Wann ist ein Heim ein Heim?

Neulich habe ich einen Teil meiner Unterlagen sortiert und dabei ist mir mein Mietvertrag in die Hände gefallen. Schön! Ich wusste gar nicht, wo der geblieben war. Meine Ordnung, was Dokumente angeht, ist seit Jahren „Schublade auf, Papiere rein, Schublade zu.“ und das war’s. Bei jedem Umzug gibt es so ein oder zwei Kartons, in denen wirklich nur Dokumente gelagert und durch die Gegend getragen werden. Ich hasse es, aber ich bin auch grundlegend faul, was Papierkram angeht. Jedenfalls versuche ich das anzugehen und dabei stieß ich eben auf meinen Mietvertrag. Ich saß in meinem Wohnzimmer, die Sonne schien durch die Fenster, neben mir schnarchten die Kater im Tiefschlaf auf dem Kratzbaum. Alles war ruhig und friedlich und doch… Während ich mich umsah, dachte ich darüber nach, was in den letzten zwei Jahren so alles in diesen Räumen geschehen war und welche persönliche Entwicklung ich durchgemacht habe. Und ich fragte mich, ob ich diese Wohnung, in der ich mich selbst am Anfang so schwer akzeptieren konnte, inzwischen eigentlich liebe oder nicht.

Für mich ist das Thema „Zuhause“ einerseits sehr emotional, andererseits auch relativ egal. Das ist schwer zu erklären, denn dieses Wissen ist eher ein Empfinden. So ein Gefühl ganz hinten in meinem Herzen, das man nur dumpf erspüren kann. Ich bin in meinem Leben so oft umgezogen, dass ich gar nicht mehr glaube, irgendwo ein Zuhause zu besitzen. Heimat, ja, das ist für mich Norddeutschland, die Gegend zwischen Bremen und Hamburg, die Gefilde meiner Kindheit. Dort, wo mir der Wind um die Nase weht, wo man immer ein wenig Salz in der Luft schmecken kann und wo der Blick in die Ferne schweift. Aber mein Zuhause? Wo ist das? Wirklich dort, wo ich nun lebe?

Ja, natürlich ist es dort, wo ich meinen Wohnsitz angemeldet habe. Auf dem Papier. Rein verstandesmäßig. Ich fühle mich wohl in meinen vier Wänden, zumindest meistens. (Im Moment nicht, weil ich mit meinem Haushalt kaum noch hinterher komme, was eine neue Beziehung bei mir wohl irgendwie immer mit sich bringt. Die Ruhephasen, die ich brauche, schiebe ich auf die Wochentage und an den Wochenenden bin ich entweder in Essen oder mein Freund ist bei mir. Ich weiß noch nicht so ganz, wie ich das lösen soll.) Ja, meine Einrichtung könnte mir selbst mehr entsprechen, ich habe viel zu viel Kram und muss das alles mal ausmisten, es gibt Baustellen in der Wohnung, wo dringend mal etwas ausgebessert werden müsste, aber im Großen und Ganzen ist doch alles in Ordnung. Die Hausgemeinschaft ist nett und ruhig, die Umgebung ist angenehm und die Verkehrsanbindungen sowie die Einkaufsmöglichkeiten im Umkreis sind super. Dennoch denke ich manchmal, dass die Stadt, in der ich lebe, mir seltsam fremd und distanziert erscheint. Selbst wenn ich mich mit ihr befasse, etwas zur Geschichte oder zum Stadtbild lese, mich durch die Straßen bewege, neue Dinge kennenlerne… Mir bleibt das alles immer so fern und fremd. Nicht, weil ich Wuppertal hassen würde. Nein, das ist es gar nicht. Es ist eher so ein Gefühl von „Ich gehöre hier nicht her.“, das ich nicht überwinden kann. Ich lebe in dieser Stadt, ich bewege mich durch sie hindurch, aber dennoch empfinde ich es nicht so, dass ich wirklich in ihr lebe. Wie soll ich das nur erklären?

Irgendwie warte ich immer auf den Moment, in dem ich mich angekommen fühle. Dabei weiß ich nicht mal, wie diese Empfindung sich äußern sollte. Ruhe ich dann von einer Sekunde auf die andere in mir selbst? Oder fühle ich plötzlich die Liebe zum Bergischen Land in mir aufwallen? Werde ich nie wieder aus meiner Wohnung ausziehen wollen? Ich bin gespannt, ob sich in dieser Richtung etwas tun wird oder ob ich mich einfach immer weiter innerlich zuhause, aber niemals richtig daheim fühlen werde.

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Hitze, Heimat, Hochzeitsfeiern

Ich glaube, ich kenne kaum Leute, die total auf Affenhitze stehen. Genügend, die den Sommer mögen. Aber nur wenige, die sich jubelnd in Temperaturen stürzen, die über 28 Grad liegen. Für mich persönlich ist alles über 23 Grad schon zu viel. Mein Kreislauf streikt dann gerne mal, ich fühle mich aufgrund permanenten Schwitzens total unwohl und mein eh schon massiger Körper dehnt sich noch mehr aus. Im Norden konnte ich das immer einigermaßen aushalten, da meistens Wind ging und die Luft irgendwie… frischer war. Aber ich merke, dass es im Bergischen Land nicht nur ätzend warm wird, sondern auch noch total drückend dazu. Es ist wie in einer großen Sauna, aus der es kein Entkommen gibt. Zum Glück bleibt es in unserer Wohnung relativ kühl. Mit Gardinen oder Rolläden würde es noch kühler bleiben, da die Sonne im Laufe des Tages jede unserer Fensterseiten abwandert und mit ihren Strahlen auf uns schießt. Wie ein übergroßer Todesstern. -_-

Also, nach der Todesstern-Backofen-Sauna-Orgie der letzten Woche freute ich mich unheimlich auf das Wochenende in Ottersberg. Während wir hier schwitzten, waren dort die ganze Zeit so um die 24 Grad. Traumhaft! Und da mein Vater und Danuta Hölzerne Hochzeit feiern wollten, waren wir eingeladen. Am Freitag ging es aber schon gut los: Ferienbeginn in NRW und 120 km Stau auf den Autobahnen. Wir haben uns erst um 21 Uhr auf den Weg gemacht, da war die Strecke wieder frei. Wer hat denn schon Lust, sich in der prallen Sonne durch Blechlawinen zu quälen? Um Mitternacht waren wir schließlich am Ziel und sind auch quasi gleich ins Bett gefallen. Im alten Zimmer meines Bruders. Unterm Dach. Mit nur einem klitzekleinen Fenster, durch das kaum Luft herein kam. Na bravo. Ich habe auch nicht so gut geschlafen, da war es am nächsten Morgen schon fast wurscht, dass die Hitze uns gefolgt war und nun ihr Unwesen im Norden trieb. Argh! Ich hab mich dann abgelenkt, indem ich die Hühner gefüttert habe. Ich finde die so toll! Darf nicht drüber nachdenken, dass sie alle mal im Kochtopf enden werden. 😦

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Denis und ich sind noch zum Dodenhof gefahren, weil er immer so drüber gelacht hat, aber das gar nicht kannte. Ha! Das hat er nun davon! Shoppiiiiiiiing! ❤ Zurück daheim wurde alles für die Feier vorbereitet. Freunde von Papa kamen vorbei und bauten ein wenig Deko auf, ihr Hund Mina lag grinsend daneben.

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Die Feier an sich war sehr nett, vor allem, weil ich halt meine Familie wiedergesehen habe. Was mich dann so richtig genervt hat, waren die Besoffskis am späten Abend. Ich mag es wirklich nicht, wenn man sich so dermaßen den Kopf zuknallt, dass man außer Witzen, die nicht mal mehr dreckig, sondern schon ekelhaft sind, nichts mehr raus bekommt. Von jemandem, den ich alle 10 Jahre mal sehe, will ich nicht bezüglich meines Sexlebens angelabert werden. Und ich will auch nicht, dass der mich fragt, ob ich schwanger bin, weil ich ja nichts trinke. Und erst recht will ich nicht, dass mich so jemand auch noch dafür verurteilt, dass ich dem Alkohol nicht so zuspreche wie er. Das hat mich echt ein wenig wütend gemacht und da ich eh müde war und die Gesellschaft nicht mehr länger ertragen konnte, ohne unhöflich zu werden, bin ich ins Bett.

Am Sonntag sind wir nach Bremen gefahren, um uns mit Vanessa, Andrea und Patrick zu treffen. Es war (natürlich) viel zu heiß, aber die Gesellschaft hat es total rausgerissen. Es war wirklich schön, mal wieder etwas Zeit mit meinen Liebsten zu verbringen. Außerdem gibt es nur in Bremen den Original Cola-Blatt-Cocktail! Wir haben gemütlich in der Sonne an der Schlachte gesessen und sind danach noch im Schneckentempo durch die Innenstadt und zum Alex.

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Die Zeit ging allerdings viel zu schnell vorbei und als wir uns verabschiedet haben und der Zug nach Hamburg aus dem Bremer Bahnhof fuhr, musste ich ordentlich schlucken. Ich kam mir plötzlich total verloren vor und einsam und das war alles andere als schön. Ein paar Stunden später befanden wir uns auch schon wieder in Solingen. Dank der Klimaanlage im Auto war die Fahrt gar nicht so schlimm. Ich war nur furchtbar müde und konnte nicht schlafen, weil ich immer Angst hatte, dass Denis genau so müde ist wie ich und am Steuer einnickt. Ich bin da wirklich etwas paranoid und weiß nicht mal, warum. Seltsame Sache.