Achterbahntage

Ich weiß nicht, ob es daran liegt, dass sich in meinem Inneren so viel Müll angesammelt hat oder dass ich unter der Last meiner Umgebung zu ersticken drohe, aber mein Gefühlsleben befindet sich auf einer rasanten Fahrt durch die höchste und längste Achterbahn der Welt. Es ist noch gar nicht lange her, dass ich von der Startrampe geschossen wurde – aus der Bequemlichkeit der neutralen Existenz hinauf in eine schwindelerregende Höhe, in der die Angst zuhause ist. Die versuche ich generell zu ignorieren oder weg zu atmen, beides funktioniert je nach Situation eher semi-gut. So lange mein Wagen recht erdnah unterwegs war und sich nur ab und zu mal in eine Kurve gelegt hat, ging es mir auch gar nicht mal so übel. Doch was war das bitte in den letzten Tagen?

Achtung, Triggerwarnung!

Am Montag vor zwei Wochen merkte ich, dass der Druck auf meinen Brustkorb größer wurde. Es presste mich gegen die Rückenlehne meines Bürostuhls. Achtung, der Wagen nimmt Fahrt auf! Ganz gemächlich zuckelte mein Inneres die Rampe zur Abfahrt hinauf. Was langsam begann, steigerte sich in puncto Geschwindigkeit und auch Schieflage. Bald war ich kaum noch in der Lage, klar zu denken vor lauter Anspannung. Ich habe doch Höhenangst, verdammte Hacke! Wieso lässt man mich in so eine Höllenbahn einsteigen? Der Puls raste, ich versuchte mich zu entspannen, dem Unvermeidlichen irgendwie zu entkommen. Aber keine Chance. Ein kurzer Ruck, ein letztes Mal nach unten sehen und schon stürzte sich mein klappriger kleiner Waggon nach unten. Und ich mit ihm. Während mein Inneres außer sich war und wild nach seiner Mami schrie, saß mein Äußeres auf dem Boden hinter ihrem Schreibtisch, umringt von ein paar Arbeitskollegen, und konnte nicht aufhören zu weinen. Die Panikattacke war so heftig, dass ich gar nicht mehr einordnen konnte, ob es wirklich Panik war oder ob ich nun doch sterben müsse.

Eigentlich habe ich das inzwischen gelernt. Ich muss nicht jedes Mal ausflippen, wenn die Todesangst angekrochen kommt. Meist lässt ein kleiner Teil von mir zu, dass ich meinen Zustand zu differenzieren vermag. Mir ist klar, dass es mir gerade so richtig schlecht geht und dass mein Umfeld das weder verstehen noch nachvollziehen kann. Aber ich weiß, dass ich natürlich nicht daran sterben werde, auch wenn sich in dem Moment alles danach anfühlt. Was es so richtig schlimm macht, sind eben meine Gedanken, die sich immer und immer wieder im Kreis drehen und sich mit lustigen „Was wäre, wenn…“-Spielchen die Zeit vertreiben.

An besagtem Montag hat mich die Angst drei Stunden lang im Griff gehabt. Nicht die ganze Zeit über wirklich akut, aber doch so sehr, dass meine Chefin sich ein Herz gefasst und mich nach Hause gefahren hat. In dem Zustand hätte ich niemals in einen Zug steigen können. Das war einer der Momente, in denen ich froh war, inzwischen so offen mit meiner Krankheit umgehen zu können, dass eigentlich jeder Mensch um mich herum weiß, was da von Zeit zu Zeit mit mir los ist und wie eingeschränkt ich dann oft nur reagieren kann.

Eigentlich wollte ich mir am folgenden Tag eine Auszeit nehmen, da ich immer noch extrem angespannt war. Allerdings hat sich meine Kollegin krank gemeldet und so bin ich dann doch zur Arbeit gehechtet und habe mich in den Stress gestürzt. Und Stress war es wirklich. Daher hatte ich mich richtig auf die letzte Woche gefreut, in der die Schule geschlossen blieb. Mein Stapel mit Altlasten sollte es mir danken. Ich wollte so vieles erledigen und auch Sachen fertig machen, die ich danach an andere hätte abgeben können. Hätte… Denn leider kam es nicht so weit. Ich war so beschäftigt mit aktuellen Dingen, Prüfungs- und Kursvorbereitungen, Beantworten von E-Mails und vielem, was einfach „nebenher“ lief, dass ich gar nicht mehr wusste, wo mir der Kopf steht. Und ich musste feststellen, dass meine Achterbahnfahrt noch lange nicht vorbei war. Die Woche über raste ich mit Höchstgeschwindigkeit durch das Tal nach dem Sturz, nahm dabei noch einige Überstunden mit und am Freitag schließlich folgte der nächste Ruck nach unten.

Generell gruselt es mich immer etwas, ganz allein auf der Arbeit zu sein. In den Räumen, die sonst mit Leben gefüllt sind, herrscht Stille. Das ist ungewohnt und nicht schön. Ebenfalls unschön war der riesige Papierstapel auf meinem Tisch. Ich wusste, ich würde das nicht alles innerhalb meiner Arbeitszeit erledigen können. Aber es musste gemacht werden. Keine Chance, denn die Deadline war tatsächlich Freitag. Gegen elf Uhr wurde es dann aber wieder lustig. Der Waggon, der mit meinem Seelenleben über die Bahn ratterte, neigte sich wieder nach unten. Sofort hatte ich das Gefühl, keine Luft mehr zu bekommen. Mein Herz raste, meine Hände und Arme wurden eiskalt und ich konnte mich nicht mehr konzentrieren. Im Hausflur fuhr der Fahrstuhl auf und ab und auf und ab. Jedes Mal hatte ich Angst, dass nun Kunden zu mir kommen würden, dass ich eine Beratung machen müsste, zu der ich absolut nicht imstande war. In zwei Klassenräumen saßen noch Interessenten mit Einstufungstests. Meine Eingeweide begannen, eine spontane Party zu feiern. Mir war schlecht und ich hätte mich am liebsten hingelegt. Zum Glück war eine meiner besten Freundinnen in dem Augenblick für mich da, hat mich angerufen und mich dadurch abgelenkt bis ich mich wieder einigermaßen beruhigt hatte. Nur leider fehlten mir durch dieses Theater zwei Stunden und der Druck kam wie eine Welle über mich. Immer und immer wieder. Diese Achterbahn hat die längste Abfahrt weltweit. Ich bin mir sicher.

Gegen vier Uhr am Nachmittag hatte ich schließlich alles erledigt, was ich vor Ort erledigen musste. Also habe ich den Rest eingepackt und mit nach Hause genommen. Nach der Heimfahrt, die mir extrem lang vorkam und auf der ich Blut und Wasser geschwitzt habe, bin ich noch schnell einkaufen gegangen und dann war es schon Zeit für die Nachtschicht. Fertig war ich schließlich gegen 23 Uhr. Zehn Minuten später lag ich bereits im Tiefschlaf.

Ehrlich gesagt bin ich ziemlich genervt. Ich mag keine Achterbahnen. Ich leide unter extremer Reisekrankheit und Höhenangst. Das ist nicht meine Welt. Also warum ist mein Inneres der Meinung, es müsse mich unbedingt auf diese „tolle Tour“ schicken? Wer mich kennt, der wird jetzt schreien, dass mir mein Körper etwas sagen will. Ja, danke, das weiß ich auch. Ich muss kürzer treten. Doch ich sehe im Moment nicht, wie das funktionieren soll. Zumindest nicht in den nächsten zwei oder drei oder vier Wochen. Doch allein beim Gedanken an den Montag zieht es in mir wieder nach oben. Ich verkrampfe mich und ich denke, ich weiß, was kommen wird. Och nee, bitte nicht schon wieder. Gebt mir wenigstens einen Gurt zum Anschnallen. Und eine Kotztüte. Falls das nicht zu viel verlangt ist.

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Love me Tinder.

Wir alle haben es wohl schon einmal getan. Sei es, um unseren Marktwert zu prüfen, um sich „die Sache mal anzusehen“ oder um ernsthaft nach neuen Kontakten zu suchen. Die Rede ist von der Partnersuche per Internet. Es gibt so wahnsinnig viele Möglichkeiten, online sein perfect match zu finden: Chats, Webseiten, Agenturen, Apps… Und alles als kostenlose oder kostenpflichtige Variante. Was man wählt, kommt nicht nur darauf an, ob und wenn ja, wie viel man für seine Suche bezahlen möchte, sondern auch auf die angestrebte Zielgruppe. Da gibt es Seiten extra für Menschen, die Partner mit Hüftgold bevorzugen, für Landwirte, für Nerds, für diejenigen, die nur auf Sex aus sind, und… und… und…

Seit Jahren beliebt ist die App „Tinder“, bei der man sich kostenfrei anmelden kann und bei allen angezeigten Vorschlägen zunächst nur das Profilbild des Gegenübers sieht. Findet man denjenigen attraktiv, kann man ihn liken. Anderenfalls wischt man ihn einfach weg. Das hat ein bißchen den Charme einer Fleischtheke, an der man sich die schönste Wurst aussucht, ohne etwas über ihre Herkunft zu erfahren. Denn Details zur Person, die man auswählt, erhält man nur, wenn es ein Match gibt, also der Gegenseite das Profil des Likers ebenfalls gefällt. Ansonsten war’s das und man sucht einfach weiter bis sich mal was ergibt.

Ich bin nun nicht gerade der unbedingte Fan dieses Prinzips, aber für wen das so funktioniert, der soll einfach Spaß damit haben. Und ab und zu trifft man ja wohl wirklich nette und lustige Leute. Und auch einige, die nicht so lustig sind. Genau um so eine Person geht es hier. Normalerweise schreibe ich nicht über Sachen, die Freunden von mir passieren. Zumindest nicht so. Aber ich schwöre, ich habe mir die Erlaubnis dazu geholt. Und ich muss es einfach teilen, vor allem, weil ich mich so aufrege und klar machen will, dass so ein Verhalten absolut gar nicht geht!

Aber von vorn…

Vor einigen Tagen unterhielt ich mich mit einem Freund, nennen wir ihn Schorsch, über eine Bekanntschaft, die er über Tinder gemacht hat. Er nutzt die App immer mal wieder zwischendurch, aber tatsächlich ist er keiner derjenigen, die nur auf Sexdates aus sind, sondern er wünscht sich eine ernsthafte Beziehung. Nun ja, mit der Dame, die Gegenstand unseres Gesprächs war, hatte sich ein Match ergeben, in den ausgetauschten Nachrichten fand man sich sympathisch und so wurde ein Treffen zum gemeinsamen Frühstück ausgemacht. Schorsch fuhr also zu ihr bzw. in ihre Stadt, nicht zu ihr nach Hause, und lud sie zum Frühstück ein. Alles war wunderbar, man verstand sich gut und am Ende ihres Treffens überreichte die junge Frau, die ich hier Olga nenne, meinem Freund einen Gutschein über ein gemeinsames Burger grillen. Okay, das fand er schon etwas seltsam, aber gefreut hat es ihn natürlich dennoch, denn sie gefiel ihm ganz gut. In den nächsten Tagen schrieben die beiden sich stundenlang und tauschten sich über alles mögliche aus. Gestern bekam ich von Schorsch die Nachricht, dass er wohl Abstand nehmen sollte von Olga. Auf meine Nachfrage berichtete er mir, dass sie im Moment stark erkältet sei und er sie gefragt habe, ob er etwas für sie tun könne. Sie wünschte sich, dass er für sie einkaufen geht und hat ihm auch sofort eine Einkaufsliste geschickt, auf der unter anderem vier Hörbücher standen. Insgesamt kam man da locker auf einen Warenwert von 150 Euro. Weiterhin erzählte er mir, dass Olga arbeitlos wäre und kein Geld hätte wegen jahrelangem Burnout. Im Grunde ist das ja auch nicht schlimm, da bin ich die letzte, die jemanden verurteilt, aber im Zusammenspiel mit dieser Einkaufsgeschichte bekam ich auf einmal ein ganz mieses Gefühl. Zum Glück ist Schorsch ein vernünftiger Mensch und sagte direkt, dass er ihr das bestimmt nicht kauft, denn immerhin wäre er ja auch kein Goldesel, der Geld scheißt. Ich wollte wissen, ob er ihr das auch gesagt hätte und er meinte, ja, aber daraufhin wäre sie wohl ziemlich zickig geworden. Nach dieser Geschichte herrschte erst einmal Funkstille.

Ich habe mich unglaublich über diese Dreistigkeit aufgeregt! Die Frage, ob man für jemanden einkaufen geht, finde ich an sich gar nicht schlimm. Doch wenn ich denjenigen bisher erst einmal gesehen habe, er auch noch in einer 30 km weit entfernten Stadt wohnt und ich eine solche Einkaufsliste schreibe, dann ist das schon ziemlich unverschämt. Mir drängt sich die Frage auf, für wie einfältig oder verzweifelt ich mein Gegenüber halte, wenn ich echt der Meinung bin, dass er das macht. Wenn derjenige in der gleichen Stadt wohnt und ich vielleicht um Tee oder Suppe bitte… Okay. Aber den Rahmen direkt so dermaßen zu sprengen! Unfassbar.

Doch die Geschichte geht noch weiter. Heute Abend hat sich Olga wieder bei Schorsch gemeldet. Sie sagte, es täte ihr leid, es hätte nur am Fieber gelegen, dass sie so eine Forderung gestellt hat und zickig geworden ist. Beim Lesen dieser Nachricht trank ich gerade einen Cappuccino und der kam mir beinahe wieder zur Nase heraus. Das ist ja wohl die dümmste Ausrede, die ich je gehört habe. Ich kenne Leute, die bei Fieber fantasieren, die sich kaum noch artikulieren können, die totalen Unsinn reden. Aber eine Einkaufsliste verfassen? Und dann meinte sie noch, sie wäre in den letzten zwei Tagen im Krankenhaus gewesen. Da frage ich mich allerdings, ob man neuerdings auch als Patient in den Krankenhausküchen kochen darf, denn Schorsch meinte, gestern Abend hätte Olga ein Foto ihrer frischen und selbst gemachten Hühnersuppe bei instagram gepostet. Das war der Moment, in dem ich so laut loslachen musste, dass sich meine Kater total erschrocken haben. Schorschs Kommentar war: „Die hab ich gefressen.“ Und ich bin mir ziemlich sicher, dass er nicht die Suppe meinte.

Wieso kann ich mich des Eindrucks nicht erwehren, dass hier jemand ganz gewaltig ausgenutzt werden sollte? Und warum kommt es mir so vor, als wenn Olga nicht gerade die ehrlichste Haut auf dem Erdenrund ist? Vielleicht reagiere ich ja über, doch die gesamte Geschichte kommt mir einfach seltsam vor. Und sollte sie das nicht sein: Ist es inzwischen normal, sich gegenüber anderen Menschen so zu benehmen und solche Ansprüche zu stellen? Kann ja sein, dass ich da irgendwas nicht mitbekommen habe, denn immerhin war ich ja nun einige Jahre in einer festen Beziehung und konnte die aktuellen Entwicklungen auf Markt der einsamen Herzen nicht verfolgen. Eventuell klärt man mich in diesem Fall hier mal auf. Meiner Meinung nach ist das aber eher der Typ Frau, der das Vorurteil, Frauen hätten es immer nur auf das Geld der Männer abgesehen, ordentlich füttert. Nein, liebe Männer, das ist nicht die Norm. Zumindest hoffe ich, dass ich nicht die einzige Frau bin, die solch ein Verhalten nicht gut heißt. Es würde mich ganz ehrlich mal interessieren, wie ihr das so seht.

Ich möchte eine Sachertorte sein.

Nach jeder gescheiterten Beziehung kommt irgendwann der Moment, in dem einem klar wird, dass man so langsam wieder bereit für etwas Neues wäre. Oder sich dem Gedanken daran zumindest nicht mehr komplett verschließt. Nachdem ich im vergangenen Jahr wirklich überhaupt keine Lust darauf hatte, wieder jemanden in mein Leben zu lassen und extrem viel mit mir selbst zu tun hatte, fällt mir nun seit einigen Wochen auf, dass ich nicht mehr abgeneigt wäre.  Es ist niemand in Sicht, der wirklich als Partner in Frage käme, aber man beginnt sich schon ein wenig umzuschauen. Wobei das mit dem Umschauen vielleicht etwas zu hoch gegriffen ist, da zwischen Arbeit und Wohnzimmer nicht ganz so viel Zeit und Raum ist, um jemanden kennen zu lernen.

Ich habe schon immer ein paar Probleme damit gehabt, mich aktiv ins soziale Leben zu stürzen. Vor allem, wenn dieses aus Party machen, alleine in Bars gehen, sich in einem Verein oder einem wie auch immer gearteten Kurs anmelden besteht. Auch wenn mir viele Menschen, die mich eher oberflächlich kennen, eine offene und gesellige Art attestieren: So einfach ist es nicht. Ja, ich bin offen und ich habe auch kein Problem damit, von mir selbst zu erzählen. Eigentlich mache ich das sogar sehr gern. Vielleicht etwas zu gern. Aber von mir aus auf fremde Menschen zugehen oder allein zu einer Gruppe dazustoßen ist für mich so unfassbar schwierig, dass ich darauf oft mit Angst reagiere. Auf der Arbeit, wo ich den ganzen Tag mit Menschen arbeiten muss, ist das für mich kein Problem, denn ich kenne meine Rolle, mir sind meine Aufgaben klar und ich bewege mich auf sicherem Terrain. Diese Sicherheit habe ich im Privatleben allerdings nicht. Und mit diesen Voraussetzungen fällt es mir unheimlich schwer, neuen Menschen zu begegnen.

In Anbetracht dieser Tatsache sinniere ich darüber, wie wahrscheinlich es wohl sein mag, einem interessanten Mann auf dem Heimweg von der Arbeit zu begegnen. Im Zug, mit Kopfhörern im Ohr und lauter Musik, um den Stress des Tages abklingen zu lassen. Oder im Supermarkt an der Käsetheke, wo ich mich selten entscheiden kann, welchen Camembert ich gerne ausprobieren möchte. Oder vielleicht online in einem Dungeon bei Final Fantasy XIV, während mich der finale Boss gerade so dermaßen vermöbelt, dass ich kaum schnell genug in die Tasten hauen kann, um meine Cooldowns zu zünden. Statistisch gesehen findet man eine neue Liebe am ehesten in seinem Freundes- und Bekanntenkreis oder auf der Arbeit. Ersteres halte ich für ziemlich unwahrscheinlich, weil der nicht nur recht überschaubar ist, sondern auch überproportional viele verheiratete Paare beinhaltet. Sprich: So ziemlich alle außer mir. Und die Arbeit fällt ja wohl auch flach, denn erstens fängt man mit Kunden nichts an und zweitens ist der Altersdurchschnitt bei uns ja doch recht niedrig.

Und was habe ich überhaupt für Ansprüche? Naja, sie sind ein wenig seltsam, würde ich sagen. Passt ganz gut, da auch ich nicht so ganz normal bin. Doch wer möchte sich das antun? Und zu allem Überfluss kommt noch die Unsicherheit wegen meines Äußeren dazu. Kann man mich überhaupt attraktiv finden, wenn ich es nicht mal tue? Das ist schon ein entscheidender Punkt, auch wenn man mir das regelmäßig ausreden will. Auf jeden Fall ist mir eines klar: Ich möchte nicht mehr das Gefühl haben, für irgendwen ein aufgewärmtes Brötchen vom Vortag zu sein, das ganz okay schmeckt und das man isst, weil es halt noch da war. Ich möchte eine Sachertorte sein. Oder wahlweise eine andere Köstlichkeit, die man mit Genuss isst und auf die man sich schon lange freut.

Wovor ich wirklich Angst habe, ist das Aussenden von verzweifelten Signalen. Jeder von uns kennt doch diese Menschen, die so verzweifelt suchen und sich so arg an jede neue Möglichkeit klammern, dass sie schon abstoßend wirken. Ich persönlich hasse das und ich möchte mich nicht in diese Richtung entwickeln. Hoffentlich teilt man es mir mit, sollte es wirklich dazu kommen. Ich bitte darum. Ernsthaft.