nix mit Verbundenheit

Meine Arbeitskollegin und Freundin ist fassungslos. Sie glaubt mir nicht, dass ich mich nicht mit einem Menschen innerhalb einer Beziehung verbunden fühlen möchte. Die Unterhaltung dazu haben wir heute geführt und jetzt frage ich mich, ob es vielleicht schräg ist oder unnormal, so zu denken.

Jahrelang fand ich Beziehungen gut, habe mich verliebt oder zumindest irgendwas in der Richtung. Ich wollte zu einem anderen Menschen gehören, ich wollte nicht allein sein, wollte halten und gehalten werden und mich als Teil von etwas empfinden. Ich weiß nicht genau, was sich geändert hat, aber inzwischen sehe ich das nicht mehr als erstrebenswert. Vielleicht ist es nur eine Phase, vielleicht auch nicht. Es löst nichts mehr in mir aus, berührt zu werden oder jemanden zu berühren. Ich sehne mich nicht nach Zweisamkeit. Ich bin zufrieden damit, allein zu sein. Niemand da, der mich nervt. Niemand, der etwas von mir verlangt. Ich muss mich nicht verbiegen, nicht an jemandem orientieren, nicht stark sein, keine Gefühle heraufbeschwören, wo eigentlich keine sind.

Zufriedenheit liegt in der Neutralität. Im Egal sein. Keine Ausschläge nach oben, keine nach unten. So lebt es sich ganz gut. In Beziehungen wird Intensität verlangt, auf die ein oder andere Weise. Ich möchte nicht intensiv sein. Ich möchte auch nicht, dass jemand anderes intensiv ist. Lasst mich allein mit meinen Gedanken, das reicht doch schon.

Und immer, wenn da jemand war, war ich diejenige, die stark sein sollte. Ich hatte nie das Gefühl, dass mich jemand hätte auffangen können. Dass ich mich mal irgendwo anlehnen könnte. Es gab immer eine Person, die Kraft geben musste. Und das war ich. Das ist wahrscheinlich das, was mich am meisten stört. Was ich am allerwenigsten will. Wenn ich schon für jemanden da sein muss, dann wenigstens nur für mich selbst.

Ja, es klingt depressiv, ja, es klingt traurig, wenn ich das so aufschreibe. Aber wenn man den Punkt gefunden hat, an dem man einfach für sich existieren kann und nicht unzufrieden ist, dann ist das doch eigentlich nichts Schlechtes. Redet mir einfach nicht ein, dass ich irgendwen bräuchte, dass mir irgendwas fehlt. Setzt mir keine Typen vor die Nase, die mich eh nicht interessieren und die sich auch nicht für mich interessieren. Akzeptiert einfach, dass mir Nähe und Verbundenheit im Augenblick herzlich egal sind.

Der grüne Zweig

In jedem Leben passiert es, dass man mal eine Phase hat, in der es nicht so rund läuft. Das ist normal und auch vollkommen okay. Solche Zeiten sind nicht lustig, doch es gibt sie eben und sie stärken mitunter auch den eigenen Charakter. So versuche ich das immer zu sehen.

Momentan habe ich aber wirklich das Bedürfnis, entweder alles hinzuschmeißen oder mich einfach für immer unter meiner Bettdecke zu verkriechen. Nachdem ich es endlich geschafft hatte, meine depressive Episode zu überwinden und in den letzten beiden Wochen langsam wieder mehr Energie und Lebensfreude zu gewinnen, stürze ich nun in ein Jammertal, das vorrangig aus finanziellen Sorgen besteht.

Ich habe noch nie besonders gut verdient, war nie vermögend oder habe eine große Erbschaft gemacht. Ich entschuldige mich an dieser Stelle bei allen, deren Bild von mir ich mit dieser Aussage zerstört habe. Ich lebe in keinem Palast. Ich habe keinen Ferrari vor der Tür stehen. Da gibt es nur ein Fahrrad. Und am Ende des Monats bleibt so wenig Geld übrig, dass ich keine Ersparnisse anhäufen kann. (Sprich: Nichts.) Generell ist das schon in Ordnung. War es immer irgendwie. Ja, man schläft nicht so ruhig, wenn man immer latente Geldsorgen hat und alles fünf Mal durchrechnen muss. Früher wollte ich auf nichts verzichten und habe darum oft mehr Geld ausgegeben als vernünftig war. Besonders was meine Hobbies und Fahrten zu diversen Conventions anging. Ich könnte mich im Nachhinein darüber ärgern, aber ich tue es nicht, denn das hat mich zwar finanziell immer sehr nach unten gezogen, aber es war auch eine tolle Zeit, in der ich einfach die besten Leute kennengelernt habe. Irgendwie dachte ich, es würde mit den Jahren besser werden, dass das Gehalt ja auch steigen würde wenn man aus der Zeitarbeit raus ist und man einen unbefristeten Job in einem Festangestelltenverhältnis ergattert. Das trifft natürlich nur in eingeschränkter Form zu. Ich liebe meinen Job, aber ich weiß auch, dass ich nicht besonders viel verdiene. Geld ist schließlich nicht alles. Ohne Bauchschmerzen zur Arbeit zu kommen, keine Angst vor seinen Chefs zu haben und mit einem tollen Team zusammenarbeiten zu können zählt für mich mehr als Geld auf dem Konto.

Dennoch. Ich kämpfe. Ich kämpfe hart und ich muss mich dieser Problematik mit einem größeren Rundumschlag annehmen. So geht es nicht weiter. Bei jeder unerwarteten Ausgabe krabble ich am Rande des Abgrunds herum, zermartere mir das Hirn über einen Ausweg und seit ich wieder allein lebe, ist es wirklich schwierig geworden. Das größte Problem ist für mich, dass ich mich oft wie ein Versager fühle und besonders schlimm ist es, wenn ich mir Geld von anderen Menschen leihen muss oder etwas geschenkt oder bezahlt bekomme. Ich bin unheimlich dankbar dafür, dass es Menschen in meinem Leben gibt, die mir in so einer Situation helfen. Besonders in diesem Monat, in dem mir meine Mutter quasi den Arsch gerettet hat, da ich mit Snorre unerwartet zum Tierarzt muss. Ohne ihre Hilfe hätte ich mir das nicht leisten können.

Ich hoffe, dass ich eines Tages genug Kontrolle über mein Geld (und mich) habe, dass ich ohne finanzielle Sorgen leben kann. Bis dahin dauert es sicher noch, aber irgendwann wächst für mich vielleicht auch ein kleiner grüner Zweig aus dem großen Baum des Lebens.

Stiller Sommer

Ich bin müde. So verflucht müde, dass ich manchmal meine Beine kaum noch spüre und nur mühsam genug Kraft aufbringen kann, um mich vorwärts zu schleppen. Diese Müdigkeit geht tiefer als Kaffee oder Energydrinks und ist einfach durch nichts zu bekämpfen. Das Schlimme ist, dass sie auch in meinen Kopf vordringt und mich geistig lahm legt. Ich kann und will mich mit nichts befassen, was weiter reicht als die täglichen Notwendigkeiten. Es ist mir alles zu viel und jedes bißchen mehr Information, jeder Tanz aus der Reihe überfordert mich komplett. Das ständige Lächeln, die stete Aufmerksamkeit und die Schnelligkeit, mit der ich jeden Tag agieren muss, saugen mich aus. Sobald ich abends nach Hause komme, bin ich nur noch eine leere Hülle, die sich ein wenig Leben zurück eratmen muss. Am Wochenende ist es noch schlimmer. Wann konnte ich diese beiden freien Tage zum letzten Mal genießen? Wann habe ich nicht beinahe 24 Stunden durchgeschlafen?

Es ist still geworden. In mir und um mich herum. Treffen mit Freunden scheinen mir die meiste Zeit über unmöglich. Wie soll ich das aushalten? Wie den Lärm und dieses Leben ertragen? In meiner Wohnung ist es leise und ich kann mich in der Stille verstecken. Da gibt es niemanden, der etwas von mir erwartet, niemanden, der mir Dinge vorschreibt. Da bin nur ich. Ein Abbild meines Lebens.

Ab und zu dringen unerwartet Dinge zu mir vor. Kleine Nadelspitzen, die durch das Telefon kommen. Messer, die im Briefkasten auf mich lauern. Worte, die durchs Fenster fliegen. Sie hinterlassen Wunden auf meiner Haut und Wunden in meiner Seele, aber ich versuche das zu verstecken. Zum Schreien fehlt mir die Kraft. Ich kann mich nicht wehren, aber niemand sieht das, denn wenn ich nach draußen gehe, ziehe ich meinen sonnenscheingelben Ganzkörperanzug an, der die Menschen blendet. Wer oder was darin steckt, sehen sie nicht. Und ich finde das gut, denn dann muss ich mich nicht erklären, muss mich nicht aus meiner inneren Höhle bewegen und die Karten auf den Tisch legen.

 

Das Kreuz mit den Spoilern

Wow. Einfach wow. Twitter hat es mal wieder geschafft, mich auf die Palme zu bringen. Also eigentlich nicht Twitter, sondern ein spezieller User und… WAS ZUM FICK GEIER? Ich kann gerade gar nicht fassen, wie egoistisch und intelligenzrestistent manche Menschen sein können.

Stein des Anstoßes: Das Serienfinale von Game of Thrones und die dazu kursierenden Spoiler. Heute Nacht um 4 Uhr wurde die Folge bereits auf dem Bezahlsender Sky veröffentlicht. Um 9 Uhr erreichte mich eine Nachricht meiner Freundin, dass man am besten Twitter und alles weitere an sozialen Medien meiden sollte, weil sie nun bereits weiß, wie die Serie endet. Und sie hat keine einzige Folge gesehen. Okay, wunderbar. Da ich auf Twitter ja sehr aktiv bin, habe ich dort also folgenden Post abgesetzt:

Dank der 1000 Spoiler, die hier von GoT kursieren, werde ich bis Dienstagabend/Mittwochmorgen nicht auf Twitter, Facebook oder sonstwo im Internet unterwegs sein. „Schön“, dass die Leute nicht mal für ein paar Tage die Klappe halten können. 

Mich nervt so was einfach. Es gibt bei Game of Thrones im Moment zwei Möglichkeiten, es legal schauen zu können. Entweder über Sky, wo die Folge am Montagmorgen ab 4 Uhr zur Verfügung steht, oder über Amazon Prime, wo die Folge im Laufe des Dienstags veröffentlicht wird. Dadurch ergibt sich folgende Situation: Bereits heute wissen alle Sky-Abonnenten, wie die Serie endet. Alle Prime-Abonnenten haben noch keine Ahnung und müssen noch einen Tag lang warten. Das Ungleichgewicht ist klar erkennbar, oder? Daran sollte man denken, wenn man folgenden Kommentar von User-chan liest, der mir geantwortet hat.

Warum sollte man die Klappe halten??? Bist doch selber verantwortlich wann du die Folge guckst. Und du weißt selber das man dann vllt nicht auf SM gehen sollte 🙂 Wer gespoilert wird ist zu 89% selber schuld.

Ja, warum sollte man denn die Klappe halten? Vielleicht gerade aus oben genannten Gründen? Weil man kein Arschloch sein will? Weil das anderen den Spaß und die Freude verdirbt? Weil man nicht allein auf dieser Welt lebt und gern mit seinen Freunden drüber reden kann, aber nicht alles ohne Hashtag oder Spoilerwarnung oder irgendwas ins Netz schießen sollte?

Dieser Kommentar bringt mich so was von auf die Palme. Dahinter steht so unglaublich viel Egoismus. Ich kann quasi hören, wie es im Kopf dieser Person schallt: „HAHA, ich hab es als erstes gesehen, ich bin der/die geilste und kann jetzt allen meine Informationen vor die Nase klatschen!“ Kann man machen, aber das ist halt kacke. Allein die Formulierung… Menschen, die Satzzeichen in Massen verwenden, kann ich per se ja eher nicht ernst nehmen. Nein, es verleiht dem Satz nicht mehr Aussagekraft. Im Gegenteil. Es lässt dich wie einen Deppen wirken.

Ich wünsche mir ein wenig Rücksichtnahme. Und zuerst vielleicht auch noch das Verständnis dafür, was Rücksichtnahme ist und wofür sie gut ist. Kleiner Tipp: Wir leben nicht allein auf der Welt. User-chan vielleicht schon, weil er/sie nicht zu wissen scheint, was soziales Miteinander bedeutet. Aber der Rest von uns bewegt sich in einem sozialen Gefüge und ein Gespür für unser Umfeld bringt uns sicherlich weiter als es so dumme egoistische Handlungen könnten. Es fängt ja im Kleinen an und steigert sich dann irgendwann bis zu wirklich wichtigen Themen.

Ja. Ja, ich weiß, ich rege mich zu sehr auf. Ich sollte das einfach an mir vorüber ziehen lassen. Aber es gibt zwei Dinge, die mich sehr zuverlässig in Wallung bringen. Das eine ist Ungerechtigkeit und das andere ist Dummheit. Ich muss ja nicht erklären, als was von beidem ich dieses Verhalten ansehe.

Gruß aus der Vergangenheit

Am Wochenende hatte ich Besuch von meiner Freundin Anna. Wir haben darüber geredet, dass mir die Aufgabe des Hobbies Cosplay etwas zu schaffen macht, denn plötzlich ist da ein Loch, das ich nicht gefüllt bekomme. Auch wenn ich seit Jahren nicht mehr wirklich was Großes oder Gutes produziert habe, hatte ich immer noch das Gefühl, es könnte sich ja mal wieder in die Richtung entwickeln. Tat es nicht. Also habe ich den Schritt gewagt und inzwischen alle Cosplays (bis auf zwei, von denen ich mich nicht trennen mag) weggeworfen. Als nächstes ist der Utensilienschrank dran, in dem mein ganzer Näh- und Bastelkram schlummert. Wie auch immer, jedenfalls habe ich Anna erzählt, dass ich mich fühle als hätte ich gar kein Hobby mehr und dass mich das etwas ziellos zurücklässt. Als wäre plötzlich keine Aufgabe mehr da. Und im Laufe dieses Gesprächs kamen wir darauf, dass ich mich doch wieder dem Schreiben widmen könnte. Das ist ja durch Cosplay komplett nach hinten weggefallen, denn zwei so zeitaufwendige Sachen gehen einfach nicht zusammen. Ich fing natürlich wieder sofort an mit meiner Litanei. „Mimimi, ich bin zu schlecht. Mimimi, ich habe keine guten Ideen. Mimimi, ich werde nie so gut sein wie XYZ.“ Und Annas Antwort war: „Fang doch einfach mal wieder an.“ Darüber habe ich mir gestern den ganzen Tag Gedanken gemacht und mir ging auf, dass sie vollkommen recht hat. Wenn ich nicht anfange, wird sich auch nichts ändern. Also habe ich heute – weil ich frei habe – meine alten Kladden rausgeholt, in denen ich Ideen und Charakterentwürfe aufgeschrieben hatte, und alles mal komplett in mein Schreibprogramm sortiert. Außerdem hatte ich noch einige Dateien auf dem PC, in denen ich Szenenentwürfe gespeichert habe. Auch die habe ich durchgestöbert und dabei etwas gefunden, was mich sehr lachen ließ.

Im August 2013 habe ich auf diesem Blog einen Eintrag über meine damalige Arbeitsstelle geschrieben. Der war sehr ernst und man konnte meinen Frust deutlich herauslesen. Aber anscheinend gab es eine erste Version dieses Textes und ich frage mich heute, warum ich die nicht veröffentlicht habe. Im Nachhinein finde ich sie viel besser und vor allem lustiger! Wen es interessiert, der kann sich gern zunächst „Verflixt und zugewuffelt“ durchlesen und das dann mit dem folgenden Schreiberguss vergleichen.

***

Stefanie – Die Geschichte einer zerrissenen Frau

Wow. So sollte ich einen Roman nennen. Am besten so was im Rosamunde Pilcher-Stil. Mit unglücklichem Liebespaar an windumtosten Klippen. Der Sturm zerrt an ihrem Kleid, während der Liebhaber sie mit seinen tiefblauen Augen taxiert. Sie wollen zueinander, aber sie können nicht, denn ihre Hand ist Graf Reginald von Schlunzhausen versprochen, der seine jagderprobten Yorkshire-Terrier auf den blauäugigen Mann loslassen wird. Vielleicht verliert er dadurch nicht nur seine Ehre, sondern auch seine Hosenbeine! Und ohne ordentliche Hose holt er sich auf den Klippen ja den Tod!

Aber nein, es geht nicht um einen Roman. Mal abgesehen davon, dass ich so einen Schund gar nicht schreiben wollen würde. Es geht so ganz grob gesagt um die letzte Woche meines Lebens und um die Dinge, die mir (mal wieder) klar geworden sind, und mit denen ich jetzt in den Ring gestiegen bin. Wir hauen uns gegenseitig ganz schön auf die Nase, ich und meine Probleme/Sorgen/Komplexe/Schweinehunde/etc. Ich habe noch keine Ahnung, wer da als Sieger hervorgehen wird, aber ich hoffe natürlich, dass ich es sein werde. An meiner Seite der gesunde Menschenverstand, der sich während des Kampfes auch gerne mal verpisst, aber letztendlich immer wieder zurückkommt. Der Gute.

Was passiert ist. Letzte Woche Montag habe ich meinen neuen Job angetreten. Sachbearbeiterin im Bereich Logistik. So weit ganz okay. Dass ich direkt am ersten Tag geheult habe, weil der Chef mich angemault hat, warum ich denn nicht wisse, welche Kunden in seinem Ablagesystem wo liegen, war natürlich erstmal unschön. Als Resultat daraus traue ich mich jetzt nicht mehr wirklich in sein Büro, wenn er zugegen ist. Und ich muss öfter mal da rein, denn da das Ablagesystem der Firma von Anno 19hundertscheißdiewandan ist, verteilt man fröhlich haufenweise Zettel in den Büros. Ich blicke da nicht wirklich durch und das macht mir ziemlich zu schaffen. Welche Zettel trage ich denn am besten wohin? Und wenn ich sie getragen habe, was mache ich dann damit? Ich glaube, das letzte Mal habe ich ein solches Ablagesystem in meiner Ausbildung gesehen. Da das schon ein paar Jährchen her ist, kann ich mich natürlich auch nicht mehr wirklich dran erinnern. Aber ich gebe mein Bestes! Sehr nervig ist natürlich die tägliche Fahrtzeit von 3,5 Stunden. Und an so Tagen wie den letzten beiden kotzt mich das sogar richtig an. Ja mei, dann steht man halt rum und wartet auf seine Anschlüsse. Ist schon okay. Aber wenn man dann im Büro auch nur rumsitzt, weil einfach nichts zu tun ist, wird es kritisch. Mich macht so was nämlich aggressiv. Wenn ich schon so einen Aufwand auf mich nehme, dann will ich das nicht völlig umsonst machen. Denn ich empfinde es als Verschwendung meiner Zeit, wenn ich 12 Stunden am Tag nichts anderes mache als durch die Gegend zu fahren und dumm aus der Wäsche zu gucken. Ja klar, ich werde dafür bezahlt. Aber fühlt es sich gut an? Nein.

Ich will ja nicht nur jammern, es ist durchaus auch ganz schön, sein eigenes Büro zu haben. So ganz für sich allein. Hatte ich ja bisher noch nie und das ist schon ein Privileg. Etwas einsam zwar manchmal, weil man nicht mal eben ein bisschen quatschen kann. Aber dafür geht einem auch niemand auf die Nerven. Ohnehin ist die Firma so klein, dass man auch nicht so viele Möglichkeiten hat, einem homo nervus über den Weg zu laufen. In der Verwaltung sind wir gerade mal zu viert. Wenn allerdings einer dabei ist, kann man ihm kaum aus dem Weg gehen.

Jedenfalls bin ich derzeit nicht ganz im Einklang mit mir selbst, was meine berufliche Situation angeht. Natürlich, ich verdiene Geld. Nicht gerade viel, aber immerhin. Und wirklich stressig ist der Job auch nicht. Dennoch gibt es bereits jetzt die Tage, an denen ich das Internet nach anderen Stellen durchforste. Und gleichzeitig fühle ich mich schlecht, weil ich nun mal mit dieser Stelle eine Verantwortung übernommen habe. Wenn mir also nun alles erklärt und auf mich ausgerichtet wird und ich verdrücke mich einfach, lasse ich Menschen hängen, die sich auf mich verlassen. Und nicht nur das. Ich flüchte auch vor einer Situation, die mir unangenehm ist und mir nicht vollkommen behagt. Und habe ich nicht jahrelang gelernt, dass ich ausgerechnet das nicht tun darf? Während ich heute Morgen neben Hintern kratzen und in der Nase bohren damit beschäftigt war, gedanklich schon alles hinzuschmeißen und mir was anderes zu suchen, bin ich nun schon wieder versöhnt mit der ganzen Sache und will weitermachen.

Na? Macht der Titel dieses Eintrags jetzt Sinn? Ich muss ganz ehrlich sagen, dass mir Denis im Moment ziemlich leid tut, weil er sich den ganzen Dreck jeden Tag anhören muss. Ich kann mich nicht entscheiden und finde für mich keine befriedigende Lösung, darum muss er das Auf und Ab meiner Laune ertragen. Vermutlich stürzt er sich demnächst voller Elan vom Balkon.

Niemand bleibt für immer.

Ich habe wirklich lange gebraucht, um Beziehungen nicht mehr als ultimative Romanzen zu sehen und als potentielle Garantie einer lebenslangen Bindung. Diese Vorstellung von der durchweg romantischen Liebe, die in Literatur und Film gefeiert wird, ist doch eigentlich gar nicht das, worum es (einzig) geht. Natürlich wünschen wir uns das alle und wir wollen den einen Partner finden, der uns für immer glücklich macht und uns in den siebten Himmel erhebt. Aber mal ehrlich: Wie oft geschieht so etwas? Wir klammern uns an Ausnahmebeispielen fest, wir wollen Liebe wie im Film, keine Probleme, keine Arbeit an sich selbst und der Partnerschaft. Wir wollen, dass es perfekt ist.

Meiner Meinung nach ist das Wichtigste, was wir irgendwann lernen müssen, dass kein Mensch für immer bleibt und dass auch niemand dafür verantwortlich ist, dass wir uns gut fühlen. Gegenseitige Zuneigung ist nicht Lebenszeit-exklusiv und verpflichtet zu nichts. Gefühle ändern sich, Einstellungen und Vorlieben ändern sich. Manchmal sinkt eine Toleranzgrenze, von der wir zuvor gar nicht wussten, dass sie überhaupt existierte. Es kommt vor, dass wir morgens aufwachen und uns fragen, ob der Mensch neben uns im Bett wirklich mehr als freundschaftliche Gefühle auslöst. Und das ist okay.

Es ist okay, mit sich selbst in Diskussion zu treten, seine Bedürfnisse herauszufinden und sein Leben und sein Umfeld entsprechend anzupassen. Eigentlich ist es nicht nur okay. Es ist das, was wir tun sollten, um ein zufriedenes Leben zu führen. Sich mit Menschen zu verbinden, ob freundschaftlich oder auf der Basis einer Beziehung, ist eines der wichtigsten Dinge im Leben. Aber nicht minder wichtig ist es, Menschen auch aus seinem Leben zu streichen. Oder zumindest die Beziehung zu ihnen neu zu definieren.

Problematisch ist der Zeitpunkt, an dem aussprechen muss, dass es nicht mehr läuft. Dann steht der sprichwörtliche Elefant im Raum, es wird verkrampft und unentspannt und man will eigentlich nur noch raus aus diesem Zustand. Augen zu und durch! Sprecht es aus! Das macht alles so viel einfacher und die Situation entspannt sich. Kommunikation ist so wichtig, aber wir alle tun uns oft damit schwer. Und das Leben besteht nun mal aus Abschieden und Trennungen, genau so wie es aus neuen Begegnungen besteht. Niemand bleibt für immer. Auch wir nicht.

Twitter-Energie

So sehr ich den sozialen Medien auch verbunden bin und so gerne ich mich in ihnen bewege: Manchmal bin ich es leid. Manchmal bin ich es so leid, dass ich innerhalb von 10 Sekunden zum Misanthropen mutiere und mich einfach nur von allen Menschen entfernen und abkapseln möchte. Ich weiß, dass soziales Miteinander zu den schwierigsten Dingen im Leben gehört, dass es mitunter eine Gratwanderung sein kann und immer wieder auch Empathie und Diplomatie erfordert. Niemand kann dieses Minenfeld unbeschadet überqueren. Es wird immer mal wieder eine Bombe explodieren, die dich oder andere verletzt. Aber das gehört dazu und mit diesem Risiko leben wir alle. Und jede Äußerung, jedes Verhalten eines Menschen im persönlichen Umfeld platziert einen neuen Sprengkörper auf dem Schlachtfeld. Für irgendjemanden wird das zu einem Problem werden, aber eben nicht für alle. Und nur wenn jeder von uns aufhört, mit anderen zu interagieren, können wir bombenfrei durchs Leben kommen. Dass das nicht möglich ist, sollte jedem klar sein. Wir alle sind auf Kommunikation und Miteinander angewiesen. Dazu gehört auch, seine Ansichten und Meinungen zu teilen und die von anderen Menschen wahrzunehmen und zu akzeptieren. Wir müssen nicht alle einer Meinung sein, aber wir sollten konstruktiv mit anderen Einstellungen umgehen können oder wenigstens versuchen, dies zu lernen. Aufforderungen, die dazu anhalten, sich zu nichts zu äußern und seine Ansicht nicht kundzutun, sind hier nicht förderlich.

Vorgestern habe ich mal wieder gemerkt, wie schnell man zum Buhmann mutieren kann und wie sehr sich andere Menschen an ein paar Worten aufhängen können. Auslöser dafür war meine Äußerung zum Brand von Notre Dame in Paris. Ich habe meine Ansicht zu dieser Sache getweetet. Und ich kann nicht behaupten, dass die nun besonders kontrovers oder anstößig gewesen wäre. Mein Text las sich folgendermaßen:

Fühle mich wie ein schlechter Mensch, weil alle wegen Notre Dame weinen und geschockt sind und ich es halt schade finde, mir aber denke: „Es ist eben doch nur ein Gebäude.“

Schaue ich mir diese Äußerung an, kann ich folgende klare Aussage darin erkennen: „Es ist schade, dass das passiert.“ Wenn man noch zwei Sekunden länger darüber nachdenkt, kommt man vielleicht auch auf „Es ist ein Gebäude und es brennt, aber es ist eben nur Material und (zum Glück) kein Mensch.“ Vielleicht übersehe ich noch etwas Fundamentales, aber… Nein, ich denke, eigentlich nicht.

Was mir dann auf Twitter entgegen schlug, war… Sagen wir mal, es war interessant. Die öffentlich sichtbaren Antworten waren ja noch zivilisiert und reichten von „Ich akzeptiere deinen Standpunkt, aber ich bin halt wirklich fertig deswegen.“ über „Aber das ist eben nicht nur ein Gebäude, es ist so viel mehr.“ bis zu „Du bist ignorant!“. Über letzteres konnte ich wirklich nur den Kopf schütteln. Da teile ich auch gerne mal den Inhalt dieses Tweets und sage vorher dazu, dass ich diese Person nicht kenne und auch wirklich noch niemals in irgendeiner Form Kontakt herrschte.

Ignorant. Dann stört es dich nicht, wenn Menschen sterben? Korallenriffe absterben? Tiere getötet werden? Same energy, my dear. Davon gibt es auch viel. Solche Aussagen sollte man nicht auf Twitter teilen. Wundert mich nicht, wenn Nachrichten den falschen Ton treffen. Es sind eben auch nur Menschen.

Think about it!

Okay. Warte. Was? Ich würde ja gerne wissen, wo ich eine Verbindung zwischen einem Kirchenbrand, dem Klimawandel und Tierquälerei gezogen habe, aber ich kann beim besten Willen nichts finden. Keinen Hinweis darauf. Und wieso vergleicht man diese Dinge überhaupt? Das Beste an der Sache ist, dass mich dieser Typ nicht kennt, dass er keine Ahnung hat, was für ein Mensch ich bin, und dass er da einen Charakter beschreibt, der kaum weiter von mir entfernt sein könnte. Ich musste erstmal lachen, weil sich das so unglaublich surreal und falsch anfühlte.

Es ist einfach total anmaßend, sich anhand von ein paar Wörtern, anhand von einer einzigen Meinungsäußerung ein komplettes Bild eines Menschen zu basteln und das als Wahrheit zu verkaufen. Ich meine, gerade die Sache mit den Tieren… Ja, vielleicht sind mir Menschen zu einem großen Teil egal. Das will ich gar nicht abstreiten. Aber gerade Tiere. Ich rette jeden kleinen Regenwurm, ich bin im Tierschutz aktiv und komme oft an den Rand meiner nervlichen Belastbarkeit, wenn es um gequälte oder getötete Tiere geht. Aber wie wir gerade gelernt haben, stimmt das anscheinend gar nicht, denn ich bin wohl ein ganz anderer Mensch als ich bisher dachte! Oh man… Wer meint, mir mit solchen Behauptungen eine Form von Ignoranz vorwerfen zu können, der sollte sich mal ganz dringend über seine eigene Energie Gedanken machen.

Noch viel erschreckender ging es aber in meinem privaten Nachrichtenfach zu. Ich bekam drei Nachrichten von Menschen, die ich nicht kenne und von denen ich auch einfach mal behaupte, sie nicht kennenlernen zu wollen. Und alle drei waren… eher unfreundlich. Da ich die Nachrichten sofort gelöscht und die Verfasser blockiert habe, kann ich den genauen Wortlaut nicht wiedergeben, also sind sie hier frei aus meiner Erinnerung:

Was bist du für eine dumme Kuh? Bist du zu blöd, um zu verstehen, was da gerade passiert?

Am besten sollte man dich anzünden, damit du mal siehst wie das so ist.

Wenn ich so dumme Sachen lese, könnte ich kotzen.

Hach ja. Danke, Twitter! Da möchte ich ein wenig applaudieren. Wegen so einer Lappalie, wegen so einem unwichtigen Kleinscheiß kommen die Leute aus ihren Höhlen gekrabbelt und machen Radau? Eigentlich spricht so ein Verhalten für sich selbst, eigentlich sollte es mir herzlich egal sein und ich sollte drüber lachen. Aber an dem Abend haben mir diese Reaktionen wirklich weh getan. Ich konnte kaum einschlafen, ich habe geweint und fühlte mich komplett missverstanden. Am nächsten Morgen hatte ich schon einen anderen Blick darauf, so dass ich fast Mitleid mit diesen armen Würstchen empfunden habe. Fast. Ein paar fiese Nadelstiche spüre ich immer noch.

Mal ehrlich: Muss so ein Verhalten untereinander sein? Ist es so schwer, andere Meinungen zu akzeptieren, gerade wenn sie nicht radikal sind? Bei extremen Aussagen verstehe ich gewisse Reaktionen ja noch, aber in diesem Fall…? Es hat mich wirklich erschreckt, wie schnell einen die Leute angehen und wie unverschämt dabei vorgegangen wird. Natürlich werde ich mich jetzt nicht heulend von Twitter abmelden, denn für mich überwiegt weiterhin das Gute, und ich möchte mich in Zukunft auch nicht an andere anpassen, denen meine Meinung nicht gefallen könnte. Aber ein komisches Gefühl wird mich wohl eine Zeitlang begleiten.