Ihr werdet immer fehlen.

Soziale Bindungen sind wohl eines der Dinge, mit denen wir uns am intensivsten in unserem Leben beschäftigen müssen. Familie, Freunde, Partner, Arbeitskollegen… Sie alle begleiten uns und haben einen immensen Einfluss auf uns. Wir vertrauen ihnen und fürchten sie. Wir lieben und hassen sie. Wir profitieren von ihnen oder lernen wichtige Lektionen für unser Leben. Aber auf jeden Fall sind wir auf sie angewiesen. Ohne andere Menschen wären wir nicht lebendig, wären wir nicht zu einer Person mit eigenen Gedanken, Träumen und Hoffnungen geworden. Unsere Familie begleitet uns im Idealfall das ganze Leben über und auch viele unserer Freunde sind lange an unserer Seite. Allerdings mit dem wichtigen Unterschied, dass wir uns diese, im Gegensatz zu unserer Familie, selbst aussuchen können. Und wir entwickeln uns mit unseren Freunden zusammen. Entweder in die gleiche Richtung oder eben auch auseinander.

Freundschaft ist generell ein eher schwieriges Thema für mich. Ich kenne viele Menschen, die noch Freundschaften aus ihren Kindertagen pflegen. Man ist zusammen aufgewachsen, kennt fast alle Geheimnisse voneinander und kann diese Verbindung ziemlich zuverlässig bewerten. Mir fällt das schwer. Freunde aus Kindertagen habe ich nicht mehr und ich könnte auf die Schnelle nicht einmal fünf Namen von ehemaligen Mitschülern nennen. Ob es daran liegt, dass wir öfter mal umgezogen sind und ich auch auf einigen Schulen war, oder ob ich einfach nur ein schlechtes Gedächtnis habe… Wer weiß? Generell habe ich mich immer etwas schwer getan mit Freunden. Klar gab es immer welche um mich herum, ich war nie völlig allein. Aber bis zu meinem 19. Lebensjahr hatte ich immer das Gefühl, ich würde nicht richtig dazu gehören oder müsse mich verstellen, damit andere mich mögen. Das war extrem anstrengend und sicherlich auch ein Grund dafür, warum ich die Bindungen nie über lange Zeit aufrecht erhalten konnte oder wollte.

Das änderte sich mit meinem Einstieg in die Anime-Szene. Im Internet, noch in den alten Chatrooms, die heute kaum ein Mensch mehr benutzt, lernte ich Menschen kennen, die ähnlich tickten wie ich. Das war für mich wie eine Offenbarung, denn ich hatte nicht geahnt, dass ich einfach nur ich selbst sein kann und trotzdem gemocht werde. Mehr und mehr Leute bewegten sich in meinem Dunstkreis und es entstanden einige großartige Freundschaften. Dafür bin ich unheimlich dankbar, denn auch wenn ich wirklich schwere Zeiten hatte und es nicht immer leicht war mit mir, blieben mir diese Menschen und gaben mir die Kraft und den Mut, mich weiter nach vorn zu kämpfen. Ich habe ihnen so viel zu verdanken und sie wissen das wahrscheinlich gar nicht.

Doch wie das so ist im Leben: Man muss sich immer mal wieder von Ideen verabschieden und gewisse Vorstellungen revidieren. Ich war der festen Überzeugung, dass einige der engsten und besten Freunde, die ich hatte, niemals gehen würden. Dass wir immer in eine gemeinsame Richtung unterwegs sein würden. Dem ist nicht so. Und ganz ehrlich? Das quält mich seit gut vier Jahren jeden Tag. Bis ich mir selbst eingestehen konnte, dass sich Dinge im Leben eben verändern und das etwas ganz Normales ist, hat es lange gedauert. Bis ich überhaupt einigermaßen damit zurecht kam, noch länger. Es fühlt sich an als hätte man einen wichtigen Teil von sich selbst verloren, aber gleichzeitig ist da auch das Wissen, dass es kein Zurück gibt. Es wird nie wieder so sein, wie es war. Und vielleicht hat das auch einen Sinn. Ich versuche mir nicht zu viele Gedanken darum zu machen, denn es bringt mich nicht weiter. Was vorbei ist, ist vorbei.

Fakt ist aber, dass mir diese Menschen immer fehlen werden. Bei so vielen Dingen, die ich tue, muss ich an sie denken. Ich träume von ihnen. Manchmal erinnere ich mich an bestimmte Situationen und muss immer noch lachen. Und ich bin zutiefst dankbar, dass sie all die Jahre an meiner Seite waren. Vielleicht machen sie mir Vorwürfe, denn ich bin nicht frei von Fehlern und habe auch zu dieser Entwicklung beigetragen. Vielleicht nehmen sie es gelassen hin. Und ganz vielleicht denken sie auch manchmal mit Wehmut zurück. Ich denke, ich möchte das gar nicht wissen. Nicht, weil es mir egal wäre. Nein, weil ich im Zweifelsfall sehr darunter leiden würde und ich bin egoistisch genug, das nicht zu wollen. Was auch immer jetzt ist: Ich wünsche ihnen, dass sie glücklich werden und dass sie klüger mit ihrer Freundschaft umgehen als ich.

Advertisements

Pseiko-Görl

Meine Güte, wie lange bin ich nun um diesen Blogeintrag herumgeschlichen. Zwei Wochen? Ja, kommt ganz gut hin. Ich wollte so viel erzählen: von meinem Umzug, von der Arbeit, von lustigen Dingen und traurigen… Aber egal, worüber ich schrieb, letztendlich landete ich immer wieder bei meinem aktuellen Gemütszustand. Und eigentlich wollte ich darüber nichts schreiben. Also speicherte ich den Entwurf für später ab. Für später, wenn ich wieder Worte für die Dinge finden würde, über die es wert ist, zu berichten.

Dummerweise ändert sich nichts an der Situation und an meinem Gedanken, was zur Folge hat, dass das „leichte“ Schreiben mir gerade sehr schwer fällt. Also habe ich beschlossen, mein Gehirn zu entmüllen und doch ein paar Worte darüber zu verlieren, wie es mir so geht. Klar, ich darf das. Das hier ist mein Blog. Aber neulich habe ich versprochen, dass ich nicht jammern werde. Und vielleicht breche ich dieses Versprechen jetzt.

Ich sitze in meiner neuen Wohnung und langsam, ganz langsam wird es wirklich wohnlich hier. Der Umzug selbst war total chaotisch. Das hatte ich schon im Vorfeld befürchtet, weil ich dieses Mal einfach null in der Lage war, mich richtig darauf einzulassen. Gedanklich habe ich mich nicht fokussieren können. Dass es letztendlich doch gut gelaufen ist, habe ich den vielen Helfern zu verdanken, die an diesem Tag zwischen Solingen und Wuppertal gependelt sind, um meine Sachen in die neue Wohnung zu schaffen. Und natürlich meinem Vater, der drei Tage lang renoviert hat und auch eine Woche nach dem Stichtag noch mal zu mir gekommen ist, um mir bei Kram zu helfen. Außerdem hat mein Exfreund kräftig mit angepackt, was er wirklich nicht hätte tun müssen.

Die erste Nacht allein in Wuppertal war ziemlich furchtbar. Man sagt ja, dass die Gefühle, die man in der ersten Nacht hat, einen in der neuen Bleibe begleiten werden. Und außerdem soll der erste Traum wahr werden. Aha…? Na, dann verzichte ich aber gerne darauf, denn angenehm ist anders. Ich war wirklich angespannt und bin immer wieder mit Herzrasen aufgewacht. Die Kater waren auch sehr unruhig, vor allem die Geräusche der Gastherme haben sie immer wieder aufgeschreckt. Am ersten Tag hat Snorre mir etwas Sorgen gemacht, weil er sich immer nur versteckt hat und nichts fressen wollte. Das hat sich aber bereits gegen Abend wieder gelegt, so dass ich auch etwas ruhiger wurde. In den ersten paar Tagen hatte ich beinahe täglich Besuch von einer ganz lieben Freundin aus Solingen, die mir beim Aufbauen der Möbel geholfen hat. Wir haben uns angestellt wie die letzten Idioten, aber pssst!

Nun steht alles, das ganze Zeug ist bis auf ein paar Kistchen ausgepackt und es fehlt im Grunde nur noch der letzte Schliff. (Und etwas mehr Ordnung wäre schön.) Es fällt mir unheimlich schwer, mich zu etwas aufzuraffen und weiterzumachen. Darum stagniert die ganze Sache hier gerade etwas. Am liebsten würde ich den ganzen Tag auf dem Sofa oder im Bett liegen, mir die Decke über den Kopf ziehen und an gar nichts denken. Damit ich nicht vollkommen lethargisch werde, zwinge ich mich dazu, jeden Tag ein klein wenig in der Wohnung zu arbeiten. Aber es ist schwierig.

Bereits in den letzten Monaten hatte ich schon vermehrt mit Anflügen von Depressionen und Ängsten zu tun. Überrascht hat mich das nicht, denn Rückfälle kommen ja gerade in Stresssituationen häufig vor. Klar, niemand will das und niemand braucht das, doch es war auszuhalten. Die meiste Zeit über war ich abgelenkt und vor allem war ich nicht allein. Sicher ist es besonders seit der Trennung nicht immer angenehm gewesen, zuhause mit dem Ex-Partner zu hocken, doch anscheinend hat mir das mehr Sicherheit gegeben als ich dachte. Nun ist da keine Sicherheit mehr, kein Anker und keine Sicherheitszone. Ich bin auf mich allein gestellt und habe außerdem noch die Verantwortung für zwei Lebewesen. Die ganze Zeit denke mir: „Du darfst nicht versagen.“ – „Du kannst es dir nicht erlauben, schwach zu sein.“ – „Du musst jetzt alles allein schaffen.“ Damit setze ich mich selbst wahnsinnig unter Druck. Und was passiert, wenn ich unter Druck stehe? Genau, ich werde zum hypochondrischen, überempfindlichen, in alles etwas negatives hineininterpretierendes Pseiko Görl! Und da es ja nicht ausreicht, das in Bezug auf mich selbst auszuleben und mit Panikattacken beim Zugfahren (Da sind sie wieder, hurra!) oder Kreislaufproblemen und Herzrasen mitten in der Nacht zu reagieren, entwickle ich gerade eine ausgeprägte Paranoia bezüglich des Gesundheitszustandes meiner Kater. Das geht so weit, dass ich letzte Woche mit Snorre beim Tierarzt war, um ihn durchchecken zu lassen. Klar, lieber einmal zu viel als zu wenig. Aber immer öfter drängt sich mir gerade der Gedanke auf, ob ich überhaupt in der Lage bin, für die beiden zu sorgen. Und was mache ich, wenn diese Gedanken kommen? Genau, rumheulen. Und Panik schieben.

Im Grunde sind das auch derzeit meine neuen Hobbies. Rumheulen und Panik schieben. Und Medikamente gegen das Rumheulen und die Panik nehmen. Im Moment habe ich das Gefühl, das wird jetzt für immer so weitergehen. Ich fühle mich ein paar Jahre zurück versetzt. In die Zeit, in der mich einfach alles überfordert hat und in der mein gestresstes Ich sich einfach gewünscht hat, eine Auszeit von dieser Welt nehmen zu können. Aber genau wie damals funktioniert das leider nicht und ich muss einfach weitermachen. Für was, weiß ich eigentlich nicht. Aber irgendwas wird schon kommen. Irgendwann.

Tja. Schöne Scheiße, würde ich sagen. Ein besserer Schlusssatz fällt mir leider nicht ein.

Ich mag nicht jeden Menschen. Das ist okay.

„Es tut mir leid, ich werde mit ihr einfach nicht warm. Sie hat mir nichts getan, nein, aber sympathisch finde ich sie trotzdem nicht.“ Die Reaktion meines Freundes auf diesen Satz war fast so etwas wie Bestürzung. Ich konnte Unverständnis in seinem Blick entdecken und ein stummes „Stell dich nicht so an.“ Das hat mich nicht geärgert, denn immerhin handelt es sich bei besagter Person um eine langjährige Freundin meines Goldjungen. Und irgendwie möchte man ja immer, dass der Partner die eigenen Freunde mag.

Die allgemeine Wunschvorstellung in Beziehungen ist, dass alle gut miteinander auskommen. Die Realität sieht aber eben anders aus. Für mich ist das auch gar nicht schlimm, denn immerhin liebt man den Menschen, mit dem man zusammen ist. Die Freunde sind Beiwerk, das man gratis dazu bekommt. Aber sie haben per se nicht viel mit dem Kern der Beziehung zu tun. Sie sind das gewachsene Umfeld des Partners. Nicht das eigene.

In meinem Fall sieht das etwa so aus: Mein Freund und ich haben auf den ersten Blick nicht viel gemeinsam. Er steht auf Black Metal, hat einen sehr schwarzen und teilweise auch recht flachen Humor (Sorry, Schatz! ;D), redet nicht gern über Gefühle, ist sportlich und am liebsten immer auf Achse. Ich bin ein Nerd, mag Anime und Cosplay, interessiere mich für Psychologie, bin ziemlich sensibel und ein wahrer Couch Potato. Irgendwie haben wir aber dennoch zusammengefunden und ja, es gibt durchaus Dinge, die wir zusammen machen und bei denen sich unsere Interessen überlagern. Ansonsten wären wir nicht seit vier Jahren ein Paar. Aber ebenso wie er sich nicht vorstellen kann, jemals mit mir auf eine Convention zu gehen oder sich weigert, auch nur einen Anime mit mir zu schauen (Neulich saß er in sein Handy vertieft auf der Couch, während einer lief, das war schon ein kleines Wunder!), könnte ich mich nicht überwinden, ihn auf ein Metal Konzert zu begleiten oder mit ihm klettern oder Mountain biken zu gehen. Und Achtung, das klingt jetzt fieser als es gemeint ist: Dafür sind seine Freunde da.

Wir suchen uns die Menschen aus, die zu uns passen. Sie teilen ähnliche Interessen, begleiten uns auf Konzerte, ins Kino, vielleicht auch in den Urlaub. Wir können mit ihnen über das reden, was uns bewegt, weil wir ähnlich ticken. Unsere Freunde müssen nicht einer Meinung mit uns sein. Sie müssen nicht alles toll finden, was wir sagen oder tun. Aber generell schwimmen sie mit uns auf einer Welle und in die gleiche Richtung. Und das muss nicht die gleiche Welle sein, auf der wir mit unserem Partner surfen. (Würde auch irgendwann echt eng werden.)

„Warum magst du sie denn nicht? Ist doch super nett!“ Das mag sein. Aber es betrifft die Maßstäbe eines anderen Menschen, nicht meine. Und ich kann es mir leisten, mich mit den Menschen zu umgeben, mit denen ich mich umgeben will. Ich muss mir niemanden antun, der eigentlich nicht an meine Seite gehört. Das ist nicht arrogant gemeint, wirklich nicht. Ich lerne gern neue Menschen kennen, aber ich habe irgendwann festgestellt, dass ich es nicht mehr haben muss, mich für andere Leute zu verrenken. Dafür bin ich mir zu schade. Ich muss nicht jeden Menschen toll finden, ebenso wie man mich nicht toll finden muss.

Die meisten Leute aus dem Bekanntenkreis meines Freundes mag ich. Einige sogar sehr gern. Ich verbringe gern Zeit mit ihnen. Andere sind halt nicht so mein Fall. Ich behandle sie trotzdem höflich und mit Respekt. Auch die ganz oben genannte Person, mit der ich nicht wirklich gut kann. Wie sie das? Keine Ahnung, doch ich habe schon das Gefühl, dass das bei uns auf Gegenseitigkeit beruht. Ob ich das ihr gegenüber thematisiere? Nein. Wozu? Die Zeit, die ich mit ihr verbringe, ist keine verschwendete Lebenszeit. Es sind immer genug andere Leute da, mit denen ich sehr gut kann. Also sehe ich da kein Problem. Und sicher wird das mein Freund auch irgendwann verstehen.

So hab ich mir das nicht vorgestellt.

Achtung! Wer kein Gejammer und Gemotze lesen will, klickt bitte JETZT weg. Danke!

*************************************

Ding Dong! Hört ihr die Glocken bimmeln? Die Engel auf ihren Harfen klimpern? Die schönste Zeit des Jahres wird eingeläutet! Die Arbeitslosigkeit! Schmeisst ne Party, freut euch ein zweites Popoloch, tanzt das Brot! Zuhause sitzen, Bewerbungen schreiben, mit den Finanzen hadern und genau wissen: Das wird doch wieder nur Zeitarbeit. Wenn überhaupt. Es ist zum Heulen. Seit ich hier wohne läuft es beruflich nicht wirklich rund. Entweder verletze ich mich zu Beginn einer Tätigkeit bereits so schwer, dass ich zwei Wochen lang ausfalle und direkt gekündigt werde, oder mein Chef ist ein Widerling, den ich nicht aushalten kann (und schon gar nicht eine Woche lang zu zweit in einer Messewohnung), oder der Einsatz über die Zeitarbeit geht halt zuende und ich werde deswegen „entsorgt“. So langsam bekomme ich ernsthafte Zweifel an mir selbst. An meinem Können, meiner Kompromissbereitschaft und sogar an meiner Persönlichkeit! Inzwischen habe ich auch schon Angst, überhaupt wieder irgendwo neu anzufangen, weil ich ja schon weiß, wie es nach einiger Zeit enden wird. Und ohne Zeitarbeit hat man ja eh kaum noch eine Chance. Vor allem nicht mit einem Lebenslauf wie meinem, hm? Wo man in Vorstellungsgesprächen schon gefragt wird, wieso so viele Firmen pleite gegangen sind, bei denen ich gearbeitet habe. Ja, Himmel, keine Ahnung! Vielleicht griff da jemand gern in die Portokasse oder jemand ist auf Firmenkosten nach Honolulu geflogen, um in Frührente zu gehen oder vielleicht war die Wirtschaftslage einfach kacke…? In solchen Momenten möchte ich Bewerbungsgespräche gern abbrechen und meinem Gegenüber mit dem nackten Arsch ins Gesicht springen. Würde sicher meine Chancen auf eine Einstellung zerstören, aber wäre eine Genugtuung für mich. Leider befinde ich mich in einer Realität, in der ich so etwas nie tun würde. Allein schon aus dem Grund, dass ich mir gar nicht so schnell die Hose runter ziehen und über den Tisch hüpfen könnte, wie der Sicherheitsdienst (oder wahlweise die Polizei) mich aus der Firma gezerrt hätte. Schon scheiße, wenn man fett ist.

Aber es ist ja nicht nur das Rumhocken in der heimischen Bude und der tägliche Bewerbungswahnsinn. Nein. Es ist auch das unangenehme Gefühl, eine Enttäuschung für meinen Freund und unfähig zu sein, uns ein angenehmes Leben zu ermöglichen. Ständig Jobs über Zeitarbeit zu haben ist ohnehin schon eine Belastung für die Finanzen. Und wenn aus dieser miesen Bezahlung auch noch Arbeitslosengeld berechnet wird… Hahaha. Es ist ja nicht so, als würde mein Freund übermäßig viel verdienen und könnte uns mit einem guten Puffer über Wasser halten. Ganz im Gegenteil. Ich sag’s mal so wie es ist: Wir sind arme Würste. Und ich auf jeden Fall das ärmere von uns beiden. Ich wünschte, es wäre nicht so. Ich wünschte, ich könnte einfach ein moderates Gehalt beisteuern, wir müssten nicht am Ende des Monats so knapsen und ich bräuchte keine Angst mehr zu haben, dass ich irgendwann nach Hause komme und meine Koffer vor der Tür stehen, weil mein Freund die Schnauze voll hat von mir. Niemand mag Versager. Und man mag sie noch weniger, wenn man mit ihnen zusammen lebt. Punkt.

Irgendwie war mein Gefühl vor einem Jahr noch anders. Als ich hierher kam, da dachte ich, ich könnte beruflich vielleicht sogar was ändern. In eine Richtung gehen, die mir in Hamburg nicht offen stand. Ich hatte so ein unterschwelliges Gefühl von positiver Veränderung. Keine Ahnung, ob ich mich da irgendwie verrannt habe. Ob ich mich habe täuschen lassen von dem „Ich habe alles hinter mir gelassen und fange neu an.“-Phänomen, das Umzügen oft anhaftet. (Obwohl ich das nicht bewusst so empfand, aber ich kenne das noch von früher. Bin ja oft genug umgezogen…) Jedenfalls ist nichts „besser“ geworden. Nur… komplizierter. Weil ich nicht mehr allein für mich verantwortlich bin. Wenn mir Scheiße passiert, dann passiert sie eben nicht nur mir, sondern sie betrifft nun auch meinen Freund. Ich kann nicht mehr einfach sagen: „Ja, Pech, irgendwie komme ich klar.“ Nein, ich bin nun dafür verantwortlich, dass wir beide irgendwie klar kommen. Und unsere Tiere. Das stresst mich ziemlich, denn diese Verantwortung ist für mich okay so lange alles läuft. Doch wenn es so lustig schlingernd nach unten geht, dann schreit mir mein Hirn zu, dass ich einfach eine Versagerin bin und dem Leben nicht gewachsen und ich denke, ich muss mich beweisen… Irgendwie. Damit ich es wert bin, weiter normal behandelt zu werden. Klingt schräg? Willkommen im meinem Kopf!

Was mir dann natürlich arg hilft, ist Akzeptanz. Und Zuneigung. So zum Beispiel wenn ich ganz liebe Freunde frage, ob sie mich nicht mal besuchen kommen möchten…? Ich sage euch, es verdirbt einem schon den Tag, wenn man als Antwort erhält, man wäre ja schließlich freiwillig an den Arsch der Welt gezogen, da würde man mir nicht hinterher laufen. Na, das erklärt auch, warum andere Leute auf meine Nachfragen und Einladungen gar nicht erst reagieren. Weil man mir nicht hinterher laufen will. Okay, wäre das auch geklärt. „Hier, ein Messer, ganz neu und aus rostfreiem Edelstahl! Gleitet durch Fleisch wie durch Butter. Probier’s doch gleich mal an meinem Herzen aus!“

Ich weiß gar nicht, was mein Umzug mit meinen Freundschaften zu tun hat. Ich habe es neulich zu meinem Freund gesagt und ich sage es gern wieder: Das war eine der besten Entscheidungen, die ich in den letzten Jahren getroffen habe. Wenn ich es mir hätte aussuchen können, dann wäre ich gern im Norden geblieben. Aber ich bin nun mal hier, weil ich einen Mann gefunden habe, mit dem ich gern mein Leben teilen möchte. Und zwar nicht nur für ein paar Monate, sondern gern erheblich länger. Weil ich ihn liebe. Da muss man auch mal Entscheidungen treffen, die nicht so leicht sind, aber mit denen man dann leben muss. Nicht nur man selbst, sondern auch die Menschen, die einem nahe stehen. Ich mache so was nicht, um jemanden zu verletzen. Wie krank wäre das? Ich hab zwar ein paar psychische Probleme, aber so wild ist es nun auch wieder nicht. Durch die neue Situation und die neue Umgebung war ich plötzlich wieder mehr auf mich allein gestellt. Ich hatte keine „Anker“ mehr, an denen ich mich festhalten konnte. Dadurch habe ich gelernt, mir selbst wieder mehr zu vertrauen. Was ich inzwischen wieder mache – Bahn fahren, weite Strecken allein mit dem Auto fahren, angstfrei in Urlaub fahren -, das war seit Jahren nicht mehr so locker möglich. Und ich bin verdammt dankbar dafür. Also ja: Ich fühle mich hier wohl. Ich habe es nicht nötig, mich wie ein bockiges Kind gegen alles zu stellen, was mich umgibt, auch wenn Solingen eher… nun ja, mittelmäßig geil ist. So als Stadt gesehen. Aber scheiss drauf. Ist halt der Arsch der Welt. Schade, dass das mehr zu zählen scheint als der Mensch, der da wohnt.

So. Und nachdem ich mich jetzt mal so richtig ausgekackt habe, geht’s mir etwas besser. Ich denke, dass jetzt sicherlich einige Leute leicht angepieselt sind oder genervt von meinem Genöle. Aber hey, seht’s mal so: Ich höre mir euer Gemaule auch an. Und das ist manchmal gar nicht so wenig. 🙂

In diesem Sinne…

image

Hitze, Heimat, Hochzeitsfeiern

Ich glaube, ich kenne kaum Leute, die total auf Affenhitze stehen. Genügend, die den Sommer mögen. Aber nur wenige, die sich jubelnd in Temperaturen stürzen, die über 28 Grad liegen. Für mich persönlich ist alles über 23 Grad schon zu viel. Mein Kreislauf streikt dann gerne mal, ich fühle mich aufgrund permanenten Schwitzens total unwohl und mein eh schon massiger Körper dehnt sich noch mehr aus. Im Norden konnte ich das immer einigermaßen aushalten, da meistens Wind ging und die Luft irgendwie… frischer war. Aber ich merke, dass es im Bergischen Land nicht nur ätzend warm wird, sondern auch noch total drückend dazu. Es ist wie in einer großen Sauna, aus der es kein Entkommen gibt. Zum Glück bleibt es in unserer Wohnung relativ kühl. Mit Gardinen oder Rolläden würde es noch kühler bleiben, da die Sonne im Laufe des Tages jede unserer Fensterseiten abwandert und mit ihren Strahlen auf uns schießt. Wie ein übergroßer Todesstern. -_-

Also, nach der Todesstern-Backofen-Sauna-Orgie der letzten Woche freute ich mich unheimlich auf das Wochenende in Ottersberg. Während wir hier schwitzten, waren dort die ganze Zeit so um die 24 Grad. Traumhaft! Und da mein Vater und Danuta Hölzerne Hochzeit feiern wollten, waren wir eingeladen. Am Freitag ging es aber schon gut los: Ferienbeginn in NRW und 120 km Stau auf den Autobahnen. Wir haben uns erst um 21 Uhr auf den Weg gemacht, da war die Strecke wieder frei. Wer hat denn schon Lust, sich in der prallen Sonne durch Blechlawinen zu quälen? Um Mitternacht waren wir schließlich am Ziel und sind auch quasi gleich ins Bett gefallen. Im alten Zimmer meines Bruders. Unterm Dach. Mit nur einem klitzekleinen Fenster, durch das kaum Luft herein kam. Na bravo. Ich habe auch nicht so gut geschlafen, da war es am nächsten Morgen schon fast wurscht, dass die Hitze uns gefolgt war und nun ihr Unwesen im Norden trieb. Argh! Ich hab mich dann abgelenkt, indem ich die Hühner gefüttert habe. Ich finde die so toll! Darf nicht drüber nachdenken, dass sie alle mal im Kochtopf enden werden. 😦

20130724-162022.jpg

Denis und ich sind noch zum Dodenhof gefahren, weil er immer so drüber gelacht hat, aber das gar nicht kannte. Ha! Das hat er nun davon! Shoppiiiiiiiing! ❤ Zurück daheim wurde alles für die Feier vorbereitet. Freunde von Papa kamen vorbei und bauten ein wenig Deko auf, ihr Hund Mina lag grinsend daneben.

20130724-161937.jpg     20130724-162115.jpg

Die Feier an sich war sehr nett, vor allem, weil ich halt meine Familie wiedergesehen habe. Was mich dann so richtig genervt hat, waren die Besoffskis am späten Abend. Ich mag es wirklich nicht, wenn man sich so dermaßen den Kopf zuknallt, dass man außer Witzen, die nicht mal mehr dreckig, sondern schon ekelhaft sind, nichts mehr raus bekommt. Von jemandem, den ich alle 10 Jahre mal sehe, will ich nicht bezüglich meines Sexlebens angelabert werden. Und ich will auch nicht, dass der mich fragt, ob ich schwanger bin, weil ich ja nichts trinke. Und erst recht will ich nicht, dass mich so jemand auch noch dafür verurteilt, dass ich dem Alkohol nicht so zuspreche wie er. Das hat mich echt ein wenig wütend gemacht und da ich eh müde war und die Gesellschaft nicht mehr länger ertragen konnte, ohne unhöflich zu werden, bin ich ins Bett.

Am Sonntag sind wir nach Bremen gefahren, um uns mit Vanessa, Andrea und Patrick zu treffen. Es war (natürlich) viel zu heiß, aber die Gesellschaft hat es total rausgerissen. Es war wirklich schön, mal wieder etwas Zeit mit meinen Liebsten zu verbringen. Außerdem gibt es nur in Bremen den Original Cola-Blatt-Cocktail! Wir haben gemütlich in der Sonne an der Schlachte gesessen und sind danach noch im Schneckentempo durch die Innenstadt und zum Alex.

20130724-162144.jpg     20130724-162232.jpg

20130724-162217.jpg

Die Zeit ging allerdings viel zu schnell vorbei und als wir uns verabschiedet haben und der Zug nach Hamburg aus dem Bremer Bahnhof fuhr, musste ich ordentlich schlucken. Ich kam mir plötzlich total verloren vor und einsam und das war alles andere als schön. Ein paar Stunden später befanden wir uns auch schon wieder in Solingen. Dank der Klimaanlage im Auto war die Fahrt gar nicht so schlimm. Ich war nur furchtbar müde und konnte nicht schlafen, weil ich immer Angst hatte, dass Denis genau so müde ist wie ich und am Steuer einnickt. Ich bin da wirklich etwas paranoid und weiß nicht mal, warum. Seltsame Sache.

Nehmt es mir nicht übel, ich kann nicht darüber reden.

Heute ist so einer dieser Tage, an denen ich am liebsten alles hinwerfen würde. Einfach unter die Decke kriechen und nichts mehr sehen und hören. Ich schlafe sehr schlecht, habe nur noch Albträume und komme nicht mehr zur Ruhe. Teils liegt das sicher am Kortison, das ich wegen meines Bandscheibenvorfalls im Moment nehmen muss. Teils aber sicher auch am Stress, den ich im Moment habe, weil sich ja alles in meinem Leben ändern wird. Wenn ich keine Ruhe finde, werde ich einfach unleidlich. Und schwierig. Und ich ziehe mich zurück. Das tut mir leid und es wirkt sicher oft so, als würde ich andere nicht mehr an meinem Leben teilhaben lassen wollen, aber es ist eine ganz unbewusste Reaktion, die auch nicht böse gemeint ist.

Wieso ich jetzt darauf komme, darüber zu schreiben? Weil ich heute mit Andrea spazieren gegangen bin und sie mich darauf angesprochen hat, dass ich seit der Entscheidung, nach Solingen zu ziehen, anscheinend dicht gemacht habe und auf Distanz gegangen bin. Es ist fast lustig, denn genau das Gefühl hatte ich anders herum. Aber natürlich kann es sein, dass ich wieder mal seltsame Anwandlungen habe, die ich selbst nicht bemerke. Und vor allem, was meinen Umzug angeht. Ich würde gern allen sagen, was diesbezüglich in mir vorgeht, aber damit würden wieder nur Gespräche heraufbeschworen werden, die mir zu viel sind oder in Missverständnissen enden. Und das möchte ich nicht. Und was ich heute gemerkt habe, als ich neben Andrea saß und mein Eis löffelte: Ich kann auch nicht darüber reden. Sobald ich versuche, mit meinen Freunden über den Umzug zu sprechen, wehre ich mich innerlich dagegen. Weil mir sofort die Tränen kommen. Weil ich Angst kriege. Weil mein Herz stolpert. Also sage ich nichts und mache die Sache mit mir selbst aus. Ich fühle mich schuldig denjenigen gegenüber, die ich verlasse. Und ich fürchte mich vor dem, was auf mich zukommt. Keine Ahnung, ob ich das packe. Keine Ahnung, ob sich mein Gemütszustand stabil halten wird. Ich will nicht darüber nachdenken, wie ich mich in vier Wochen fühlen werde. Oder in acht. Oder zwölf. Ich muss das alles auf mich zukommen lassen, weil ich sonst nicht weiss, wie ich damit umgehen soll. Und darum spreche ich nicht darüber. Also bitte, bitte glaubt nicht, ich möchte euch auf Distanz halten. Das möchte ich wirklich nicht. Aber mir ist das alles zu viel und ich kann damit nicht umgehen und darum kriege ich den Mund nicht auf. Ob sich das wieder ändern wird? Ich denke schon. Allerdings vielleicht nicht, was dieses Thema angeht. Ich will nichts versprechen. Ich möchte nur, dass ihr keinen falschen Eindruck bekommt und mich ein wenig versteht.