken Hintern auf die linke Jackentasche falle, in der ich das Handy spazieren trage? Ich augenscheinlich nicht. Verdammt. Die Panzerfolie war größtenteils unbeschädigt, ist ja auch ein totaler Witz. Warum haue ich die auf so ein teures Gerät drauf, wenn sie eh nichts bringt?

Ich war aber völlig verwundert von mir selbst. Früher wäre ich ausgeflippt und hätte mit meinem Schicksal gehadert. Gestern habe ich nur gedacht: „Na toll. Kann ich ja gerade gar nicht brauchen.“ Ist vielleicht auch die gesündere Einstellung. Im Laufe des Tages habe ich dann nach einem Reparaturdienst gesucht, der mir nur das Displayglas austauscht und nicht auch noch den Touchscreen. Der funktioniert immerhin super. Wird aber anscheinend kaum noch getrennt gemacht. Vor allem nicht beim iPhone 7. Der Apple Service macht das für 181,- EUR. Haha. Ich knapse immer noch an den Arztrechnungen der letzten Monate rum, wie soll ich mir das denn noch leisten? Letztendlich habe ich einen Service in Bremen gefunden, der nur das Glas tauscht und dafür 100 EUR nimmt. Also habe ich in den sauren Apfel gebissen und mein Handy heute eingeschickt. Man fühlt sich ja schon ein wenig eingeschränkt, wenn man einfach gar nicht mehr mobil erreichbar ist. Theoretisch müsste ich mein Handy am Samstag wiederbekommen. Theoretisch. Ich verlasse mich mal nicht darauf.

Aber es ging noch lustig weiter gestern. Was der Grund dafür war, dass ich irgendwann darüber nachdachte, ob es vielleicht doch ein Unglückstag sein könnte.

Unsere Schule wird im Moment renoviert. Meinen Schlüssel für den Eingang habe ich den Handwerkern geben müssen, woran ich aber Dienstagabend nicht mehr gedacht habe. Am Mittwoch habe ich generell Frühdienst und muss die Schule aufschließen. Ohne Schlüssel nur leicht unmöglich. Ich hatte nicht daran gedacht, mir den Schlüssel meiner Kollegin zu leihen, die sonst morgens vor mir da ist. Wir hatten also abends ausgemacht, dass sie mir den Schlüssel in Erkrath, wo sie wohnt, am Bahnhof quasi in den Zug wirft. Guter Plan, doch leider herrschte so viel Verkehrsaufkommen, dass sie mir nur noch vom Parkplatz aus zuwinken konnte als der Zug schon wieder los fuhr. Ich musste also meine Chefin anrufen, damit sie zur Schule kommt und uns die Tür aufschließt.

Am Vormittag sollte die neue Küche geliefert werden. Endlich! Blöd nur, dass genau in dem Moment, in dem die Möbel nach oben gebracht werden sollten, der Fahrstuhl den Geist aufgab. Noch blöder, dass wir im fünften Stock sitzen. Also mussten die armen Jungs sämtliche Sachen nach oben schleppen und waren natürlich fix und fertig. Der Aufbau war auch ziemlich laut, denn ich sitze nun am Empfang im Flur, wo es hallt, und so eine Metallsäge macht wirklich kein angenehmes Geräusch.

Im übrigen fiel in drei Unterrichtsräumen das Licht aus. Völlig ohne ersichtlichen Grund. Die Lehrer und Studenten mussten Unterricht im Dunkeln halten. Nicht gerade die optimalste Situation. Und wenn der zwanzigste Teilnehmer vorbei kommt, um einem zu sagen, dass das Licht im Unterrichtsraum nicht funktioniert, wird man schon langsam etwas sarkastisch. Auf den Elektriker mussten wir dann auch nur drei Stunden warten. Ich bin mir nicht sicher, ob der noch gemütlich gefrühstückt hat.

Als ich gegen Abend dachte, jetzt wäre es überstanden, wurden im Stockwerk unter uns die letzten Reste der bereits am Dienstag abgerissenen Wände herunter geholt. In einer unvorstellbaren Lautstärke.

Ich war wirklich froh als ich abends zuhause war. Das war definitiv nicht mein Tag. Ob es nun am Datum lag oder nicht… Eigentlich ist mir das ziemlich egal, aber es war schon auffällig. Vielleicht ist am Aberglauben doch etwas dran?

 

Männer, die auf Straßen rotzen.

Es passiert mir eigentlich täglich: Ich gehe arglos meines Weges, schaue mal nach links und mal nach rechts, denke über dies und das nach und blicke versonnen auf den Rücken meines Vordermannes. Vor mir geht ein Kerl, der von hinten völlig normal aussieht. Was in diesem Fall bedeutet: Adrett gekleidet, gewaschen, nicht besoffen rumschwankend. Eben ein durchschnittlicher Mann. Während ich also fröhlich durch die Weltgeschichte laufe, passiert es plötzlich. Der Mann vor mir hebt einen Finger an sein Nasenloch und bläst einen fetten Klumpen Rotz auf die Straße. Also, auf den Fußweg. Dahin, wo ich soeben meinen Fuß setzen wollte.

Iiiiiiiiiih!

In mir zieht sich alles zusammen. Ist ja widerlich! Aber gut, vielleicht ist der einfach nur fies erkältet und hat gerade kein Taschentuch dabei. Ich setze also meinen Weg fort und versuche, nicht mehr all zu viel an das Bild zu denken, dass sich mir eben bot. Ein paar hundert Meter weiter kommt mir ein anderer Kerl entgegen. Jung, sportlich, hippe Straßenkleidung. Als er beinahe auf meiner Höhe ist, zieht er unter größter Anstrengung und sehr lautstark etwas aus den tiefsten Tiefen seines Halses nach oben: Rotz! Und schon spuckt er mir den auch genau vor die Füße.

Baaaaaah!!!

Mir wird jetzt wirklich langsam übel, es kann doch nicht sein, dass hier jeder seine Körperflüssigkeiten auf der Straße verteilen muss! Es ist nicht mehr weit bis zu meinem Ziel und ich halte nun den Blick gesenkt. Mir ist nämlich etwas aufgefallen. Überall auf dem Fußweg sind Rotzflecken verteilt. Man muss schon beinahe hüpfen, um nicht hinein zu treten.

Wäääääh!!

Warum machen Leute so etwas? Vor allem die Männer? Ich glaube, ich habe bisher nur einmal eine Frau beziehungsweise ein Mädchen gesehen, das auf die Straße gespuckt hat. Sonst waren das wirklich nur Typen und ich überlege, ob es einen tieferen Sinn dahinter gibt. Ist das Revierverhalten? Muss irgendwas markiert werden und ich verstehe das nur nicht? Sind das alles Hardcorekiffer, die Unmengen an Speichel produzieren? Oder gibt es so einen geheimen Kodex unter Männern, der besagt, dass man als Kerl nun mal rumzurotzen hat? Was auch immer es ist, es ist einfach nur widerlich. Wenn ich einen Mann, der eigentlich attraktiv ist und nett erscheint, dabei beobachte, wie er seinen Speichel auf die Straße flaggt, finde ich ihn auch sofort hässlich. Das ist doch auch kein Benehmen. Und überall diese widerlichen Pfützchen… Da mache ich mir keine Sorgen mehr um Hundescheiße auf dem Fußweg, sondern um Rotzklumpen unter meinem Schuh.

Kann ja sein, dass ich einfach zu empfindlich bin. Aber gibt es wirklich jemanden da draußen, den das überhaupt nicht stört? Oder der das normal findet? Kann man mir das zumindest mal erklären? Ich möchte die Welt um mich herum ja wirklich gerne verstehen, es fällt mir bei diesem Thema nur verdammt schwer. Wenn es nach mir ginge: Männer, lasst das Rotzen sein!

Kuschelmäuse

Im Herbst und im Winter sind meine Dickies besonders kuschelig. Kommt mir ganz gelegen, denn das ist ja voll mein Ding. Während Snorre gern auf meinem Bauch liegt und zufrieden einschläft, nachdem er stundenlang gekrault wurde und sich fast heiser geschnurrt hat, hat Tabby sich angewöhnt, entweder neben, auf oder zwischen meinen Beinen zu liegen.

Besonders schön finde ich, dass Tabby sich nachts nun meistens vor meinen Bauch legt und morgens nach dem Klingeln des Weckers auch sofort Streicheleinheiten einfordert. So aufzuwachen ist wundervoll. Ich genieße das. Snorre liegt meist auf der rechten Seite des Bettes, die ich nicht benutze, und ich kraule ihn beim Zubettgehen so lange, bis ich einschlafe.

Noch ein Grund mehr, die kalten Monate des Jahres zu lieben. Oder eher zwei Gründe.

crappy Halloween

Heute explodieren meine Facebook-Chronik und meine Twitter-Timeline förmlich vor lauter auf Halloween bezogenen Posts. Irgendwie scheint jeder etwas Besonderes zu machen. Ich sehe Fotos von gruseligen Kostümen, aufwendig gestalteten Halloween-Buffets, ausgefallenen Dekorationen für die abendliche Party und Aufnahmen von Kollektionen der schlimmsten Horrorschocker, vor denen sich später in der Dunkelheit gefürchtet werden soll. Sehr beliebt sind auch Kürbisse mit den verschiedensten Schnitzereien. Teilweise echte Kunstwerke.

Während sich die Leute freuen und vorbereiten und Spaß haben, kann ich mich immer noch nicht mit Halloween anfreunden. Ich frage mich, ob es daran liegt, dass ich nicht damit aufgewachsen bin und mich nur schwer auf etwas Neues einlassen kann? Oder nervt mich die fortschreitende Amerikanisierung? Bin ich aber auch vielleicht einfach nur der größte Schisser vor dem Herrn? Vermutlich ist es von allem etwas.

Halloween gibt mir einfach gar nichts. Ich liebe es, mich zu verkleiden, ja, aber nur zu meinen eigenen Bedingungen. Vampire, Zombies, Werwölfe… Ich kann mich nicht dafür erwärmen. Fantasievolle und schauderhafte Snacks zu Halloween? Ich tue mich wirklich schwer damit, etwas in meinen Mund zu stecken, das wie ein abgerissener Finger oder ein Augapfel aussieht. Selbst wenn ich weiß, dass es eigentlich nur Würstchen oder Eier sind. Und Horrorfilme? Ich fürchte mich ja bereits vor meinen eigenen Gedanken und kann nicht ohne Licht einschlafen, wenn mir jemand tagsüber eine einigermaßen gruselige Geschichte erzählt hat oder ich mir wieder mal einbilde, jemand würde mich durchs Fenster beobachten.

Ich verbringe den heutigen Abend also allein zuhause, spiele vielleicht ein oder zwei Videospiele, esse mein Gemüse und freue mich, dass das Unheimlichste, was ich heute sehen muss, mein Gesicht im Spiegel ist. Reicht mir vollkommen.

Allen anderen wünsche ich viel Spaß beim Halloween feiern!