Pseiko-Görl

Meine Güte, wie lange bin ich nun um diesen Blogeintrag herumgeschlichen. Zwei Wochen? Ja, kommt ganz gut hin. Ich wollte so viel erzählen: von meinem Umzug, von der Arbeit, von lustigen Dingen und traurigen… Aber egal, worüber ich schrieb, letztendlich landete ich immer wieder bei meinem aktuellen Gemütszustand. Und eigentlich wollte ich darüber nichts schreiben. Also speicherte ich den Entwurf für später ab. Für später, wenn ich wieder Worte für die Dinge finden würde, über die es wert ist, zu berichten.

Dummerweise ändert sich nichts an der Situation und an meinem Gedanken, was zur Folge hat, dass das „leichte“ Schreiben mir gerade sehr schwer fällt. Also habe ich beschlossen, mein Gehirn zu entmüllen und doch ein paar Worte darüber zu verlieren, wie es mir so geht. Klar, ich darf das. Das hier ist mein Blog. Aber neulich habe ich versprochen, dass ich nicht jammern werde. Und vielleicht breche ich dieses Versprechen jetzt.

Ich sitze in meiner neuen Wohnung und langsam, ganz langsam wird es wirklich wohnlich hier. Der Umzug selbst war total chaotisch. Das hatte ich schon im Vorfeld befürchtet, weil ich dieses Mal einfach null in der Lage war, mich richtig darauf einzulassen. Gedanklich habe ich mich nicht fokussieren können. Dass es letztendlich doch gut gelaufen ist, habe ich den vielen Helfern zu verdanken, die an diesem Tag zwischen Solingen und Wuppertal gependelt sind, um meine Sachen in die neue Wohnung zu schaffen. Und natürlich meinem Vater, der drei Tage lang renoviert hat und auch eine Woche nach dem Stichtag noch mal zu mir gekommen ist, um mir bei Kram zu helfen. Außerdem hat mein Exfreund kräftig mit angepackt, was er wirklich nicht hätte tun müssen.

Die erste Nacht allein in Wuppertal war ziemlich furchtbar. Man sagt ja, dass die Gefühle, die man in der ersten Nacht hat, einen in der neuen Bleibe begleiten werden. Und außerdem soll der erste Traum wahr werden. Aha…? Na, dann verzichte ich aber gerne darauf, denn angenehm ist anders. Ich war wirklich angespannt und bin immer wieder mit Herzrasen aufgewacht. Die Kater waren auch sehr unruhig, vor allem die Geräusche der Gastherme haben sie immer wieder aufgeschreckt. Am ersten Tag hat Snorre mir etwas Sorgen gemacht, weil er sich immer nur versteckt hat und nichts fressen wollte. Das hat sich aber bereits gegen Abend wieder gelegt, so dass ich auch etwas ruhiger wurde. In den ersten paar Tagen hatte ich beinahe täglich Besuch von einer ganz lieben Freundin aus Solingen, die mir beim Aufbauen der Möbel geholfen hat. Wir haben uns angestellt wie die letzten Idioten, aber pssst!

Nun steht alles, das ganze Zeug ist bis auf ein paar Kistchen ausgepackt und es fehlt im Grunde nur noch der letzte Schliff. (Und etwas mehr Ordnung wäre schön.) Es fällt mir unheimlich schwer, mich zu etwas aufzuraffen und weiterzumachen. Darum stagniert die ganze Sache hier gerade etwas. Am liebsten würde ich den ganzen Tag auf dem Sofa oder im Bett liegen, mir die Decke über den Kopf ziehen und an gar nichts denken. Damit ich nicht vollkommen lethargisch werde, zwinge ich mich dazu, jeden Tag ein klein wenig in der Wohnung zu arbeiten. Aber es ist schwierig.

Bereits in den letzten Monaten hatte ich schon vermehrt mit Anflügen von Depressionen und Ängsten zu tun. Überrascht hat mich das nicht, denn Rückfälle kommen ja gerade in Stresssituationen häufig vor. Klar, niemand will das und niemand braucht das, doch es war auszuhalten. Die meiste Zeit über war ich abgelenkt und vor allem war ich nicht allein. Sicher ist es besonders seit der Trennung nicht immer angenehm gewesen, zuhause mit dem Ex-Partner zu hocken, doch anscheinend hat mir das mehr Sicherheit gegeben als ich dachte. Nun ist da keine Sicherheit mehr, kein Anker und keine Sicherheitszone. Ich bin auf mich allein gestellt und habe außerdem noch die Verantwortung für zwei Lebewesen. Die ganze Zeit denke mir: „Du darfst nicht versagen.“ – „Du kannst es dir nicht erlauben, schwach zu sein.“ – „Du musst jetzt alles allein schaffen.“ Damit setze ich mich selbst wahnsinnig unter Druck. Und was passiert, wenn ich unter Druck stehe? Genau, ich werde zum hypochondrischen, überempfindlichen, in alles etwas negatives hineininterpretierendes Pseiko Görl! Und da es ja nicht ausreicht, das in Bezug auf mich selbst auszuleben und mit Panikattacken beim Zugfahren (Da sind sie wieder, hurra!) oder Kreislaufproblemen und Herzrasen mitten in der Nacht zu reagieren, entwickle ich gerade eine ausgeprägte Paranoia bezüglich des Gesundheitszustandes meiner Kater. Das geht so weit, dass ich letzte Woche mit Snorre beim Tierarzt war, um ihn durchchecken zu lassen. Klar, lieber einmal zu viel als zu wenig. Aber immer öfter drängt sich mir gerade der Gedanke auf, ob ich überhaupt in der Lage bin, für die beiden zu sorgen. Und was mache ich, wenn diese Gedanken kommen? Genau, rumheulen. Und Panik schieben.

Im Grunde sind das auch derzeit meine neuen Hobbies. Rumheulen und Panik schieben. Und Medikamente gegen das Rumheulen und die Panik nehmen. Im Moment habe ich das Gefühl, das wird jetzt für immer so weitergehen. Ich fühle mich ein paar Jahre zurück versetzt. In die Zeit, in der mich einfach alles überfordert hat und in der mein gestresstes Ich sich einfach gewünscht hat, eine Auszeit von dieser Welt nehmen zu können. Aber genau wie damals funktioniert das leider nicht und ich muss einfach weitermachen. Für was, weiß ich eigentlich nicht. Aber irgendwas wird schon kommen. Irgendwann.

Tja. Schöne Scheiße, würde ich sagen. Ein besserer Schlusssatz fällt mir leider nicht ein.

Mein neues Reich (vorher)

So, nun wird es ernst. Gestern hatte ich ein zauberhaftes Date zum Valentinstag – mit meiner Vermieterin. Wir haben die Wohnungsübergabe gemacht und nun besitze ich nicht nur die Schlüssel zur Wohnung, nein, ich habe auch einen ganzen Batzen Aufgaben, die erledigt werden müssen, bevor ich in anderthalb Wochen einziehen kann. Und weil ich es einfach liebe, Vorher-Nachher-Fotos von Dingen zu machen, muss das nun auch für meine neue Bleibe sein. Fangen wir an:

Zunächst wäre da der Flur. Hier vom Schlafzimmer aus geknipst. Rechts geht es zum Wohnzimmer, links zur Küche und hinten links vor der Eingangstür ist das Bad. Der Boden ist gefliest und eigentlich wollte ich einen Teil des Flures rosa streichen, tendiere gerade aber zu einer anderen Farbe, weil der Boden halt eher terrakottafarben ist und das beisst sich ja schon ziemlich. Einfach weiß lassen ist aber auch blöd, weil nämlich weiße Möbel auf den Flur kommen und das sieht dann ja eher geschossen aus. Ich muss da noch mal in mich gehen.

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Als nächstes zeige ich euch das Bad. Es ist nicht so riesig, aber ich liebe die Badewanne und das riesige Fenster! Ein Traum! Ich schiebe in Gedanken bereits das Katzenklo durch die Gegend. Kann sein, dass das große gar nicht rein passt und das kleine ins Bad muss, dafür das große dann ins Wohnzimmer.

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Und hier haben wir die Küche. Eine Einbauküche ist schon vorhanden, komplett mit Geschirrspüler. Den Kühlschrank sowie Tisch und Stühle konnte ich von der Vormieterin übernehmen. Ein echtes Schnäppchen! Ich würde in die Ecke hinter dem Tisch gern eine Art Geschirrvitrine stellen. Bisher habe ich noch nichts gefunden, was mich überzeugt hat, aber jetzt habe ich die genauen Maße und weiß, was in die Ecke passt. Daher werde ich mich noch mal umschauen.

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Es folgt das Schlafzimmer. Die Tapete finde ich an sich super schön, nur passt sie leider überhaupt nicht zu meinen Möbeln und dem Bild, das ich aus unserem jetzigen Schlafzimmer mitnehmen werde. Also muss sie weichen. Die Wand möchte ich dennoch gern farbig haben. Ein helles Braun vielleicht? Ich muss dringend zum Baumarkt.

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Für mich das Herzstück jeder Wohnung: Das Wohnzimmer. Irgendwie ist das der Raum, der für mich am gemütlichsten und am schönsten werden muss. Andere haben das bei Küche oder Schlafzimmer, ich eben beim Wohnzimmer. Wie man sieht, sind die Wände noch in einem … äh… dunkelgelb-piss-orange (?) gestrichen. Das muss ich ändern. Der Raum soll weiß werden und die Wand, an welcher mein Fernseher stehen wird, soll in rosa erstrahlen. Jaja, ich und rosa. Da klappen sich gerade bei einigen Leuten die Fußnägel hoch. Vor das Fenster möchte ich den Kratzbaum der Katzis haben, damit sie rausschauen können. Wenn da schon so viel Grün ist, sollen sie auf jeden Fall was davon haben.

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Und zuletzt der Balkon. Der ist wirklich der Wahnsinn. So riesig! Meine Vormieter haben das Katzennetz dran gelassen, das war so abgesprochen und ich bin super glücklich darüber. Jetzt können die beiden Dicken auch raus, wenn ich nicht so genau hin schaue. Es ist nicht hundert pro dicht, aber es reicht. Mal sehen, wie sie die Autobahn finden, die ein paar Meter weiter verläuft. Nicht, dass sie nachher streiken und gar nicht auf den Balkon wollen, weil es ihnen zu laut ist.

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So. Das ist der aktuelle Stand. Mal sehen, wie es dann nach dem Umzug aussieht. Sobald alles drin ist und ich zufrieden bin, werde ich das Endergebnis hier zeigen. Ich bin ein wenig aufgeregt und nervös, ob alles klappt. Aber wird schon. Auch Umzug Nummer 12 wird am Schluss nicht so wild sein.

Einmal im Leben

Sie sind groß in Mode, diese Bucket Lists. Dinge, die man einmal im Leben tun möchte und die man sich aufschreibt, um sie nicht zu vergessen und eines Tages dann diese Liste abzuarbeiten. Oder um möglichst viel drauf zu schreiben, was exotisch ist, und sich dann ein Ei drauf zu pellen, mit was für ausgefallenen Sachen man prahlen kann. Im Grunde ist es völlig egal, aus welchem Geund man so eine Liste anlegt und pflegt. Jeder hat seine Wünsche, Träume und Hoffnungen und warum sollte man sie sich nicht erfüllen wollen?

Ich persönlich führe keine solche Liste. Die wäre bei mir einfach überflüssig. Das meiste, was in meinem Leben passiert, ist nämlich absolut ungeplant. Ich habe keine Ahnung, was in zwei oder drei Jahren bei mir anstehen soll, ich habe keine Karriereambitionen und überhaupt finde ich es viel schöner, gar nicht so genau zu wissen, was mich erwartet. Ist auch nicht so viel Druck. Ich muss, ich muss, ich MUSS! Nein, ich muss nicht. Ich kann, wenn ich möchte. 

Dennoch gibt es bei mir natürlich auch Dinge, die ich zum ersten und vielleicht zum einzigen Mal im Leben tue. Heute gab es wieder so einen Moment, in dem ich mir dachte: „Das hast du noch nie zuvor getan.“ Denn heute habe ich jemandem zum ersten Mal gesagt, dass ich mich wegen ihm schlecht fühle, mich ausgenutzt fühle, Angst vor ihm habe und deswegen keinen Kontakt mehr will. Das war nicht schön, aber notwendig. 

Nun sitzt mir zwar die Angst im Nacken, später auf der Straße zusammengeschlagen zu werden, allerdings glaube ich, die rührt eher daher, dass ich es hasse, Menschen zu enttäuschen. Oder wenn man mich nicht mag. Für mich ein Horror. Und sollte doch noch ein Baseballschläger den Weg in mein Gesicht finden, so weiß ich wenigstens Namen und Anschrift des Hauptverdächtigen.

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Das Organ, das bei mir am meisten zu tun hat, ist das Gehirn. Vermutlich ist das bei jedem Menschen so, keine Ahnung, ich bin kein Biologe. Ich merke, wie die Schaltzentrale in meinem Schädel pulsiert und Gedanken spinnt, sie ausspuckt und wieder ansaugt. Ich fühle die Spannung in meinen Nervenbahnen und das Zittern der Membrane. Nicht körperlich, natürlich, aber auf eine verquere Art und Weise ist da dennoch dieses Gefühl. Wie kann ich das beschreiben? Ja, ganz selten geht es auch mir so, dass die Worte fehlen.

Mein Hirn pumpt also täglich zwischen meinen Ohren herum und lässt die Synapsen glühen. Eigentlich nichts Ungewöhnliches. Allerdings stellt mich das im Moment vor ein echtes Problem: Ich knalle durch.

Dadurch, dass mein Leben sich buchstäblich von einer Minute auf die andere komplett geändert hat, bin ich nun dauerhaft damit beschäftigt, Pläne zu schmieden, Lösungen zu suchen, zu rechnen und zu organisieren. Gleichzeitig versuche ich auf der Arbeit wie gewohnt zu funktionieren. Das funktioniert tagsüber auch ganz gut. Aber sobald ich abends zuhause bin, sehe ich die ganzen Scherben um mich herum und durch meinen Kopf spuken tausend Gedanken, die sich ineinander verknoten und zu einem riesigen Stück – entschuldigung – Scheisse werden. Was habe ich getan, dass es so weit kommen konnte? Oder was habe ich nicht getan? Ist das alles meine Schuld? Habe ich das verdient? Und wie wird es jetzt weitergehen?

Natürlich wird es weitergehen. Das tut es immer. Und ich kümmere mich darum, dass es das tut. Es ist nur so verdammt schwer. Die Albträume jede Nacht, die Sorge um die Zukunft, die endlose To-Do-Liste, die ich habe, und auch die Scham und das Gefühl, komplett versagt zu haben, setzen mir wirklich zu. Und mein Gehirn läuft und läuft und heizt sich auf und generiert tausend Szenarien, die ich alle bis ins kleinste Detail zerdenken muss.

Es macht mich total irre. Eigentlich bin ich ein Mensch, der gut alleine leben kann. Aber nach sechs Jahren Partnerschaft und fünf Jahren des Zusammenlebens habe ich nun unglaubliche Angst davor, wieder allein dazustehen. Neulich habe ich zu meinen Kolleginnen gesagt, dass ich mich davor fürchte, zu sterben und irgendwann nach einer Woche halb vergammelt und stinkend in meiner Wohnung gefunden zu werden. Angefressen von den Katern, die sonst verhungert wären! Man lacht drüber, aber tatsächlich meine ich das ernst. Ich sage es ja: Ich knalle durch.

Immerhin kann ich mich nun wieder um etwas kümmern, mit dem ich mich gut auskenne: Angstzustände und Panikattacken. Das lenkt ja ziemlich gut von allem anderen ab. Zum Beispiel von dem Film, den man mit der liebsten H. im Kino schauen möchte und bei dem man dann den Saal zwischendrin verlassen muss, weil man vor lauter Panik schon beinahe ohnmächtig im Sitz hängt. Eine tolle Erfahrung und für jeden zu empfehlen, der schon immer mal auf andere Gedanken kommen wollte. Tod und Verderben ist da genau das richtige.

Nicht.

Nun ja, was auch immer mein Hirn mir noch antun wird in nächster Zeit, ich werde einfach weitermachen. Es bleibt mir auch nichts anderes übrig. Und eins verspreche ich: Das hier bleibt einer von ganz wenigen Jammer-Blogeinträgen. Ich muss es nur einmal loswerden, dann ist gut. Und ich will mich ja nicht selber runterziehen. Wäre schön blöd.

 

kopflos

Alles ist falsch. Verschoben. Mein Leben hat seine Spur verlassen und es geht in rasendem Tempo durch scharfe Kurven und über gefährliche Straßenschäden hinweg. Ich kann überhaupt nicht einschätzen, ob der Weg mich abwärts oder aufwärts führt. Geschweige denn, dass ich weiß, wie mir geschieht. So ist das wohl, wenn sich von einem Tag auf den anderen alles ändert. Wenn man sich in einem Moment noch wohlig eingebettet in seinem Alltag und seinem Trott wähnt, im anderen aber nur noch zusehen kann, wie alles, was man sich aufgebaut hat und was vor einem liegt, in tausend Scherben zerspringt und zu Boden fällt. Ohrenbetäubendes Klirren und Scheppern inklusive. Es hallt seit Tagen nach.

In der Stille, die auf den Lärm folgt, ziehe ich meine Mauern hoch. Ich möchte nicht schwach sein und ich möchte nicht den Eindruck erwecken, als wäre alles, was jetzt kommt, zu viel für mich. Natürlich ist es das, natürlich macht es mir Angst und natürlich fühle ich mich überfordert, aber darum muss man es mir noch lange nicht anmerken. In den ersten Tagen war es schwer. Trennungen sind immer schwierig, egal, von wem sie ausgehen. Und es macht niemals Spaß. Besonders nicht, wenn man selber noch liebt und der geliebte Mensch plötzlich wie amputiert erscheint. Weg. Einfach so, von einer Sekunde auf die andere. Zumindest emotional, denn physisch ist er ja noch da.

Es gibt wenig, was man in solchen Fällen tun kann. Das ist so eine Gratwanderung zwischen Akzeptanz und Selbstmitleid, Betäubung und Aktionismus. Und weil man gefragt hat, weiß man, dass es nichts mehr gibt, was man tun könnte. Nur aushalten und Wunden lecken. Für letzteres gibt es leider zu wenig Zeit, denn man muss sich darum kümmern, dass das Leben weitergeht. Dass man nicht abstürzt, sondern sich gerade noch so am Abhang entlang Richtung sicheren Aufstieg hangelt. Es ist verdammt schwierig. Aber es geht. Es geht ja immer irgendwie.

Die Frage nach Schuld hängt im Raum und vergiftet das eigene Denken. Da sind die Erinnerungen an alle Situationen, in denen man besser anders gehandelt hätte. In denen man sich anders hätte entscheiden können. Tausend kleine Steine, die zusammengesetzt ein großes Ganzes ergeben, auf das man fassungslos schaut und kaum glauben kann, wie blind man gewesen sein muss. Und wie beschäftigt mit sich selbst, so dass man den Menschen neben sich kaum noch gesehen hat. Das tut weh und es tut leid, aber es ist unabänderlich. Viel zu spät.

Dennoch glaube ich nicht an die Schuld des einen. Eine Beziehung lebt von zwei Menschen, wird von beiden getragen. Oder besser gesagt: Sie wird von zwei Menschen auf mehreren Säulen in Balance gehalten. Wenn diese Säulen ihre Höhe verändern, wenn die Gewichtung in der Beziehung nicht mehr stimmt, dann beginnt man zu verlieren. Es liegt an beiden Partnern, das Fundament im Auge zu behalten.

Wir haben es nicht geschafft. Wie ich damit umgehen soll, erprobe ich gerade. Sicherlich werde ich irgendwann auf meinen Weg zurückkehren und ein gemäßigteres Tempo einhalten. Leider allein. Leider ohne dich.

 

Schnee! Schnee! Schnee!

Immer wieder fragen mich Menschen, warum ich den Herbst so mag. Und den Winter. Kälte generell. Nun, ich packe mich lieber in drei Schichten Kleidung ein und entblättere mich nach und nach, als quasi in Unterwäsche in der Ecke zu liegen und dennoch wie ein Schwein zu schwitzen. Ich trage lieber weite Sachen als kurze oder enge und mache mir damit nicht so einen großen Kopf drum, wie schlimm meine Figur ist. Ich verstecke mich bei Regen gern unter einem Schirm, den ich im Sommer natürlich nicht dabei habe. In der länger andauernden Dunkelheit fühle ich mich sicherer, muss mich nicht so sehr verstellen und fühle mich nicht so auf dem Präsentierteller wie im strahlenden Sonnenschein. Buntes Herbstlaub macht mich glücklich. Und dann gibt es da noch den Schnee.

Einer der unbestreitbaren Vorteile, vom hohen Norden ins Bergische Land gezogen zu sein, ist der Schnee. In Hamburg hatten wir den eher… nicht so oft. Hier kann ich eigentlich jeden Winter damit rechnen. Selbst wenn es nur für ein oder zwei Tage ist: Er fällt. Und das nicht zu knapp. Oh, wie ich das liebe! Man wacht auf und die Welt ist bereits wie verzaubert. Stiller. Entspannter. Die Kälte ist nicht mehr so beißend, sondern fühlt sich weicher an. Jeder Schritt wird von diesem typischen Knirschen unter den Füßen begleitet und alles ist viel stiller, weil die weiße Pracht die Geräusche schluckt. 

Heute Morgen war es wieder so weit. Wundervoll!




Natürlich hat jede Jahreszeit ihre Vor- und Nachteile. Es ist nicht alles schlecht an Frühling oder Sommer. Aber jeder hat halt so seine Präferenzen. Und das hier sind meine

Null-Stimmung

Dieses Jahr kann er sich so richtig freuen, mein Freund. Ich mache ihm das beste Geschenk zur Vorweihnachtszeit und als ich ihm davon berichtete, war er so verdutzt, dass er erstmal gar nichts sagen konnte. Es ist einfach ungewöhnlich für mich. Begeistert war er aber natürlich trotzdem. Ist es wohl immer noch.

Es ist so, dass ich ein erklärter Fan der Weihnachtszeit bin. Besonders der Vorweihnachtszeit. Weihnachtsdeko, Weihnachtsmärkte, Kekse backen, Geschenke suchen… Das alles ist mein Ding. Ich liebe die Dunkelheit, die Kälte, die Lichter in den Fenstern. Mein Freund hingegen… Er findet das alles überflüssig und doof und erträgt meine Dezember-Eskalation im Grunde nur, weil wir halt zusammen leben und er nicht flüchten kann.

Dieses Jahr braucht er sich darum keine Sorgen zu machen. Ich habe keine Lust. Keine Lust auf Weihnachten, auf Vorfreude, auf Gemütlichkeit und eine feierliche Stimmung. Ich möchte mich nicht damit beschäftigen, es im Grunde noch nicht mal an mich ran lassen. Es ist mir zu viel und zu anstrengend und ich habe das Gefühl, es stecken irgendwelche Erwartungen an mich dahinter. Ich kann das gerade nicht ertragen. 

Das generelle Problem dahinter ist leider ziemlich ernst. Seit ein paar Wochen vermisse ich zunehmend den Spaß an Dingen, die mich sonst begeistern. Ich habe wieder Angstzustände beim Zugfahren, Herzstolpern und starkes Zittern vorm Einschlafen. Was das bedeutet, ist mir durchaus klar. Und dass ich versuchen muss, irgendwie die Kurve zu kriegen, ohne wieder gnadenlos auf die Schnauze zu fallen. Es scheint, ich lerne nie dazu. „Es geht schon, es geht schon. Ich schaffe das. Ist ja nur noch bis…“ Eines Tages sollte ich begreifen, dass ich empfindlicher bin als andere. Dass ich schneller ausbrenne. Im Moment bin ich auf jeden Fall ziemlich leer. Und der einzige Treibstoff, den ich drauf kippen kann, ist die tiefe Angst in mir, dass alles um mich herum zerbrechen wird, wenn mein Motor ausfällt.