Ich möchte eine Sachertorte sein.

Nach jeder gescheiterten Beziehung kommt irgendwann der Moment, in dem einem klar wird, dass man so langsam wieder bereit für etwas Neues wäre. Oder sich dem Gedanken daran zumindest nicht mehr komplett verschließt. Nachdem ich im vergangenen Jahr wirklich überhaupt keine Lust darauf hatte, wieder jemanden in mein Leben zu lassen und extrem viel mit mir selbst zu tun hatte, fällt mir nun seit einigen Wochen auf, dass ich nicht mehr abgeneigt wäre.  Es ist niemand in Sicht, der wirklich als Partner in Frage käme, aber man beginnt sich schon ein wenig umzuschauen. Wobei das mit dem Umschauen vielleicht etwas zu hoch gegriffen ist, da zwischen Arbeit und Wohnzimmer nicht ganz so viel Zeit und Raum ist, um jemanden kennen zu lernen.

Ich habe schon immer ein paar Probleme damit gehabt, mich aktiv ins soziale Leben zu stürzen. Vor allem, wenn dieses aus Party machen, alleine in Bars gehen, sich in einem Verein oder einem wie auch immer gearteten Kurs anmelden besteht. Auch wenn mir viele Menschen, die mich eher oberflächlich kennen, eine offene und gesellige Art attestieren: So einfach ist es nicht. Ja, ich bin offen und ich habe auch kein Problem damit, von mir selbst zu erzählen. Eigentlich mache ich das sogar sehr gern. Vielleicht etwas zu gern. Aber von mir aus auf fremde Menschen zugehen oder allein zu einer Gruppe dazustoßen ist für mich so unfassbar schwierig, dass ich darauf oft mit Angst reagiere. Auf der Arbeit, wo ich den ganzen Tag mit Menschen arbeiten muss, ist das für mich kein Problem, denn ich kenne meine Rolle, mir sind meine Aufgaben klar und ich bewege mich auf sicherem Terrain. Diese Sicherheit habe ich im Privatleben allerdings nicht. Und mit diesen Voraussetzungen fällt es mir unheimlich schwer, neuen Menschen zu begegnen.

In Anbetracht dieser Tatsache sinniere ich darüber, wie wahrscheinlich es wohl sein mag, einem interessanten Mann auf dem Heimweg von der Arbeit zu begegnen. Im Zug, mit Kopfhörern im Ohr und lauter Musik, um den Stress des Tages abklingen zu lassen. Oder im Supermarkt an der Käsetheke, wo ich mich selten entscheiden kann, welchen Camembert ich gerne ausprobieren möchte. Oder vielleicht online in einem Dungeon bei Final Fantasy XIV, während mich der finale Boss gerade so dermaßen vermöbelt, dass ich kaum schnell genug in die Tasten hauen kann, um meine Cooldowns zu zünden. Statistisch gesehen findet man eine neue Liebe am ehesten in seinem Freundes- und Bekanntenkreis oder auf der Arbeit. Ersteres halte ich für ziemlich unwahrscheinlich, weil der nicht nur recht überschaubar ist, sondern auch überproportional viele verheiratete Paare beinhaltet. Sprich: So ziemlich alle außer mir. Und die Arbeit fällt ja wohl auch flach, denn erstens fängt man mit Kunden nichts an und zweitens ist der Altersdurchschnitt bei uns ja doch recht niedrig.

Und was habe ich überhaupt für Ansprüche? Naja, sie sind ein wenig seltsam, würde ich sagen. Passt ganz gut, da auch ich nicht so ganz normal bin. Doch wer möchte sich das antun? Und zu allem Überfluss kommt noch die Unsicherheit wegen meines Äußeren dazu. Kann man mich überhaupt attraktiv finden, wenn ich es nicht mal tue? Das ist schon ein entscheidender Punkt, auch wenn man mir das regelmäßig ausreden will. Auf jeden Fall ist mir eines klar: Ich möchte nicht mehr das Gefühl haben, für irgendwen ein aufgewärmtes Brötchen vom Vortag zu sein, das ganz okay schmeckt und das man isst, weil es halt noch da war. Ich möchte eine Sachertorte sein. Oder wahlweise eine andere Köstlichkeit, die man mit Genuss isst und auf die man sich schon lange freut.

Wovor ich wirklich Angst habe, ist das Aussenden von verzweifelten Signalen. Jeder von uns kennt doch diese Menschen, die so verzweifelt suchen und sich so arg an jede neue Möglichkeit klammern, dass sie schon abstoßend wirken. Ich persönlich hasse das und ich möchte mich nicht in diese Richtung entwickeln. Hoffentlich teilt man es mir mit, sollte es wirklich dazu kommen. Ich bitte darum. Ernsthaft.

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