doing live

Was wolltest du sein als du jung warst? Was wolltest du einmal werden, wie dich verändern? Welche Zukunft schwebte dir vor? Gab es Träume, die du hattest und die du unbedingt verwirklichen wolltest? Wo wolltest du leben, mit welchen Menschen dich umgeben? Warst du Realist? Ein Träumer? Hattest du Ängste, begründet oder irrational? Wer warst du und wer bist du heute?

Ich glaube, viele Menschen stellen sich diese Fragen im Laufe ihres Lebens immer mal wieder. Auf jeden Fall weiß ich, dass ich mich immer wieder mit ihnen beschäftige. Mal mehr, mal weniger. Und Antworten zu finden fällt mir nicht immer leicht. Manche gefallen mir auch nicht. Das halte ich allerdings für ziemlich normal, denn das Leben passiert einfach und selbst wenn wir uns einen Plan für unsere Zeit hier auf Erden zurechtlegen: Wir haben nicht über alles die Kontrolle. Vieles können wir nicht beeinflussen und planen und daher laufen wir letztendlich oft doch in eine andere Richtung als wir ursprünglich wollten.

Ich war eigentlich nie der Typ, der sich großartig mit der Planung seines Lebens beschäftigt hat. Als ich meinen Schulabschluss machte, hatte ich noch keine Ahnung, was ich mit mir anfangen sollte. Der Gedanke, mich mit 17 Jahren für einen Beruf entscheiden zu müssen, den ich bis zur Rente ausüben sollte, war mir unerträglich, und es gab so vieles, was mich interessiert hätte. Ebenso vieles aber auch, das ich nie machen wollte. Zum Beispiel Bürokauffrau. Das war so der Standard. Alle gingen ins Büro und mir war das viel zu öde. Ich wollte kreativ sein oder zumindest mit Menschen arbeiten. Bloß nicht den ganzen Tag in einem Kabuff vor dem PC hocken! Letztendlich bin ich aber genau in diesem Berufsfeld gelandet. Und obwohl ich von Zeit zu Zeit ernsthaft mit dieser Tatsache hadere, ist es für mich trotzdem irgendwie okay, dass es so gekommen ist. Ist das Resignation? Kann sein, dass die ein Stück weit damit zu tun hat. Doch ich vermute, irgendwann holt einen einfach die Realität ein. Ich habe eine sehr liebe Freundin, die einer der kreativsten Köpfe ist, die ich kenne. Sie hat zwei Ausbildungen gemacht, beide auf die ein oder andere Weise gestalterisch. Und ist sie damit glücklich? Nein. Also spielt es vermutlich keine so große Rolle, welchen Beruf ich letztendlich ergriffen habe, so lange ich mein Glück aus anderen Sachen ziehe.

Mein Bruder hat geheiratet, da war ich 25, er zwei Jahre jünger. Damals war ich mir vollkommen klar darüber, dass ich nicht heiraten und auch keine Kinder haben wollte. Ich weiß noch, dass mein Opa mich an diesem Tag fragte, wann ich denn vor den Altar treten würde. Es gab zu der Zeit noch nicht mal einen Mann in meinem Leben! Also antwortete ich, dass ich das nicht geplant habe. Seine Reaktion werde ich nie vergessen. Der genaue Wortlaut? „Du bist ja auch schon 25. Da nimmt dich eh keiner mehr.“ Achtung, Faustschlag im Tiefflug! BÄM! Damals tat mir das sehr weh und ich habe mich gefragt, ob er vielleicht recht hat? Immerhin habe ich mich mit Beziehungen immer schwer getan und konnte nur sehr schlecht Kompromisse eingehen. Das ging noch lange Jahre so und ich dachte, so würde es halt bleiben. Bis ich meinen Freund traf. Einen Menschen, dem wie mir viel an seiner Freiheit gelegen ist, der auch gerne Zeit für sich hat, meine Hobbies akzeptiert und im Lauf der Zeit auch gelernt hat, mit meiner peinlichen Seite etwas besser klar zu kommen. Er stänkert nicht mehr gegen meine Weihnachtsmütze an den Feiertagen! Und aus einigen Monaten wurden schließlich Jahre. Vier inzwischen. Ich schließe Kompromisse, ich bin glücklich, ich möchte mit diesem Mann eine Familie gründen und wenn er mich fragen würde (was er niemals tun wird), würde ich ihn auch heiraten. Ja, Opa, man hat mich doch noch genommen. Ich habe nur länger gebraucht als andere, um den Richtigen zu finden.

Meine Passion ist das Schreiben. War es immer schon. So lange ich denken kann. Mit sechzehn habe ich einen ziemlich dämlichen Roman getippt. Am PC meines Bruders, der ziemlich genervt war, weil ich ständig in seinem Zimmer vor seinem Computer saß. Das Werk ist bei irgendeinem Umzug verloren gegangen und existiert nur noch in meinen Erinnerungen, aber immerhin hatte es gut 250 Seiten Umfang. Da ist schon einiges an Arbeit hinein geflossen. In meinem Kopf gab es damals diese leise Stimme, die mir zuflüsterte, dass ich mich als Autorin versuchen sollte. Sie ist auch heute noch da, nur überhöre ich sie meistens. Der Wunsch existiert ebenfalls, allerdings nagen die Selbstzweifel an mir. Und das seit über 20 Jahren. Immer die gleiche Leier: Sind meine Ideen gut genug? Habe ich überhaupt Talent? Wäre ich dazu bereit, mich der Kritik anderer Menschen zu stellen? Ihre Ablehnung zu erfahren, zu verarbeiten und eventuell daran zu wachsen? Mache ich mich lächerlich? Ich will ganz ehrlich sein: Es ist mies, so über sich selbst zu denken. Und es ist beinahe noch mieser zu wissen, dass man früher noch deprimierendere Gedanken hatte und sich regelmäßig selbst fertig gemacht hat, damit man den anderen damit zuvor kommt. Das lässt sich nicht so leicht abschalten. Es dauert lange, bis man umdenken kann. Inzwischen schaue ich etwas traurig auf die Jahre zurück, die ich mit Grübeln und Angst und Nichtstun vergeudet habe. Ich habe für mich beschlossen, dass ich dem Traum, einen Roman zu schreiben und ihn in einer Buchhandlung im Regal stehen zu sehen, nicht abschwören werde. Ich habe seltsame Wege eingeschlagen in meinem Leben, doch dieser Wunsch ist immer geblieben. Vielleicht hat das einen Grund. Wer weiß?

Es ist schon komisch, auf mein bisheriges Leben zurück zu blicken und zu merken, dass ich einmal ganz andere Vorstellungen davon hatte, wie es verlaufen würde. Ich halte fest: Ich wollte einen kreativen Beruf ergreifen. Jetzt bin ich Schreibtischtäter und zur Zeit auch noch arbeitslos. Die 3 Ks (Kind, Köter, Kombi) – Ehe und Familie generell – waren für mich immer ein Schreckgebilde. Heute möchte ich ein Kind und würde meinen Freund auch gern heiraten. Mit 16 wollte ich dringend Schriftstellerin werden. Zwanzig Jahre später möchte ich das immer noch, nur bin ich gelähmt von meiner Unsicherheit. Mein Lebensmittelpunkt sollte immer Norddeutschland bleiben. Ich schwor mir, niemals wieder südlich meines persönlichen Weißwurst-Äquators (Hannover) zu leben. Heute wohne ich in Solingen und suche Arbeit in Köln und Düsseldorf. Dazu kommen noch etliche Vorsätze, die ich immer mal wieder habe. „Ich werde nie wieder zulassen, dass die Wohnung unordentlich wird!“ – „Ich werde bis Ende des Jahres 10 kg abnehmen!“ – „Ich pflanze Blumen auf dem Balkon und die werden nicht vor ihrer Zeit verwelken!“ – „Ich fange pünktlich und stressfrei mit meinen Kostümen an!“ … Ihr dürft raten, wie viele davon ich umgesetzt habe. Haha!

Aber das alles ist okay. Wie schon zu Anfang erwähnt: Ich hatte nie einen wirklichen Plan für mein Leben. Vorstellungen und Erwartungen, ja. Und ich glaube, ich habe sicherlich auch die ein oder andere gute Gelegenheit verstreichen lassen, wenn es um Beruf oder um Privates ging. Doch all das ist eigentlich recht belanglos. Es hat mich an diesen Ort geführt, zu den Personen, die jetzt um mich herum sind. Und auch wenn nicht alles perfekt ist, so ist es dennoch gut. Denn ich bin glücklich und zufrieden und so gesund, dass mir nicht innerhalb der nächsten Wochen ein Arm oder ein Bein abfaulen wird. So läuft das Leben. Man kann aus fast allem etwas Gutes ziehen. Ich versuche das jeden Tag. Und so werde ich auch weitermachen.

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Und falls einem mal gar nichts mehr einfällt…

… kann man einfach ein paar gute Dokus gucken.

Ich habe ja wieder mit dem Schreiben angefangen, seit ich hier in Solingen wohne. Nichts Großartiges, aber es wird. Bin etwas aus der Übung. Ich möchte mich nun doch wieder meinem Traumprojekt widmen: Dem Roman. Und da der sich bekanntlich nicht von alleine schreibt, muss ich eben ran an den Speck. Die Story habe ich seit 15 Jahren im Kopf und einen Teil davon habe ich (ziemlich schlecht) auch schon mal aufgeschrieben. Aber irgendwie sind das alles immer nur Bruchstücke und meine Charaktere passen nicht so richtig hinein. Daher beschäftige ich derzeit mit deren Aufbau und Ausarbeitung, Charakterentwicklung, Geschichte und so weiter. Es gibt da einen alternden Krieger (den guten Herrn W.), der mir etwas Bauchschmerzen bereitet hat. Ein grimmiger Kerl, der blind dem folgte, was ihm die Obrigkeit befahl. Weil er an das große Ganze glaubte und davon überzeugt war, das Richtige zu tun. Nun treffen meine Helden auf ihn, lange nachdem er schmerzhaft gelernt hat, dass man nicht blind einem Führer folgen sollte. Und da kam ich ins Stocken, denn ich dachte mir: „Wie soll ich das mit seinem Hintergrund glaubhaft rüber bringen, so dass er nicht als gebrochenes Weichei endet?“ Die Lösung kam in Form der Doku „Die Geschichte der Menschheit“. In der Folge, die sich unter anderem mit den Kreuzzügen beschäftigt, erfuhr ich von Tankred von Tiberias. Er hat sich bei der Eroberung Jerusalems hervor getan, sich aber geweigert, unschuldige Muslime abzuschlachten und sie unter den Schutz seines Banners gestellt. Als er allerdings vom Gebet in einer der Kirchen zurückkehrte, musste er feststellen, dass seine Mitkreuzfahrer all seine Schützlinge getötet hatten. Ich weiß nicht, was das mit Tankred gemacht hat, aber ich dachte sofort an Herrn W. und so werde ich dies als Basis für seinen bitteren Sinneswandel nehmen.

Dokus sind toll.