Jahreswechsel-TV

Zu jeder Jahreszeit gibt es ganz bestimmte Werbekampagnen im Fernsehen, die auf saisonale Zielgruppen gemünzt sind. Im Frühjahr läuft verstärkt Werbung für Heuschnupfenpräparate, im Sommer für Sonnencreme und Mückenspray, im Herbst knöpft man sich die Erkältungsopfer vor und schleudert ihnen aus der Glotze Vorschläge für Medikamente um die Ohren. Ihr wisst, wie es läuft. Eigentlich bin ich nicht so der Fernsehgucker und wenn doch, dann läuft irgendwelcher Kram nebenbei (wenn ich aufräume etwa) oder ich bin auf Netflix unterwegs. Im Winter ändert sich das aber für einige Wochen. Nämlich genau für die Zeit um Weihnachten und um Silvester herum. Ich habe keine Ahnung, warum genau das so ist. Die kitschigen Filme und die Serien mit Weihnachts- oder Silvesterfolgen könnte ich mir auch auf Netflix anschauen. Aber nein, ich tue mir das Fernsehprogramm an. Und ich weiß nicht, ob es nur mir so geht, aber im Grunde und vollkommen nüchtern betrachtet ist der Fernseher über die Weihnachtstage und den Jahreswechsel eines der nervigsten Dinge im Alltag.

Das Schlimmste ist für mich wirklich die Werbung. Oh mein Gott, diese Werbung! Selbst wenn man keine Ahnung hätte, wann Weihnachten stattfindet, könnte man es an der Werbung erkennen. Drei bis vier Wochen vor dem Fest schaffen es beinahe ausschließlich Parfum, Schmuck und Schokolade während der Werbepause auf den Bildschirm. Ich kann kaum beschreiben, wie sehr mir das auf den Keks geht. Als würde sich die ganze Welt plötzlich nur noch darum drehen, möglichst viel zu konsumieren, vor allem Geschenke, denn ohne Geschenke geht ja gar nichts, weil Weihnachten schließlich nur für die Geschenke erfunden wurde, oder nicht? Kurz vor Heilig Abend überbieten sich dann die verschiedenen Lebensmittelketten mit super Angebotspreisen und tollen festlichen Aktionen und es beschleicht einen langsam das Gefühl, es wäre nicht okay, über Weihnachten weniger zu essen als eine 40köpfige Großfamilie in Russland. Selbst wenn man alleine ist. Egal! Vollstopfen lautet die Devise!

Ist Weihnachten vorbei, geht es weiter mit den obligatorischen Silvesterwerbespots. Böller, Knaller und Raketen zum Vorzugspreis. Und natürlich Alkohol. Wenn das neue Jahr doch so toll werden soll, warum ist dann jeder scharf darauf, es komplett besoffen und vernebelt zu beginnen? Vermutlich, damit man die Werbung der ersten zwei Januarwochen nicht mitbekommt. Denn da geht es vorrangig ums Abnehmen. Fitnessstudios, Schlankheitskuren, Diätgurus und sonstiges aus der Richtung tummeln sich auf den TV-Bildschirmen der Nation und bieten ihre Wundermittel, -heilung, -waffen an.

Erst Mitte Januar wird der ganze Zirkus etwas weniger und man kann mal wieder gedanklich zur Ruhe kommen, ohne ständig mit der Nase auf alles gestoßen zu werden, was mit Neujahrsvorsätzen zusammenhängt. Zum Glück befinde ich mich zu diesem Zeitpunkt dann bereits wieder im Netflix- oder Dokumentationsland. Keine Werbung, keine nervigen Konsumanweisung, keine Nackenschmerzen vom ewigen Kopfschütteln. Und die Hoffnung bleibt, nächstes Jahr nicht wieder in meine Jahreswechsel-Fernsehgewohnheiten zu verfallen.

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Mitteilungszweifel

Es ist ein wenig lächerlich, dass ich mich davor scheue, meinem Blog neue Einträge hinzuzufügen. Ich habe in den letzten Wochen oft angefangen zu schreiben und dann wieder aufgehört, die Worte als Entwurf gespeichert und das Ganze schließlich nicht mehr angerührt. Warum? Weil es mir im Moment nicht gut geht und ich in solchen Situationen immer an das denken muss, was mir vor Jahren einmal dazu gesagt wurde. „Du jammerst nur rum, deine Beiträge sind immer negativ. Das nervt.“ Damals hatte ich mir vorgenommen, mehr darauf zu achten, vorwiegend positive und lustige Dinge zu schreiben. Auf Twitter habe ich mir einen extra Account angelegt für alles, worüber ich mich gerade aufrege oder was irgendwie negativ im persönlichen Kontext ist. Das Konto ist auch geschützt und ich kontrolliere ziemlich genau, wer darauf zugreifen darf. Ich möchte meine Umwelt nicht mit unnötigem Mist belasten, doch ab und zu möchte ich mich einfach auch mal auskotzen können. Ohne dass mir das vorgehalten wird.

Aber hier, wo ich ausführlicher schreibe – auch wenn es mein Bereich ist, in dem ich bestimme und den jeder sofort wieder verlassen kann, wenn er möchte – hier befallen mich oft Zweifel, ob ich sagen darf, was mir auf der Seele brennt. Ob ich zeigen kann, wie es mir geht. Und das dass eigentlich purer Blödsinn ist und wieder nur meinem Wunsch nach Annahme entspricht und der Angst vor Ablehnung, ist mir vollkommen klar. Aber ich möchte einfach nicht hören, dass ich anderen auf den Geist gehe und dass sie es leid sind, meinen ganzen Müll abzubekommen. Und noch mehr als das möchte ich es nicht nur nicht hören, sondern ich will mich auch nicht so verhalten. Ich möchte nicht diejenige sein, mit der man sich nicht mehr unterhalten will, weil ja doch immer nur das gleiche Blabla dabei rum kommt. Ich möchte nicht diejenige sein, mit der sich niemand mehr treffen möchte, selbst wenn ich im Moment nicht weiß, ob ich Gesellschaft überhaupt aushalte.

Es geht um Akzeptanz. Selbstakzeptanz und Fremdakzeptanz und immer noch ist mir das fremde Akzeptieren, das der anderen, so viel wichtiger als das eigene. Als wäre ich nicht wertvoll genug, als würde es sich nicht lohnen, den Kopf hoch zu halten und zu sagen: „So bin ich, so geht es mir, leb damit.“

Was mache ich jetzt mit dem verworrenen Gedankenknoten in meinem Kopf? Gehe ich der Situation aus dem Weg, indem ich die Beiträge geschützt hochlade, so dass niemand sie lesen und sich belästigt fühlen muss? Das bewahrt auch wieder ein Bild von mir, das ich im Grunde gar nicht mehr malen möchte. Oder behalte ich das Geschriebene als Entwurf, veröffentliche es überhaupt nicht und kaue für mich allein darauf herum? Tippe ich mir einfach gar nichts von der Seele und warte auf bessere Zeiten, um wieder etwas belangloser und heiterer schreiben zu können?

Mir juckt es in den Fingern, nach Meinungen zu fragen. Aber im Grunde möchte ich auch gar keine hören, weil das meine Sache ist und mein Kampf und letztendlich möchte ich ja nicht mehr abhängig sein von den Äußerungen anderer.

Der gute Mensch in mir.

Ich stehe am Düsseldorfer Hauptbahnhof und komme mir vor wie ein Idiot. Ich spüre die Blicke der Menschen um mich herum, wie sie auf mir ruhen und ich höre förmlich die Gedanken, die durch ihre Köpfe rauschen. Es klingt wie das leise Gemurmel eines Baches, aber so viel unmelodischer und bösartiger. Wieso macht sie das? – Ist die denn total naiv? – Wie kann sie mit so jemandem reden? – Die lässt sich doch total ausnehmen. – Sie hätte ihn doch einfach ignorieren können. Nur ganz wenige Stimmen äußern sich erfreut, wundern sich darüber, dass sie selbst nicht auf die Idee gekommen sind. Schön, dass es noch Menschen gibt, die sich nicht wegdrehen. – Sicher freut er sich über das Essen. – Warum habe ich ihn eigentlich nicht beachtet? Und eine einzige Stimme sagt laut über das Rauschen und Knistern hinweg: „Danke.“

Immer wenn ich mir auf dem Weg zur Arbeit etwas beim Bäcker hole, stecke ich das Wechselgeld in meine Hosentasche. Es ist nur Kleingeld, aber ich habe es gern direkt zur Hand, wenn mich jemand um ein paar Cent bittet. Und ich werde oft gebeten. Vermutlich sieht man es den Menschen irgendwann an, ob man sie fragen kann oder nicht. Ob sie sich verschlossen geben oder hilfsbereit. Ich muss zugeben, es kommt bei mir stark darauf an, wie man auf mich zugeht. Ob man überhaupt auf mich zugeht. Und vor allem schaue ich den Menschen in die Augen. Ich bilde mir ein, Spuren eines Lebens auf der Straße in den Augen sehen zu können. Manchmal lehne ich ab. Dann verneine ich. Das passiert entweder dann, wenn ich am Ende des Monats selber kaum noch genug Geld habe, um noch einmal einkaufen zu gehen, oder dann, wenn man unfreundlich zu mir ist oder stark nach organisiertem Betteln aussieht. Ich bin natürlich kein Profi. Ich kann nicht unbedingt erkennen, wer mich anlügt und wer nicht. Dennoch sortiere ich. Vielleicht ist das falsch. Keine Ahnung.

Heute hat man mich nach etwas zu essen gefragt. Ein Obdachloser in einem Rollstuhl hat mich angesprochen als ich auf dem Heimweg ein Brötchen kaufen wollte. Er wolle kein Geld, aber er hätte so Hunger, ob ich ihm helfen könne? Ich war schon spät dran und dachte eigentlich daran, die Schlange vor der Kasse zu verlassen, da ich meinen Zug nicht verpassen wollte. Aber dann wiederum wollte ich auch nicht einfach weggehen und ihn dort stehen lassen. Er hat um Hilfe gebeten. Das kostet so viel Überwindung und ich weiß das. Also habe ich mein Brötchen gekauft und ihm ebenfalls eines. Mein Zug war abgefahren, ich habe ihm das Essen gereicht und ihm einen guten Appetit gewünscht, habe ihn angelächelt und bin gegangen. Die Blicke der Menschen um mich herum haben mich förmlich durchbohrt. Auf meinen nächsten Zug musste ich 30 Minuten lang warten. Während dieser Zeit wurde ich noch von zwei Obdachlosen am Bahnsteig angesprochen. Jedes Mal habe ich ihnen etwas gegeben und jedes Mal haben die Umstehenden mich angestarrt wie eine Aussätzige.

Was ich mich frage: Wann ist es verwerflich geworden, jemandem etwas Gutes zu tun? Immer wenn ich das tue, fühle ich mich zurückversetzt in meine Schulzeit. Dann bin ich wieder die Außenseiterin, die Spinnerin, die Gemobbte. Ich schrumpfe innerlich zusammen und möchte verschwinden, aber gleichzeitig rebelliert mein Inneres und schreit mich an. Du hast nichts Falsches getan! 

Ist es denn der richtige Weg, Elend auszublenden und Hilfe zu verweigern? Wie kam es dazu, jeden Menschen unter Generalverdacht zu stellen, zu verurteilen, abzustrafen mit Ignoranz? Hat nicht jeder von uns zumindest ein bißchen Respekt verdient? Und selbst wenn ich nichts tun will, kann ich doch wenigstens ein „Nein, tut mir leid.“ von mir geben. Nicht einfach wegsehen. Als wäre der andere gar nicht existent. Das ist die schlimmste Form von Strafe, Rache, Abschätzigkeit und Missgunst. Wenn du für die Welt nicht existierst, dann bist du nicht mal so viel wert wie der Dreck unter den Schuhen der anderen. Niemand sollte sich jemals so fühlen müssen.

Ich werde mich weiterhin anstarren lassen. Werde weiterhin Kleingeld in meiner Hosentasche mit mir tragen. Vielleicht ist das dumm, vielleicht naiv. Aber vielleicht macht es den Tag eines Menschen einfach ein bißchen besser.

Schmusekater

Es ist Herbst geworden. Nach dem langen und heißen Sommer hat nun endlich meine liebste Jahreszeit begonnen und ich kann mich wieder einkuscheln in Decken, Pullover, Jacken, Schals… Ich fühle mich langsam wieder wohler in meiner Haut, in meiner Umgebung und mit den Entscheidungen, die ich in den letzten Wochen getroffen habe. Dazu trägt noch etwas bei, das mich so glücklich macht, wie lange nichts mehr.

Das klingt jetzt vielleicht etwas blöd, aber… Jahrelang hat Tabby immer nur sporadisch schmusen wollen, war zwar der liebste und offenherzigste Kerl, den man sich vorstellen konnte, aber eben nicht wirklich verkuschelt. Während Snorre sich öfter mal auf meinen Bauch oder Rücken gelegt hat oder eben immer bei mir lag, wenn ich auf dem Sofa gelümmelt habe, war Tabby stets etwas auf Abstand. Seit einigen Wochen aber ist er der reinste Schmusekater geworden. Immer noch unabhängig, aber er fordert öfter seinen Platz auf meinem Bauch ein, kuschelt sich in meine Armbeuge, legt sich sogar auf meinen Schoß, während ich vor dem Fernseher sitze und Videospiele spiele. Ich bin völlig überwältigt davon, weil er meine Nähe nie so gesucht hat. Und das macht mich einfach so unheimlich glücklich, dass ich gar nicht genau weiß, wohin mit dieser Freude. Und darum muss ich sie heute hier teilen. Egal, wie albern das sein mag.

Connichi 2018: Zum letzten Mal.

Es ist traurig, aber wahr. An diesem Wochenende ist (nicht nur für mich) eine Ära zuende gegangen. Die Connichi war in den 17 Jahren ihres Bestehens immer meine liebste Convention und ich werde es sehr vermissen, daran teilzunehmen. Aber aus diversen Gründen, die ich später noch anreissen werde, ist das für mich in Zukunft keine Option mehr. Das hinter mir liegende Wochenende war durchzogen von Spaß, Stress, neuen Eindrücken und Erfahrungen und ich habe on top noch einige neue Bekanntschaften machen dürfen, was für mich auf Conventions bereits recht selten geworden ist. Und bis zum Sonntagabend war es im Grunde auch der perfekte Abschluss – doch dazu später ein wenig mehr.

Seit Jahren sind meine Freunde bereits als Helfer auf der Connichi unterwegs und dieses Jahr hatte ich mich im Vorfeld auch verpflichten lassen. Bisher hatte ich nie mit dem Gedanken gespielt, aber als der Aufruf kam, dass noch tatkräftige Hilfe gebraucht wird, dachte ich daran, dass ich alternativ einfach den ganzen Tag allein rumsitzen würde. Und das wäre ja auch irgendwie blöd gewesen. Also habe ich mich für das Matsuri beworben: das japanische Fest, das im Innenhof stattfand. Eingeteilt wurde ich zusammen mit meiner Freundin für die Fotoecken und das fand ich schon ziemlich episch, denn erstens bin ich mit den Projektleitern befreundet und zweitens interessiere ich mich für Cosplay und Fotografie. Also der perfekte Platz für mich!

Am Donnerstagabend ging’s los und ich war mal wieder voll im Stressmodus, weil ich erst sehr spät zu packen begonnen habe. Ich hasse das einfach. Packen ist eines der schlimmsten Dinge am Wegfahren und so schiebe ich das einfach immer bis zur letzten Sekunde vor mir her. Die Fahrt verlief zum Glück recht ereignislos. In Kassel angekommen gab es ein kleines Treffen mit einigen unserer Gruppe und ein bißchen Smalltalk bis in die Nacht.

Freitagvormittag begaben wir uns in den Innenhof, wuselten schon mal in den Fotoecken herum und erstellten einen Schichtplan für das Wochenende, damit auch jeder die Programmpunkte sehen konnte, die für ihn wichtig waren. Zum Glück wuchs unser Team während des Vormittags noch auf 8 Leute an, sonst wäre es etwas schwierig geworden, da eine gute Abdeckung hinzubekommen. Leider mussten wir aber auch Bekanntschaft mit einem Herrn machen, der partout nicht verstehen wollte, dass unser Team voll war und dass er nicht als Fotograf in den Fotoecken arbeiten konnte. Mal abgesehen davon, dass dieser Mensch hochgradig unsympathisch und unverschämt war und sofort an allem etwas auszusetzen hatte, was in unserem Bereich aufgebaut worden war, hat er den Projektleitern bei diversen Diskussionen auch noch dreist ins Gesicht gelogen. Das zog sich über mehrere Stunden und endete schließlich damit, dass er als Helfer ausgeschlossen wurde. So etwas habe ich noch nicht erlebt und war deswegen nicht nur aufgebracht, sondern auch regelrecht entsetzt. Aber die Menschen im Helferzimmer mussten sich ja noch andere Geschichten anhören. Wie zum Beispiel die des Kerls, der seine Helfersachen abholen wollte und gesagt bekam, er solle sich bitte in seinem Bereich melden. Die Antwort darauf war (Kein Scheiß!): „Nee, das ist mir jetzt schon zu stressig. Hier, nehmt das Ticket zurück, ich steige als Helfer aus.“ Was zum…? Was denken die Menschen eigentlich, wofür so ein Helfer da ist? Zum Däumchen drehen? Nun ja…

Wir verbrachten den Tag jedenfalls gut gelaunt in unserem Bereich und ich war auch gar nicht so sozial inkompetent wie sonst! Ich war vorrangig bei den traditionell japanisch eingerichteten Bereichen zugange und habe dort Leute zu Fotos ermuntert, zwischendrin etwas aufgeräumt, die Einhaltung der Nutzungszeiträume überwacht und so weiter. Die Besucher waren wirklich nett und nur vereinzelt seltsam. Abends konnte ich mir das Konzert von Benyamin Nuss anschauen und das war wirklich richtig schön und hat den Abend noch gut abgerundet.

Am Samstag startete der Tag leider sehr früh, denn wir hatten eine kleine Cosplaygruppe geplant und mussten uns dementsprechend vor unserer Schicht noch schminken und anziehen. Dabei hatte ich noch Glück, denn ich musste nicht sofort um neun Uhr an den Stand, sondern konnte vorher noch mit Kira, dem Hund einer der Organisatorinnen, spazieren gehen. Da ich ja ein absoluter Tiernarr bin, war das für mich ein totales Highlight. Dass mich auf dem Weg noch eine ältere Dame ansprach, ob ich auch zu der „Mango-Party“ gehen würde, war einfach noch zusätzlich lustig. Meine Schicht in der Fotoecke war relativ entspannt, auch wenn echt viel los war. Samstag ist ja immer der Tag mit den meisten Besuchern und die Cosplayer tragen die fettesten Kostüme, die sie finden können. Das stellte unsere Einrichtung teilweise wirklich auf die Probe. Meterlange Schwänze und ausladende Rüstungen vertragen sich einfach nicht so gut mit Papierschirmen und empfindlichen Trennwänden. Ging aber zum Glück alles gut.

Am Nachmittag hatten wir Pause und waren zum Köttbullaressen im Helferzimmer verabredet. Aber welch Drama! Es gab keine Köttbullar mehr! Dabei hatten wir uns schon stundenlang darauf gefreut. Zum Glück erhörte man unser Flehen und die kleinen Fleischbällchen wurden noch einmal zubereitet. Also auch noch wirklich lecker gegessen. Sehr gut für die Stimmung! Blöderweise erwischte mich nach dem Essen ein ziemlich fieser Kopfschmerz. Ich habe zwar sofort eine Tablette eingeworfen, war aber dennoch für gut eine Stunde außer Gefecht gesetzt und konnte meine nächste Schicht erst verspätet antreten. Das war mir echt unangenehm, aber kannste nix machen. Abends waren wir noch im Eckstein und haben zu Abend gegessen. Das ist so eine Art Tradition geworden und immer sehr lustig. Blöd war nur, dass die Stadtverwaltung von Kassel sich dachte: „Oh, an diesem Wochenende ist die Connichi? Na, dann lassen wir auch mal das Quartierfest stattfinden und alle Bahnen ausfallen, die zur Stadthalle fahren, hahahahaha! Ein großer Spaß!“ Wir hatten Glück, dass wir mit dem Auto zurück fahren konnten. Übrigens die lustigste Autofahrt seit vielen Jahren. Ich werde bei Hooked on a Feeling von heute an nur noch daran denken. Später waren wir noch im FSK 18-Synchroworkshop und es war so unglaublich lustig. Ich wollte ja schon seit Jahren mal da hin und mir anhören, wie Hentais völlig schwachsinnig und ohne Skript vertont werden. Hat sich auf jeden Fall gelohnt. Schade, dass ich nicht schon früher mal dazu gekommen bin.

Sonntag brach der Tag für mich wieder mit einer Hunderunde und Standdienst an. War ziemlich entspannt und auf dem Hundeweg hatte ich auch nette Gesellschaft. Dann die Überraschung: Ich habe jemanden getroffen, den ich wirklich seit 10 Jahren nicht mehr gesehen habe, und ich habe mich so unglaublich darüber gefreut. Dass ich ihn überhaupt erkannt habe, hat mich etwas gewundert. Anschließend haben wir mit ein paar Leuten den WCS-Vorentscheid geschaut und mit dem Gewinnerteam bin ich 100% einverstanden. Sehr verdient gewonnen. Ich hoffe, sie rocken nächstes Jahr Japan. Der Rest des Tages plätscherte so vor sich hin. Die Besucherströme wurden weniger, ich konnte mir sogar noch ein Crêpe genehmigen (Leider war Banane mit drauf, iiiiiih!) und letztendlich ging es an den Abbau.

Und hier kommen wir zu dem Teil, der ein wenig Drama beinhaltet und außerdem eine kleine Ausführung darüber, warum ich diese Veranstaltung in Zukunft nicht mehr besuchen werde.

Wer es noch nicht mitbekommen hat: Beinahe die komplette Orga der Connichi hat sich aus der Veranstaltung zurückgezogen bzw. tut es jetzt nach dem Ende der Convention. Als die Nachricht vom Ausstieg der Orgas öffentlich wurde, ging natürlich ein riesiger Aufschrei durch die Szene, weil man Angst hatte, dass die Con nicht weitergeführt wird. Aber natürlich haben sich Leute gefunden, die sich mit der Fortführung beschäftigen. Dass nicht jedem gefällt, wer demnächst die Verantwortung zu tragen hat, ist klar. Wie überall gibt es Kleinkriege und Antipathien und am besten hält man sich da raus, so lange und so gut es möglich ist. Da aber auch ich mich von gewissen Vorbehalten nicht freisprechen kann, war ich schon im Vorfeld der Veranstaltung unschlüssig, ob die Connichi für mich weiterhin eine Convention sein kann, auf die ich gerne gehe und die ich genießen kann.

Nach dem letzten Abend stand für mich fest: Nein, das kann sie nicht.

Für mich kann es einfach nicht angehen, dass Leute in einem Organisationsteam, die für die Führung von so vielen Menschen zuständig sind, mit eben diesen nicht kommunizieren und sich dadurch Situationen ergeben, die Intrigen nicht unähnlich sind. Und dass es dann, wenn die Katastrophe losbricht, auch völlig egal ist, ob da gerade jemand mit einem Nervenzusammenbruch sitzt oder ob sich jemand anderes die Augen ausheult, weil Entscheidungen mit Vitamin B und ohne Klärung mit eigentlich noch Verantwortlichen getroffen wurden. Ein völlig gefühlloses Rumtrampeln auf alten Weggefährten. Das ist nicht fair und so behandelt man einfach niemanden. Und da ich kein Team unterstützen möchte, das sich anderen gegenüber so verhält, werde ich auch die Connichi nicht mehr unterstützen. Für mich sind wichtige Bestandteile dieser Veranstaltung am letzten Abend eines großartigen Wochenendes gestorben. Miteinander, Respekt, ein nettes Zusammentreffen von Fans für Fans organisiert: Das ist die Connichi nicht mehr für mich. Nicht so. Nicht unter einer Leitung, die diese Werte nicht auch lebt.

Nach 17 Jahren verabschiede ich mich also. Es waren tolle Zeiten und ich werde mich immer gern an sie erinnern. Danke an alle Menschen, die das alles möglich gemacht haben, die mich begleitet haben auf diesem Weg und an jeden einzelnen Besucher, der diese Veranstaltung so großartig gemacht hat. (Außer an die Blumenbeettrampler und Müllverteiler. Euch danke ich nicht.)

Die Jagd

Ich glaube, das interessanteste am ganzen Dating-Geschiss ist die Jagd nach dem Gegenüber. Das langsame Anschleichen, die leisen Andeutungen eines Angriffs, das Beobachten und Beurteilen der Opferreaktion und dann letztendlich der Angriff und der Todesbiss. All das trägt in sich einen solchen Nervenkitzel, dass es schwer ist, nicht immer und immer danach zu suchen.

Aber ehrlich gesagt: Ich bin es leid. Ich will kein Jäger sein und auch keine Beute. Ich will mich im Moment nicht darum scheren müssen, wer einen eventuell aus welchen Gründen toll finden könnte oder aus welchen nicht. Das ist mir zu anstrengend, zu verkorkst und auch zu unehrlich. Wenn ich eines in den letzten anderthalb Jahren gelernt habe, dann dass ich fürs Bett gut genug bin, für alles andere aber nicht in Frage komme. Dafür bin ich mir zu schade. Ich möchte keine Notlösung sein und auch nicht die immer verfügbare Frau ohne Ansprüche.

Vor ein paar Tagen wurde ich gefragt, was ich mir denn wünschen würde. Die Antwort ist sehr simpel: Ich möchte jemandem wichtig sein. Jemandem, der mir auch wichtig ist. Ob dabei eine Beziehung bis ans Ende des Lebens entsteht oder nicht, das ist mir jetzt gerade piepegal. Woher soll ich wissen, was morgen oder nächste Woche sein wird? Es geht mir nicht darum, jemanden an mich fesseln zu wollen. Ich möchte nicht an einen Mann gekettet sein, der mich meiner Freiheit beraubt. Aber – und das ist wichtig – dabei rede ich von meiner geistigen Freiheit, nicht von einem Freifahrtschein zum Rumvögeln. Da mache ich nicht mit. Ich will nicht die eine aus zwanzig sein, die man nur anruft, wenn man es gerade mal wieder nötig hat. Ich will die Eine sein.

Da ich das nicht bekommen kann, ziehe ich mich aus der Jagd zurück. Aus diesem Spiel, das bis aufs Blut geht. Meine letzte Begegnung mit einem flirtwilligen Mann hat mich aller Lust auf dieses Hin und Her beraubt. Ich bin nicht wütend deswegen. Nicht mal enttäuscht. Ich fühle diesbezüglich gar nichts. Man sagte mir, ich solle doch froh sein, dass man mich sexy findet. Das müsse meinem Selbstbewusstsein gut tun. Vielleicht ist das schwer zu verstehen, aber eigentlich macht es genau das Gegenteil mit mir. Auf lange Sicht. Im ersten Moment fühlt man sich natürlich geschmeichelt, aber wenn die Richtung klar wird und man es wieder nur bis ins Schlafzimmer schafft, dann fällt das Ego in sich zusammen. Weil man merkt, dass man nur benutzt wird. Das Innere, das eigene Wesen… Das zählt nicht. Und das ist es doch eigentlich, wofür wir geliebt werden wollen.

Wenn mich also niemand um meinetwillen lieben kann oder will, dann muss ich das selber tun. Dafür muss ich allein sein mit mir. Ich will allein sein mit mir. Kein Geifern, kein Lauern, keine Jagd. Stattdessen Fellpflege und Winterschlaf. Darauf freue ich mich.

Podcast-Projekt: „Taschenuschis“

So, ihr Hübschis. Heute mal Werbung in eigener Sache. Klingt vielleicht etwas selbstverliebt, soll es aber gar nicht. Das ist wieder so ein Ding aus der Kategorie „Ich möchte gesehen werden.“ und bedeutet: Da läuft ein neues Projekt und ich möchte es mal zum Zeigen rumreichen.

Die Mel und ich haben uns tatsächlich getraut und einen Podcast gestartet. Ja, echt jetzt. Ich muss immer noch ein bißchen drüber lachen. Gerade ich, die ihre Stimme früher so sehr gehasst hat, redet jetzt jede Woche über irgendwelchen Kram frei ins Internet hinein. Hätte ich vor ein paar Jahren auch nicht für möglich gehalten.

Wir nennen uns DIE TASCHENUSCHIS (<<<< klick mich) und bisher haben wir sage und schreibe viereinhalb Folgen veröffentlicht. Die halbe Folge ist eigentlich die erste und nicht nur inhaltlich etwas fragwürdig, sondern auch technisch eher unterste Schublade. Aber wir hatten Spaß und versuchen jetzt, uns etwas zu verbessern.

Unter dem Link findet ihr die Kanäle, über die wir derzeit veröffentlichen. Wir versuchen einen wöchentlichen Rhythmus einzuhalten und bleiben dabei natürlich voll unprofessionell. Ist ja klar.

Wenn ihr also gerne Podcasts hört und einen etwas dreckigen bis mitunter infantilen Humor mögt, dann würde ich mich freuen, wenn ihr zu unseren Hörern stoßt. (Ja, wir haben tatsächlich welche!) Wenn nicht, dann geht raus in die Sonne oder an den Baggersee oder pult euch an den Füßen. Was immer euch Spaß macht. Genießt das Leben!