Achterbahntage

Ich weiß nicht, ob es daran liegt, dass sich in meinem Inneren so viel Müll angesammelt hat oder dass ich unter der Last meiner Umgebung zu ersticken drohe, aber mein Gefühlsleben befindet sich auf einer rasanten Fahrt durch die höchste und längste Achterbahn der Welt. Es ist noch gar nicht lange her, dass ich von der Startrampe geschossen wurde – aus der Bequemlichkeit der neutralen Existenz hinauf in eine schwindelerregende Höhe, in der die Angst zuhause ist. Die versuche ich generell zu ignorieren oder weg zu atmen, beides funktioniert je nach Situation eher semi-gut. So lange mein Wagen recht erdnah unterwegs war und sich nur ab und zu mal in eine Kurve gelegt hat, ging es mir auch gar nicht mal so übel. Doch was war das bitte in den letzten Tagen?

Achtung, Triggerwarnung!

Am Montag vor zwei Wochen merkte ich, dass der Druck auf meinen Brustkorb größer wurde. Es presste mich gegen die Rückenlehne meines Bürostuhls. Achtung, der Wagen nimmt Fahrt auf! Ganz gemächlich zuckelte mein Inneres die Rampe zur Abfahrt hinauf. Was langsam begann, steigerte sich in puncto Geschwindigkeit und auch Schieflage. Bald war ich kaum noch in der Lage, klar zu denken vor lauter Anspannung. Ich habe doch Höhenangst, verdammte Hacke! Wieso lässt man mich in so eine Höllenbahn einsteigen? Der Puls raste, ich versuchte mich zu entspannen, dem Unvermeidlichen irgendwie zu entkommen. Aber keine Chance. Ein kurzer Ruck, ein letztes Mal nach unten sehen und schon stürzte sich mein klappriger kleiner Waggon nach unten. Und ich mit ihm. Während mein Inneres außer sich war und wild nach seiner Mami schrie, saß mein Äußeres auf dem Boden hinter ihrem Schreibtisch, umringt von ein paar Arbeitskollegen, und konnte nicht aufhören zu weinen. Die Panikattacke war so heftig, dass ich gar nicht mehr einordnen konnte, ob es wirklich Panik war oder ob ich nun doch sterben müsse.

Eigentlich habe ich das inzwischen gelernt. Ich muss nicht jedes Mal ausflippen, wenn die Todesangst angekrochen kommt. Meist lässt ein kleiner Teil von mir zu, dass ich meinen Zustand zu differenzieren vermag. Mir ist klar, dass es mir gerade so richtig schlecht geht und dass mein Umfeld das weder verstehen noch nachvollziehen kann. Aber ich weiß, dass ich natürlich nicht daran sterben werde, auch wenn sich in dem Moment alles danach anfühlt. Was es so richtig schlimm macht, sind eben meine Gedanken, die sich immer und immer wieder im Kreis drehen und sich mit lustigen „Was wäre, wenn…“-Spielchen die Zeit vertreiben.

An besagtem Montag hat mich die Angst drei Stunden lang im Griff gehabt. Nicht die ganze Zeit über wirklich akut, aber doch so sehr, dass meine Chefin sich ein Herz gefasst und mich nach Hause gefahren hat. In dem Zustand hätte ich niemals in einen Zug steigen können. Das war einer der Momente, in denen ich froh war, inzwischen so offen mit meiner Krankheit umgehen zu können, dass eigentlich jeder Mensch um mich herum weiß, was da von Zeit zu Zeit mit mir los ist und wie eingeschränkt ich dann oft nur reagieren kann.

Eigentlich wollte ich mir am folgenden Tag eine Auszeit nehmen, da ich immer noch extrem angespannt war. Allerdings hat sich meine Kollegin krank gemeldet und so bin ich dann doch zur Arbeit gehechtet und habe mich in den Stress gestürzt. Und Stress war es wirklich. Daher hatte ich mich richtig auf die letzte Woche gefreut, in der die Schule geschlossen blieb. Mein Stapel mit Altlasten sollte es mir danken. Ich wollte so vieles erledigen und auch Sachen fertig machen, die ich danach an andere hätte abgeben können. Hätte… Denn leider kam es nicht so weit. Ich war so beschäftigt mit aktuellen Dingen, Prüfungs- und Kursvorbereitungen, Beantworten von E-Mails und vielem, was einfach „nebenher“ lief, dass ich gar nicht mehr wusste, wo mir der Kopf steht. Und ich musste feststellen, dass meine Achterbahnfahrt noch lange nicht vorbei war. Die Woche über raste ich mit Höchstgeschwindigkeit durch das Tal nach dem Sturz, nahm dabei noch einige Überstunden mit und am Freitag schließlich folgte der nächste Ruck nach unten.

Generell gruselt es mich immer etwas, ganz allein auf der Arbeit zu sein. In den Räumen, die sonst mit Leben gefüllt sind, herrscht Stille. Das ist ungewohnt und nicht schön. Ebenfalls unschön war der riesige Papierstapel auf meinem Tisch. Ich wusste, ich würde das nicht alles innerhalb meiner Arbeitszeit erledigen können. Aber es musste gemacht werden. Keine Chance, denn die Deadline war tatsächlich Freitag. Gegen elf Uhr wurde es dann aber wieder lustig. Der Waggon, der mit meinem Seelenleben über die Bahn ratterte, neigte sich wieder nach unten. Sofort hatte ich das Gefühl, keine Luft mehr zu bekommen. Mein Herz raste, meine Hände und Arme wurden eiskalt und ich konnte mich nicht mehr konzentrieren. Im Hausflur fuhr der Fahrstuhl auf und ab und auf und ab. Jedes Mal hatte ich Angst, dass nun Kunden zu mir kommen würden, dass ich eine Beratung machen müsste, zu der ich absolut nicht imstande war. In zwei Klassenräumen saßen noch Interessenten mit Einstufungstests. Meine Eingeweide begannen, eine spontane Party zu feiern. Mir war schlecht und ich hätte mich am liebsten hingelegt. Zum Glück war eine meiner besten Freundinnen in dem Augenblick für mich da, hat mich angerufen und mich dadurch abgelenkt bis ich mich wieder einigermaßen beruhigt hatte. Nur leider fehlten mir durch dieses Theater zwei Stunden und der Druck kam wie eine Welle über mich. Immer und immer wieder. Diese Achterbahn hat die längste Abfahrt weltweit. Ich bin mir sicher.

Gegen vier Uhr am Nachmittag hatte ich schließlich alles erledigt, was ich vor Ort erledigen musste. Also habe ich den Rest eingepackt und mit nach Hause genommen. Nach der Heimfahrt, die mir extrem lang vorkam und auf der ich Blut und Wasser geschwitzt habe, bin ich noch schnell einkaufen gegangen und dann war es schon Zeit für die Nachtschicht. Fertig war ich schließlich gegen 23 Uhr. Zehn Minuten später lag ich bereits im Tiefschlaf.

Ehrlich gesagt bin ich ziemlich genervt. Ich mag keine Achterbahnen. Ich leide unter extremer Reisekrankheit und Höhenangst. Das ist nicht meine Welt. Also warum ist mein Inneres der Meinung, es müsse mich unbedingt auf diese „tolle Tour“ schicken? Wer mich kennt, der wird jetzt schreien, dass mir mein Körper etwas sagen will. Ja, danke, das weiß ich auch. Ich muss kürzer treten. Doch ich sehe im Moment nicht, wie das funktionieren soll. Zumindest nicht in den nächsten zwei oder drei oder vier Wochen. Doch allein beim Gedanken an den Montag zieht es in mir wieder nach oben. Ich verkrampfe mich und ich denke, ich weiß, was kommen wird. Och nee, bitte nicht schon wieder. Gebt mir wenigstens einen Gurt zum Anschnallen. Und eine Kotztüte. Falls das nicht zu viel verlangt ist.

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total gelähmt

Ich bin paralysiert. Die Welt ist eingefroren, aber mir ist heiß und ich spüre, dass nicht mehr Hirn sondern Watte meinen Kopf ausfüllt. Jegliches Denken fällt schwer, jeder Handgriff ist eine Überwindung. Ich wünsche mir, dass es aufhört, dass ich mich nicht mehr so fühlen muss, doch dafür müsste ich vorankommen, müsste ich diese ganze Arbeit schaffen und ich weiß nicht einmal mehr, wo ich anfangen soll. Alles ist wichtig, alles muss gemacht werden. Am besten gestern. Natürlich.

Auf meinem Schreibtisch türmt sich die Arbeit. Nicht nur im Büro, da ohnehin. Schon seit Monaten. Nein, jetzt habe ich mir alles, was ich von zuhause aus machen kann, mitgenommen und versuche, hier das Chaos zu beseitigen. So weit es geht. Ich mache das einfach, ich entscheide das eigenmächtig. Eine andere Wahl habe ich kaum. Außer vielleicht die, mit einem Nervenzusammenbruch auf der Arbeit zu sitzen. Dann wäre ich völlig außer Gefecht gesetzt.

Seltsam eigentlich, dass Körper und Geist bei mir so dicht machen, wenn ich überfordert bin. Statt mit viel Kraft und Elan an die Sache zu gehen, sitze ich weinend und verzweifelt über den Papieren, über den E-Mails und bin beinahe handlungsunfähig. Und weil das so ist, entwickelt sich auch noch ein schlechtes Gewissen. Ich leiste nicht genug. Ich schaffe mein Pensum nicht. Niemand kann sich auf mich verlassen. Bla bla in meinem Hirn.

Ich bin gut in meinem Job. Ich liebe ihn. Aber es ist einfach zu viel. Schon vor Monaten habe ich mich gefragt, wie lange ich das noch aushalten und wie viel ich noch geben kann. Inzwischen laufe ich auf Reserve. Noch eineinhalb Wochen bis zum Urlaub. Ich schaffe das schon irgendwie bis dahin. Aber dann muss ich meine großartige Kollegin allein lassen. Und vielleicht wird es zu viel und dann läuft sie auf dem Zahnfleisch. Wir alle haben schließlich noch ein Leben neben der Arbeit. Und sie mehr als ich, mit Familie und allem.

Egal. Erstmal durchatmen. Und dann weitermachen.

Pseiko-Görl

Meine Güte, wie lange bin ich nun um diesen Blogeintrag herumgeschlichen. Zwei Wochen? Ja, kommt ganz gut hin. Ich wollte so viel erzählen: von meinem Umzug, von der Arbeit, von lustigen Dingen und traurigen… Aber egal, worüber ich schrieb, letztendlich landete ich immer wieder bei meinem aktuellen Gemütszustand. Und eigentlich wollte ich darüber nichts schreiben. Also speicherte ich den Entwurf für später ab. Für später, wenn ich wieder Worte für die Dinge finden würde, über die es wert ist, zu berichten.

Dummerweise ändert sich nichts an der Situation und an meinem Gedanken, was zur Folge hat, dass das „leichte“ Schreiben mir gerade sehr schwer fällt. Also habe ich beschlossen, mein Gehirn zu entmüllen und doch ein paar Worte darüber zu verlieren, wie es mir so geht. Klar, ich darf das. Das hier ist mein Blog. Aber neulich habe ich versprochen, dass ich nicht jammern werde. Und vielleicht breche ich dieses Versprechen jetzt.

Ich sitze in meiner neuen Wohnung und langsam, ganz langsam wird es wirklich wohnlich hier. Der Umzug selbst war total chaotisch. Das hatte ich schon im Vorfeld befürchtet, weil ich dieses Mal einfach null in der Lage war, mich richtig darauf einzulassen. Gedanklich habe ich mich nicht fokussieren können. Dass es letztendlich doch gut gelaufen ist, habe ich den vielen Helfern zu verdanken, die an diesem Tag zwischen Solingen und Wuppertal gependelt sind, um meine Sachen in die neue Wohnung zu schaffen. Und natürlich meinem Vater, der drei Tage lang renoviert hat und auch eine Woche nach dem Stichtag noch mal zu mir gekommen ist, um mir bei Kram zu helfen. Außerdem hat mein Exfreund kräftig mit angepackt, was er wirklich nicht hätte tun müssen.

Die erste Nacht allein in Wuppertal war ziemlich furchtbar. Man sagt ja, dass die Gefühle, die man in der ersten Nacht hat, einen in der neuen Bleibe begleiten werden. Und außerdem soll der erste Traum wahr werden. Aha…? Na, dann verzichte ich aber gerne darauf, denn angenehm ist anders. Ich war wirklich angespannt und bin immer wieder mit Herzrasen aufgewacht. Die Kater waren auch sehr unruhig, vor allem die Geräusche der Gastherme haben sie immer wieder aufgeschreckt. Am ersten Tag hat Snorre mir etwas Sorgen gemacht, weil er sich immer nur versteckt hat und nichts fressen wollte. Das hat sich aber bereits gegen Abend wieder gelegt, so dass ich auch etwas ruhiger wurde. In den ersten paar Tagen hatte ich beinahe täglich Besuch von einer ganz lieben Freundin aus Solingen, die mir beim Aufbauen der Möbel geholfen hat. Wir haben uns angestellt wie die letzten Idioten, aber pssst!

Nun steht alles, das ganze Zeug ist bis auf ein paar Kistchen ausgepackt und es fehlt im Grunde nur noch der letzte Schliff. (Und etwas mehr Ordnung wäre schön.) Es fällt mir unheimlich schwer, mich zu etwas aufzuraffen und weiterzumachen. Darum stagniert die ganze Sache hier gerade etwas. Am liebsten würde ich den ganzen Tag auf dem Sofa oder im Bett liegen, mir die Decke über den Kopf ziehen und an gar nichts denken. Damit ich nicht vollkommen lethargisch werde, zwinge ich mich dazu, jeden Tag ein klein wenig in der Wohnung zu arbeiten. Aber es ist schwierig.

Bereits in den letzten Monaten hatte ich schon vermehrt mit Anflügen von Depressionen und Ängsten zu tun. Überrascht hat mich das nicht, denn Rückfälle kommen ja gerade in Stresssituationen häufig vor. Klar, niemand will das und niemand braucht das, doch es war auszuhalten. Die meiste Zeit über war ich abgelenkt und vor allem war ich nicht allein. Sicher ist es besonders seit der Trennung nicht immer angenehm gewesen, zuhause mit dem Ex-Partner zu hocken, doch anscheinend hat mir das mehr Sicherheit gegeben als ich dachte. Nun ist da keine Sicherheit mehr, kein Anker und keine Sicherheitszone. Ich bin auf mich allein gestellt und habe außerdem noch die Verantwortung für zwei Lebewesen. Die ganze Zeit denke mir: „Du darfst nicht versagen.“ – „Du kannst es dir nicht erlauben, schwach zu sein.“ – „Du musst jetzt alles allein schaffen.“ Damit setze ich mich selbst wahnsinnig unter Druck. Und was passiert, wenn ich unter Druck stehe? Genau, ich werde zum hypochondrischen, überempfindlichen, in alles etwas negatives hineininterpretierendes Pseiko Görl! Und da es ja nicht ausreicht, das in Bezug auf mich selbst auszuleben und mit Panikattacken beim Zugfahren (Da sind sie wieder, hurra!) oder Kreislaufproblemen und Herzrasen mitten in der Nacht zu reagieren, entwickle ich gerade eine ausgeprägte Paranoia bezüglich des Gesundheitszustandes meiner Kater. Das geht so weit, dass ich letzte Woche mit Snorre beim Tierarzt war, um ihn durchchecken zu lassen. Klar, lieber einmal zu viel als zu wenig. Aber immer öfter drängt sich mir gerade der Gedanke auf, ob ich überhaupt in der Lage bin, für die beiden zu sorgen. Und was mache ich, wenn diese Gedanken kommen? Genau, rumheulen. Und Panik schieben.

Im Grunde sind das auch derzeit meine neuen Hobbies. Rumheulen und Panik schieben. Und Medikamente gegen das Rumheulen und die Panik nehmen. Im Moment habe ich das Gefühl, das wird jetzt für immer so weitergehen. Ich fühle mich ein paar Jahre zurück versetzt. In die Zeit, in der mich einfach alles überfordert hat und in der mein gestresstes Ich sich einfach gewünscht hat, eine Auszeit von dieser Welt nehmen zu können. Aber genau wie damals funktioniert das leider nicht und ich muss einfach weitermachen. Für was, weiß ich eigentlich nicht. Aber irgendwas wird schon kommen. Irgendwann.

Tja. Schöne Scheiße, würde ich sagen. Ein besserer Schlusssatz fällt mir leider nicht ein.

brainfucked

Das Organ, das bei mir am meisten zu tun hat, ist das Gehirn. Vermutlich ist das bei jedem Menschen so, keine Ahnung, ich bin kein Biologe. Ich merke, wie die Schaltzentrale in meinem Schädel pulsiert und Gedanken spinnt, sie ausspuckt und wieder ansaugt. Ich fühle die Spannung in meinen Nervenbahnen und das Zittern der Membrane. Nicht körperlich, natürlich, aber auf eine verquere Art und Weise ist da dennoch dieses Gefühl. Wie kann ich das beschreiben? Ja, ganz selten geht es auch mir so, dass die Worte fehlen.

Mein Hirn pumpt also täglich zwischen meinen Ohren herum und lässt die Synapsen glühen. Eigentlich nichts Ungewöhnliches. Allerdings stellt mich das im Moment vor ein echtes Problem: Ich knalle durch.

Dadurch, dass mein Leben sich buchstäblich von einer Minute auf die andere komplett geändert hat, bin ich nun dauerhaft damit beschäftigt, Pläne zu schmieden, Lösungen zu suchen, zu rechnen und zu organisieren. Gleichzeitig versuche ich auf der Arbeit wie gewohnt zu funktionieren. Das funktioniert tagsüber auch ganz gut. Aber sobald ich abends zuhause bin, sehe ich die ganzen Scherben um mich herum und durch meinen Kopf spuken tausend Gedanken, die sich ineinander verknoten und zu einem riesigen Stück – entschuldigung – Scheisse werden. Was habe ich getan, dass es so weit kommen konnte? Oder was habe ich nicht getan? Ist das alles meine Schuld? Habe ich das verdient? Und wie wird es jetzt weitergehen?

Natürlich wird es weitergehen. Das tut es immer. Und ich kümmere mich darum, dass es das tut. Es ist nur so verdammt schwer. Die Albträume jede Nacht, die Sorge um die Zukunft, die endlose To-Do-Liste, die ich habe, und auch die Scham und das Gefühl, komplett versagt zu haben, setzen mir wirklich zu. Und mein Gehirn läuft und läuft und heizt sich auf und generiert tausend Szenarien, die ich alle bis ins kleinste Detail zerdenken muss.

Es macht mich total irre. Eigentlich bin ich ein Mensch, der gut alleine leben kann. Aber nach sechs Jahren Partnerschaft und fünf Jahren des Zusammenlebens habe ich nun unglaubliche Angst davor, wieder allein dazustehen. Neulich habe ich zu meinen Kolleginnen gesagt, dass ich mich davor fürchte, zu sterben und irgendwann nach einer Woche halb vergammelt und stinkend in meiner Wohnung gefunden zu werden. Angefressen von den Katern, die sonst verhungert wären! Man lacht drüber, aber tatsächlich meine ich das ernst. Ich sage es ja: Ich knalle durch.

Immerhin kann ich mich nun wieder um etwas kümmern, mit dem ich mich gut auskenne: Angstzustände und Panikattacken. Das lenkt ja ziemlich gut von allem anderen ab. Zum Beispiel von dem Film, den man mit der liebsten H. im Kino schauen möchte und bei dem man dann den Saal zwischendrin verlassen muss, weil man vor lauter Panik schon beinahe ohnmächtig im Sitz hängt. Eine tolle Erfahrung und für jeden zu empfehlen, der schon immer mal auf andere Gedanken kommen wollte. Tod und Verderben ist da genau das richtige.

Nicht.

Nun ja, was auch immer mein Hirn mir noch antun wird in nächster Zeit, ich werde einfach weitermachen. Es bleibt mir auch nichts anderes übrig. Und eins verspreche ich: Das hier bleibt einer von ganz wenigen Jammer-Blogeinträgen. Ich muss es nur einmal loswerden, dann ist gut. Und ich will mich ja nicht selber runterziehen. Wäre schön blöd.

 

Work-Life Balance oder Worklife-Balance?

In den letzten Monaten ist etwas Seltsames passiert. Mein Leben hat Fahrt aufgenommen und an Tempo zugelegt, während es gleichzeitig in eine Art Stasis gefallen ist. Klingt komisch? Stellt euch vor, ihr habt eine ganz gute Balance im Leben gefunden und plötzlich bringt euch etwas vom Weg ab oder sorgt dafür, dass ihr eine Richtung einschlagen müsst, die so nicht vorgesehen war. Dadurch geratet ihr ins Schlingern. Erst unmerklich, dann aber immer stärker und stärker und irgendwann müsst ihr alle Kraft aufwenden, um nicht die Kontrolle zu verlieren. Dafür vernachlässigt ihr alles andere, für das ihr gern noch Zeit oder Energie aufwenden würdet. Und so fällt ein Teil von euch in Winterschlaf, während ein anderer sich abstrampelt, um auf Kurs zu bleiben. Das ist ein ziemlich fieses Gefühl, weil die innerliche Zerrissenheit wächst und wächst, bis man schließlich wie ein gespanntes Gummiband kurz vor der Zerstörung steht. 

Ich habe das Band stetig weiter auf Spannung gebracht, ohne es wirklich zu merken. Ich habe gearbeitet und dabei Überstunden geschoben, die mir eigentlich nicht viel ausmachten, weil ich den Job gern mache. Mittagspause? Nie gemacht, höchstens mal, wenn meine Chefin mich dazu verdonnerte. Immer erreichbar, immer auf Abruf – auch mental. Die Arbeit wurde zu meiner höchsten Priorität, was auch einem gewissen Grad an Perfektionismus geschuldet ist, denn es musste nicht nur irgendwie laufen, sondern es musste perfekt laufen! So lief das über Monate, denn ich wollte mich beweisen. Ich wollte für andere wertvoll sein. Dass ich mir selbst und meinem Wohlergehen dabei kaum Bedeutung zugestanden habe, ist mir erst in den letzten Wochen aufgegangen. Mit manchmal sechs bis acht Überstunden an einem Tag (Nämlich freitags, wenn ich eigentlich nur bis mittags arbeiten sollte…) habe ich mir selbst die Möglichkeit genommen, mich zu erholen. Ich habe im Gegenteil versucht, mich noch mehr abzustrampeln. Schließlich muss ja alles schaffbar sein. Sicher, mir war bewusst, dass ich für zwei arbeite, aber ändern ließ es sich ja eh nicht. Oder? 

Doch, es lässt sich ändern. Aber das wird niemand anders für mich tun. Da muss ich selbst meinen Hintern hoch kriegen. Klar, das ist nicht unbedingt einfach, aber ich möchte auch nicht die Situation von vor 9 Jahren wiederholen, als ich so überlastet war, dass ich komplett handlungsunfähig wurde. Also muss ich die Notbremse ziehen, Grenzen setzen und vor allem einsehen, dass ich nicht nur geschätzt werde, wenn ich mir den Hintern so dermaßen aufreiße, dass ich in dem Loch selbst versinken kann. 

In den vergangenen zwei Wochen hatte ich Urlaub. Zeit, um wieder etwas mehr auf mich zu hören und zur Ruhe zu kommen. Während dieser Zeit habe ich gemerkt, was ich alles vermisst habe in den letzten Monaten. Freunde treffen, Cosplay, bloggen, kreatives Schreiben, Videospiele oder auch einfach nur mal abends mit meinem Freund einen Film schauen… Das fand im Grunde gar nicht mehr statt. Und das kann’s ja nicht sein! 

Ich weiß, dass es nicht einfach wird. Ich muss lernen, mich (auch gegen mich selbst) mehr durchzusetzen. Nicht immer andere an erste Stelle rücken. Egoismus ist nämlich nicht immer schlecht, sondern kann auch eine Form von Selbstachtung und vor allem Selbstschutz sein! 

Dem Fußboden so nah!

Der junge Radiologie-Assistent sieht mich interessiert an und beugt sich vertraulich vor. „Haben Sie ein Problem mit Nadeln?“ Nein, habe ich nicht. Ich bin Cosplayerin, ich nähe und daher sind mir Nadeln vertraut. Auch das Stechen damit. Ich ramme mir die spitzen Dinger ständig irgendwo hinein. Auch beim Blutabnehmen: Kein Ding. Ich darf nicht hinschauen, weil ich es eklig finde, Blut aus mir heraus sickern zu sehen. Aber würde ich das als Problem bezeichnen? Nein. Als schüttle ich den Kopf und lächle selbstbewusst. „Nein, die machen mir keine Angst.“ Er nickt kurz und packt routiniert ein Spritzbesteck aus. „Gut, dann legen wir den Zugang schon vorher.“

Seit gut einer Stunde bin ich in den Räumlichkeiten der örtlichen Nuklearmedizin, habe diverse Formulare ausgefüllt und mit meinem Freund, der mich netterweise begleitet, Small Talk im Wartezimmer betrieben. Es soll ein Schädel-MRT bei mir durchgeführt werden. Nicht mein erstes, aber sicher keine Routine für mich. Die Gedanken an die enge Röhre habe ich bisher recht erfolgreich verdrängt. Mehr Angst macht mir das Spritzen des Kontrastmittels.

Ich bin kein Freund von Medikamenten. Klar, ich muss regelmäßig welche nehmen und das mache ich auch brav, weil ich weiß, dass ich sie brauche. Wenn man mir jedoch etwas Neues andrehen will, macht mich das immer nervös. Früher war es ganz schlimm. Da fing ich an zu weinen, sobald ich auch nur eine Tablette nehmen sollte. Die Angst vor den Nebenwirkungen ließ mein Gehirn auf Standby gehen und ich empfand nur noch Panik. Inzwischen hat sich das sehr gebessert, doch ein gewisses Unbehagen ist geblieben.

Mein Gegenüber ist sehr nett, unterhält sich angeregt mit mir und klebt währenddessen die Braunüle in meiner Armbeuge fest. Es ist seltsam. Ich habe keine Schmerzen, aber ich spüre die Nadel. Sie wackelt in meiner Vene hin und her. Und wie groß ist das Ding eigentlich? Ich könnte schwören, gleich schiebt sich etwas neben meinem Ellenbogen aus meinem Arm heraus. Mh. Nun wird mir doch ein wenig komisch. Die Nadel wackelt weiter. Mein Magen zieht sich zusammen und mir wird schlecht.

„Sie können jetzt schon mal in die Kabine gehen.“ Der Assistent sieht mich erwartungsvoll an. Ich starre zurück. In meinem Bauch steigt gerade eine Party, zu der ich sicherlich kein Einverständnis gegeben habe. „Ich glaube“, bringe ich mühsam hervor, „ich vertrage das doch nicht.“ Mein Blick irrt in dem kleinen Zimmer umher. Gibt es hier eigentlich keine Liege, verdammt? Wieso sitze ich auf so einem blöden Stuhl? Ich kann mich kaum noch aufrecht halten, die Übelkeit verstärkt sich und in meinen Ohren dröhnt das Blut. „Soll ich Ihnen etwas zu trinken bringen?“ Er ist die Ruhe selbst. Bewundernswert, denn ich bin das nun nicht mehr. Insgeheim denke ich, dass er nicht lange quatschen, sondern irgendwas tun soll! „Kann ich mich vielleicht hinlegen?“

Etwas scheint in meinem Gesicht zu passieren, denn plötzlich reißt der Kerl die Tür auf und ruft nach einer Liege. Von irgendwo kommt noch ein Mann gelaufen. Ich registriere, dass er ein blaues Shirt trägt. Er sagt mir, ich solle noch nicht aufstehen. Ist der verrückt? Ich muss aufstehen, denn ich sehe im Flur die Liege, die gerade gebracht wurde, und das ist mein Ziel. Da will ich hin. Jetzt! Vier Arme ziehen mich nach oben. Auf jeder Seite zwei. Laufe ich noch selber? Ich fühle nichts mehr und das Dröhnen in meinen Ohren ist einer dumpfen Stille gewichen. Ich bin in Watte gepackt. Seltsam schwerelos in meinem kraftlosen Körper. Abgeschottet von allem, was um mich herum geschieht. Meine Beine geben nach. „Verdammt“, denke ich noch, „jetzt stehe ich vor dieser blöden Liege und ende trotzdem auf dem Fußboden!“ Doch die Arme halten mich fest und das nächste, was ich mitbekomme, ist ein Gesicht über mir. „Geht es Ihnen gut?“

Ich liege. Endlich. Unter meine Füße werden zwei Kissen geschoben. Ich kann die Beine kaum heben, weil sie sich anfühlen wie zwei abgehangene Schinken und nicht wie meine Gliedmaßen. Von rechts beugt sich ein Arzt über mich. „Haben Sie das öfter?“ Er wirkt arrogant und gehetzt und ich finde ihn sofort unsympathisch. „Heute noch nicht“, nuschle ich trotzig. Blöder Kerl. Er kneift die Augen zusammen. „Sie sind ganz schön blass. Und sie schwitzen sehr stark.“ Spricht’s und verschwindet. Tja, dann mal danke für die tolle Info. Hilft mir ungemein weiter. Meine Liege wird in eine Ecke des MRT-Schaltraums geschoben. Keine 30 Sekunden später steht mein Freund vor mir. „Was machst du denn für Sachen?“ Wie lieb, man hat ihn zu mir rein geholt! Ich fühle mich gleich etwas besser und entspanne mich, während wir über belangloses Zeug reden.

Nach vielleicht zwanzig Minuten geht es mir wieder gut. Ich kann aufstehen und komme sofort an die Reihe. Das Team ist sehr bemüht, mir die Angst zu nehmen, doch nervös bin ich jetzt gar nicht mehr. Kann es denn noch schlimmer werden? An eine Panikattacke in der Röhre glaube ich nicht. Mein Kopf wird fixiert, man drückt mir einen Notfallknopf in die Hand und ich schließe die Augen. Der Scan dauert lange, doch ich lenke mich ab, indem ich aus den irrsinnigen lauten Geräuschen um mich herum eine Melodie zu formen versuche. Die Augen lasse ich die ganze Zeit über geschlossen. Man muss sich ja nicht unnötig triggern, wenn man unter Platzangst leidet.

Am Ende ist alles gut: In meinem Kopf sieht alles gut aus, in meiner Armbeuge scheint kein Bluterguss zu entstehen und das Team wünscht mir grinsend ein schönes Wochenende. Und erst beim Verlassen des Gebäudes fällt mir auf, dass ich gerade eines meiner persönlichen Horrorszenarien durchlebt habe und es gar nicht mal so schlimm war.

Advent, Advent, mein Geduldsfaden brennt.

Habe ich schon mal erwähnt, dass ich die Vorweihnachtszeit sehr mag? Kerzenlicht, geschmückte Fenster, Temperaturstürze und die Hoffnung auf weiße Weihnacht versüßen mir jeden Dezember. Obwohl mein Freund nicht drauf steht, darf ich ohne viel Gemecker ein wenig Weihnachtsdeko in der Wohnung verteilen. Und ich mache mir gern Gedanken darum, wem ich was schenken kann. Außerdem kann ich endlich meine Schals und Mützen hervor holen, mich in meinen geliebten roten Mantel einkuscheln und durch die Straßen ziehen, ohne Gedanken wie „Gehst du noch oder schwabbelst du schon?“ haben zu müssen. Hach!

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Leider, leider ist die Vorweihnachtszeit irgendwann vorbei. Und dann steht es vor der Tür: Das Fest der Feste! Und eigentlich ist das ja schon falsch, denn das höchste Fest der Christen ist immerhin Ostern. Geht aber gegenüber Weihnachten ziemlich unter und die meisten kennen da vermutlich die Prioritäten auch nicht. Wie auch immer. Was für mich an Weihnachten auf jeden Fall immer sehr hoch liegt, ist mein Stresspegel.

Ich bin ein Scheidungskind, was bedeutet, dass ich seit meinem 10. oder 11. Lebensjahr an Weihnachten ständig durch die Gegend gondle. Denn immerhin ist es das Fest der Liebe, da muss man bei denen sein, die man liebt: Seiner Familie. Auch wenn man die vielleicht gar nicht so lieb hat. Egal! Denn immerhin sind die Feiertage die perfekte Gelegenheit, sich im Glanz des Weihnachtsbaums zu sonnen, ein bombastisches Menü zu zaubern und zur lieben Verwandtschaft ganz besonders nett zu sein. Ich habe dabei noch Glück: Zwar war ich nie so der Familienmensch und werde das vielleicht auch nie werden, aber immerhin sind meine engeren Verwandten alle in Ordnung. Wenn ich da die Schauergeschichten mancher Freunde höre, rollen sich mir die Zehennägel hoch.

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Ich düste also bereits als Kind durch Norddeutschland, um an den Feiertagen jeden Verwandtschaftszweig abzudecken. Das war auch gar nicht so schwierig. Heilig Abend verbrachten mein Bruder und ich bei meiner Mutter und den 1. oder 2. Weihnachtsfeiertag bei meinem Vater bzw. mit meinem Vater zusammen bei meinen Großeltern – zusammen mit Tanten, Onkeln und meiner Cousine. Verwandtschaft mütterlicherseits gab es nicht, so war das recht entspannt.

Das änderte sich, als meine Mutter wieder heiratete und wir in die Eifel zogen. Von da an war die Sache schon ein wenig komplizierter, denn es gab folgende Möglichkeiten: A) Heilig Abend bei meiner Mutter und meinem Stiefvater, am 1. Weihnachtsfeiertag mit dem Zug Richtung Bremen düsen und den Rest der Feiertage inklusive Silvester bei meinem Vater und der restlichen Verwandtschaft verbringen. B) Bereits zu Beginn der Weihnachtsferien nach Norddeutschland aufbrechen und die Ferien ausschließlich bei meinem Vater und den Verwandten verbringen. Oder C) über die Ferien in der Eifel bei meiner Mutter bleiben. Da mein Vater nur in den Ferien Gelegenheit hatte, uns zu sehen, lief es meist auf Option B hinaus. Das war okay, aber natürlich traurig, weil ich auch gern Zeit mit meiner Mutter verbringen wollte.

Nach der Ausbildung zog es mich wieder gen Norden. Nun konnte ich zwar meinen Vater jederzeit sehen, aber meine Mutter nicht. Doch natürlich hatte ich auch keine Ferien mehr und musste auch um die Feiertage herum mal arbeiten. Die Besuche pendelten sich also im Wechsel ein – ein Jahr Weihnachten bei meinem Vater, ein Jahr bei meiner Mutter. Das ging einige Jahre ganz gut und die Familie kam mit dieser Regelung klar. Bis ich meinen Freund kennen lernte und alles völlig chaotisch wurde.

Nun hatten mein Freund und ich an Weihnachten bereits drei Familienzweige abzudecken! Gott sei Dank entstammt er einer glücklichen Ehe und es treffen sich alle so weit es geht bereits an Heilig Abend. Allerdings war damit bereits ein Tag verplant und zwar der für mich schönste und wichtigste an den Feiertagen. Da mein Vater immer noch nahe Bremen wohnte und meine Mutter in der Eifel, musste wieder die „Tauschregel“ greifen. Blöd dabei: Mein Bruder war inzwischen nach Nürnberg gezogen und hatte nun seinerseits die gleichen Probleme wie ich, so dass wir uns nun so gut wie gar nicht mehr sehen konnten. (Das hat sich bis heute auch leider nicht geändert.) Die Hoffnung auf ein wenig Entspannung in dieser Angelegenheit zerschlug sich, als wir bekannt gaben, von Hamburg nach Solingen zu ziehen, meine Mutter mir aber quasi zeitgleich eröffnete, dass sie und mein Stiefvater aus der Eifel an die dänische Grenze umsiedeln würden. AAAAARGH!!!

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Und so sieht es nun in diesem Jahr aus: Meine Mutter hatte uns bereits Anfang 2014 gefragt, ob wir Weihnachten komplett bei ihr verbringen würden. Ich hatte mich tierisch gefreut, denn bei meiner Mutter erlebe ich immer die entspanntesten Weihnachten überhaupt! Die Familie meines Freundes war traurig darüber, meinem Vater wollten wir wenigstens auf der Hin- und Rückfahrt eine Stippvisite abstatten. Alles war geplant, ich freute mich sehr und dann… wurde unser Kater krank. Okay, er kann nichts dafür und ich bin auch nicht böse, aber bitte, wie soll man bei so was noch ruhig bleiben? Jetzt mussten wir kurzfristig alles umwerfen und sind nun doch an den Feiertagen hier bzw. bei Denis‘ Familie, aber für mich ist das wieder emotionaler Stress pur.

Was ist das nur mit Weihnachten und diesen ganzen Besuchen? Inzwischen stehe ich bereits auf dem Standpunkt, dass es schöner ist, sich während des Jahres einfach mal aus Lust und Laune zu besuchen. Einfach, weil man es möchte. Man ist auch viel ruhiger, weil man keine drei Tage auf der Autobahn verbringen muss, um ja alle Besuche auf die Reihe zu kriegen und bloß niemanden auszulassen! Aber tut man diese Ansicht kund, dann kommt – egal, von welchen Beteiligten – sofort der Spruch: „Prima, dann könnt ihr ja Weihnachten immer bei uns verbringen.“

Ich sehe ein Bild vor meinem inneren Auge. Es ist eine Blumenwiese, über die Hummeln und Schmetterlinge fliegen. Blauer Himmel spannt sich über grünes Gras. Es ist friedlich. Mitten auf der Wiese – stehe ich. Ich lächle, doch meine Augen haben einen leicht irren Ausdruck angenommen. Aus meinem rechten Ohr hängt eine Lunte. Sie brennt zischend. Gleich wird das Feuer mein Ohr erreichen. Schon ist es so weit. Das Zischen verklingt. Hinter mir am blauen Himmel erscheint eine Leuchtschrift. Hurra, Weihnachten ist da! In diesem Moment explodiert mein Kopf.